Die Hohenzollerische Landesbahn (HzL) ist ein Verkehrsbetrieb der SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH. Sie betreibt in Baden-Württemberg Bus- und Schienenpersonennahverkehr. Das zuvor eigenständige und bis 1956 als HLB (Hohenzollerische Landesbahn-Aktiengesellschaft) bezeichnete Unternehmen ging im Januar 2018 in der damaligen SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG auf, wobei der Unternehmensname als Marke beibehalten wurde.

Neben AVG und SWEG war die HzL die größte nicht-bundeseigene Eisenbahngesellschaft in Baden-Württemberg. Hier betrieb sie seit 1900 Personen- und Güterverkehr. Zuletzt hatte sich das Tätigkeitsfeld der HzL auf weite Teile im Süden von Baden-Württemberg ausgedehnt.

Die HzL war Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE) und im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Geschichte Gründung mini|links|Die Hohenzollerischen LandeDer zu Preußen gehörende Regierungsbezirk Sigmaringen (Hohenzollernsche Lande) lag als lang gezogenes Territorium inmitten des Königreichs Württemberg, deren Staatsbahn KWStE dieses „ausländische“ Gebiet lediglich auf dem jeweils kürzesten Weg durchquerte und nur die beiden Kreisstädte Hechingen (seit 1869) und Sigmaringen (seit 1878) bediente.

Seit dem Anschluss an die württembergische Staatsbahn gründeten sich in Hohenzollern zahlreiche Eisenbahnkomitees, welche durch die Erschließung des Landesinneren die wirtschaftliche Entwicklung voranbringen wollten. Neben einer geringen Rentabilität war der Staatsvertrag zwischen der preußischen und württembergischen Regierung vom 3. März 1865 ein wesentliches Hindernis für die Umsetzung der Pläne. Demnach konnte das Königreich Württemberg jedem Eisenbahnunternehmen den Anschluss an das Netz der KWStE versagen, auch auf preußischem Territorium.

Mit Erlass des Preußisches Kleinbahngesetzes vom 27. Juli 1892 traten umfassende Erleichterungen in Bezug auf das staatliche Genehmigungs- und Aufsichtswesen für Schienenbahnen von eher lokaler Bedeutung, sogenannten Kleinbahnen, ein. Das Königreich Preußen erhoffte sich eine Erschließung der dünn besiedelten ländlichen Gebiete und stellte darüber hinaus Fördermittel in Aussicht. Unter diesen Voraussetzungen beschloss der Kommunallandtag schließlich am 28. Februar 1896, eine Eisenbahngesellschaft zu gründen.

Am 5. Juli 1899 wurde der Gesellschaftsvertrag in Sigmaringen unterzeichnet. Als Gründer der Actiengesellschaft Hohenzollern’sche Kleinbahngesellschaft hatten das Land Preußen 50 Prozent sowie der Landeskommunalverband der Hohenzollerischen Lande und die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft je 25 Prozent des Stammkapitals in Höhe von 3,24 Mio. Mark übernommen.Karlheinz Fahlbusch (kf): Landkreis vielfach finanziell engagiert. In: Südkurier. 3. August 2011.

Der in Köln ansässigen Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (WeEG) wurde die Bau- und Betriebsleitung sowie der Auftrag zum Bau der ersten vier Stichstrecken erteilt. Im Gegenzug garantierte der Landeskommunalverband der Hohenzollerischen Lande eine Dividende von 3,5 Prozent für die Dauer von 35 Jahren.

Streckenbau Von den württembergischen Staatsbahnstrecken baute die HzL zunächst Stichbahnen zur Erschließung des preußischen Gebietes. Die erste, sechs Kilometer lange Strecke, führte ab 28. März 1900 aus dem Donautal bei Sigmaringendorf im Laucherttal nordwärts zum Fürstlichen Hüttenwerk mit dem Güterbahnhof Laucherthal und weiter nach Bingen. Im folgenden Jahr übergab die HzL drei weitere Stichbahnen dem Betrieb:

am 18. März 1901 von Hechingen bis Burladingen, am 17. Juni 1901 von Eyach über Haigerloch nach Stetten mit dem Salzbergwerk Stetten und am 7. November 1901 vom an der Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen gelegenen Kleinengstingen nach Gammertingen.

Nach einer mehrjährigen Pause wurden die vier Stichstrecken zu einem zusammenhängenden Netz erweitert: Von Burladingen erreichte die Bahn am 6. Dezember 1908 Gammertingen und führte weiter nach Südosten über Hanfertal nach Bingen, wo über die bestehende Strecke nach Sigmaringendorf der Anschluss an die Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen erreicht wurde. Am 5. Oktober 1910 wurde die Abkürzung von Hanfertal nach Sigmaringen Landesbahnhof fertig gestellt. Schließlich war am 24. Dezember 1912 die letzte Lücke zwischen Stetten und Hechingen geschlossen und damit eine durchgehende Strecke von Eyach über Hechingen–Gammertingen–Hanfertal bis Sigmaringendorf von 86 Kilometer Länge geschaffen worden. Mit den Abzweigungen nach Kleinengstingen (20 Kilometer) und nach Sigmaringen (zwei Kilometer) umfasste das HzL-Netz eine Gesamtlänge von fast 107,4 Kilometer, wovon knapp 15 Kilometer Strecken in Württemberg lagen. Eine geplante Verbindung zwischen Stetten bei Haigerloch und Balingen kam nicht zur Ausführung.

