mini|Schneeflocken-Walzer, Inszenierung von Rick Dikeman, 1981 mini|Chinesischer Tanz (Akt 2), Kansas City Ballet 2016 mini|Pas de deux (2. Akt) mit Jelena Lečić und Andrej Kolčeriju, Serbisches Nationaltheater, Novi Sad 2011 Der Nussknacker, op. 71 (französisch Casse-Noisette; , Schtschelkuntschik ; englisch The Nutcracker) ist ein Märchen-Ballett bzw. eine FeerieThomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 40. The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020) in zwei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, das 1892 seine Uraufführung in Sankt Petersburg erlebte.
Vorlage für das Libretto war Alexandre Dumas pères Histoire d’un casse-noisette (1845), eine französische Adaption des Märchens Nußknacker und Mausekönig von E. T. A. Hoffmann (1816).
Der Nussknacker ist bis heute eines der populärsten Ballette. Es wird von vielen Theatern und Opernhäusern regelmäßig aufgeführt, meist in der Zeit um Weihnachten. Mehrere musikalische Nummern aus dem Ballett sind auch durch die Nussknackersuite op. 71a berühmt.
Inhalt Personen (Die Angaben folgen dem Original-Libretto)Thomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 42 Präsident Silberhaus (in der sowjetischen Tradition wie in der Vorlage von Hoffmann: „Stahlbaum“)„Herr Stahlbaum“ heißt er z. B. in den unten angeführten Ballettfilmen mit dem Mariinski-Ballett und mit dem Bolschoi-Ballett, die beide in der sowjetrussischen Tradition (nach Wassili Wainonen bzw. Yuri Grigorovich) stehen.Auch bei Balanchine. Siehe: George Balanchine's The Nutcracker auf der Website des The George Balanchine Trust (englisch; Abruf am 31. Dezember 2020) und seine Frau, Eltern von Klara und Fritz Klara (auch: Claire oder Marie (wie bei E. T. A. Hoffmann); in späteren russischen Versionen: Mascha),Abschnitt The Nutcracker in 20th century Russia, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)Kohlhase nennt als Alternativnamen Klara, Claire und Marie. Thomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 42 Tochter der Familie Silberhaus (urspr. Kinderrolle) Fritz, Sohn der Familie Silberhaus (urspr. Kinderrolle) Marianne, Nichte des Präsidenten Silberhaus (urspr. Kinderrolle) Rat Drosselmeier, Pate von Klara und Fritz der Nussknacker-Prinz Colombina und Harlekin (Puppen) Marketenderin und Soldat (Puppen) der Mäusekönig die Zuckerfee (Fée Dragée) (fehlt in einigen Produktionen) Prinz Coqueluche (fehlt in einigen Produktionen) Solisten im Divertissement des 2. Akts u. a. Verwandte, Kinder, Diener, Mäuse, Schneeflocken, Feen, Blumen
Handlung Die Handlung kann in verschiedenen Produktionen in kleinen und größeren Details differieren; zum Beispiel fehlen in einigen modernen, russischen Versionen die Zuckerfee und Prinz Coqueluche. Es ist daher nicht möglich, eine völlig allgemeingültige Inhaltsangabe zu machen (siehe Abschnitt: Aufführungsgeschichte). Die folgende Handlung richtet sich nach dem Original-Libretto.Thomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 43–47
Akt 1, Bild 1: Im Hause der Familie Silberhaus mini|Szene aus dem 1. Akt, Ballett des Serbischen Nationaltheaters, Novi Sad 2011 Im Mittelpunkt des Balletts steht das Mädchen Klara. Sie ist die Tochter der wohlhabenden Familie Silberhaus, die das Weihnachtsfest mit vielen Freunden und Verwandten feiert. Auch ihr Patenonkel Drosselmeier kommt zur großen Bescherung vorbei. Er ist Uhrmacher und Erfinder und beeindruckt die gesamte Familie mit aufziehbaren Figuren. Diese können musizieren und sogar tanzen. Nach der Darbietung hat Drosselmeier noch eine kleine Überraschung aufgespart – einen prächtigen Nussknacker. Sehr zu Klaras Bestürzung beschädigt ihr Bruder Fritz jedoch den Nussknacker, den das traurige Mädchen daraufhin in das Bett ihrer Puppe legt. Nach einem allgemeinen „Großvatertanz“ verabschieden sich die Gäste.
