mini|hochkant|Michael Kardinal von Faulhaber (um 1936) Michael Faulhaber, ab 1913 von Faulhaber, (* 5. März 1869 in Heidenfeld; † 12. Juni 1952 in München) war Erzbischof von München und Freising seit 1917 und Kardinal ab 1921.

Leben Frühe Jahre mini|hochkant|Faulhaber als Abiturient in Würzburg (1888)

Michael Faulhaber kam als drittes von insgesamt sieben Kindern der Eheleute Michael (1831–1900) und Margarete Faulhaber, geborene Schmitt, (1839–1911) in Klosterheidenfeld bei Schweinfurt zur Welt. Sein Vater, ein Bäckermeister, entstammte einer Bauernfamilie in Oberpleichfeld bei Würzburg, die Mutter war eine Bäckerstochter aus Bergtheim. Der Dorfpfarrer ermöglichte ihm ab 1879 den Besuch des Gymnasiums in Schweinfurt. 1883 wurde er in das bischöfliche Knabenseminar Kilianeum Würzburg aufgenommen und besuchte das Königliche Neue Gymnasium in Würzburg.

Während seiner Zeit als Einjährig-Freiwilliger beim Königlich Bayerischen 9. Infanterie-Regiment „Wrede“ wurde er 1888 Mitglied der KStV Normannia Würzburg.Rolf-Joachim Baum, Ulrich Becker, Ralf J. Baumbach u. a.: Studentenschaft und Korporationswesen an der Universität Würzburg. 1582–1982. Herausgegeben zur 400-Jahrfeier der Alma Julia-Maximiliana vom Institut für Hochschulkunde an der Universität Würzburg. Würzburg 1982, S. 292. Am 26. Oktober 1889 trat er in das Priesterseminar in Würzburg ein. Am 1. August 1892 empfing er in Würzburg die Priesterweihe. Anschließend war Faulhaber Kaplan in Kitzingen. Am 1. September 1893 wurde er zum Präfekten des Knabenseminars Kilianeum ernannt. Am 6. Mai 1895 wurde er mit einer Dissertation über Eusebius von Cäsarea an der Universität Würzburg zum Doktor der Theologie promoviert, am 11. November 1899 erfolgte die Habilitation und Ernennung zum Privatdozenten, ebenfalls an der Universität Würzburg. Am 26. Juli 1903 übernahm er die ordentliche Professur für „Alttestamentliche Exegese und biblische Theologie“ an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Straßburg.

mini|hochkant|Einladungskarte zum Festessen anlässlich der Inthronisation Faulhabers als Bischof von Speyer (1911)

Bischofsernennung und Erster Weltkrieg mini|hochkant|Faulhaber (2. von rechts) im Ersten Weltkrieg im Schützengraben an der Westfront

Am 4. November 1910 erfolgte auf Vorschlag des bayerischen Kultusministers die Ernennung zum Bischof von Speyer. Nach der päpstlichen Bestätigung am 7. Januar des folgenden Jahres spendete ihm der Erzbischof von München und Freising, Franziskus von Bettinger, am 19. Februar 1911 die Bischofsweihe. Mitkonsekratoren waren der Würzburger Bischof Ferdinand von Schlör und der Bischof von Straßburg, Adolf Fritzen. Am 1. Mai 1913 erhob ihn Prinzregent Ludwig III. von Bayern mit der Verleihung des Ritterkreuzes des Verdienstordens der Bayerischen Krone in den persönlichen Adelsstand.

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde Faulhaber auch stellvertretender Feldpropst (Militärbischof) der Bayerischen Armee. Trotz des deutschen Angriffs auf Frankreich unter Verletzung der Neutralität Belgiens und Luxemburgs (Schlieffen-Plan) schrieb er 1917, die Deutschen hätten „die friedliche Arbeit im Stiche lassen müssen, um Heim und Herd gegen den heimtückischen Überfall unserer Feinde zu schützen“. Zur Legitimität des Ersten Weltkriegs äußerte er sich so: „Nach meiner Überzeugung wird dieser Feldzug in der Kriegsethik für uns das Schulbeispiel eines gerechten Krieges werden.“

Am 26. Mai 1917 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Franziskus von Bettinger zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Die Amtseinführung erfolgte am 3. September 1917. Er trauerte 1918 dem Kaiser nach, entsprechend der katholischen Lehre von der rechtmäßigen Obrigkeit und Gottesgnadentum.Antonia Leugers (Hrsg.): Zwischen Revolutionsschock und Schulddebatte Münchner Katholizismus und Protestantismus im 20. Jahrhundert (siehe Literatur: Einleitung S. 14). Die Novemberrevolution war für ihn das Werk russischer Juden.Robert Probst Der Weg in die Hölle hat erst begonnen. In: Menschen im Krieg, Süddeutsche Zeitung Edition, 2014, ISBN 978-3-86497-190-7, S. 321 ff. Seine Tagebücher aus dem November 1918 zeigen die existenziell-religiöse Ablehnung der Revolution und ihrer Folgen.

