Fischenthal ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Er gehört zum Bezirk Hinwil.
Wappen Blasonierung In Blau übereinander zwei in Gegenrichtung schwimmende silberne Fische mini|Historisches Luftbild aus 200 m von Walter Mittelholzer von 1919 Geographie Fischenthal ist die höchstgelegene Gemeinde des Tössberglandes und des Kantons Zürich, mit dessen höchstem Berg, dem Schnebelhorn, Zur Gemeinde Fischenthal gehören die Ortschaften Steg im Tösstal und Gibswil. Das Gemeindegebiet umfasst 30,25 km² und ist damit die grösste Landgemeinde des Kantons Zürich.
Die Gesamtfläche von 3'025 ha unterteilt sich in:
63 % Wald 32 % Landwirtschaft 2 % Siedlungen 2 % Verkehr
Die Stadt Winterthur liegt 24 km und die Stadt Zürich 30 km Luftlinie entfernt. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich auf dem Schnebelhorn auf , der tiefste bei Lenzen auf Die Nachbargemeinden von Fischenthal sind im Uhrzeigersinn Mosnang SG, Eschenbach SG, Wald ZH, Hinwil, Bäretswil und Bauma. Nördlich des Hörnli findet sich ein Dreikantonseck (St. Gallen, Thurgau und Zürich) ().
Geschichte Die älteste Urkunde, in der der Name Fiskinestal erwähnt wird, stammt von 876. Damals wurden Besitzungen in Fischenthal dem Kloster St. Gallen geschenkt.StiASG, Urk. IV 355. Online auf e-chartae, abgerufen am 19. Juni 2020. Man nimmt an, dass ein alemannischer Siedler namens Fiskin dem Tal den Namen gegeben hat. Im 13. Jahrhundert wurde Fischenthal der habsburgischen Hausmacht einverleibt. Doch schon 1301 verpfändeten die Habsburger die Vogtei Fischenthal, die noch mehrmals den Herrn wechselte, bis sie 1425 der Stadt Zürich abgetreten wurde. Von 1542 an war Fischenthal Bestandteil der Herrschaft Grüningen. 1798 wurde es dem Distrikt Wald zugeteilt, 1803 dem Bezirk Uster, dann dem Oberamt Grüningen und schliesslich 1831 dem Bezirk Hinwil.
Einen Aufschwung erlebte das Gebiet zur Zeit der Heimindustrie im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Verdienst brachte zuerst die Handspinnerei, dann die Handweberei. An Stelle der früheren Armut zog eine gewisse Wohlhabenheit ein, bis die mechanischen Webstühle in den Fabriken des Unterlandes der Heimarbeit ein Ende setzten. Viele Wohnstätten wurden verlassen. Der Staat sprang helfend ein, indem er namentlich im Quellgebiet der Töss Land erwarb und aufforstete. Heute ist das Gebiet um den Tössstock ein Wildschongebiet, in dem sich auch Gämsen aufhalten.
1532 soll am Hörnli der letzte Bär des Zürcher Oberlandes erlegt worden sein. Eine Bronzeplastik von Kurt Ingendahl erinnert als "Kunst am Bau" beim Schulhaus Schmittenbach an das historische Ereignis. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ein Pilgerweg – der «Jakobsweg» begangen, der aus Süddeutschland über Fischingen, das Hörnli, dem Jonatal entlang nach Rapperswil und Einsiedeln führte. Pilgerherbergen waren das Gasthaus «Zum Steg» und dasjenige «Zum Hauptmann», früher im Fistel, später der Vorläufer der «Blume».
