mini|Sander See (Luftbild 2012) mini|Bootshafen Dykhausen (2012)

Sande ist eine Gemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen (Deutschland).

Geografie „Mitten in Friesland – Leben zwischen Geest und Meer“ so ordnet sich die Gemeinde Sande geographisch ein. Sie liegt am Rande des Jeverlandes und sieben Kilometer westsüdwestlich der Nordseestadt Wilhelmshaven.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Sande grenzt im Norden an die Stadt Schortens, im Nordosten an die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven, im Süden an die Gemeinde Zetel und im Westen an die Gemeinde Friedeburg.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Sande besteht aus den fünf Ortsteilen Sande, Neustadtgödens, Cäciliengroden, Mariensiel und Dykhausen., abgerufen am 22. Dezember 2024.

Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Gödens – Altgödens, Dykhausen, Gödens und Neustadtgödens – gehört seit der Gemeindereform von 1972 zur Gemeinde Sande und damit zum Landkreis Friesland. Vorher gehörten diese Orte zum Landkreis Wittmund, also zu Ostfriesland. Auf die Zugehörigkeit der in Gödens ansässigen Kirchen hatte die Gemeindereform keine Auswirkung.

Flächennutzung Rund 80 % der Gemeindefläche bestehen aus Forst- und Landwirtschaftsflächen. Die Gebäude- und Freiflächen nehmen einen Anteil von rund 10 % ein. Die gesamte weitere Flächennutzung kann der folgenden Tabelle entnommen werden:

Flächennutzung im Jahre 2006 Fläche in ha Gebäude- und Freiflächen 415,01 Verkehrsflächen 321,40 Betriebsflächen 3,46 Forst- und Landwirtschaftsflächen 3546,26 Wasserflächen 103,00 Erholungsflächen 39,74 Sonstige Flächen 58,34 Gesamtfläche 4487,21

Klima Sande liegt in einer gemäßigten Klimazone, die dem direkten Einfluss der Nordsee untersteht. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich die Gemeinde in der Einteilung Cfb. C steht für ein warm-gemäßigtes Klima, fb für ein feucht-gemäßigtes Klima mit Sommern, in denen die Tagestemperaturen tiefer sind und Wintern, in denen die Tagestemperaturen häufig höher sind als im weiteren Inland. Insgesamt wird das Klima von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.

Geschichte mini|Ostfriesische Halbinsel um 1600 Sande, Gödens, Dijhusen und Marien Zijl sind bereits auf der Karte verzeichnet

Bis in das frühe Mittelalter wurde das Gebiet zwischen Geest und Küste, in dem heute unter anderem auch die Gemeinde angesiedelt ist, durch Übersandung in ein fruchtbares Marschland verwandelt. Bereits um 400 bis 800 n. Chr. gab es zahlreiche friesische Wurten und Warften, die zum Teil noch heute erhalten sind. Etwa ab 900 n. Chr. sicherten Dörfer und Einzelhöfe ihre Felder durch Ringdeiche vor Sturmfluten. Zusammenhängende Seedeiche wurden erst im 13. Jahrhundert angelegt. Zu der Zeit kam die Hochwassergefahr für Sande noch nicht von der Jade im Osten, sondern von der Maadebucht im Norden. Erst seit dem 14. Jahrhundert dehnte sich der Jadebusen massiv aus, so dass Sande und Gödens nach der Antoniflut 1511 eine Halbinsel, zunächst wohl sogar Insel, im Schwarzen Brack bildeten.

Die älteste Quelle für die Erwähnung von Sande stammt aus dem Jahr 1168. Die heute zu Sande gehörenden Ortsteile sind deutlich abweichenden Alters: Altgödens wird bereits um 785 erwähnt, während die Entstehung von Dykhausen im Jahr 1175 in etwa mit der von Sande fällt. Neustadtgödens wird erst nach dem Ende des Mittelalters um 1544 erwähnt, Mariensiel um 1570 und Cäciliengroden gar erst im Jahre 1938., abgerufen am 22. Dezember 2024. Im Mittelalter befand sich auf dem Gemeindegebiet das Kirchspiel Seediek, dass nach der Antoniflut im Jahre 1511 aufgegeben wurde.

Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert bestand im Westen des heutigen Gemeindegebietes die Herrlichkeit Gödens, die sich 1495 von der Herrschaft Jever abwandte und der Grafschaft Ostfriesland unterstellte, deren Geschichte sie bis zur Auflösung des Regierungsbezirks Aurich teilte.

