Der Taj Mahal, auch Tadsch Mahal (persisch: ) ist ein im Jahre 1648 fertiggestelltes Mausoleum (Grabgebäude) am Südufer des Flusses Yamuna am Stadtrand von Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Der Gebäudekern besteht, ebenso wie die Kuppel und die Minarette, aus vor Ort gebrannten Ziegelsteinen, die außen wie innen mit weißen Marmorplatten verkleidet sind. Der Großmogul Shah Jahan ließ den Bau zum Gedenken für seine im Jahre 1631 verstorbene Frau Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum, später auch Mumtaz-uz-Zamani) errichten.Ganesh Saili: Taj Mahal (in der Reihe: L’Inde dorée), französische Übersetzung von Virginie Troit und David Amehame, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 54.

Name Der Name Taj Mahal besteht aus zwei arabischen Begriffen: tāǧ = „Krone“, maḥall = wörtl. „Ort, an dem etwas gelöst wird beziehungsweise man etwas löst“ (zum Beispiel ein Problem, sein Halstuch, seinen Gürtel, sein Bündel, daher auch „Wohnsitz, Residenz“.vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 179 ff.) Als Wortverbindung heißt es im Arabischen „Krone eines Ortes“, jedoch im persischen Kontext „Krone des Ortes“ (persisch: tāǧ-i maḥall, wobei umgangssprachlich das -i gerne weggelassen wird, da es nicht geschrieben erscheint). Im indischen Kontext der Mogulzeit erfuhr der Begriff maḥall den Bedeutungswandel zu „Palast“, so dass dieser Name dort „Krone des Palastes“ bedeutet (Devanagari: , „Krone des Palastes“). Da das Fremdwort ein Grabmal, also etwas Sächliches bezeichnet, wird letzteres im Deutschen oft als „das Taj Mahal“ bezeichnet.

Aufbau Mausoleum mini|Taj Mahal (2010)

Das Gebäude besteht aus gebrannten Ziegeln, die mit weißem Marmor verkleidet sind. Das Mausoleum steht auf einem etwa 5 m hohen quadratischen Unterbau. Der Grundriss des Mausoleums ist ein unregelmäßiges Oktogon, welches von einer knapp 30 m hohen, auf einem Tambour ruhenden gebauchten Außenkuppel mit einem Maximaldurchmesser von 26,65 m überwölbt ist; diese wiederum ist von vier kleinen offenen, pavillonartigen Chhatri-Aufbauten mit kleinen – nicht gebauchten – Kuppeln umstellt. An der Fassade unterhalb der großen Zentral-Kuppel befindet sich an den vier Längsseiten des Gebäudes ein mittlerer großer Iwan-Bogen mit einer Nische, flankiert von kleineren Bögen in zwei Ebenen. Die Fassade ist nicht völlig spiegelsymmetrisch.Dilip R. Ahuja, M. B. Rajani: On the symmetry of the central dome of the Taj Mahal. In Current Science März 2016. http://www.newsrx.com/newsletters/Science-Letter.html Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette mit zwei Umgängen sind leicht vom Gebäude weg geneigt, damit sie bei einem Erdbeben nicht auf das Hauptgebäude stürzen.

mini|Taj Mahal, Innenraum mit den von einer achteckigen Jali-Schranke umgebenen Kenotaphen von Mumtaz Mahal und Shah Jahan

Unter der Innenkuppel befindet sich ein oktogonaler Zentralraum mit den Grabmälern von Mumtaz Mahal und Shah Jahan.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi (Indien) 1996, S. 54. Rechts und links davon befinden sich mehrere kleinere Räume. In allen vier Eckräumen führt eine Wendeltreppe auf das Dach.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 52.

Die beiden Grabmäler im zentralen Oktogon sind von einer ebenfalls oktogonalen Jali-Schranke umgeben, deren neuzeitliche Wände aus filigran durchbrochenem Marmor bestehen. Hier befinden sich Kenotaphe (Scheingräber), die schlichteren Gräber liegen in der darunterliegenden Krypta. Das Grabmal von Mumtaz Mahal liegt genau in der Mitte, im völligen Einklang mit der Symmetrie des Raumes, während das nur wenig größere Grabmal Shah Jahans nachträglich hinzugefügt wurde, und daher asymmetrisch daneben steht.