Mitten in der Nacht steht Klara auf, um nach dem kranken Nussknacker zu sehen. Alles ist ganz unheimlich – der Weihnachtsbaum wird immer größer und das Mädchen wird Zeugin einer Schlacht zwischen den vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten und dem Heer des Mäusekönigs. Als es für den Nussknacker schlecht aussieht, ergreift Klara einen Pantoffel und wirft ihn dem Mäusekönig an den Kopf. Die Mäuse fliehen und der Nussknacker verwandelt sich in einen jungen, hübschen Prinzen.
Akt 1, Bild 2: Winterlicher Tannenwald Da verwandelt sich die Szene in einen verschneiten Tannenwald. Klara und der Nussknackerprinz erleben einen Walzer der Schneeflocken, der sich zu einem wahren Schneegestöber steigert.
Akt 2, Bild 3: Der Zauberpalast von Konfitürenburg (Phantastische Dekoration) mini|Mutter Gigogne und die Pulcinellen (Akt 2), Kansas City Ballet 2016
Über einen Fluss aus Rosenwasser erreichen der Nussknackerprinz und Klara „Konfitürenburg“Thomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 41, 45 und 46 (auch: „Reich der Zuckerfee“ oder „Reich der Süßigkeiten“ genannt). Der Prinz erzählt seinen vier Schwestern und den anderen, wie Klara ihn gerettet hat. In einer Stimmung aus Erleichterung, Freude und Dankbarkeit beginnt ein fantastisches Fest, bei dem verschiedenste Tänzer aus aller Herren Länder spektakuläre Auftritte haben. Zum Beispiel tanzen russische Tänzer den Trepak, arabische Bauchtänzerinnen treten auf, tanzende Rohrflöten (franz. Mirlitons) und eine Gruppe chinesischer Akrobaten erscheinen. Jedes Land präsentiert dabei jeweils traditionelle Leckereien und Getränke. Als Krönung tanzen die Zuckerfee und ihr Kavalier (heute oft: Klara und der Nussknackerprinz, Anm. d. Verf.) einen Pas de deux. Das Fest endet mit einem eleganten Walzer aller Anwesenden.
Für den Schluss gibt es verschiedene Varianten: Im Original-Libretto ist in der finalen Apotheose ein großer Bienenstock mit umherschwirrenden Bienen zu sehen, die ihren Honig bewachen.Thomas Kohlhase: , Schott, Mainz 1996, S. 40–48, hier: S. 47 Dies wird heute jedoch normalerweise nicht mehr so aufgeführt. Es stellt sich heraus, dass alles nur ein Traum war. Klara erwacht am Ende und der Nussknacker ist wieder eine Puppe (z. B. in russischen Versionen nach Alexander Gorsky 1919, Vasily Vainonen 1934 (Mariinski-Ballett) und Juri Grigorowitsch 1966 (Bolschoi-Ballett)). Klara reist in einem Rentierschlitten wieder nach Hause, wo sie sich in ihr Bettchen zurückschleichen kann, ohne dass ihre Familie etwas davon merkt (z. B. bei Balanchine 1954 (New York City Ballet)).
Abschnitt The Nutcracker in the West, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)
Besetzung und Aufbau Orchesterbesetzung & Besonderheiten mini|Konzertante und gekürzte Aufführung der Nummern Danse de la fée dragée (Tanz der Zuckerfee) und Trepak durch das Orchester des Moskauer Konservatoriums. Blasinstrumente: 3 Querflöten (2. und 3. auch Piccoloflöten) 3 Oboen (3. Englischhorn) 3 Klarinetten (1. und 2. in A und B, 3. Bassklarinette) 2 Fagotte 4 Hörner (in F) 2 Trompeten (in A und B) 3 Posaunen 1 Tuba
Schlaginstrumente: Pauken Schlagwerk (3 Spieler; Becken, große Trommel, Tamtam, Triangel, Tamburin, Kastagnetten, Ratsche,Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Dieses Instrument ist dasselbe, das in den Spielzeugsinfonien von Haydn und Romberg verwendet wird. Es ist in fast jedem Musikgeschäft erhältlich.“ Glockenspiel)
Tasteninstrumente: 1 CelestaDie Partitur enthält folgende Anmerkung: „Wo eine Celesta nicht verfügbar ist, kann die Stimme auf dem Klavier gespielt werden.“
Saiteninstrumente: 2 Harfen Streichorchester
