Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der englischen Fußballnationalmannschaft der Männer bei Weltmeisterschaften. England wurde bisher einmal Weltmeister und ist die einzige Mannschaft, die nur im eigenen Land Weltmeister werden konnte. Danach reichte es nur noch zu einem dritten und zwei vierten Plätzen.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien nicht teilgenommen 1938 Frankreich nicht teilgenommen 1950 Brasilien Vorrunde Spanien, Chile, USA 8. Walter Winterbottom 1954 Schweiz Viertelfinale Uruguay 6. Walter Winterbottom 1958 Schweden Vorrunde Brasilien, UdSSR, Österreich 11. Walter Winterbottom ausgeschieden im Entscheidungsspiel gegen die UdSSR 1962 Chile Viertelfinale Brasilien 8. Walter Winterbottom ausgeschieden gegen den späteren Weltmeister 1966 England Finale Deutschland Weltmeister Alf Ramsey einziger WM-Titel; Wembley-Tor 1970 Mexiko Viertelfinale Deutschland 8. Alf Ramsey ausgeschieden in der Verlängerung 1974 Deutschland nicht qualifiziert in der Qualifikation an Polen gescheitert 1978 Argentinien nicht qualifiziert in der Qualifikation an Italien gescheitert 1982 Spanien Zwischenrunde Deutschland, Spanien 6. Ron Greenwood ausgeschieden ohne Niederlage 1986 Mexiko Viertelfinale Argentinien 8. Bobby Robson ausgeschieden gegen den späteren Weltmeister, u. a. durch Handtor Diego Maradonas („Hand Gottes“);Gary Lineker Torschützenkönig 1990 Italien Spiel um Platz 3 Italien Vierter Bobby Robson Halbfinalniederlage im Elfmeterschießen gegen den späteren Weltmeister Deutschland 1994 USA nicht qualifiziert in der Qualifikation an den Niederlanden und Norwegen gescheitert 1998 Frankreich Achtelfinale Argentinien 9. Glenn Hoddle ausgeschieden im Elfmeterschießen 2002 Südkorea/Japan Viertelfinale Brasilien 6. ausgeschieden gegen den späteren Weltmeister 2006 Deutschland Viertelfinale Portugal 7. ausgeschieden im Elfmeterschießen 2010 Südafrika Achtelfinale Deutschland 13. Englands höchste WM-Niederlage beim 1:4 gegen Deutschland„Wembley-Reloaded“ 2014 Brasilien Vorrunde Italien, Uruguay, Costa Rica 26. Roy Hodgson erstes WM-Vorrundenaus seit 56 Jahren 2018 Russland Spiel um Platz 3 Belgien Vierter Gareth Southgate In der Qualifikation setzte sich England gegen die Slowakei, Schottland, Slowenien, Litauen und Malta durch. Im Achtelfinale gegen Kolumbien erster Sieg Englands im Elfmeterschießen bei einer WM. 2022 Katar ViertelfinaleFrankreich6. Gareth Southgate In der Qualifikation waren Polen, Ungarn, Albanien, Andorra und San Marino die Gegner. Bei der Endrunde trafen die Engländer in der Vorrunde auf den Iran, die USA und Wales. In der K.-o.-Runde wurde zunächst der Senegal besiegt und dann gegen Titelverteidiger Frankreich verloren. 2026 Kanada/Mexiko/USA Spiel um Platz 3 Frankreich 3. Als erste europäische Mannschaft qualifiziert. In der Vorrunde trafen die Engländer auf Kroatien, Ghana und Panama.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der englischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: dreimal (13,0 %; 1930, 1934 und 1938) Nicht qualifiziert: dreimal (13,0 %; 1974, 1978, 1994) Sportliche Qualifikation (inkl. als Titelverteidiger): sechzehnmal (69,6 % bzw. 80 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation als Gastgeber: einmal (4,3 %; 1966) Vorrunde: dreimal (13,0 %; 1950, 1958, 2014) Achtelfinale: zweimal (8,7 %; 1998 und 2010) Zwischenrunde mit 12 Teilnehmern: einmal (4,3 %; 1982) Viertelfinale: siebenmal (30,4 %; 1954, 1962, 1970, 1986, 2002, 2006 und 2022) Halbfinale: zweimal (8,7 %; 1990 und 2018) 3. Platz: einmal (4,3 %; 2026) 4. Platz: zweimal (8,7 %; 1990 und 2018) Finale: einmal (4,3 %; 1966) Weltmeister: einmal (4,3 %; 1966)
Häufigster letzter Gegner: Deutschland (dreimal, davon nur einmal gewonnen)
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay bis 1938 in Frankreich In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg waren die britischen Fußballverbände noch nicht damit einverstanden, dass Profi-Spieler an Fußball-Weltmeisterschaften teilnehmen. Die englische Nationalmannschaft nahm deshalb weder an der WM 1930 noch an den Qualifikationswettbewerben für die WM-Endrunden 1934 und 1938 teil.
