Reinbek () ist eine Mittelstadt im Kreis Stormarn im Süden Schleswig-Holsteins. Sie gehört zur Metropolregion Hamburg.
Geografie Geografische Lage und Ortsteile Das Gebiet der Stadt Reinbek erstreckt sich im östlichen Umlandbereich Hamburgs am Rand der südlichen Hohen Geest am westlichen sowie nördlichen Ufer der im Gemeindegebiet teilweise zum Mühlenteich aufgestauten Bille. Die Gemarkung umfasst die als Siedlungskerne strukturierten Ortschaften Alt-Reinbek, Hinschendorf, Schönningstedt, Neuschönningstedt, Ohe mit Büchsenschinken und das jüngere Neubaugebiet Krabbenkamp (siehe auch Liste der Bezirke und Stadtteile Reinbeks).
Zwischen den Ortschaften befindliche Flurstücke werden teilweise landwirtschaftlich bewirtschaftet und vielfach als städtisches Naherholungsgebiet genutzt. Sie sind geprägt durch ihre landschaftliche Zugehörigkeit zur naturräumlichen Haupteinheit Hamburger Ring (Nr. 695).
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet der Stadt Reinbek ist unmittelbar umschlossen von:
Landschaft Das Gemeindegebiet der Stadt Reinbek umfasst sowohl Siedlungsbereiche als auch Außenbereiche in Wald und Flur. Die verschiedenen Ortschaften sind überwiegend von Einzelhäusern geprägt. Rund um den Täby-Platz und das Paul-Luckow-Stadion bestehen aber auch Bereiche, die Mietwohnungen in mehrstöckigen Wohnhäusern im Stil der 1960er Jahre umfassen. Das höchste unter ihnen ist das sogenannte Sachsenwald-Hochhaus mit 20 Stockwerken. Das äußere Stadtgebiet nach Osten hin wird hingegen stark von den westlichen Ausläufern des Sachsenwaldes geprägt.
Geschichte
Von der Besiedlung des heutigen Reinbeker Gebietes in bereits vorgeschichtlicher Zeit zeugen zahlreiche Hügelgräber. Die erste urkundlich überlieferte Erwähnung Reinbeks datiert allerdings erst auf das Jahr 1238 und geht auf die Gründung des gleichnamigen Zisterzienserinnenklosters (siehe Kloster Reinbek) zurück. Die ältesten bekannten Schreibformen des Ortsnamens sind (ville) Reinebec (1238), (in) Reynebeke (1309 und 1350), (to deme) Reynenbeke (1400) und (tome) Rynenbeke (1466); der Name wird als Kompositum aus dem Grundwort bek für „Bach“ und dem Adjektiv „rein“ als Bestimmungswort gedeutet.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., S. 538. Nach der Zerstörung des Klosters (1534) gewann der Ort erst mit dem Bau der Schlossanlage (1572) wieder an Bedeutung. mini|Reinbeker Schlosspark im Herbst mini|Der Mühlenteich und das Reinbeker Schloss im Winter Die Ansiedlung von Handwerkern im späten 18. Jahrhundert brachte endlich wirtschaftliches Wachstum. Einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung des Ortes gab jedoch der Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin (1846): Reinbek wurde vorübergehend zum Kurort und beliebten Ausflugsziel. Die alte Schreibweise „Reinbeck“ wurde am 1. September 1877 durch eine Anordnung über die einheitliche Regelung der Schreibweise für Ortsnamen von der Provinzialregierung in Schleswig in „Reinbek“ geändert.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Deutschland schrittweise besetzt. Am 3. Mai 1945 besetzten britischen Truppen auch Reinbek, das benachbarte Glinde sowie den letzten Teil des noch unbesetzten Stormarns.Hamburger Abendblatt: Kriegsende. Vor siebzig Jahren kapitulierte die Stadt Ahrensburg, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 31. Mai 2017. Des Weiteren begann am Nachmittag des Tages auch die Besetzung Hamburgs, die zuvor in der Villa Möllering bei Lüneburg vereinbart worden war. Einen Tag später unterschrieb zudem Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich zuvor mit der letzten Reichsregierung in den Sonderbereich Mürwik abgesetzt hatte, die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande. (16. Seiten). Die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai 1945. Zum Kriegsende erlebte Reinbek einen verstärkten Zuzug von Flüchtlingen und durch Kriegseinwirkung obdachlos gewordenen Hamburgern.