Ortsmuseum mini|Das Ortsmuseum „Alte Kanzlei“
Im Ortsmuseum „Alte Kanzlei“ sammelt die Ortsmuseumskommission Gegenstände aus dem alltäglichen Leben von früher und heute. Im Archiv werden auch Schriften, Bilder, Fotos, Filme und die Sammlung der ChronikChronik. Abgerufen am 14. Nov. 2021. aufbewahrt. Die Kommission ist wie die Nachbargemeinde Wald für die Fastnachts-UmezügeFastnachts-Umezüge. Abgerufen am 1. Dezember 2014. verantwortlich und sie unterhält die alte Schuhmacherwerkstatt von Albert Knecht in der Drechslerei KleintalDrechslerei Kleintal. Abgerufen am 1. Dezember 2014.. Einmal pro Jahr stellt ein Künstler aus der Region seine Werke im Museum aus. Die Ortsmuseumskommission Fischenthal bildete sich anfangs der siebziger Jahre. 1997 konnte sie die ehemalige Gemeinderatskanzlei als Ortsmuseum übernehmen.
Traditionelle Haustypen Fischenthal hat eine besondere Lage zuoberst im Tössbergland. Mit seiner Berglandwirtschaft, verbunden mit Heimindustrie und Kleintierhaltung, dazu früher Industrialisierung, hat es auch eine voralpine Siedlungsstruktur. Darin erkennt man starke Einflüsse im Häuserbau bäuerlicher Liegenschaften aus der March (Kanton Schwyz) und durch die Passverbindungen über die Hulftegg und den nahen Ricken zu den Appenzeller Voralpen und dem Toggenburg. Aus all diesen Nachbargebieten sind zwischen Schnebelhorn und Allmen, Gibswil und Steg Haustypen und Bauelemente an traditionellen bäuerlichen Bauten auszumachen.
Bevölkerung Am 31. Dezember 2024 lebten 2'655 Menschen in der Gemeinde Fischenthal, davon 16,9 % Ausländer.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1634 466 1771 1'789 1836 2'814 1850 2'394 1900 2'052 1941 1'694 1950 1'837 1960 1'987 1980 1'605 2000 1'96120052'02920102'28820152'42520202'49420242'655
Religion mini| St. Gallus
Am 31. Dezember 2011 gehörten 55,6 % der Bevölkerung der evangelisch-reformierten Kirche und 18,6 % der römisch-katholischen Kirche an.http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/aktuell/mitteilungen/2012/bev_2011.html (abgerufen am 27. Februar 2012)
In Fischenthal gibt es zwei Kirchen: Die reformierte Kirche wurde an Stelle der mittelalterlichen Kirche von Fischenthal gebaut: Im Jahr 1711 wurde an den bestehenden Kirchturm das heutige Kirchenschiff angebaut. Im Chor befinden sich seit 1933 drei Farbfenster des Glasmalers Röttinger, Zürich. Abgerufen am 9. Mai 2014. Bei Renovationsarbeiten wurden 1995 Überreste von drei Vorgängerbauten zur heutigen Kirche nachgewiesen, ebenso eine ehemalige Chorstufe und der Steinkranz eines Taufbeckens. Die katholische Kirche St. Gallus erinnert mit ihrem Namen daran, dass die mittelalterliche Kirche von Fischenthal einst dem Hl. Gallus geweiht war. 1949 wurde die Vorgängerkirche St. Bernadette eingeweiht, an die ein Altersheim angegliedert war. 1971 wurde die heutige Kirche, erbaut vom Architekten Karl Higi, eingeweiht. Der äusserlich schlichte Bau besitzt Kunstwerke von Paul Stöckli und ist ein exemplarischer Kirchbau einer nachvatikanischen katholischen Kirche.Website der katholischen Kirchgemeinde Bauma. Abschnitt Geschichte der Pfarrei Fischenthal. Abgerufen am 14. Nov. 2021.
Verkehr Die Gemeinde Fischenthal und die Ortschaften Steg im Tösstal und Gibswil sind mit der Linie , die von der Thurbo betrieben wird, mit jeweils eigenem Haltepunkt an die S-Bahn Zürich (bis 1918 Tösstalbahn) angeschlossen. Ende November 2015 wurde der SBB Billettschalter geschlossen.
