Die Schlacht von Cambrai im Ersten Weltkrieg war die erste große Panzeroffensive der Geschichte. Sie begann am 20. November 1917 nahe dem strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Cambrai in Frankreich, 1917 eine Schlüsselversorgungsstellung für die deutsche Siegfriedstellung. Die Briten erhofften sich von dieser Schlacht nicht nur einen Durchbruch durch das deutsche Stellungssystem, sondern vor allem, dem Kriegsverlauf durch den Einsatz von Panzern eine entscheidende Wende zugunsten der Entente zu geben. Seit mehr als drei Jahren standen die Frontlinien mehr oder weniger still, und Millionen von Soldaten waren bei oftmals ergebnislosen Frontalangriffen gefallen. Die Entente wollte nun Ende 1917 mit Unterstützung neuer Waffentechniken und den USA als neuem Verbündeten vom Stellungskrieg in einen Bewegungskrieg gegen Deutschland übergehen – somit sah man die Schlacht von Cambrai als Auftakt zur endgültigen Niederringung des Deutschen Kaiserreiches.

Die Schlacht, in der insgesamt rund 95.000 Soldaten verwundet, getötet oder gefangen genommen wurden, endete am 7. Dezember 1917 und brachte für keine Partei größere Erfolge oder eine Veränderung der Gesamtsituation.

Vorgeschichte Ausgangssituation Das Kriegsjahr 1917 war vom Zusammenbruch des russischen Zarenreiches gekennzeichnet. Die Deutschen griffen verstärkt an der Ostfront ein, um den Zusammenbruch zu beschleunigen. Dies sorgte für eine Schwächung der deutschen Truppen an der Westfront, denn mehrere Truppenverbände einschließlich Material wurden von der Westfront an die Ostfront verlegt. Die Entente wollte diese Schwäche ausnutzen und startete deshalb an der Westfront mehrere große Offensiven, die aber keine nennenswerten Veränderungen herbeiführten. Die Franzosen versuchten an der Aisne und in der Champagne einen Durchbruch. Dabei wurden mehr Truppen und Geschütze eingesetzt als bei der Schlacht um Verdun. Die großen Verluste führten auf französischer Seite zu einer schlechten Truppenmoral. Es kam zu Meutereien, auf die die französische Militärführung mit harten Strafen reagierte.

Im Jahr 1917 traten die USA und Griechenland auf der Seite der Entente in den Krieg ein, was das Selbstbewusstsein und die Siegesgewissheit der Entente nach all den Rückschlägen wieder merklich erhöhte. Am 20. Mai 1917 eröffneten die Briten eine große Offensive in Flandern. Die Verluste waren hoch, und es wurde nur ein geringer Geländegewinn erzielt. Im November wurde die Offensive abgebrochen. Nach den aufreibenden Offensiven im Jahr 1916, die in reinen Abnutzungsschlachten endeten, mussten die Generäle einsehen, dass die bisherigen Taktiken keine Änderung herbeiführen konnten. Neue Strategien wurden ausgearbeitet. Die Briten konzentrierten sich dabei immer stärker auf ihre Panzer, deren Zahl ständig wuchs. Von der Mobilität und dem Gefechtswert dieser Waffe versprachen sie sich eine Wende vom Stellungskrieg hin zu einem Bewegungskrieg. Doch mittlerweile hatten die Panzer ihren psychologischen Effekt eingebüßt, den sie noch bei ihren ersten Einsätzen auslösten. Ihre Panzerung war noch relativ schwach und konnte konzentriertem Flammenwerfer-, Maschinengewehr- oder Artilleriebeschuss nicht standhalten. Außerdem kamen die Panzer durch unebenes und schlammiges Gelände kaum vorwärts, weswegen sie besonders in Flandern schlecht eingesetzt werden konnten. Die Deutschen setzten auf Stoßtrupps und schnell verlegbare Verbände, um feindlichen Offensiven effektiv entgegenwirken zu können. Diese Taktik wurde besonders von Oskar von Hutier geprägt und ausgearbeitet, der nach effektiven, neuen Einsatzmöglichkeiten mit nur wenigen, hochspezialisierten Einheiten suchte. Nach ihm wurde diese Taktik auch „Hutier-Taktik“ benannt.

