Landgraaf (, in den örtlichen südniederfränkischen und ripuarischen Dialekten: Lankgraaf) ist eine Gemeinde im Südosten der Niederlande und liegt in der Provinz Limburg. Sie hat Einwohner (Stand ) und umfasst eine Fläche von insgesamt 24,67 km², davon 0,09 km² Gewässer.

Name Der Ortsname Landgraaf hat nichts mit einer etwaigen Grafschaft oder einem Grafengeschlecht zu tun. Der Name wurde 1981 für die aus den drei Altgemeinden (Schaesberg, Ubach over Worms und Nieuwenhagen) entstehende Gemeinde gewählt, weil im Gemeindegebiet ein kilometerlanger Ringwall mit einer Landwehr, „Landgraaf“ (Landgraben) genannt, nachgewiesen wurde. Ursprung und Nutzung des Grabens sind nicht bekannt. Einige vermuten eine Herkunft aus vorgeschichtlicher Zeit und berufen sich auf die Urnenfunde in der näheren Umgebung. Andere vermuten einen Bau im Mittelalter, vergleichbar mit den Landwehren des Herzogtums Jülich und dem Aachener Landgraben des ehemaligen Aachener Reiches.

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Landgraaf gehörte im Mittelalter zum Herzogtum Brabant, die über Jahrhunderte mit den Jülichern verfeindet waren.

Geschichte Die Gemeinde Landgraaf entstand am 1. Januar 1982 aus einer Fusion zwischen den vormals selbständigen Gemeinden Nieuwenhagen, Ubach over Worms und Schaesberg. Weitere untergeordnete Ortsteile sind Rimburg, Waubach, Abdissenbosch, Groenstraat und Leenhof. Mit städtebaulichen Mitteln wurde zwischen den alten Siedlungskernen ein neues, als gemeinsames Stadtzentrum gedachtes, Viertel (Op de Kamp) mit Geschäften, Büros, Wohnungen, öffentlichen und karitativen Einrichtungen, Schulen usw. gebaut. Außerdem wurde neben der sozialen auch die Versorgungsinfrastruktur hierdurch deutlich aufgewertet. In Abdissenbosch befindet sich ein Gewerbegebiet, desgleichen in Schaesberg (Industrieterrein Strijthagen). Letzteres ist in räumlicher Nähe der und zur Schaffung von Ersatzindustrien und mithin Ersatzarbeitsplätzen für die Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre geschlossenen Bergwerke Oranje Nassau 1, Schaesberg, Wilhelmina, Terwinselen, und Laura, Eygelshoven.

Auf eine keltische Besiedlung weisen in dem Umfeld des Landgraben entdeckte prähistorische Urnenfelder und Hügelgräber hin.

Eine römerzeitliche Besiedlung gilt als gesichert, denn in der Römerzeit verlief die für Handel und die Versorgung römischer Legionen bedeutsame Heerstraße aus Flandern über Tongern-Heerlen-Köln, die Via Belgica, durch das Gebiet der heutigen Gemeinde, wo nahe Rimburg die Wurm überquert wurde.

Um 1100 werden hier unter anderem in der mittelalterlichen Chronik des Klosters Rolduc (Annales Rodenses) diverse Bauernhöfe und Weiler erwähnt. Auch ein lebhaftes und für die Region damals bedeutendes Töpferhandwerk wird für diese Zeit im heutigen Ortsbereich belegt.

Nach dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648 kam der Ortsteil Nieuwenhagen zur Republik der Vereinigten Niederlande.; der übrige Bereich gehörte als Teil der katholische Partage der „Landen van Overmaas“ (rechts der Maas) zu den Spanischen Niederlanden und kam 1713 nach dem Frieden von Utrecht an die Österreichischen Niederlande.

mini|Die Ruine des Schlosses Schaesberg

Im 17. Jahrhundert, erlebte das später verfallene Schloss Schaesberg seine Blüte. Ein Jahrhundert später hatte die Region zwischen Rhein und Maas unter Räuberbanden zu leiden. Während weiter südlich der Schinderhannes sein Unwesen trieb, traten hier die so genannten Bokkenrijders (Bockreiter) im Grenzgebiet zwischen dem Herzogtum Jülich und den „Landen van Overmaas“ auf. Davon waren auch die damaligen Ortskerne Rimburg, Waubach und Scheidt des heutigen Landgraaf betroffen. Im Schloss Schaesberg waren Bockreiter eingekerkert und hier soll das niederländische Bockreiterlied geschrieben worden sein.

1792, für kurze Zeit, und erneut 1794 wurde das Gebiet durch die Truppen Napoleons besetzt. Um 1800 wurde die französische Gemeindeordnung eingeführt. In dieser Zeit entstanden die Gemeinden Schaesberg, Ubach over Worms und Nieuwenhagen.