Tschaikowskys Instrumentierung ist im Nussknacker sehr raffiniert, farbig und bereits impressionistisch. Es gibt einige Besonderheiten: Im ersten Bild tritt im „Tanz des Großvaters“ eine Bühnenmusik aus spielenden Kindern auf, die mit obligaten Spielzeugtrompeten und -trommelnDie Partitur enthält folgende Anmerkungen: „Die Instrumente sind identisch mit denen, die in Pique-Dame (1. Szene) verwendet werden. Zwei oder mehr Kinderspielzeugtrommeln sollten auf der Bühne verwendet werden. Der ausführende Trommler sollte keine kleine Trommel, sondern eine Kindertrommel (tambour d’enfant) verwenden.“ sowie mit Spielzeugbecken, Kuckucks- und Wachtelflöten (in C-Dur) ad libitum besetzt ist.Die Partitur enthält folgende Anmerkung: „Zusätzlich zu den beiden in der Partitur bereits genannten Instrumenten […] können die Kinder Instrumente, die typischerweise mit Kindersinfonien in Verbindung gebracht werden, zum Beispiel eine Kuckucks- oder Wachtelflöte, Becken usw.“ Außerdem ertönt ein Schuss. Im zweiten Bild singt im „Schneewalzer“ ein zweistimmiger Frauen- oder KinderchorDie Partitur enthält folgende Anmerkung: „Ein Chor aus 24 Frauen- oder Kinderstimmen. Der Chor sollte aus zwölf Sopran- und zwölf Altstimmen bestehen. Zwar wäre es erstrebenswerter, die Stimmen von Kirchenchorjungen zu haben, werden vierundzwanzig geschulte Frauenstimmen, die aus dem Opernchor ausgewählt werden, genügen.“ eine Vokalise hinter der Bühne. Bemerkenswert ist der solistische Einsatz der Celesta, die Tschaikowsky erst im Sommer 1891 in Paris kennengelernt hatte. Der „Tanz der Zuckerfee“ im zweiten Akt ist eine der ersten Kompositionen, die das Instrument als Teil des Sinfonieorchesters verwenden und bis heute das bekannteste Stück des klassischen Repertoires für Celesta.
Aufbau mini|hochkant|Aufnahme der Ouverture miniature in der Fassung der Suite, gespielt vom National Symphony Orchestra of London aus dem Jahr 1945 Ouvertüre 1. Akt – Erstes Bild 1. Weihnachtsfeier – Schmücken und Erleuchten des Weihnachtsbaumes 2. Marsch 3. Kleiner Galopp der Kinder und Auftritt der Eltern 4. Drosselmeiers Bescherung 5. Präsentation des Nussknackers und Großvatertanz 6. Abschied der Gäste – Nacht 7. Schlacht der Mäuse und Pfefferkuchen-Soldaten 1. Akt – Zweites Bild 8. Im Tannenwald 9. Schneeflocken-Walzer mini|hochkant=0.65|Stas Kmiec im Russischen Tanz (Trepak) (Akt 2), 1985) mini|hochkant|Aufnahme von Danse de la Fée Dragée (Tanz der Zuckerfee) und Trepak in der Fassung der Suite, gespielt vom National Symphony Orchestra of London aus dem Jahr 1945 2. Akt – Drittes Bild 10. Im Zauberschloss von Konfitürenburg 11. Ankunft von Klara und dem Nussknacker-Prinzen 12. Divertissement a) Schokolade – Spanischer Tanz (Bolero) b) Kaffee – Arabischer Tanz c) Tee – Chinesischer Tanz d) Trepak – Russischer Tanz e) Tanz der Rohrflöten f) Mutter Gigogne und die Polichinelles 13. Blumenwalzer 14. Pas de deux a) Intrada b) Variation I: Tarantella c) Variation II: Tanz der Zuckerfee d) Coda 15. Valse finale und Apotheose
Aufführungsgeschichte mini|hochkant|Peter Tschaikowsky (1893) Entstehung Der Nussknacker ist Tschaikowskys drittes und letztes Ballett und entstand ursprünglich für eine Doppelaufführung mit seinem Opern-Einakter Iolanta.Abschnitt World première, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020) Den Auftrag für beide Werke erhielt der Komponist von Iwan Wsewoloschski, dem Direktor der kaiserlichen russischen Theater und Autor des Librettos von Dornröschen, der auch zusammen mit dem Choreografen Marius Petipa das Libretto zum Nussknacker verfasste. Ursprünglich war die gemeinsame Uraufführung der beiden Werke für die Spielzeit 1891–1892 geplant, aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten musste sie verschoben werden.Abschnitt Composition, in: The Nutcracker, Artikel auf der Website der Marius Petipa Society (englisch; Abruf am 29. Dezember 2020)