Gossau (im zürichdeutschen Ortsdialekt Goossau Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V, 1b.) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie liegt im Zürcher Oberland, im oberen Glatttal zwischen Wetzikon und Forch, und gehört zum Bezirk Hinwil.
Geographie Gossau grenzt im Westen an den Bezirk Uster, im Norden an Wetzikon, im Osten an Bubikon und im Süden an Grüningen. Zur Gemeinde Gossau gehören die Ortschaften resp. Wachten Bertschikon, Grüt, Ottikon, Herschmettlen und Gossau-Dorf. Hinzu kommen einzelne Weiler wie der Hellberg oder die Brüschweid.
Gossau und seine Wachten liegen eingebettet in eine von über 150 Drumlins geprägten Landschaft, ein Überbleibsel aus der Eiszeit. Auf den bewaldeten Hügeln und in den moordurchzogenen Senken entwickelten sich nach und nach die Siedlungen.
Die Luftdistanz zur Stadt Zürich beträgt 18 Kilometer, die Gemeindegrenze ist 27,2 Kilometer lang, Staats- und Gemeindestrassen umfassen 98 Kilometer und Flurstrassen 120 Kilometer. Von der Gemeindefläche dienen 66,4 % der Landwirtschaft, 14,1 % sind mit Wald bedeckt, 5,3 % sind Strassen und 13,7 % Siedlungsgebiete, Gewässer nehmen 0,1 % der Fläche in Anspruch (2010).
Wappen Blasonierung: In Gold ein steigender roter Fischotter und ein schwarzes, mit einem silbernen Ball belegtes Schildhaupt
Dorfwappen
Der Otter wurde aus dem alten Wappen von Ottikon übernommen, der silberne Ball steht für Gossau-Dorf. Das Gemeindewappen wurde 1930 eingeführt und ersetzte ein komplexeres Wappen, das auch Elemente für die Ortsteile Herschmettlen, Bertschikon und Grüt enthielt.«1805 tauchte erstmals ein Gossauer Siegel auf, das die Wappen aller fünf örtlichen Wachten enthielt. Zwei Tonpfeifen für Herschmettlen, ein silberner Ball für Gossau-Dorf, drei rote Rosen für Bertschikon, zwei Schilfbündel fürs Grüt und der Fischotter für Ottikon. Bis 1930 hielt sich das Patchwork-Wappen. Danach wurde es durch den heute bekannten Otter mit Silberball über dem Kopf ersetzt, also die beiden Zeichen von Gossau-Dorf und Ottikon.» Zürcher Oberländer, .
Der Fischotter im Wappen der Wacht Ottikon wurde von der politischen Gemeinde Gossau deshalb als zentrales Motiv für ihr Gemeindewappen erkoren, weil sich dieses Schildmotiv als einziges der Gossauer Wachtenwappen direkt auf Gossau zurückverfolgen lässt. Die Darstellung des Otters geht auf ein in Ottikon ansässiges und damit Gossauer Adelsgeschlecht zurück.
Wappen von Gossau Dorf
Der silberne Ball mit gelben Band auf schwarzem Grund geht ebenfalls auf ein Adelsgeschlecht zurück, nämlich auf das Wappen der Familie Schmid aus Wetzikon. Ableger dieses Geschlechtes sind ab 1204 in Zürich bezeugt und haben seither Bürgermeister, Ratsherren und Landvögte gestellt. Ab 1627 tauchen die Schmids als Inhaber der Burg und Herrschaft Kempten (Wetzikon) auf, womit sie auch in den Besitz der Helfereipfrund Gossau gelangen (in einer Helferei lebten die Hilfspfarrer). Mitglieder der Familie werden so in Gossau heimisch und steigen im 17. Jahrhundert sogar zur Führungselite des Dorfes auf.Galliker, Hans-Rudolf und Binder, Thomas-Peter. Gossau – Von bitterer Armut zum beliebten Wohnort. Gossau 2014.
Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1634 1730 1870 1910 1941 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2011 2012 2013 2014 2015statistik.zh.ch 2016statistik.zh.ch 2017statistik.zh.ch 2018statistik.zh.ch 2019statistik.zh.ch Einwohner 875 1'649 3'089 2'339 2'387 3'276 4'789 4'892 7'157 8'796 9'599 9'681 9'754 9'811 9'791 9'744 9'791 9'937 10'198 10'254 In Gossau gibt es 5465 Haushalte (2016). Der Ausländeranteil beträgt 14,59 % (2016). Steuerfuss (ohne Kirchen): 219 %. (2016)
Religion Am 31. Dezember 2016 gehörten 42,6 % der Bevölkerung der evangelisch-reformierten Kirche und 24,4 % der römisch-katholischen Kirche an.http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/aktuell/mitteilungen/2012/bev_2011.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
In Gossau vertreten ist auch die Freikirche Chrischonahttp://chrischona-gossau.ch/ (abgerufen am 27. Februar 2012). sowie die neuapostolische Kirche.http://www.gossau-zh.ch/gossau/kirchen.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
Politik Legislative Die Stimmbürger sind das oberste Organ der politischen Gemeinde. Sie wählen den Gemeinderat, die Rechnungsprüfungskommission, die Sozialbehörde und entscheiden an der Urne oder in der Gemeindeversammlung über die wichtigsten Geschäfte der Gemeinde.
Exekutive Alle vier Jahre wählen die Stimmberechtigten an der Urne einen derzeit siebenköpfigen Gemeinderat (inkl. Präsident). Gemeindepräsident ist seit 1. Juli 2026 Daniel Wäfler (SVP).Gemeinderat Gossau, abgerufen am 1. Juli 2026. Er löste Jörg Kündig (FDP) ab, der von 2002 bis 2026 Präsident war.
Vertretung im kantonalen und nationalen Parlament Im Zürcher Kantonsrat war Gossau im Jahr 2011 durch folgende Personen vertreten: Cornelia Keller (BDP), Jörg Kündig (FDP), Beat Monhart (EVP), Elisabeth Pflugshaupt (SVP) und Daniel Wäfler (SVP).Polit-Hochburg in alter Stärke. In: Zürcher Oberländer. 5. April 2011. Abgerufen am 12. April 2011.
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Gossau: SVP 40,17 % (+4,04), FDP 11,52 % (−2,76), SP 11,42 % (+1,63), glp 9,74 % (−1,43), Mitte 7,11 % (+1,20), Grüne 7,02 % (−3,16), EVP 5,74 % (−1,39), EDU 3,89 (−0,38).
Geschichte Ortsname Der Ortsname «Gossau» stammt aus der Zeit der alemannischen Landnahme. Er geht auf althochdeutsch Gôʒʒes ouwa zurück, was «Au des Gôʒʒo» bedeutet und an den alemannischen Siedler erinnert, der hier an oder auf sumpfigem Gelände seinen Hof errichtete.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 399.
Frühgeschichte und Mittelalter Die frühesten Spuren von Siedlern auf dem Territorium der heutigen Gemeinde Gossau stammen aus der Bronzezeit, ca. 2200 bis 800 v. Chr. Die Funde sind spärlich und weisen höchstens auf ein kleines Dorf weitab grösserer Siedlungen hin. Konkreter sind die Spuren der Kelten, die auf eine dauerhafte Besiedlung Gossaus und seiner Umgebung schliessen lassen. Während der Römerzeit bleibt Gossau weiterhin im Windschatten der Geschichte. Ganz unberührt von römischen Einflüssen war die Gegend aber offensichtlich nicht, wie der Fund einer Münze aus der Spätzeit der römischen Herrschaft im Jahr 1994 zeigt. mini|Der Weiler Jungholz in der Wacht Gossau-Dorf. Hier siedelten wohl die ersten Alemannen im 7. oder 8. Jahrhundert.
Die meist friedlich verlaufene Zuwanderung der Alamannen im frühen 7. und 8. Jahrhundert liefert erstmals gesicherte Angaben über eine kontinuierliche Besiedlung Gossaus. Die Christianisierung der Bevölkerung in jener Zeit ist mit der Machtübernahme der Klöster verbunden, die ihre Tätigkeiten regelmässig dokumentieren. Die älteste Urkunde aus Gossau stammt von 745: In jenem Jahr veräusserte die mächtige alamannische Beata-Landolt-Sippe ihr Land in diesem Gebiet an das Kloster St. Gallen. Auf dem Flecken entstand später der Gossauer Weiler Jungholz.
Wie im Feudalsystem des Hochmittelalters üblich, gehörte das heutige Gossauer Gemeindegebiet immer wieder anderen Herren: Das Kloster St. Gallen baute hier zwischen 745 und 777 seinen Landbesitz aus, errichtete im heutigen Ortsteil Gossau-Dorf die erste Kirche und gründete die grösste Kirchgemeinde im Zürcher Oberland. Die Herrschafts- und Grundrechte lagen abwechslungsweise in weltlichen und in kirchlichen Händen. 1262 erhoben die Habsburger das benachbarte Grüningen zum Vogteisitz, wodurch Gossau zum Untertanen der Landgrafschaft Grüningen wurde. 1408 übernahm der Stadtstaat Zürich die Herrschaftsrechte über die Vogtei Grüningen und behielt sie bis zum Ende des Ancien Régime 1798. Ein wichtiger Grundherr, der auch die Rechte am Gossauer Kirchengut besass, war ab 1414 das Kloster Rüti. mini|Reformierte Pfarrkirche mit Pfarrhaus und Helferei in Gossau-Dorf. Im Hintergrund liegt die kleine Industriezone.
