mini|Das Kreisgebiet 1940
Der Landkreis Zauch-Belzig, auch Zauch-Belzigscher Kreis oder Kreis Zauch-Belzig genannt, bestand in der preußischen Provinz Brandenburg und im Land Brandenburg der SBZ bzw. DDR von 1817 bis 1952.
Der Kreis Zauch-Belzig umfasste am 1. Januar 1945 die sechs Städte Beelitz, Belzig, Brück, Niemegk, Treuenbrietzen und Werder (Havel), 144 weitere Gemeinden und den Gutsbezirk Forst Lehnin.Die 1939 gegründete Gemeinde Borkwalde wurde bei der Volkszählung 1939 noch nicht gesondert erfasst und wird in den Gemeindeverzeichnissen von Territorial (Rolf Jehke, Herdecke. Stand 19.12.2004), und bei nicht berücksichtigt.
Heute gehört das ehemalige Kreisgebiet zum Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Verwaltungsgeschichte Königreich Preußen Bei den preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress wurde mit Wirkung vom 1. April 1817 der Kreis Zauch-Belzig im Regierungsbezirk Potsdam in der Provinz Brandenburg, seit 1939 „Mark Brandenburg“, neu gebildet. Das Kreisgebiet umfasste den alten, kurbrandenburgischen Kreis Zauche (auch Zauchischer oder Zauchescher Kreis genannt) ohne das Ländchen Bärwalde, das zum neuen Kreis Jüterbog-Luckenwalde kam, und das ehemals sächsische Amt Belzig, das erst 1815 zu Preußen bzw. Brandenburg gekommen war. Das Landratsamt befand sich in der Stadt Belzig.
Norddeutscher Bund/Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.
Am 21. Juli 1875 wurde der Gutsbezirk Gränert aus dem Kreis Zauch-Belzig in den Kreis Jerichow II in der Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Magdeburg, umgegliedert. Zum 1. April 1926 wurden die Gutsbezirke Plantagenhaus (teilweise), Potsdam-Gut und Tornow aus dem Kreis Zauch-Belzig in den Stadtkreis Potsdam eingegliedert.
Gegen Ende der 1920er Jahre, in den meisten Fällen am 30. September 1928, wurden nahezu alle Gutsbezirke im Kreis aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt.Amtsblatt der Regierung Potsdam 1928, S. 317
Zum 1. Oktober 1937 wurde die Gemeinde Wilhelmsdorf aus dem Kreis Zauch-Belzig in den Stadtkreis Brandenburg (Havel) eingegliedert. Am 1. April 1939 trat die Gemeinde Bergholz-Rehbrücke aus dem Kreis Zauch-Belzig zum Stadtkreis Potsdam über. Im Verlauf der Schlacht um Berlin im April 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt.
Sowjetische Besatzungszone/Deutsche Demokratische Republik Durch das Gesetz über die Änderung zur Verbesserung der Kreis- und Gemeindegrenzen vom 28. April 1950 wurde der nunmehr Landkreis Zauch-Belzig genannte Kreis verkleinert. Die Gemeinden Göttin b. Brandenburg (Havel) und Schmerzke kamen zum Stadtkreis Brandenburg, die Gemeinde Wilhelmshorst zum Stadtkreis Potsdam, die Gemeinden Alt Töplitz, Göttin a./Havel, Leest und Neu Töplitz zum Landkreis Osthavelland und die Gemeinde Schiaß zum Landkreis Teltow. Die Gemeinde Boßdorf wechselte zudem die Landeszugehörigkeit und kam zum Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.
Bei der großen Verwaltungsreform von 1952 wurde der Landkreis Zauch-Belzig im Wesentlichen auf die Kreise Belzig, Brandenburg und Potsdam aufgeteilt. Einige Gemeinden kamen zu den Kreisen Jüterbog und Luckenwalde.