Die Planung der Schlacht mini|hochkant|General Sir Julian Byng, Oberbefehlshaber der britischen 3. Armee mini|Truppenaufstellung am 19. November 1917

Die Idee einer Großoffensive bei Cambrai rückte dank zweier Pläne, die mehr oder weniger gleichzeitig auftauchten, in den Vordergrund. Der eine war die Idee von Brigadegeneral Henry Hugh Tudor. Ende 1917 standen der Royal Artillery ausgefeilte Techniken zur Verfügung, so dass die Geschütze nicht mehr vorab eingeschossen werden mussten, d. h. vor einem Bombardement Distanzschüsse abgaben, und feindliche Geschützstellungen mit einer gewissen Genauigkeit aufgespürt werden konnten, was das Gegenfeuer wesentlich effizienter machte. Tudor erkannte, dass diese Entwicklungen einen Großangriff ermöglichten, ohne den Überraschungseffekt zu verlieren. Der andere Plan, entwickelt von John Frederick Charles Fuller Stabschef des Panzerkorps, sah einen Angriff mit etwa 200 Panzern vor, um die deutsche Artillerie im Sektor Banteux-Ribécourt zu überrennen und zu zerstören.

General Julian Byng, Kommandeur der britischen 3. Armee, nahm sich beider Vorschläge an und entwickelte daraus einen Plan zum Durchbruchsversuch durch die deutschen Linien. Er steckte das Ziel höher, indem er anordnete, dass die gesamte deutsche Front an der Stelle durchbrochen werden müsste – was für damalige Verhältnisse des Stellungskrieges ein ungemein wichtiger und entscheidender Erfolg gewesen wäre, da nun ein Bewegungskrieg wieder möglich gewesen wäre.

Der Oberkommandierende, Sir Douglas Haig, schob den ehrgeizigen und gewagten Angriff auf, da er zunächst die Operationen um Passchendaele (Dritte Flandernschlacht) abschließen wollte. Als sich die Kampfhandlungen dort verliefen, genehmigte Haig im September 1917 den Plan als Operation GY.Gary Sheffield: 2011, S. 248 f.

Cambrai wurde vor allem deswegen als Angriffsziel gewählt, weil das Gelände im Gegensatz zu Flandern oder der Somme-Region besser für einen massiven Panzerangriff geeignet schien. Die Böden in Flandern weichten schnell auf, so dass die Panzer im Schlamm stecken blieben. Dies wurde besonders bei der Schlacht von Passchendaele zum Verhängnis. Auch behinderten Unebenheiten, z. B. Granattrichter, die Panzer. Die Gegend um Cambrai war zudem mit weniger natürlichen Hindernissen ausgestattet (Flüsse, Wurzeln u. a.). Eine erfolgreiche Operation war wichtig, nachdem das Zutrauen in die Panzerwaffe immer stärker geschwunden war.

Der Plan war kompliziert; er sah grundlegend vor, die deutschen Linien durch einen konzentrierten Angriff auf einer engen Front von fünf Kilometern zwischen dem Canal du Nord und dem Canal de Saint-Quentin zu durchbrechen. Die britische 3. Armee stellte für diesen Angriff über die Hälfte ihrer 19 Divisionen bereit, obwohl davon 14 Divisionen kurz zuvor während der dritten Schlacht von Ypern eingesetzt worden waren. Im Norden sollte am ersten Tag das IV. Corps (56., 36., 62. und 51. Division) unter General Charles Woollcombe zwischen Moeuvres und Havrincourt angreifen und versuchen Flesquières und Graincourt zu erobern. Das dahinter in zweiter Linie stehende V. Corps (zunächst nur die 40., und Ende November auch die 2. und 47. Division) unter General Edward Fanshawe sollte diesem Angriff – zur Sicherung des eroberten Gebiets – erst später nachfolgen.Cyril Falls: BandReihe III, 1925, S. 18., 22 ff. Im Süden sollte das III. Corps (6., 20., und 12. Division) unter General William Pulteney den Hauptstoß in Richtung auf Marcoing, Crèvecoeur und Bonavis führen. Diesem Corps sollte das Tank Corps zum Durchbruch vorangehen. Das nachstoßende Kavallerie-Korps (1.,2. und 5. Kavallerie-Division) unter General Charles Kavanagh sollte darauf versuchen, den bei Masnieres angestrebten Brückenkopf über den Schelde-Kanal schnell zu erweitern. Außerdem wurde hier die 29. Division für das sofortige Nachstoßen als Reserve bereitgestellt. Rechts außen, im Raum nordöstlich Épehy begleitete die 55. Division des VII. Korps (General Thomas Snow) den Angriff nach Nordosten und deckte die Operation nach Osten gegen Honnecourt ab.Cyril Falls: BandReihe III, 1925, S. 20 f., 29.

mini|Britische Soldaten haben sich in einem Granattrichter eingegraben. Im Hintergrund ein Panzer.Stereo-Fotografie; daher die zwei fast identischen Aufnahmen.