Kardinalsernennung und Weimarer Republik Im Konsistorium vom 7. März 1921 erhob ihn Papst Benedikt XV. zum Kardinal und kurz darauf zum Kardinalpriester der Titelkirche Sant’Anastasia. Der Kardinal nahm am Konklave 1922 teil, aus dem Pius XI. als Papst hervorging.

Der Weimarer Republik stand der nationalkonservative Faulhaber kritisch bis ablehnend gegenüber. So äußerte er: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang auch sein eigener Totengräber.“ Auch auf dem 62. Deutschen Katholikentag in München sprach er sehr kritisch über die Weimarer Republik. Zum Nationalsozialismus hielt er ebenfalls Distanz; er bezeichnete ihn im November 1930 als eine „Häresie und mit der christlichen Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen“.

In der am 24. Januar 1926 in Rom gegründeten Priestervereinigung „Amici Israel“ hatte Faulhaber eine führende Rolle inne. Hauptziel war die christlich-jüdische Versöhnung. Der Verein bat Papst Pius XI. am 2. Januar 1928 darum, die schroff formulierte Karfreitagsfürbitte für die Juden (Oremus et pro perfidis Iudaeis – „Lasst uns auch beten für die treulosen Juden“) ändern zu lassen. Dem entsprechenden Antrag stimmte die Ritenkongregation zwar zu, letztlich wurde er aber vom Heiligen Offizium abgelehnt. Auch die „Amici Israel“ wurden vom Papst gerügt und aufgelöst. Faulhaber selbst hatte schon 1927 seinen Priestern beim Predigtkurs Programm und Gebetszettel der „Amici Israel“ mitgegeben und geboten: „Man vermeide in der christlichen Predigt alles, was antisemitischen Klang hat!“.Johannes B. Schauer (Hrsg.): Der homiletische Kurs. Kösel & Pustet, München 1927, S. 40.

1927 errichtete er im Münchner Schloss Fürstenried das Erzbischöfliche Spätberufenenseminar „St. Matthias“, um jungen Männern die Möglichkeit zu bieten, das Abitur nachzuholen und Priester der römisch-katholischen Kirche werden zu können. Dies war und ist auch heute noch das erste Ziel des Hauses. 1957 wurde es ins 30 km südlich gelegene Wolfratshausen-Waldram verlegt.

Haltung zum Nationalsozialismus Faulhaber unterstützte Fritz Gerlich, der mit seiner Wochenschrift Der Gerade Weg entschieden gegen den Nationalsozialismus kämpfte. Anschuldigungen gegenüber Gerlich wies er entschieden zurück und meinte, der „hiesige Klerus“ sei „begeistert, daß endlich auf katholischer Seite ein Mann aufgetreten ist, der den Gegnern [des Nationalsozialismus] die Stange hält“.Rudolf Morsey: Fritz Gerlich – Ein früher Gegner Hitlers und des Nationalsozialismus. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2016, S. 232 (books.google.de).

Faulhabers Loyalität gegenüber den staatlichen Autoritäten behinderte jedoch eine entschiedenere Opposition zu den Nationalsozialisten. Er begrüßte nach der Machtübergabe an sie das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Er sah darin eine Möglichkeit, die kirchlichen Institutionen unabhängig zu erhalten, und bedankte sich bei Hitler in einem Telegramm: „Was die alten Parlamente und Parteien in 60 Jahren nicht fertig brachten, hat Ihr staatsmännischer Weitblick in 6 Monaten weltgeschichtlich verwirklicht … Uns kommt es aufrichtig aus der Seele: Gott erhalte unserem Volk unseren Reichskanzler.“ Ebenso verpflichtete er die katholischen Priester, „in Predigt und Privatgespräch alles zu vermeiden, was das Vertrauen zur nationalen Regierung zerstören könnte“.Zitate bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 2005, S. 144. Im November 1936 kam es am Berghof (Obersalzberg) zu einem Treffen Faulhabers mit Adolf Hitler und Rudolf Heß, wonach Faulhaber Hitler erneut positiv bewertete: „Der Reichskanzler lebt ohne Zweifel im Glauben an Gott.“

mini|hochkant|Epitaph für Faulhaber in der Münchener Frauenkirche

Faulhaber lehnte es ab, die Judenboykotte in den ersten Wochen der nationalsozialistischen Diktatur öffentlich zu verurteilen:Ludwig Volk (Hrsg.): Akten Kardinal Michael von Faulhabers. Band 1: 1917–1934. Matthias-Grünewald, Mainz 1975, S. 705.