Nach der französischen Besatzung 1794 bis 1814 und dem Wiener Kongress 1815 kam der größte Teil des heutigen Landgraaf zum Königreich der Niederlande, die Bürgermeisterei Rimburg wurde geteilt. Das Gebiet östlich der Wurm kam an Preußen, westlich der Wurm an die Niederlande. Die meisten Einwohner Rimburgs wurden Niederländer, aber das Schloss preußisch. Beide Gemeinden Rimburg überlebten das 19. Jahrhundert nicht. Zwischen 1831 und 1839 gehörte Landgraaf vorübergehend zum nach Unabhängigkeit strebenden und neu entstandenen Königreich Belgien, das weite Teile der ehemaligen spanischen beziehungsweise österreichischen Niederlande umfasst. Ab 1839 bis 1867 wurde die niederländische Provinz Limburg ein Herzogtum und zusammen mit dem Großherzogtum Luxemburg ein Mitglied des Deutschen Bundes.

mini|Zechenkolonie Schaesberg-Leenhof nach der Sanierung mini|Landgraaf, Stadtteil Eikske; die Bergarbeitersiedlungen sind deutlich zu erkennen

Seit 1895 kam der Steinkohlenbergbau auf und bewirkte eine Zuwanderung von Bergarbeitern und Verwaltungspersonal aus dem In- und Ausland. Für die Bergleute wurden zunächst in Zechennähe neue Wohnviertel gebaut. Diese verschmolzen mit der Zeit mit den bestehenden agrarisch geprägten Dorfkernen, in denen jetzt zusehends Einrichtungen zur Deckung der Bedürfnisse der Bergarbeiter und ihrer Familien entstanden, darunter – wie in den meisten Bergbaugemeinden – auch eine Vielzahl von Gaststätten. Gleichwohl brachten die 1960er Jahre die Montankrise und als deren Folge die staatlich oktroyierte Schließung aller niederländischen Steinkohlebergwerke. Auch die einzige Zeche auf dem heutigen Gemeindegebiet, die Grube „Oranje-Nassau II“, musste 1971 ihren Betrieb einstellen. Und auch die Schließung der Bergwerke Wilhelmina (unweit der vorgenannten) in Kerkrade-Terwinselen sowie der Bergwerke in Eygelshoven, Brunssum und Heerlen, deren Belegschaften zum Teil in Landgraaf lebten, sorgten trotz erheblicher staatlicher Eingriffe zur Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen in Folgeindustrien für einen über beinahe drei Jahrzehnte hinweg andauernden und offensichtliche soziale und existenzielle Nöte mit sich bringenden Strukturwandel.

Heute ist die Gemeinde Landgraaf Mitglied der Zweckgemeinschaft Parkstad Limburg, mit heterogener Gewerbestruktur und neuer Perspektive im Bereich Tourismus und Handel. Von der Ausrichtung auf den Tourismus profitieren insbesondere Natur und Kultur, beides zunehmend bedeutsame Qualitätsmerkmale Landgraafs. Darüber hinaus wird die Verkehrsinfrastruktur der Gemeinde seit einigen Jahren enorm verbessert, was sich insbesondere auf den Straßenbau und auf Fußgänger- und Radwege sehr positiv auswirkt.

Geschichte der Ortsteile Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Bevölkerung der einzelnen Ortsteile Landgraafs (Stand 1. Januar 2024):

Offizieller Ortsname Limburgischer Ortsname Einwohner Schaesberg D'r Sjeet 15.925 Nieuwenhagen Nuijenhage 9.300 Ubach over Worms Ubach uever Worms 11.885 (Quelle: CBS)

Ubach over Worms (Waubach)

Ubach (gelesen: Übach) over Worms, der östlichste der drei Ortskerne von Landgraaf, ist eine ehemals selbständige Gemeinde, bestehend aus den Dörfern und Weilern Waubach, Rimburg, Groenstraat, Lauradorp (bezeichnet nach der Zeche „Laura & Vereiniging“ zu Eygelshoven) sowie Abdissenbosch. Diese Gebiete gehörten bis um 1800 zum östlich der Wurm gelegenen deutschen Grenzort Übach (siehe Übach-Palenberg). Im Zuge der Einführung des französischen Kommunalsystems wurde aus den westlich der Wurm gelegenen Ortsteilen (Overworms Kwartier) die neue Gemeinde Ubach over Worms gebildet. Damit ist zugleich der Ortsname geklärt. Der neue Ort hatte mehrere Kerne und kein dominantes Zentrum. Dies blieb zum Teil so, nachdem die Gemeindeverwaltung im Ortsteil Waubach eingerichtet wurde. Während vor allem die Ortsteile Waubach, Lauradorp und Groenstraat zu Arbeitersiedlungen der nahe gelegenen Eygelshovener Bergwerke „Laura & Vereiniging“ bzw. „Julia“ wurden und seither einen städtisch geprägten Charakter ausprägten, hat hingegen der Ortsteil Rimburg (inklusive Broekhuizen) trotz einiger Siedlungserweiterung seinen idyllischen, ländlichen Charakter weitgehend konservieren können.