Bei dem Angriff wurden neue Strategien im noch jungen Panzerkrieg eingesetzt, die Panzer-, Luft- und Infanterie-Angriffe kombinierten (siehe auch Gefecht der verbundenen Waffen). Dabei fuhren besonders in der ersten Angriffswelle Panzer vor. In einem Abstand von 45 bis 50 Metern folgte Infanterie, um das Schlachtfeld, insbesondere die Gräben, von feindlichen Truppen zu befreien. Einige der Panzer führten Faschinen (Stöcke, die mit Seilen zu einem Bündel gefasst wurden) mit sich, die sie dann in die Schützengräben kippten. So wurden Übergänge für die Panzer und die nachfolgende Infanterie geschaffen. Außerdem waren so genannte „Gun-Carrying-Tanks“ dafür vorgesehen, Geschütze über das Schlachtfeld zu transportieren. Ihre Aufgabe wurde allerdings während der Schlacht verändert, so dass sie für den Transport von Nachschubgütern und Personal eingesetzt wurden, was sich schnell als weitaus wichtiger erwies.

Am 12. November hatten bereits etwa 80 bis 100 Tanks mit Infanterie an Gräben gemeinsam die Taktik für die Schlacht eingeübt. Da es an Zeit mangelte, konnten die restlichen Einheiten nicht mehr üben, was dazu führte, dass besonders diese Einheiten während der Schlacht hohe Verluste erlitten. Das Tank Corps brachte 476 Panzer für die Schlacht auf. Mehr als 350 Tanks waren davon einsatzfähig. 216 Tanks sollten im Abschnitt des III. Korps in der ersten Welle angreifen, mit 96 Tanks als Reserve. Die drei angesetzten Tank-Brigaden waren zwischen Havrincourt und La Vacquerie konzentriert und griffen in Richtung auf Ribecourt und Crevecourt gegen den Scheldekanal an. Das Tank Corps wurde von dem Brigadegeneral Hugh Elles aus einem Mark IV mit dem Spitznamen Hilda kommandiert. Da die deutsche Jagdstaffel 11 (Jasta 11) auf Flugplätze bei Cambrai verlegt worden war, wurden von den Briten speziell für den Einsatz bei Cambrai 14 neu formierte Flugschwadronen des Royal Flying Corps abgestellt, um gegen ein Eingreifen deutscher Kampfflugzeuge unter Manfred von Richthofen gewappnet zu sein.

Die deutschen Positionen waren Teil der Siegfriedstellung, entsprechend gut ausgebaut und durch eine doppelte Verteidigungslinie gesichert. Eine dritte befand sich im Bau. Vor der Schlacht wurden dorthin Divisionen, die in Ypern hohe Verluste erlitten hatten, zur Erholung und Auffrischung verlegt. Das in diesem Abschnitt liegende deutsche XIV. Reserve-Korps und die „Gruppe Caudry“ verfügte über sieben Divisionen (im Norden: 240. und 20. Infanterie-Division, 20. Landwehr-Division, in der Mitte: 54. Infanterie-Division, 9. Reserve-Division, im Süden: 183. Infanterie-Division und 79. Reserve-Division) und gehörte zur 2. Armee unter General Georg von der Marwitz. Eine achte, die 107. Infanterie-Division, war bereits aus Russland unterwegs, da dort durch den Austritt Russlands aus dem Krieg nun Truppen frei wurden.

Die Schlacht Die britische Offensive mini|Nach dem britischen Angriff am späten Abend des 20. November 1917

Die Aufstellung der britischen Truppen zu Beginn der Schlacht war von rechts nach links (aus britischer Sicht gesehen): 55th (West Lancashire) Division (Jeudwine), 12th (Eastern) Division (Scott), 20th (Light) Division (Smith), 6th Division (Marden), 51st (Highland) Division (Harper), 62nd (2nd West Riding) Division (Braithwaite) und die 36th (Ulster) Division (Nugent). Die 29th Division (de Lisle) stand in Reserve bereit. Am 20. November 1917 morgens um 06:15 Uhr begann das Trommelfeuer der Artillerie und um 06:20 Uhr der Angriff der ersten Panzerwelle, der mit Nebelgranatenbeschuss unterstützt wurde. Der Nebelgranatenbeschuss hatte zur Folge, dass die deutschen Truppen kaum Beobachtungsmöglichkeiten hatten, so dass kein Artilleriebeschuss und keine Luftaufklärung möglich waren. Außerdem wurde, da man die Nebelschwaden mit Gas verwechselte, Gasalarm gegeben, was dazu führte, dass die Infanterie in den Schützengräben in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt war.