Die Außenfassaden und auch die Grabmäler im Inneren sind mit Reliefs und vor allem mit vielfarbigen Marmorinkrustationen im Pietra-dura-Stil von größter Feinheit verziert. Dabei finden sich bunte florale Motive, wie z. B. Lilien und Rosen, aber auch Inschriften mit Passagen aus dem Koran in schwarzem Marmor auf weißem Grund.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 59. Das Grab des Shah ist nur mit Blumenmotiven verziert, während das von Mumtaz Mahal auch Koran-Inschriften hat, weil im Islam „eine Frau, die stirbt, während sie Leben gibt, als Märtyrerin betrachtet wird“.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 62. Auf den Seiten ihres Sarkophags finden sich die 99 Namen Gottes und oben die Inschrift: „Er ist ewig. Er ist genug.“,Hier aus dem Französischen: « Il est éternel. Il est suffisant. » – Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 62, 68. und die folgende Passage aus dem Koran: „Gott ist derjenige, der keinen Gott neben ihm hat. Er weiß, was verborgen ist und was manifest ist. Er ist barmherzig und mitfühlend.“Hier aus dem Französischen: « Dieu est celui qui n’as pas de Dieu auprès de lui. Il sait ce qui est caché et ce qui est manifeste. Il est miséricordieux et compatissant. » – Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 69.

Nebengebäude und Garten Der Taj Mahal ist von einer Mauer aus rotem Sandstein umgeben. Ein Torbau aus rotem Sandstein ist mit weißen Marmor verziert. Die vier Ecken des Daches tragen kleine oktogonale, offene Kioske mit Kuppeln aus weißem Marmor; über dem äußeren und dem inneren Eingang je eine offene Passage, überwölbt von einer Reihe von je elf kleinen weißen Kuppeln. Es sind insgesamt 26 Kuppeln. Auch der Torbau ist mit Zitaten aus dem Koran verziert.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 46–48.

mini|Eingangsgebäude Zwischen dem Torbau und dem Mausoleum liegt ein 18 Hektar großer Garten mit einem länglichen Wasserbecken im Zentrum, ein viergeteilter symmetrischer Tschahār Bāgh nach dem Muster des Bagh-e Wafa bei Dschalalabad.James Dickie (Yaqub Zaki): The Mughal Garden: Gateway to Paradise. Muqarnas 3, 1985, S. 129; Jyoti P. Sharma: The British Treatment of historic Gardens in the Indian Subcontinent: The Transformation of Delhi’s Nawab Safdarjung’s Tomb Complex from a funerary Garden into a Public Park. Garden History 35/2, 2007, S. 215.

Das Mausoleum am Ufer des Flusses wird rechts und links von zwei Gebäuden flankiert, die aus rotem Sandstein mit Verzierungen aus weißem Marmor bestehen; jedes dieser beiden Gebäude hat drei weiße Marmorkuppeln, niedriger als der zentrale Taj Mahal. Das Gebäude im Westen, in der Richtung von Mekka, ist eine Moschee. Das symmetrisch gegenüberliegende Gebäude im Osten des Mausoleums war ursprünglich ein Gästehaus mit gleichem Grundriss.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 70.

Geschichte

Der Bau des Taj Mahal wurde sechs Monate nach dem Tode Mumtaz Mahals im Jahr 1632 begonnen. Das Gebäude wurde 1648 fertiggestellt.UNESCO World Heritage Centre: Taj Mahal (engl.), 30. Apr. 2006. Beteiligt waren über 20.000 Handwerker aus vielen Teilen Süd- und Zentralasiens und verschiedene Architekten, unter anderem Ahmad Lahori und der aus Badakhshan (heute Afghanistan) stammende Perser Abu Fazel. Er verschmolz persische Architektur mit indischen Elementen zu einem herausragenden Werk der indo-islamischen Baukunst. Die Baumaterialien wurden aus Indien und anderen Teilen Asiens mit Hilfe von ca. 1000 Elefanten herangeschafft.

Der weiße Marmor kam aus der Gegend von Jaipur (Rajasthan), schwarzer Marmor aus Charkoh, gelber Marmor von den Ufern des Narbada.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 82. 28 verschiedene Edelsteine und Halbedelsteine wurden in den Marmor eingesetzt: Jaspis aus dem Punjab, Karneole aus Baghada, Achat aus dem Yemen, Kristall aus dem Kaiserreich China, Lapislazuli aus Afghanistan, Saphire aus Ceylon, Korallen vom Roten Meer, Granate aus Bundelkhand, Diamanten aus Panna, Onyx aus Persien, Blutjaspis (Heliotrop) aus Fatehpur Sikri, sowie verschiedene andere Steine wie Türkise.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 82, 64 (Türkise).