Während der Reformation, die unter dem Einfluss Huldrych Zwinglis ab 1517 ihren Siegesmarsch antritt, wurde das Kloster Rüti von rebellierenden Bauern gestürmt, darunter vielen aus Gossau. Wenig später wurde auch das Rittergut in Bubikon heimgesucht, das einige Ländereien in Gossau zum Lehen hatte. 1525 erreichte die Abspaltung von der katholischen Kirche ihren Höhepunkt, die Klöster wurden aufgelöst. Die Bevölkerung Gossaus zeigte sich gegenüber der Reformationsbewegung aufgeschlossen. Stark vertreten waren hier die Wiedertäufer, einem radikalen Flügel der Reformbewegung, der in manchen religiösen Fragen im Widerspruch zu Zwingli stand. Unter ihrer Führung kam es zu Aufständen gegen den Stadtstaat Zürich, bei denen die Abschaffung der Leibeigenschaft, des kleinen Zehnten und der Frondienste gefordert wurde. Zentrum der Rebellion war die Grafschaft Grüningen und hier besonders Gossau, das viele der von Zürich verfolgten Wiedertäufer aufnahm. Schliesslich wurde die Bewegung zerschlagen. Ihre Anführer, darunter der Gossauer Jakob Falk, wurden 1527 und 1528 in der Limmat ertränkt.
Neuzeit 18. und 19. Jahrhundert Die Geschichte der politischen Gemeinde Gossau beginnt mit der militärischen Besetzung der Schweiz im Jahr 1798 durch napoleonische Truppen und der helvetischen Republik. Zur neu geformten politischen Gemeinde, die dem Bezirk Hinwil zugeschlagen wird, gehören die Zivilgemeinden der einzelnen Ortsteile, die heutigen Wachten. Ab 1803, während der sogenannten Mediation, lässt Napoleon auf Druck der alten politischen Kräfte die zentralistisch regierte Helvetische Republik in die föderalistische schweizerische Eidgenossenschaft umbauen. Die ländliche Bevölkerung verliert in dieser Zeit viele der Rechte, die sie in der helvetischen Revolution errungen hat. So sind etwa nur noch 40 % der Gossauer Bürger wahlberechtigt.
Über die Jahrhunderte bestand die Mehrheit der Gossauer Bevölkerung aus Kleinbauern, die hauptsächlich nach dem kollektiven Dreizelgen-System Ackerbau betrieben. Das ändert sich spürbar im 18. Jahrhundert, als neue ertragssteigernde Anbaumethoden eingeführt werden. Um sich ein Zubrot zu erwerben, arbeiten viele der Kleinbauernfamilien ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Heimindustrie. Es gibt in Gossau fast kein Haus, in dem nicht mindestens ein Webstuhl steht. Mit der Zeit sind über 60 % aller Kleinbauern Gossaus im Nebenerwerb als Heimweber bzw. Heimspinner tätig. Demgegenüber können es sich die Grossbauern leisten, ihre Höfe auf die Milchwirtschaft umzustellen, die sich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ausbreitet. Auch in Gossau werden erste Sennereien zur Käseproduktion gegründet, ab 1830 schiessen sie gar wie Pilze aus dem Boden. mini|Wacht Ottikon: Das Dürsteler-Haus (heute Ortsmuseum) und dahinter die damals grösste Baumwollspinnerei auf dem Gemeindegebiet.
Der Siegeszug der Textilfabriken ab Beginn des 19. Jahrhunderts setzt der Heimindustrie nach und nach ein Ende. Bis 1850 verlieren die meisten Heimweber in Gossau diese wichtige Existenzgrundlage. Viele der betroffenen Kleinbauern geben ihre Höfe auf und suchen sich in einer Fabrik Arbeit oder wandern aus, andere satteln auf die Seidenindustrie um, die länger als die Baumwollindustrie auf Heimarbeiter baut. Die verlassenen Höfe werden von – zumeist aus dem Kanton Bern – zuziehenden Bauernfamilien übernommen. Diese bleiben ihren bäuerlichen Wurzeln treu, vergrössern aber die Betriebe und widmen sich vor allem der Milchwirtschaft.