1950 in Brasilien
Die englische Mannschaft hatte sich durch den Sieg bei den British Home Championships für die Endrunde in Brasilien qualifiziert und hatte seit 1946 mit Walter Winterbottom erstmals einen hauptamtlichen Nationaltrainer. Mit einem 2:0 gegen Chile startete England in die WM, verlor dann aber gegen eine Amateurmannschaft aus den USA mit 0:1 und durch das folgende 0:1 gegen Spanien war das Vorrundenaus besiegelt.
1954 in der Schweiz
Wieder waren die British Home Championship 1953/54 gleichzeitig die Qualifikation für die WM-Endrunde und England setzte sich mit drei Siegen gegen die anderen britischen Mannschaften durch. In der Schweiz wurde die englische Mannschaft in eine Gruppe mit Gastgeber Schweiz und Ex-Weltmeister Italien sowie Belgien gelost. Da England und Italien aber aufgrund des einmaligen Modus gesetzt waren, mussten sie nicht gegeneinander spielen. Der Modus verlangte auch, dass bei einem Unentschieden nach regulärer Spielzeit eine Verlängerung folgte. So musste England nach einem 3:3 gegen Belgien eine Verlängerung bestreiten, in der beiden noch ein Tor gelang. Das 4:4 n. V. ist eines der Unentschieden mit den meisten Toren. Gegen die Schweiz konnte England dann mit 2:0 gewinnen und ins Viertelfinale einziehen. Dort traf der selbst erklärte Weltmeister auf Titelverteidiger Uruguay und verlor mit 2:4, wobei dem englischen Torhüter Gil Merrick einige Fehler unterliefen, womit er eine unrühmliche Tradition englischer Torhüter begründete.
1958 in Schweden
Erstmals trat England in der Qualifikation gegen andere europäische Mannschaften an und setzte sich gegen Irland und Dänemark mit drei Siegen und einem Remis durch. Vier Monate vor der WM kamen durch den Absturz des British-European-Airways-Flug 609 u. a. die Nationalspieler Roger Byrne, Duncan Edwards, David Pegg und Tommy Taylor ums Leben, Mitglieder des englischen Meisters Manchester United. Bei der Endrunde, für die sich bis heute zum einzigen Mal auch die anderen britischen Mannschaften qualifiziert hatten, und jede in eine andere Gruppe gelost wurde, traf England auf die Sowjetunion (2:2), Brasilien (0:0) und den WM-Dritten Österreich (2:2). Da nach Abschluss der Gruppenphase die Sowjetunion und England beide 4:4 Tore und 3:3 Punkte hatten, gab es ein Entscheidungsspiel um den zweiten Platz, das die Engländer mit 0:1 verloren und damit ausschieden. Der einzige Erfolg für die Engländer war somit, dass sie als einzige Mannschaft gegen den späteren Weltmeister Brasilien nicht verloren und dabei ohne Gegentor blieben.
1962 in Chile
Für die dritte WM in Südamerika qualifizierte sich England durch drei Siege und ein Remis gegen Portugal und Luxemburg und wurde in eine Gruppe mit Ungarn (1:2), Argentinien (3:1) und Bulgarien (0:0) gelost. Als Zweiter hinter Ungarn erreichte die Mannschaft das Viertelfinale und traf dort auf Titelverteidiger Brasilien. Mit dem 1:3 endete die Amtszeit von Walter Winterbottom, der England zu vier WM-Endrunden geführt hatte. Ab Mai 1963 war dann Alf Ramsey Nationaltrainer.