Die französischen Reisenden Jean-Baptiste Tavernier und François Bernier berichteten, dass sich ursprünglich in den Nebenräumen des zentralen oktogonalen Mausoleums Mullahs aufhielten, die ununterbrochen Koranpassagen rezitierten.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 57. Eine Einrichtung von Teppichen, Leuchtern „und anderen Dekorationen“ wurde von Zeit zu Zeit ausgewechselt.

Fertigstellung Das Datum der Fertigstellung ist umstritten. Die Historiker stützen sich dabei auf drei Angaben: Der Hofchronist Abdul Hamid Lahori vermerkte, dass der Bau ein halbes Jahr nach dem Tode von Mumtaz Mahal (gestorben am 17. Juni 1631) begonnen worden sei und die Bauzeit zwölf Jahre betragen habe. Demnach müsste das Mausoleum 1644 fertiggestellt worden sein. Eine Inschrift über dem Haupteingang nennt 1648 als Datum der Fertigstellung. ein Brief des Prinzen Aurangzeb, des Sohnes von Shah Jahan, aus dem Jahr 1652 besagt, dass der Taj Mahal reparaturbedürftig sei. Der französische Reisende Tavernier behauptete, den Anfang und das Ende der Bauarbeiten miterlebt zu haben, und gibt 1652 als Ende der Arbeiten an.Ganesh Saili: Taj Mahal, …, PML Editions / Lustre Press, New Delhi 1996, S. 42.

Legenden mini|Der Taj Mahal am Fluss Yamuna

Eine weit verbreitete Legende besagt, dass ein gleichartiges Bauwerk aus schwarzem Marmor als Mausoleum für Shah Jahan auf der anderen Seite des Flusses Yamuna geplant war, das aber nicht verwirklicht wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite des „weißen“ Taj Mahals lag eine Parkanlage mit einem großen Wasserbecken. Das weiße Taj Mahal hat sich in diesem Becken gespiegelt und erschien im Wasser schwarz.Das Reich der Krieger – Die indischen Mogule, Regie: Sally Aitken

mini|Fundamente des geplanten, oktogonalen Mausoleums direkt gegenüber dem Taj Mahal am nördlichen Ufer des Yamuna (Ausgrabungen 2000–2004)

Der Taj Mahal liegt nicht im Zentrum des Gartens, wie bei persischen Grabmälern üblich, sondern am nördlichen Rand, was nahelegt, dass ein weiteres Grabmal auf dem gegenüberliegenden Ufer geplant war. Die vom Fluss getrennten Gebäude wären dann wiederum im Zentrum des nunmehr großen Gartenareals gewesen, wie es dem persischen Verständnis vom Himmel als von einem Tschahār Bāgh entspricht. Das Grabmal Humayuns in Delhi z. B. folgt dieser Konzeption.

Anfang der 2000er-Jahre erfolgten umfangreiche Ausgrabungsarbeiten auf der dem Taj Mahal gegenüberliegenden nördlichen Seite des Yamuna. Dort wurden die Grundrisse eines oktogonalen Gebäudes freigelegt, dessen Form und Größe denen des weißen Taj Mahal entsprechen und die These des baugleichen Mausoleums mit schwarzem Marmor als Grabmal für Shah Jahan bestätigen.

Unter der britischen Herrschaft mini|Traditionelle Rasenpflege in den Gärten des Taj Mahal (2004)

Angeblich planten die britischen Kolonialherren unter dem Gouverneur Lord William Cavendish-Bentinck im 19. Jahrhundert, das stark vernachlässigte Gebäude stückweise auf Auktionen in England zu verkaufen. Nach dem Bentinck-Biographen John Rosselli erwuchs diese Erzählung daraus, dass versucht wurde, Teile des Roten Forts und andere archäologische Funde aus Agra gewinnbringend zu verkaufen.

Der Taj Mahal wurde unter dem 1904 erlassenen Ancient Monuments Preservation Act von der britischen Regierung unter Denkmalschutz gestellt. Die Gärten des Taj Mahal wurden auf Anweisung von Lord Curzon 1908 durch den Archaeological Survey of India „restauriert“ und weitgehend durch Rasenflächen ersetzt.

350-Jahr-Feier mini|Blick vom Eingangsgebäude mini|Taj Mahal während eines Monsunschauers, Juli 2010