Organisation Mit Beschluss der Generalversammlung vom 18. Juni 1907 wurde die Actiengesellschaft Hohenzollern’sche Kleinbahngesellschaft in Hohenzollerische Landesbahn-Aktiengesellschaft umbenannt.

Die Betriebsführung lag zunächst in den Händen der Betriebsabteilung Stuttgart der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft und wurde nach deren Auflösung an die Vereinigte Kleinbahnen Aktiengesellschaft in Frankfurt am Main übertragen. Ab 1933 führte die bis 1956 als HLB bezeichnete Gesellschaft ihren Betrieb selbst durch.

Seit 1972 war der Mehrheitsaktionär das Land Baden-Württemberg mit 71,934 Prozent, während der Zollernalbkreis und der Landkreis Sigmaringen je 14,033 Prozent besaßen. Die HzL wiederum hielt 7,5 Prozent des Stammkapitals des Verkehrsverbundes Neckar-Alb-Donau (naldo).Karlheinz Fahlbusch (kf): Landkreis vielfach finanziell engagiert. In: Südkurier. 3. August 2011.

Die HzL kooperierte seit den 2000er-Jahren mit der zu 100 Prozent in Landeseigentum befindlichen Südwestdeutschen Verkehrs-AG, zuletzt hatten beide Gesellschaften einen personengleichen Vorstand. Am 1. Januar 2018 fusionierte die HzL mit der Südwestdeutschen Verkehrs-AG (SWEG) zur Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG). Die Marke „HzL“ soll erhalten bleiben.

Betrieb mini|HzL-Bahnbetriebswerk Gammertingen 1947 erweiterte die HzL ihren Geschäftsbereich um Linienbusse, die heute in der Region zwischen Reutlingen, Horb, Sigmaringen und Riedlingen verkehren.

Der Mittelpunkt des Schienenverkehrs befindet sich in Gammertingen, wo die HzL ein Bahnbetriebswerk und ein Stellwerk unterhält. 2017 wurde der Bahnhof Gammertingen saniert und das mechanische durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt.

Personenverkehr NetzLinieZuglaufFahrzeugeVertragslaufzeitAnmerkung15 Biberbahn

(Freizeitverkehr)Stockach – Mühlingen-Zoznegg – Sauldorf – Bichtlingen – Meßkirch – Menningen-Leitishofen – MengenRegio-Shuttle 1Im Auftrag der DB Regio AG bis Juli 202415 Schwarzwälder Ring // 3er-RingzugBräunlingen – Donaueschingen – Villingen (Schwarzw) – Schwenningen (Neckar) – Trossingen Bf (– Trossingen Stadt) – Rottweilvoraussichtlich bis Dez. 2027Rottweil – Tuttlingen – Immendingen – Blumberg-Zollhaus12 Ulmer SternMunderkingen – Ehingen (Donau) – Schelklingen – Ulm HbfCoradia LINT 54Jun. 2019 – Dez. 2032Ulm Hbf – Langenau (Württ.) – Giengen (Brenz) – Heidenheim – Aalen Hbf14a Zollernalbbahn ZAB 1Tübingen Hbf – Hechingen – Balingen (Württ) – Albstadt-Ebingen – SigmaringenDez. 2013 – Dez. 202514a Zollernalbbahn

(Freizeitverkehr)Eyach – Haigerloch – Hechingen LB14b Zollernalbbahn ZAB 2Hechingen – Gammertingen – SigmaringenDez. 2016 – Dez. 202514a Zollernalbbahn

(Freizeitverkehr)Balingen (Württ.) – Schömberg (b. Balingen)

Personenverkehr auf den Stammstrecken der HzL Im Zuge der bundesweiten Stilllegung von Nebenbahnen stellte auch die HzL zwischen 1968 und 1973 den Personenverkehr auf einigen Schienenstrecken auf Busbedienung um:

29. September 1968: Sigmaringendorf–Bingen–Hanfertal (Schülerzug bis 30. Mai 1991) 1. Juni 1969: Kleinengstingen–Trochtelfingen 28. Mai 1972: Trochtelfingen–Gammertingen 1. Oktober 1972: Eyach–Haigerloch 3. Juni 1973: Haigerloch–Hechingen

2000 wurde die Bahnstrecke Engstingen–Sigmaringen mit dem Rad-Wander-Shuttle für den Ausflugsverkehr reaktiviert. Nach umfangreichen Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen wurde der Personenverkehr zwischen Engstingen und Gammertingen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 wiederaufgenommen. Die Schwäbische Alb-Bahn verlängerte dafür ihren seit Juni 2019 ausgeweiteten Personenverkehr Ulm–Schelklingen–Engstingen weiter bis Gammertingen.

Im Herbst 2008 wurde auf der Bahnstrecke Eyach–Hechingen mit den HzL-Classic-Zügen nach 30 Jahren der SPNV wiederbelebt – zumindest mit Ausflugszügen. 2009 wurde der Freizeitverkehr als 3-Löwen-Takt Radexpress Eyachtäler aufgenommen, schrittweise ausgeweitet und 2016 zum Zug der Zeit umbenannt. Seit 2012 verkehrt er an allen Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis Mitte Oktober.

Personenverkehr auf Strecken anderer Eisenbahnen mini|Regio-Shuttle auf dem Viadukt von Lautlingen Seit den 1990er-Jahren hat sich das Tätigkeitsgebiet der Hohenzollerischen Landesbahn erheblich erweitert.

So übernahm die HzL ab 1993 die Betriebsführung für die Bodensee-Oberschwaben-Bahn, die zwischen Aulendorf und Friedrichshafen fährt. Bis Dezember 2021 wurden die Fahrzeuge durch die HzL in der Triebwagenhalle in Friedrichshafen gewartet.

1997 erhielt die HzL den Auftrag des Landes Baden-Württemberg für den Regionalbahn-Verkehr zwischen Tübingen und Aulendorf, der über die Bahnstrecke Tübingen–Sigmaringen, die Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen und die Bahnstrecke Herbertingen–Isny führt.mini|Das für den Ringzug in Immendingen 2003 errichtete HzL-Bahnbetriebswerk mit Regio-Shuttle, Bauj. 2003Seit 2001 betreibt die HzL auf der gepachteten Bahnstrecke Balingen–Rottweil im nicht abgebauten Abschnitt zwischen Balingen und Schömberg ein Rad-Wander-Shuttle an Sonn- und Feiertagen in der Sommersaison.

Seit September 2003 betreibt sie in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg den 3er-Ringzug, ein S-Bahn-ähnliches Nahverkehrssystem mit den Eckpunkten Blumberg, Tuttlingen, Rottweil, Villingen-Schwenningen und Donaueschingen, wofür der „Verkehrsbetrieb Ringzug“ mit eigener örtlicher Betriebsleitung und Betriebswerk geschaffen wurde.

Im Dezember 2006 löste die HzL die SBB GmbH im Zuge einer Neuausschreibung auf der 17 Kilometer langen „seehäsle“-Strecke Stockach–Radolfzell als Nahverkehrsbetreiber ab.

Seit dem 9. Juni 2019 betreibt die Hohenzollerische Landesbahn das Ausschreibungsnetz 12 „RB Ulmer Stern“. Dieses umfasst die Regionalbahnen (RB) Ulm–Aalen, Ulm–Langenau und Ulm–Munderkingen.

Mit der Aufnahme eines Freizeitverkehrs an Sonn- und Feiertagen im Abschnitt Stockach–Mengen der Bahnstrecke Radolfzell–Mengen erweiterte sich der Personenverkehr im Juli 2021 um den Radexpress Biberbahn.

Die HzL fuhr auch SPNV-Auftragsverkehre für die Deutsche Bahn (DB Regio) auf den Strecken Rottweil–Horb und Tübingen–Herrenberg (Ammertalbahn). Die Triebwagen und Lokomotiven der HzL sind regelmäßig auch mit Sonderzügen und Arbeitszügen in ganz Baden-Württemberg und in der Schweiz unterwegs.

Güterverkehr Im Güterverkehr übernahm die HzL 1990 die Traktion der Salz-Ganzzüge vom Salzbergwerk Stetten bei Stetten (b. Haigerloch) auf DB-Strecken bis nach Ulm. Ferner führt die HzL den Flächengüterverkehr zwischen Tübingen, Sigmaringen, Bad Saulgau und Schelklingen in Kooperation mit der Deutschen Bahn (DB Cargo) durch. Auf der Bahnstrecke Balingen–Schömberg ist das Holcim-Zementwerk Ausgangspunkt für wöchentliche Zement-Ganzzüge.

Bahnstrecken der HzL

Strecken im Eigentum der HzL (Stammstrecken) +Strecken-Nr. (DB)BezeichnungLängeheutiger Betrieb9460Bahnstrecke Eyach–Hechingen27,9 kmFreizeitverkehr, Güterverkehr9461Bahnstrecke Engstingen–Sigmaringen42,9 kmPersonenverkehr, Güterverkehr9462Bahnstrecke Sigmaringendorf–Hanfertal9,7 kmGüterverkehr9466Bahnstrecke Hechingen–Gammertingen27,0 kmPersonenverkehr, Güterverkehr

Gepachtete Strecken mini|„Rad-Wander-Shuttle“ der HzL in Balingen