Eine Buslinie wird durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) betrieben:
Bahnhof Rüti – Wald – Gibswil – Fischenthal – Steg – Bahnhof Bauma
Hauptachse ist die Tösstalstrasse Winterthur–Turbenthal–Bauma–Wald–Rüti–Rapperswil durch Fischenthal, als kürzeste Verbindung von Winterthur in den St. Galler Seebezirk. Von diesem Hauptstrang zweigen im Fischenthal auch Querverbindungen ab. In Steg im Tösstal nach Osten die Hulfteggstrasse (Passhöhe 953 m) ins Toggenburg und den Hinterthurgau. In Gibswil nach Nordwesten die Abzweigung nach Kleinbäretswil–Ghöch (Passhöhe 961 m)-Bäretswil, ebenda nach Westen über die Schufelberger Egg (Passhöhe 990 m) und zugleich höchstgelegener öffentlich befahrbarer Übergang im Kanton Zürich, nach Girenbad (Hinwil) und von Gibswil nach Südwesten über Hueb-Orn nach Wernetshausen (Hinwil). Die drei Verzweiger ab Gibswil führen auf die befahrbare Höhen-Längsachse auf der Almenkette: Bachtel–Bäretswil–Hittnau–Russikon–Weisslingen–Kyburg.
Politik Gemeindepräsident ist René Schweizer (SVP).
Mitglieder des Fischenthaler Gemeinderats (Amtsperiode 2022–2026) Name Amtsantritt Funktion Partei René Schweizer 2025 Gemeindepräsident / Präsidiales und Finanzen SVP Hans Lazzarotto 2022 Schulpräsident / Bildung und Verkehr parteilos Rahel Fischer 2022 Gesellschaft und Soziales parteilos Rudolf Pfeiffer 2022 Hochbau, Liegenschaften und Sicherheit parteilos Matthias Zürcher 2022 Tiefbau und Werke / Land- und Forstwirtschaft parteilos
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Fischenthal: SVP 59,76 % (+4,53), SP 9,87 % (+0,86), Grüne 6,20 % (−3,22), EDU 4.91 (−0,16), glp 4,57 % (−1,74), Mitte 4,51 % (+1,07), FDP 3,86 % (−1,61), EVP 2,54 % (−0,85), SD 0,41 % (+0,12).
Sehenswürdigkeiten und Sport
Gibswil-Schanzen Panoramaloipe Gibswil Wissengubel-Wasserfall und Höhle Der Greiselgubel-Giessen, mit 43 m Fallhöhe fast doppelt so hoch wie der Rheinfall (23 m), stürzt als höchster Wasserfall des Kantons Zürich zwischen der Eggsiedlung Würz im Süden und den Terrassensiedlungen Unterreinsberg und Neugüetli im Norden ins Tobel des Greiselbergwalds. Bei Koord. 711'810/243'910 stürzt er über die 800er-Höhenkurve im freien Fall in den Tobelgrund westlich von Mülibach an der Tösstalstrasse. Wegbeschreibung: Von der Bahnstation Fischenthal dem Mülibach entlang 200 m talabwärts, dann in Mülibach 500 m links nach Westen am Industrieweiher vorbei 30 Höhenmeter ins Waldtobel aufsteigen, zuletzt noch im Bachbett. Greiselgubel-Höhle, ganz im Süden des Greiselgubel-Überhangs, Höhe 800 m, Koord. 711805/243880
Persönlichkeiten Philipp Schoch (* 1979), Doppelolympiasieger, und sein Bruder Simon Schoch (* 1978), Olympiazweiter im Snowboard-Parallelriesenslalom Jakob Senn (1824–1879), Schriftsteller Johann Jakob Keller (1823–1903), Fabrikant, Gemeindepräsident, Kantonsrat, Nationalrat und als Gründer der Zürcher Kantonalbank "Bankvater" genannt Ueli Witzig (* 1946), Designer Emil Zopfi (* 1943), Schriftsteller Kai Mahler (* 1995), Freestyle-Skier und Sieger der Olympischen Jugendspiele 2012 in der Disziplin Freestyle "Halfpipe"
Literatur Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1943. .
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Fischenthal
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ersterwähnung 876