Nieuwenhagen

Der Ortsteil Nieuwenhagen ist etwa um das Jahr 1000 herum entstanden.

mini|Brunssummerheide

Nieuwenhagen (limburgisch: Nuienhage) grenzt im Westen an die Brunssumer Heide, die heute ein Naturschutz- und Naherholungsgebiet ist und aus einer eiszeitlichen Dünenlandschaft und Maassedimenten entstand. Heute weist sie die typische Vegetation einer atlantischen Heide auf.vergleichbar mit der Lüneburger Heide.

Der Name ist für 1213 erstmals urkundlich belegt aber verweist nicht nach ein Dorf oder eine Besitzung aber nach einer Person im Gefolge des Grafen Lothar von Hochstaden. Nach dem Achtzigjährigen Krieg gehörte Nieuwenhagen, anders als die umliegenden Dörfer, zur Republik der Vereinigten Niederlande, den so genannten Generalitätslanden. Sie bildete eine abhängige staatliche Enklave innerhalb des spanisch-habsburgischen Herrschaftsgebietes. Von Heerlen aus führte eine strategisch bedeutende Versorgungsachse zwischen Maastricht und dem Reichsgebiet. Als Pasweg ist dieser Transitweg heute noch in Landgraaf erhalten. Das denkmalgeschützte Spaans Kerkje (kleine spanische Kirche) und das benachbarte „Sjpaans Kentje“ (spanisches Eck) erinnern ebenfalls an diese Epoche.

1802 wurde auf Basis eines napoleonischen Dekrets die Gemeinde Niewenhagen gegründet. Zwischen 1830 und 1839 fiel die Gemeinde zeitweilig an Belgien, wie die umliegenden limburgischen Gebiete. Während des Zweiten Weltkrieges war Landgraaf von Mai 1940 bis September 1944 von Deutschen besetzt. 1982 ging Nieuwenhagen in der neuen Gemeinde Landgraaf auf.

Schaesberg mini|Schaesberg; im Vordergrund die Bergarbeitersiedlung, dahinter sozialer Wohnungsbau der 1960er – so genannte Flats

Zu Schaesberg (limburgisch: D'r Sjeet): 1571 wurde auf Schaesberger Gebiet das Hauptgebäude des im Maasländischen Barock ausgeführte Schloss Schaesberg errichtet. Heute ist der frühere Sitz der Herren zu Schaesberg eine Schlossruine, die vor der Zerstörung mit dem nahegelegenen Schloss Hoensbroek oder Schloss Amstenrade vergleichbar gewesen ist. Vorhergehende mittelalterliche Besiedlung ist nicht überliefert. Aus dem 17. Jahrhundert stammen zwei Kirchen in Schaesberg, wovon die Leenderkapel ein Zentrum der Marienverehrung ist. Bemerkenswert ist die im Zuge des Bergbaus entstandene Bergarbeiterkolonie Leenhof, die zwischen 1914 und 1918 als Unterkunft für die Arbeiter der Zeche Oranje Nassau II errichtet wurde und einzigartig für die Niederlande ist, denn die Erbauer entwarfen sie im Lothringischen Stil.

Ebenfalls als Folge des Bergbaus entstand die Bahnstrecke Heerlen-Schaesberg-Kerkrade-Simpelveld. Ihr Beiname Miljoenenlijn zeugt von den seinerzeit exorbitanten Kosten dieses Projektes von bis zu einer Million Gulden pro Bahnkilometer. Die Strecke diente dem Güter- und (ab 1934) dem Personenverkehr. Hauptsächlich wurde Kohle zur Maas nach Maastricht und den Häfen am Julianakanal transportiert.

Wirtschaft und Geographie mini|Die Verkehrsinfrastruktur Landgraafs wird stetig verbessert, hier ein neu angelegter Kreisverkehr, Teil der neuen Umgehungsstraße bei Schaesberg

Landgraaf liegt nördlich von Kerkrade, östlich von Heerlen und südöstlich von Brunssum an der deutschen Grenze zu Übach-Palenberg und Geilenkirchen (Ortsteil Teveren) und ist etwa 20 km von Aachen entfernt. Der Ortsteil Rimburg liegt an der Wurm, die von Herzogenrath bis hier Grenzfluss ist.

Landgraaf liegt im ehemaligen Limburger Revier (‚Kempens Bekken‘) und wurde durch den Steinkohlebergbau geprägt, obwohl sich lediglich ein Bergwerk im Ortsteil Schaesberg befand. So entstanden zahlreiche Bergarbeitersiedlungen und andere Siedlungen, die außer im neu errichteten Zentrum ganz wesentlich den Siedlungscharakter prägen.