In einem Schreiben an den amerikanischen Kardinal George William Mundelein in Chicago vom 30. März 1933 bezeichnete er die „Greuelpropaganda“ des Auslands als Auslöser dieser Judenboykotte:Joachim Köhler: „Katholische Kirche, Katholiken und die Juden in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft.“ In: Nebeneinander – Miteinander – Gegeneinander? Zur Koexistenz von Juden und Katholiken in Süddeutschland im 19. und 20. Jahrhundert. (Laupheimer Gespräche 2000), Bleicher, Gerlingen 2002, S. 244 f.

Im November 1936 sprach Faulhaber in einer Predigt über die Bereitschaft zum Leiden und heroischen Taten, die die christliche Weltanschauung fordere. Als Beispiele nannte er den von NS- und anderen rechten Kreisen zum Märtyrer erhobenen Albert Leo Schlageter, auf dessen katholische Konfession er sich bezog, und die „Helden des Alcázar“ im spanischen Bürgerkrieg.

1937 entwarf er auf Wunsch Pius’ XI. die Enzyklika Mit brennender Sorge und geriet so in Gegensatz zu den nationalsozialistischen Machthabern. Schon am Abend des 27. Januar 1934 war nach einer hetzerischen Rede des bayerischen Staatsministers Hermann Esser ein Attentat auf Faulhaber verübt worden. Am 11. November 1938 kam es zu einem „Sturm auf das Erzbischöfliches Palais“ in München. Im März 1939 nahm er am Konklave zur Wahl Pius’ XII. teil. Nach dem misslungenen Attentat Georg Elsers auf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller sandte er Hitler im Namen der bayerischen Bischöfe ein Glückwunschtelegramm und ließ im Dom zu Unserer Lieben Frau ein Te Deum anstimmen, „um im Namen der Erzdiözese der Göttlichen Vorsehung zu danken, daß der Führer dem verbrecherischen Anschlag, der auf sein Leben gemacht wurde, glücklich entronnen ist“. Das fehlgeschlagene Attentat auf Adolf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 nannte er in seinem Tagebuch ein „ruchloses Verbrechen“.

Gegen den Massenmord an Behinderten und chronisch Kranken durch die Aktion T4 protestierte er 1940 mit einem öffentlichen Brief an den Reichsjustizminister. Faulhaber wandte sich am 26. Juli 1941 öffentlich gegen die Entfernung der Schulkreuze. Am 12. September 1943 verurteilte Faulhaber gemeinsam mit den deutschen Bischöfen im so genannten Dekalog-Hirtenbrief allgemein die Tötung von „Menschen fremder Rassen und Abstammung“ und betonte das grundsätzliche Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Allerdings entsprach er nicht einer Bitte eines Diplomaten, er solle „gegen die furchtbaren Judenmorde öffentlich auftreten“, und als ihn Angehörige deportierter Juden fragten, ob gar nichts zu machen sei, antwortete er: „Leider nicht.“

Zweiter Weltkrieg 1941 nahm Faulhaber folgendermaßen Stellung zum Krieg:Ludwig Volk (Hrsg.): Akten Kardinal Michael von Faulhabers. Band 2: 1935–1945. Matthias-Grünewald, Mainz 1978, S. 859.

Im Oktober 1943, als die Wendung im Kriegsgeschehen eingetreten war, teilte Faulhaber dem Kirchenministerium mit: „Niemand kann in seinem Innern einen unglücklichen Ausgang des Krieges auch nur wünschen. Jeder vernünftige Mensch weiß, daß in diesem Falle die staatliche und die kirchliche Ordnung, überhaupt jede Ordnung, vom russischen Chaos umgeworfen würden.“

Nach der Besetzung Münchens durch die US-Armee Ende April 1945 versuchte Faulhaber in Verhandlungen, die Lebensbedingungen der Münchener Bevölkerung zu erleichtern.

Nachkriegszeit mini|Grabplatte Faulhabers in der Krypta der Münchener Frauenkirche