1966 in England
links|mini|Die 4 Tonnen schwere Champions Statue in West Ham der vier bei West Ham United spielenden Weltmeister Moore, auf den Schultern von Hurst und Ray Wilson sitzend, sowie Peters mini|Finalaufstellungen
1966 nutzte England den Heimvorteil und wurde unter Alf Ramsey zum bisher einzigen Mal Weltmeister. Dabei spielte England alle sechs Spiele nur in einem Stadion, dem Wembley-Stadion in London, was nachher keinem Gastgeber mehr vergönnt war. Nach einem 0:0 im Eröffnungsspiel gegen Ex-Weltmeister Uruguay, mit dem eine Serie von vier torlosen Eröffnungsspielen begann, wurden Frankreich und Mexiko mit 2:0 besiegt. Im Viertelfinale wurde dann mit dem 1:0 gegen Argentinien das erste Kapitel der englisch-argentinischen Rivalität geschrieben als in einem sehr harten Spiel der Argentinier Antonio Rattín vom deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein vom Platz gestellt wurde. Es folgte ein 2:1 im Halbfinale gegen Portugal, bei dem England das erste Gegentor hinnehmen musste. Für Torhüter Gordon Banks war es das erste Gegentor nach 721 Minuten, was bis heute noch englischer Torhüterrekord ist. Anschließend gewann England dann das Finale gegen Ex-Weltmeister Deutschland, das insbesondere durch das Wembley-Tor in die Annalen einging mit 4:2 nach Verlängerung und damit zum siebten Mal in Folge gegen Deutschland.
1970 in Mexiko
Für die erste WM-Endrunde in Mittelamerika war England als Titelverteidiger automatisch qualifiziert und wurde in eine Gruppe mit Rumänien (1:0), Ex-Weltmeister Brasilien (0:1) und der Tschechoslowakei (1:0) gelost. Im Viertelfinale kam es erstmals zu einer Neuauflage des Finales der vorherigen WM und England ging gegen Deutschland durch Tore von Alan Mullery und Martin Peters mit 2:0 in Führung. Auch nachdem Franz Beckenbauer in der 70. Minute der Anschlusstreffer gelang, glaubte Alf Ramsey noch an den Erfolg und wechselte unmittelbar nach dem Anschlusstor Bobby Charlton aus, der mit seinem 106. Länderspiel Billy Wright als Weltrekordhalter abgelöst hatte. Uwe Seeler erzwang aber in der 81. Minute die Verlängerung, in der Gerd Müller der Siegtreffer zum 3:2 für Deutschland gelang. Für Charlton bedeutete das Aus im Viertelfinale das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere, Alf Ramsey blieb dagegen im Amt und England sah sich für 12 Jahre in der Rolle des WM-Zuschauers.
1974 in Deutschland Erstmals konnte England sich nicht für eine WM-Endrunde qualifizieren. In einer Gruppe mit Olympiasieger Polen und Wales musste England den Polen den Vortritt lassen. Nachdem gegen Wales im Heimspiel nur ein 1:1 gelang und das Hinspiel in Polen mit 0:2 verloren wurde, brauchte England im Heimspiel gegen Polen einen Sieg, während den Polen ein Remis genügte. In der ersten Halbzeit widerstand Polen den stürmischen Angriffen der Engländer, bei denen mit Martin Peters noch ein 66er-Weltmeister mitspielte, im ausverkauften Wembley-Stadion und ging dann selber durch einen Konter in der 57. Minute durch Jan Domarski in Führung. England gelang zwar sechs Minuten später durch einen von Allan Clarke verwandelten Elfmeter der Ausgleich, mehr ließen die Polen, insbesondere ihr Torhüter Jan Tomaszewski – der kurz zuvor von Brian Clough als Clown tituliert wurde – nicht zu.eu-football.info: „Football MATCH: 17. Oktober 1973 England v Poland“ „It's all over“ wurde dies vom Kommentator des Spiels kommentiert.England 1-1 Poland (1973) WCQ Polen konnte dann bei der Endrunde durch modernen Fußball überzeugen und Dritter werden. Alf Ramsey trat nach der verpassten Qualifikation zurück und nach einer Zeit, in der die Nationaltrainer 16 und 13 Jahre im Amt blieben, folgte eine Zeit in der kein Nationaltrainer länger als acht Jahre amtierte, was nur Bobby Robson gelang.
1978 in Argentinien Auch für die vierte WM in Südamerika konnte England sich nicht qualifizieren. Diesmal scheiterte England an Italien, wobei bei gleicher Punktzahl drei weniger erzielte Tore den Ausschlag gaben, nachdem beide ihre Heimspiele gegeneinander mit 2:0 gewonnen hatten. Die anderen Gruppengegner Finnland und Luxemburg waren nur Punktelieferanten, aber die Höhe der Siege gegen beide letztlich entscheidend. Immerhin erhielt Ron Greenwood, der 1977 das Amt des Nationaltrainers übernommen hatte, eine zweite Chance.
Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien