mini|Ansicht der Westfassade mini|hochkant|Petrus mit Schlüssel (unter dem Kreuz) auf der Westfassade Der Dom St. Peter zu Regensburg, kurz Regensburger Dom, ist die bedeutendste Kirche der Stadt Regensburg und die Kathedrale des Bistums Regensburg. Der Sakralbau gehört neben dem Kölner Dom zu den bedeutendsten gotischen Kathedralen in Deutschland. Er entstand in Nachfolge eines romanischen Doms, von dem noch der sogenannte Eselsturm erhalten ist. Der Bau des gotischen Doms begann 1275. Ab 1450 war das Gebäude überdacht und nutzbar. Die Vervollständigung der beiden Türme und Turmhelme erfolgte zwischen 1859 und 1869.

Geschichte Geschichte der Vorgängerbauten Die kanonische Errichtung des Bistums durch den heiligen Bonifatius geht etwa auf das Jahr 739 zurück. Bis 975 übte der Abt der Benediktinerabtei St. Emmeram gleichzeitig das Amt des Bischofs von Regensburg aus. Er wählte als Bischofsresidenz den Bereich der Porta praetoria (Nordtor) des alten Römerkastells; dieser Dombezirk wurde nie mehr geändert. Zum ersten Dombau gibt es keine verlässlichen Hinweise. Die erste merowingische Bischofskirche war wohl eine einfache Saalkirche, der Bau wird um das Jahr 700 datiert. Aus einer Urkunde geht hervor, dass es schon 778 einen Dombau gab. Zwischen 739 und 825 wurde eine neue Domkirche gebaut. Ein Brand zerstörte 891 die Stadt Regensburg und den Dom.Achim Hubel: Der Dom zu Regensburg (Schnell Kunstführer. 41). 2. Auflage München/Zürich 1975, S. 2–3; Friedrich Fuchs: Der lachende Engel. Auf den Spuren der Steine am Dom zu Regensburg. Regensburg 2016, S. 9–11.

mini|Detailaufnahme: Eselsturm an der Nordseite In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts – wahrscheinlich im Rahmen der Ämtertrennung zwischen Abt und Bischof – entstand ein neuer romanischer Dombau als dreischiffige Basilika mit halbrunder Chorapsis und ohne Querhaus, wahrscheinlich auch ohne Türme, die 58 Meter lang war. Eine große Erweiterung nach Westen folgte um 1000 mit einem etwa 15 Meter tiefen Querhaus, zwei Türmen und einem Atrium, das den Dom mit der westlich gelegenen Taufkirche St. Johann verband. Die Gesamtanlage erstreckte sich nun über 128 Meter. Der nördliche Turm, der sogenannte Eselsturm, prägt bis heute die Nordquerhausfassade mit. Der Dom brannte in den Jahren 1156 und 1172 zweimal aus und wurde wiederhergestellt.Karl Schnieringer, in: Der Dom zu Regensburg – Textband 2. 2014, S. 1–18.