Bundesrepublik Deutschland Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute überwiegend zum Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Kommunalverfassung bis 1945 Der Kreis Zauch-Belzig gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung 1928/29 – in Gutsbezirke. Auf Basis der Kreisordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen vom 13. Dezember 1872 wurden mit Wirkung ab Januar 1874 meist mehrere Landgemeinden und Gutsbezirke umfassende Amtsbezirke eingeführt, um die überwiegend sehr kleinen Gemeindeeinheiten von den wachsenden Verwaltungsaufgaben zu entlasten. 1944 gab es 42 Amtsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 41.415 1846 58.868 F. W. C. Dieterici (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau’s in Berlin, (Einwohnerzahlen der Kreise), 2. Jahrgang, 1849, E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1849, S. 313. Digitalisat 1871 68.064 1890 77.105 Stand. 1900 80.651 1910 88.559 1925 92.266 1933 98.378 1939 108.855 1946 134.652 PDF Volkszählung 1946, In: Ausschuß der Deutschen Statistiker für die Volks – und Berufszählung 1946 Volks- und Berufszählung vom 29. Oktober 1946 in den vier Besatzungszonen und Groß-Berlin (Hrsg.): Deutsches Gemeindeverzeichnis, Duncker & Humblot, Berlin/München 1946.
Landräte AmtszeitName1816–1828 Rochus I. von Rochow-GolzowAdolf Friedrich August von Rochow-Stülpe: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Ernst & Korn, Berlin 1861, S. 155., S. 167 f.1828–1852 Heinrich Friedrich Levin von Tschirschky und Bögendorff-GlienHans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel), Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1960, S. 607–608.Christiane Eifert: Paternalismus und Politik. Preußische Landräte im 19. Jahrhundert. Zugl. Diss. Freie Univ. Berlin, Habil.-Schr., Berlin 2002, In: Theorie und Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. 20, Westfälisches Dampfboot, Münster 2003, ISBN 3-89691-120-1, S. 86., S. 129., S. 264.Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1888. Jahrgang 13-1888, Buschak & Irrgang, Brünn/Göttingen 1887, S. 562.1852–1861 Levin Heinrich Otto von Tschirschky und Bögendorff-GlienHans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel), Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1960, S. 607–608.1861–1897 Rudolf von Stülpnagel-Sandberg1898–1918 Bernhard Hans Levin von Tschirschky und Bögendorff-Glien1919–1921 Werner FreundAmtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Stück 6. 1920, A. W. Hayn’s Erben, Potsdam, Ausgegeben am 7. Februar 1920, S. 65.1921–1933 Edmund Bohne1933/34 Hans Christoph von WerderAdreßbuch der Direktoren und Aufsichtsräte 1937, Finanz-Verlag, Berlin 1937, S. 1690.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel), Band III, Band 15 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1957, S. 516–517.Adreßbuch Potsdam 1934. A. W. Hayn’s Erben, Potsdam 1934, S. 47. Reprint (Online-Ressource): Klaus D. Becker, Potsdam 2017/2021. ISBN 978-3-88372-282-5.1935–1939 Waldemar Vöge1939–April 1945 Otto Wegner(Generalmajor a. D. Dr. h. c.) Hugo von Abercron (Hrsg.): Adressbuch der Beschaffungsbehörden 1940. Band (Auflage) 2, Berliner Buch- und Zeitschriften-Verlag E.D. Erdmenger & Co., Berlin 1940, S. 24.(12.–20. Mai 1945) Alfred Beiersdorff (*)(Mai/Juni 1945) Otto Lange (*)Juni 1945–Oktober 1945 Friedrich Menz (KPD)Oktober 1945–Mai 1946 Karl Vogt (KPD/SED)Juni 1946–Dezember 1950 Richard SydowVgl. Anm. 554, In: Wolfgang Blöß: Kommunale Strukturen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Umwälzungen. Die Grenzen von Gemeinden und Kreisen in Brandenburg 1945–1952, In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs; 71, Online-Auflage, BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2233-1, S. 264. (SED)1951/52 Antonie Stemmler (SED) (*) Als Bürgermeister von Belzig zugleich Interims-Landrat
