mini|Schland-Jubel im Straßenverkehr während der Fußball-WM 2010 Schland [] ist ein humoresk konnotiertes Kunstwort und als Schwanzwort eine Abkürzung von „Deutschland“. Während der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erlangte es größere Bekanntheit. Am häufigsten gebraucht wird es seither als Kritik an der überschwänglichen Feierlaune im öffentlichen Raum zu Zeiten großer internationaler Fußballturniere. Mit dem Gebrauch des Wortes kann je nach Kontext aber auch deutscher Patriotismus allgemein kritisiert werden, die Bundesrepublik Deutschland und/oder Germanozentrismus.

Entstehung Der Begriff Schland wurde erstmals durch den Künstler Knut Kargel in seinen satirisch-kritischen Fotocollagen „Kohl and the Gang“ (1988) und „Schland“ (1990) verwendet.Knut Kargel: Kohl and the Gang, Fotocollage, 1988, Archiv-Nr. 671. Abgerufen am 15. Juli 2023.Knut Kargel: Schland, Lithografie, 1990, Archiv-Nr. 983. Abgerufen am 15. Juli 2023.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Schland 2002, als Stefan Raab in seiner Fernsehsendung TV total den Begriff erstmals als verballhornten Fangesang propagierte. Bundesweite Bekanntheit erlangte Schland vier Jahre später zur darauf folgenden Fußball-WM; laut Max Lazarus im Stern tauchte Als Begründung für die aufkommende Popularität des Kunstwortes fügte Nina Anika Klotz im Magazin The European an:

Schland o Schland von Uwu Lena, eine Coverversion von Satellite, war ein bekanntes Lied zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010.

Verwendung Inzwischen beschreibt Schland eine durch Fußballbegeisterung ausgelöste Stimmung zwischen enthemmter Feierlaune und unpolitischem Patriotismus.

Daneben hat der Begriff auch schon Verwendung gefunden bei der Beschreibung von Peinlichkeiten von B-Prominenz, dem Outfit der Altkanzlerin Angela Merkel („Schlandkette“ und „Schlandtasche“sba: Merkel trägt „Schlandtasche“. In: n-tv. 14. Juli 2014, abgerufen am 22. Juli 2014.) oder der Marketinggestaltung in den Farben der deutschen Flagge von Verkaufsverpackungen („verschlandete Produkte“).

Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) nahm das Kunstwort Anfang August 2014 in das Nachschlagewerk Neuer Wortschatz auf und definierte es wie folgt: Schland gehört zur linguistischen Häufigkeitsklasse 16. der Universität Leipzig.

thumb|Das Wort "Deutschland" in der DEK mit hochgestelltem "sch"-Zeichen am Anfang; bei Tieferstellung auf die Grundlinie ergibt sich die Bedeutung "Schland". In der Deutschen Einheitskurzschrift (DEK) wird das Adjektiv „deutsch“ mit dem hochgestellten Zeichen für sch abgekürzt, sodass sich aus der Stenoschreibweise für „Deutschland“ die Zeichenfolge schland ergibt, wenn man das Wort "Deutschland" auf der Grundlinie schreibt und so auch die symbolische Überhöhung beseitigt.

Gesellschaftliches Phänomen mini|Public Viewing 2010 auf dem Heiligengeistfeld Jürgen Mittag, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln, versteht unter Schland eine . Sichtbarer Ausdruck dieser Atmosphäre ist für gemeinhin ein öffentlich gezeigter, eher spielerischer Umgang mit der Flagge Deutschlands und deren Farben Schwarz-Rot-Gold. Nach Arne Lichtenberg malen sich Menschen , schmücken mit deutschen Fahnen und . Lichtenberg beschreibt Schland als eine .

Michael Ebmeyer schreibt in der Tageszeitung Die Welt, dass das 2006 ausgebrochen sei und das sich wiederhole, dabei habe sich als etabliert.

Laut Friedrich Teuffel im Tagesspiegel war , da eine Fußballweltmeisterschaft in stattfinde, dass .

Markenrecht Seit dem 18. November 2005 ist Schland als Wortmarke beim Deutschen Patentamt geschützt, die Rechte daran hält Stefan Raabs Produktionsfirma Raab TV GmbH, an der die Dachorganisation Brainpool seit 2008 zu 50 Prozent beteiligt ist. Die Raab TV GmbH vertreibt verschiedene mit dem Markennamen „Schland“ versehene Merchandisingprodukte.

Verwandte Begriffe Eine mit dem heutigen Wortgebrauch vergleichbare Wortschöpfung ist Ingerland als scherzhafte Landesbezeichnung in englischen Fußballgesängen. Mit dem ursprünglich satirischen Sinn vergleichbar sind die Bezeichnungen ’murica für die USA und ’straya für Australien, bei denen ebenfalls jeweils die erste Wortsilbe fehlt. Allerdings handelt es sich bei den beiden Begriffen jeweils um eine Elision der unbetonten ersten Silbe sowie einer umgangssprachlich veränderten Aussprache der übrigen Silben, im Gegensatz zu Schland, welches die unbetonte zweite Wortsilbe ohne Lautwandel bewahrt.

Weblinks

Rainer Leurs: Wie Deutschland das „Schland“ entdeckte. In: Spiegel Online. 4. Juli 2014. Moritz Dirks, Ann-Catrin Malessa: . In: Aspekte. 27. Juni 2014. Helmut Schümann: Schland flaggt wieder – unbelasteter oder unsensibler Patriotismus?. In: Der Tagesspiegel. 4. Juni 2014. Sarah Peters: Die Sache mit dem „Schland“. In: Goslarsche Zeitung. 27. Juni 2014. Arne Lichtenberg: Fußballrausch in Deutschland. In: Deutsche Welle. 23. Juni 2012.

Literatur Michael Ebmeyer: Das Spiel mit Schwarz-Rot-Gold. Kein & Aber Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-0369-5697-8. Dagmar Schediwy: Ganz entspannt in Schwarz-Rot-Gold? – Der Neue deutsche Fußballpatriotismus aus sozialpsychologischer Perspektive. Lit Verlag, 2012, ISBN 978-3-643-11635-2.

Einzelnachweise

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