Geschichte der heutigen Domkirche mini|hochkant|Blick auf die Westfassade, vom Turm der Dreieinigkeitskirche aus; links im Bild befindet sich der Goldene Turm (2006) mini|Südquerhaus mit Fries unter dem Giebelansatz mit Blattmaske (mittig, ca. 1310) Nachdem der alte Dom infolge von Bränden in den Jahren 1272 und 1273 endgültig zerstört worden war,Markus T. Huber, Regina Simmerl: Die wiederentdeckte Domschrift Georg Reschs von 1838 „Beytraege zur historisch topographischen Beschreibung des Doms in Regensburg von Georg Aloys Resch, Königl. Bay. Rath u. Regierungs Assessor 1838. Mit drey Beylagen Heften“. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 154, 2014, , S. 71–133, hier S. 79. wurde im Jahr 1275 mit einem Neubau begonnen. Dabei wurde der Bauplatz nach Westen verschoben, so dass der alte Dom nach provisorischer Reparatur noch zur Hälfte genutzt werden konnte. Nach den ersten Plänen war eine Domkirche mit konservativem Zuschnitt ohne Triforium und Strebewerk geplant, deren Proportionen eher gedrungen ausgefallen wären. Bereits 1276 konnte der erste Altar geweiht werden, der Andreasaltar im Südchor.Karl Hausberger: Geschichte des Bistums Regensburg. I. Mittelalter und frühe Neuzeit. Regensburg 1989, S. 134; Edmund Stauffer: Der Dom. In: Bischöfliches Ordinariat Regensburg (Hrsg.): Jubiläumsjahr 1989. 1250 Jahre Bistum Regensburg. Rückblick. Regensburg 1989, S. 21–42, hier S. 21. Ab etwa 1280 ist als Bildhauer der sogenannte Erminoldmeister nachweisbar (neuerdings als Meister Ludwig identifiziert), der für die Skulpturen und den Baudekor verantwortlich war. Um 1295 wurde Meister Ludwig zum Dombaumeister ernannt. Er führte eine behutsame, aber konsequente Neuplanung über den schon vollendeten Bauteilen durch und verwandelte den Dom in einen hochgotischen Bau nach dem Muster der klassischen gotischen Kathedralen Frankreichs. Den Anlass dafür könnte eine Reise von Bischof Leo Thundorfer auf das Konzil in Lyon 1274 gegeben haben.Friedrich Fuchs: Der lachende Engel. Auf den Spuren der Steine am Dom zu Regensburg. Regensburg 2016, S. 13. Da durch die Immunitätsgrenze im Westen das Langhaus auf fünf Joche begrenzt war, planten die Bauleute als räumlichen Ausgleich einen für das 14. Jahrhundert ungewöhnlichen Vierungsturm. Dessen Unterbau wurde ausgeführt, die Vollendung dann jedoch zurückgestellt. Nachdem die drei Chöre des Doms, das Querhaus und das erste Joch der beiden Seitenschiffe vollendet waren, zog das Domkapitel feierlich in den Neubau um. Der alte Dom wurde profaniert und diente wahrscheinlich nun als Dombauhütte. Nach dem zweiten Joch des Langhauses war der Weiterbau blockiert, da die Stiftskirche St. Johann im Weg stand und das zuständige Stiftskapitel langwierige Verhandlungen durchsetzte, bis der Bau abgebrochen werden durfte. Dies zwang zu einem ungewöhnlichen Baufortschritt Richtung Westen. Nur das südliche Seitenschiff und das Erdgeschoss des Südturms konnten bis etwa 1360 hochgezogen werden. Selbst dann blieb der Weiterbau von Mittelschiff, nördlichem Seitenschiff, Nordturm und Hauptportal verwehrt, so dass das erste und zweite Obergeschoss des Südturms und der südlichen Obergaden des Mittelschiffs errichtet wurden. Erst 1380 wurde die Fläche freigegeben – nun arbeitete die Dombauhütte mit Hochdruck und vollendete bis etwa 1425 die fehlenden Teile des nördlichen Seitenschiffs, das Erdgeschoss des Nordturms und das Hauptportal mit seinem überreichen Figurenschmuck. Dann konzentrierte sich die Bautätigkeit auf das erste Obergeschoss des Nordturms und den nördlichen Obergaden, so dass 1443 ein neues steiles Dachwerk über dem Mittelschiff errichtet werden konnte. Damit war der gesamte Dom überdacht und konnte liturgisch genutzt werden. Die gesamte Raumschale präsentierte sich im Weiß des Kalksteins; die Gewölbesegel und sporadisch eingesetzte Gründsandsteinquader wurden ebenfalls weiß gekalkt. Farbig bemalt waren nur die Schlusssteine, die Altäre und die Skulpturen. In den folgenden Jahrzehnten bis um 1500 folgten der Nordturm bis zum zweiten Obergeschoss und die fehlenden Bereiche des Mittelteils der Westfassade einschließlich des Dreiecksgiebels. Danach blieben die Türme, der Ausbau der Querhausgiebel, der nach wie vor geplante Vierungsturm und die letzten drei Mittelschiffgewölbe unvollendet. Weitere Bauarbeiten konzentrierten sich nun auf den Domkreuzgang und den Neubau des Domkapitelhauses. Fehlende Finanzmittel und das Aufkommen der Reformation verhinderten ab etwa 1525 weitere Aktivitäten im gesamten Dombereich.Manfred Schuller: Der Dom zu Regensburg – Textband 2. 2014, S. 19–92.