Städte und Gemeinden Stand 1945 Dem Kreis Zauch-Belzig gehörten 1945 die folgenden Städte und Gemeinden an: Alt Töplitz Baitz Beelitz, Stadt Belzig, Stadt Benken Bergholz b. Belzig Bliesendorf Bochow Borkheide BorkwaldeHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark PDF, S. 34. Borne Boßdorf Brachwitz Brück, Stadt Buchholz b. Niemegk Buchholz b. Treuenbrietzen Busendorf Cammer Caputh Dahnsdorf Damelang Damsdorf Deetz Derwitz Deutsch Bork Dietersdorf Dippmannsdorf Elsholz Emstal Ferch Fredersdorf Freienthal Fresdorf Garrey Glindow Göhlsdorf Gollwitz Golzow Gömnigk Göttin a./Havel Göttin b. Brandenburg (Havel) Götz Grabow Grebs Groß Briesen Groß Kreutz Groß Marzehns Grubo Grüneiche Hagelberg Haseloff Hohenwerbig Jeserig b. Brandenburg (Havel) Jeserig b. Treuenbrietzen Jeserig b. Wiesenburg Jeserigerhütten Kähnsdorf Kanin Kemnitz Klaistow Klein Glien Klein Marzehns Klepzig Körzin Krahne Krahnepuhl Krielow Kuhlowitz Langerwisch Leest Lehnin Lehnsdorf Linthe Lobbese Locktow Lübnitz Lucksfleiß Lüdendorf Lühnsdorf Lühsdorf Lüsse Lütte Medewitz Medewitzerhütten Michelsdorf Michendorf Mörz Mützdorf Nahmitz Neschholz Netzen Neu Töplitz Neuehütten Neuendorf b. Brück Neuendorf b. Niemegk Neuseddin Nichel Niebel Niebelhorst Niederwerbig Niemegk, Stadt Pernitz Pflügkuff Phöben Plessow Plötzin Preußnitz Prützke Raben Rädel Rädigke Ragösen Reesdorf Reckahn Reetz Reetzerhütten Reppinichen Rieben Rietz b. Brandenburg (Havel) Rietz b. Treuenbrietzen Rottstock Saarmund Salzbrunn Schäpe Schenkenberg Schiaß Schlalach Schlamau Schlunkendorf Schmergow Schmerzke Schönefeld Schwanebeck Seddin Stücken Trebitz Trechwitz Tremsdorf Treuenbrietzen, Stadt Weitzgrund Werder (Havel), Stadt Wiesenburg/Mark Wildenbruch Wilhelmshorst Wittbrietzen Wust Zauchwitz Zeuden Zixdorf Ziezow Außerdem bestand 1945 noch der Gutsbezirk Forst Lehnin.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch die Orte Alt Bork, Fichtenwalde und Oberjünne zu eigenständigen Gemeinden erhoben.
Vor 1945 aufgelöste Gemeinden Bergholz-Rehbrücke, am 1. April 1939 zu Potsdam, am 25. Juli 1952 wieder ausgegliedert und dem Kreis Potsdam-Land zugeordnet Kammerode, am 1. Januar 1926 zu Ferch Alt Langerwisch und Neu Langerwisch, am 1. April 1938 zur Gemeinde Langerwisch zusammengeschlossen Mittelbusch, am 1. Januar 1926 zu Ferch Petzow, am 1. April 1939 zu Werder (Havel) Sandberg, am 1. April 1914 zu Belzig Spring, 1928 zu Wiesenburg/Mark Welsigke, am 1. Januar 1926 zu Grubo Wilhelmsdorf, am 1. Oktober 1937 zu Brandenburg an der Havel
Namensänderungen Bergholz b. Potsdam, am 16. Juli 1934 umbenannt in Bergholz-Rehbrücke Lotzschke, am 20. Oktober 1937 umbenannt in Lehnsdorf, nach der westlich des Ortes gelegenen „Wüsten Feldmark Lehnsdorf“ Schwina, am 20. Oktober 1937 umbenannt in Emstal Wendisch Bork, Ortsteil am 9. Oktober 1937 umbenannt in Alt Bork, gleichzeitig Umbenennung der Gesamtgemeinde in Borkheide, ab 1. Januar 1946 wieder selbständige Gemeinde
Literatur Hermann Cramer: Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg, Neuntes Heft, Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses (Franckesche Stiftungen), Halle 12. August 1885, S. 21–45. Reprint: (Faksimile), Potsdam 2011. ISBN 978-3-88372-003-6. John Shreve: Kriegszeit. Das ländliche Deutschland 1914–1919, Belzig und Kreis Zauch-Belzig. be.bra Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-95410-045-3.
Quellen Übersicht der Landräte des Kreises Zauch-Belzig, mit Portraits, In: Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzig 1931, 7. Jahrgang, Hrsg. Kreisausschuß, Druck Alexander Mallwitz, Belzig 1931, S. 104–105. Siehe: Opus 4. SLBDok Heimatkalender Zauch-Belzig Markus Vette: Wer seinem Stern folgt. Zum Leben und Wirken der Landräte von Zauch-Belzig 1815–1945. Eugenia-Verlag, Werder/Havel 2009. ISBN 978-3-938853-07-8.