Seit den 1960er Jahren wurden mehrere Gewerbegebiete erschlossen und erweitert. Am 28. Juni 1952 erhielt Reinbek das Stadtrecht. Am 1. Januar 1974 wurden die Gemeinde Schönningstedt (mit Neuschönningstedt und Ohe) sowie ein Teil der Gemeinde Glinde mit damals etwa 100 Einwohnern und ein Teil der aufgelösten Gemeinde Stemwarde eingegliedert. Im Jahre 1978 kam das bisher landwirtschaftlich genutzte Gebiet Krabbenkamp, das vormals zu Schönningstedt gehörte, als weiterer Stadtteil hinzu.
Konfessionsstatistik Gemäß des Zensus 2022 waren 28,0 % der Einwohner evangelisch, 8,4% römisch-katholisch und 63,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.
Religion
Reinbek gehörte ursprünglich zum Kirchspiel Steinbek, bis es 1894 zu einer eigenständigen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde wurde. Die neogotische Kirche (heute Maria-Magdalenen-Kirche) wurde 1901 errichtet. 1908 gründete sich die römisch-katholische Kirchengemeinde, die 1953 die Herz-Jesu-Kirche erbauen ließ. Einige Gemeinden in der Stadt sind: Ansgar-Kirchengemeinde Schönningstedt-Ohe (evangelisch-lutherisch) Kirchengemeinde Gethsemane Neuschönningstedt (evangelisch-lutherisch) Maria-Magdalenen-Kirche (evangelisch-lutherisch) Nathan-Söderblom-Kirche (evangelisch-lutherisch) Herz-Jesu-Gemeinde (römisch-katholisch) Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)
Von 1883 bis Anfang 2026 bestand in Reinbek ein Konvent der Kongregation der Schwestern von der hl. Elisabeth (Graue Schwestern), die auch das Krankenhaus Reinbek St.Adolf-Stift gründeten und betreuten. Die letzten elf Schwestern zogen in das Altenheim St. Elisabeth auf dem Gelände des Krankenhauses.Vergelt’s Gott für 143 Jahre in Reinbek!, Meldung des Erzbistums Hamburg vom 5. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026.
Politik Stadtvertretung
Die letzten vier Kommunalwahlen am 14. Mai 2023Der Landeswahlleiter: , am 6. Mai 2018, am 26. Mai 2013 und am 25. Mai 2008 führten zu folgenden Ergebnissen:
Liste2023201820132008%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeCDU31,11227,5930,71033,613SPD18,7720,7626,6824,39GRÜNE22,8822,1717,2515,45Forum2111,2411,0313,2413,04FDP16,2617,0510,9313,85Puls——1,711,51——gesamt100,037100,031100,031100,036Wahlbeteiligung45,5 %
Bürgermeister mini|Reinbeker Rathaus Bürgermeister von Reinbek ist seit 2014 Björn Warmer (SPD). Er wurde zuletzt bei der Bürgermeisterwahl am 10. Mai 2026 mit 86,6 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt.
Amtszeit Name von bis 17. Februar 1931 13. September 1945 Eduard Claußen (NSDAP)Eduard Claußen, museumsverein-reinbek.de.Claußen half trotz seiner NSDAP-Zugehörigkeit im Rahmen seiner Möglichkeiten mehreren jüdischen Einwohnern und sorgte dafür, dass Reinbek kampflos den Engländern übergeben wurde, vgl. dazu: Detlev Landgrebe: Kückallee 37. Eine Kindheit am Rande des Holocaust. Rheinbach 2009, ISBN 978-3-87062-104-9, S. 163, S. 167 u. a. 15. Dezember 1945 31. Januar 1946 Wilhelm Kleist 1. Februar 1946 22. September 1946 Carl Dobbertin 23. September 1946 11. November 1948 Alwin Hemken 12. November 1948 28. April 1950 Carl Dobbertin 28. April 1950 31. März 1951 Wilhelm Kleist 1. April 1951 31. Dezember 1971 Hermann Körner 1. Januar 1972 31. Januar 1990 Günther Kock 1. Februar 1990 31. Januar 1996 Manfred Neumann 1. September 1996 31. August 2008 Detlef Palm 1. September 2008 31. August 2014 Axel Bärendorf 1. September 2014 Björn Warmer
Wappen Blasonierung: „In Rot ein silberner Wellenbalken, begleitet von drei im Dreipass mit den Stielen einander zugekehrten Eichenblättern, und zwar zwei oben und einem unten.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein].
Die Blätter, in ihrer Anordnung an das Wappen der Familie Bismarck angelehnt, versteht man als Symbole für den Sachsenwald, während das Band für die Bille steht. Eine ähnliche Symbolik findet sich auf den Wappen der Nachbarorte Wohltorf und Aumühle; die Farben Rot und Weiß entsprechen den Wappen Holsteins und Stormarns. Das Wappen wurde 1935 genehmigt.
Städtepartnerschaften 1956–2011: Städtefreundschaft mit Täby (Schweden). Der Marktplatz in Reinbek-Klosterbergen, der Täbyplatz, wurde nach der Partnerstadt benannt. Seit 1961: Städtefreundschaft mit Königslutter am Elm (Niedersachsen). Seit 1974: Patenschaft zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Ohe und der Gemeinde Padasjoki (Finnland). Seit 1999: Städtepartnerschaft mit Koło (Polen).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Reinbeker Schloss mini|Ehemaliges Museum Rade
Theater, Kino und Museen Das Kultur- und Kongresszentrum Sachsenwald-Forum bietet ein wechselndes Programm von Tournee- und Privattheatern. Der Filmring Reinbek e. V. führt ehrenamtlich monatlich jeweils am ersten Montag eine Kinoveranstaltung im Sachsenwaldforum durch. Das gegenüber vom Schloss gelegene Museum Rade stellte die Sammlung volkstümlicher Kunst des Hamburger Schriftstellers und Kunstsammlers Rolf Italiaander aus. Seit Sommer 2017 ist das Museum dauerhaft geschlossen, die Sammlung wurde Ende 2018 ins Schloss Reinbek verlegt
hochkant|mini|Maria-Magdalenen-Kirche
Bauwerke mini|„Dänenbrücke“ von 1793 mini|Bismarcksäule Verschont von den Zerstörungswellen des Zweiten Weltkrieges, zeigt Reinbeks Stadtarchitektur ein kontinuierliches Bild durch die Epochen norddeutscher Baugeschichte, angefangen bei der niederländischen Renaissance und alten Bauernkaten, über großbürgerliche Villen der Kaiserzeit, Klinkerexpressionismus der Weimarer Republik und Wohngroßbauten der 1970er bis hin zu einer eher behutsamen Architektur der 1990er Jahre.
Ältestes und bedeutendstes Bauwerk ist das Schloss Reinbek im Stil der Niederländischen Renaissance. Herzog Adolf I. von Gottorf ließ das Schloss zwischen 1572 und 1576 in seiner heute noch vorhandenen Form errichten. Zunächst Nebenwohnsitz des Landesherren, war das Schloss in dänischer Zeit Residenz des Amtmannes und später kurzzeitig der Sitz des Landratsamtes für den Kreis Stormarn. Heute steht das originalgetreu restaurierte Gebäude für öffentliche Nutzung zur Verfügung.
Über die 1793 erbaute DänenbrückeDänenbrücke auf kultur-stormarn.de, abgerufen am 6. Juli 2024., in unmittelbarer Nähe zum Schloss, verlief einst der Verkehr zwischen dem dänischen Amt Reinbek und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg.
Die Schönningstedter Mühle, erbaut 1886, wurde seit der Stilllegung (1968) als Gaststätte betrieben. Sie wurde durch einen Brand (1991) vollständig zerstört und danach durch einen Neubau ersetzt.
Die Bismarcksäule auf dem Hammelsberg zwischen den Ortsteilen Krabbenkamp und Schönningstedt, in der Nähe des ehemaligen bismarckschen Guts Schönau, wurde 1903 fertiggestellt. Das 19 Meter hohe Monument entspricht dem üblichen Bismarcksäulen-Typus eines Feuerturmes, den Wilhelm Kreis 1898 entworfen hatte, und wurde aus Mitteln der deutschen Studentenschaft finanziert. Der Turm steht seit 1989 unter Denkmalschutz.
In Reinbek gibt es sieben Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus.Stolpersteine: Reinbek.
In der Liste der Kulturdenkmale in Reinbek stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
Grünflächen und Naherholung Die Wald- und Wiesenlandschaft in und um Reinbek sowie der Schlosspark laden zum Spazieren, Wandern und Radfahren ein. Auf der Bille und auf dem Mühlenteich werden Kanufahrten veranstaltet.
Sport Das Freizeitbad Reinbek und der angrenzende Sport-Park Reinbek bieten neben einem Hallenbad mit Außenschwimmbecken auch eine Sauna und verschiedene Sportprogramme an. Die TSV Reinbek und der FC Voran Ohe bieten verschiedene Sportarten an.
Wirtschaft, Infrastruktur, öffentliche Einrichtungen Unternehmen Reinbek zeichnet sich durch eine vielfältige, vorwiegend klein- und mittelständische Wirtschaftsstruktur aus.