mini|links|Westfassade mit dem auf einem Löwen reitenden König Nebukadnezar vor der Stirnwand der Turmstrebepfeiler in Höhe der Erdgeschossfenster (nach der Vision des Propheten Daniel); Kragstein mit Blattmaske Die Finanzierung des Dombaus leisteten bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Regensburger Bischöfe und die Bürger der Reichsstadt durch zum Teil sehr großzügige Stiftungen. Da die Wirtschaftskraft der Stadt zusehends erlahmte und die Bischöfe andere Interessen hatten, mussten nun die Pfarreien des Bistums einspringen, die in der Oberpfalz durch die Eisenverhüttung und in Niederbayern durch die fruchtbaren Ackerböden durchaus vermögend blieben.Johann Gruber, Achim Hubel, Peter Morsbach: Der Dom zu Regensburg – Textband 3. 2016, S. 85–105.

mini|hochkant|Der Dom vor dem Ausbau der Türme Erst unter Bischof Albert IV. von Törring (1613–1649) wandten sich die Kirchenoberen wieder der Architektur des Doms zu. Damals erhielten die drei fehlenden Joche des Mittelschiffs ihre Gewölbe, die von den mittelalterlichen kaum zu unterscheiden sind. Entsprechend den Empfehlungen des Konzils von Trient wich der gotische Lettner einem schmiedeeisernen Gitter. Die mittelalterliche, ganz in Weiß gehaltene Farbfassung des Innenraums wurde durch eine Bemalung in Goldocker ersetzt, akzentuiert durch vergoldete Kapitelle und anderen Golddekor. Dadurch wirkte der ganze Innenraum wie vergoldet, wie ein nach innen gekehrter monumentaler Reliquienschrein. Auch die Altäre und die Skulpturen wurden neu gefasst, so dass eine einheitliche künstlerische Neugestaltung entstand. Später (um 1700) entschloss sich das Domkapitel zu einer erneuten Umgestaltung. Diesmal wurde die Raumfassung sogar zu einem Olivgrau abgedunkelt. Gleichzeitig wurden die mittelalterlichen Glasmalereien im Obergaden des Mittelschiffs entfernt und durch farblose Gläser ersetzt, um den Innenraum heller werden zu lassen. So ergab sich ein spannungsreicher Kontrast zwischen den dunklen Bauteilen unten und den hell erleuchteten Fenstern oben. In diesem Zusammenhang erhielt der Dom 1697 an Stelle des im Mittelalter geplanten Vierungsturmes eine flache Pendentifkuppel, die von den Gebrüdern Carlone bunt bemalt und mit üppigen Stukkaturen versehen wurde. Auch die Skulpturen wurden neu bemalt, diesmal meist in hellen Weißtönen mit sparsamer Vergoldung, damit sie sich vor dem nun dunklen Hintergrund besser abhoben.Angelika Wellnhofer: Der Dom zu Regensburg – Textband 3. 2016, S. 133–230.

Im 19. Jahrhundert führten die Geringschätzung des Barock und die romantische Vorstellung von „stilreiner“ Architektur zu einschneidenden Maßnahmen. Der bayerische König Ludwig I. stiftete ab 1827 farbige Glasfenster, um die Lücken im Bestand der mittelalterlichen Glasmalereien zu schließen. Dann ordnete er 1834 eine radikale Purifizierung des Inneren an, die unter der Leitung des Münchner Architekten Friedrich von Gärtner bis 1839 durchgeführt wurde. Bis auf den Hochaltar wurden alle barocken Altäre sowie das Chorgitter, die Oratorien und Tribünen entfernt. Die Barockkuppel erhielt ein neues „stilgerechtes“ gotisches Rippengewölbe. Auch wurden alle barocken Grabdenkmäler und die großen, an den Wänden hängenden Gemälde entfernt. Die Farbigkeit der Raumschale blieb erhalten, da sie als steinfarben erachtet wurde: Die Reste der teilweise abgepuderten olivgrauen Farbschicht des Doms bestimmten in Verbindung mit der älteren Ockerfassung, die besser erhalten war und deshalb dominierte, die Farbigkeit des Innenraums.

mini|links|Aufnahme des Doms vom Sommer 1860, nach der am 21. Mai 1860 begonnenen Niederlegung des Südturm-Daches mini|Älteste bekannte fotografische Gesamtansicht Regensburgs (um 1866), zu erkennen die gerade im Bau befindlichen Turmhelme mini|hochkant|Domtürme im Frühjahr 1865