Der Bau des Ems-Jade-Kanals und der Ausbau von Wilhelmshaven als kaiserlichem Marinestützpunkt brachte Ende des 19. Jahrhunderts auch für Sande einen wirtschaftlichen Aufschwung mit verbesserter Infrastruktur (z. B. Bahnanbindung).

Die NS-Planungen für das Wirtschaftsgebiet Wilhelmshaven dienten dem Ausbau zur „Stadt der 500.000“ als größter Standort von Hitlers Kriegsmarine und als Rüstungsschmiede. Bereits während der Weimarer Republik war die Siedlung Sanderbusch begonnen worden. Nach dem Wirtschaftsplan 1937 sollte u. a. eine Südstadt Sande für 25.000 Einwohner entstehen. Chefplaner Wilhelm Hallbauer sah im Wirtschaftsplan 1939 das „Wohngebiet Wilhelmshaven Süd“ mit Sanderbusch, Sande, Gödens und Cäciliengroden vor. Gebaut wurde nur die Siedlung Cäciliengroden (1938–39) für 360 Familien von Wilhelmshavener Werftarbeitern. Bauherr war die Wohnungsbaugesellschaft Jade, Architekt der Bremer Friedrich Heuer, ein typischer Vertreter der Heimatschutzarchitektur und der nationalsozialistischen Siedlungsideologie. Gebaut wurden auch Teile des geplanten Industriegebietes östlich der neuen Reichsstraße 69, so die Gießerei der Kriegsmarinewerft, der Norddeutsche Eisenbau und der militärisch bedeutsame Bahnhof Sande. Für die Arbeiter des Industriegebietes und der Wilhelmshavener Westwerft entstand 1939 bis 1940 die Werftarbeiter-Stadt Sande-Neufeld für 3.600 (meist ausländische) Werftarbeiter, die erst nach dem Krieg zu Volkswohnungen für Familien umgebaut werden sollte. Der Bebauungsplan stammte von Karl Tuchscherer. Architekt der spartanisch einfachen und billigen Lagerstadt war der Generalplaner Fritz Hilgenstock aus Hannover. Es kam in der NS-Zeit auch noch zu bedeutsamen Marinebauten in und um Sande. Das Marinelazarett Lazarett Sanderbusch (1937–39) wurde von Kurt Geisenhainer vom Marinestandortbauamt für 600 Betten gebaut. Zu erwähnen ist auch das benachbarte Marinegerätelager Roffhausen (1937), später Olympia-Werke. Da Sande über kriegswichtige Einrichtungen verfügte, wurde ein großer Bunker in Bahnhofsnähe gebaut. Vereinzelt kam es zu Bombenschäden durch alliierte Flugzeuge.

1933 war Sande in die neue Gemeinde Oestringen eingegliedert worden, erhielt aber 1948 seine kommunale Selbstständigkeit zurück. Durch die günstigen Verkehrsanbindungen siedelten sich in der Folgezeit einige Unternehmen an, später vor allem im neu geschaffenen Gewerbegebiet Bahnhofstraße/Weserstraße/Elektronikring.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurde durch eine Verwaltungsreform die Gemeinde Gödens in die Gemeinde Sande eingegliedert. Dadurch vergrößerte sich die Fläche um das Doppelte auf 45 km2. Zunächst angestellte Überlegungen zur Erweiterung des Gemeindegebietes durch Angliederung von Flächen der Nachbargemeinde Zetel wurden letztlich nicht durchgeführt.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerentwicklung, abgerufen am 22. Dezember 2024. der Gemeinde Sande ist in der folgenden Tabelle dargestellt: Jahr Einwohner 1819 812 1905 1.831 1940 4.588 1950 8.417 1960 6.899 Jahr Einwohner 1961 6.945 1970 7.611 1972 9.132 1996 8.984 2006 9.368 Jahr Einwohner 2008 9.311 2011 9.166 2013 9.015 2015 8.879 2019 8.792

Religion Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 47,1 % der Einwohner evangelisch, 6,8 % katholisch und 46,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.destatis.de: Tabelle Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit – Anteil je Gemeinde, Zeile 1917, abgerufen am 13. Juni 2026

Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Sande besteht aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8001 und 9000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 1. November 2011; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 17. August 2024. Die 22 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die nächste Amtszeit beginnt am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Stephan Eiklenborg.

Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Gemeinderatswahl 12.09.2021 – Gemeinde Sande, abgerufen am 16. September 2021 Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung StimmenErgebnisse der Gemeinderatswahl vom 11.09.2016 - Gemeinde Sande, abgerufen am 24. September 2021 Veränderung Sitze SPD 46,05 % 10 −17,96 % −4 Bürger FÜR Sande 21,53 % 5 +21,53 % +5 CDU 14,55 % 3 −3,52 % −1 Bündnis 90/Die Grünen 8,00 % 2 −2,27 % 0 FDP 6,50 % 1 −1,14 % −1 Linke 3,36 % 1 +3,36 % +1

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 lag mit 57,97 % leicht über dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %. Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl vom 11. September 2016 lag die Wahlbeteiligung bei 56,41 %.

Bürgermeister mini|Stephan Eiklenborg, Bürgermeister (2014)

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Sande ist seit 2014 der parteilose Einzelbewerber Stephan Eiklenborg. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 trat er gegen den bisherigen Amtsinhaber Josef Wesselmann an. Eiklenborg gewann die Wahl mit 57,41 % der Stimmen, sein Gegenkandidat Wesselmann erhielt 42,58 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,27 %. Eiklenborg trat sein Amt zum 1. November 2014 an., abgerufen am 22. Dezember 2024. Am 26. September 2021 wurde er im Amt bestätigt und erreichte bei der Bürgermeisterwahl 56,08 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,62 %.

Vertreter in Land- und Bundestag mini|hochkant|Landtagsabgeordneter Olaf Lies

Bei den Wahlen zum Niedersächsischen Landtag gehört Sande zum Landtagswahlkreis 070 Friesland, der den gesamten Landkreis Friesland umfasst. Das Direktmandat wurde im Januar 2013 durch Olaf Lies von der SPD gewonnen. Bei der Wahl vom 15. Oktober 2017 konnte er den Erfolg wiederholen. Bei der letzten Landtagswahl vom 9. Oktober 2022 konnte Lies das Direktmandat mit 48,96 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 59,54 % erneut verteidigen. Weiterhin werden Katharina Jensen (CDU) und Sina Beckmann (Grüne) den Landkreis im Landtag vertreten. Sie zogen über die jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien in das Parlament. Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Parlaments fand am 8. November 2022 statt. Die Wahlperiode endet im Herbst 2027.

Die Gemeinde Sande gehört zum Bundestagswahlkreis Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund. Er umfasst die Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Friesland und Wittmund.Anlage 2 Bundeswahlgesetz – Wahlkreise für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, (PDF 185,4 kB), abgerufen am 25. Februar 2025. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann die Sozialdemokratin Siemtje Möller das Direktmandat zum dritten Mal in Folge. Über Listenplätze ihrer Parteien zogen Anne Janssen (CDU) und Martin Sichert (AfD) aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.Bundestagswahl: Die Gewinner und Verlierer aus dem Nordwesten, In: Wilhelmshavener Zeitung vom 25. Februar 2025, Seite 1

Wappen mini|85px|links|Wappen der Gemeinde

Das Wappen der Gemeinde Sande ist gespalten. Die rechte Seite des Wappens zeigt den Marienturm des ehemaligen Schlosses in Altmarienhausen, welches von dem Fräulein Maria von Jever auf dem Landgut Marienhausen errichtet wurde. Auf der linken Seite ist der jeverländische Löwe abgebildet, da Sande jahrhundertelang zur Herrschaft Jever gehörte. Die drei Wellensymbole sollen auf die Nähe zum Meer hindeuten.

Partnerschaften Die Gemeinde Sande unterhält seit dem 15. Juni 2007 eine Partnerschaft mit der vorpommerschen Stadt Ueckermünde.

Erste Kontakte zwischen den Gemeinden Ueckermünde und Sande entstanden bereits kurz nach der Wende durch Briefkontakte lokaler Sportvereine. Am 17./18. Januar 1990 waren der Bürgermeister Ueckermündes und der stellv. Vorsitzende des Sportvereins der Stadt Ueckermünde in Sande zu Besuch, bereits am 24./25. Januar 1990 erfolgte der erste Gegenbesuch durch eine Delegation eines Sander Sportvereins. Seither werden auf unterschiedlichen Ebenen intensive Kontakte gepflegt, die zu der offiziellen Erklärung der Partnerschaft mit Austausch von Urkunden im Jahr 2007 führten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten