mini|Werner J. Patzelt (2016) Werner Josef Patzelt (* 23. Mai 1953 in Passau) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er war von 1991 bis zu seiner altersbedingten Emeritierung im Jahr 2019 Inhaber des Lehrstuhls für Politische Systeme und Systemvergleich an der TU Dresden.TU Dresden: Emeritus. Eine von ihm beantragte anschließende Seniorprofessur lehnte die TU mit der Begründung ab, dass Patzelt seine wissenschaftliche und politische Rolle unzulässig vermische und gegen das für Professoren geltende Mäßigungsgebot verstoßen habe. Danach war er bis 2025 Forschungsdirektor des Mathias Corvinus Collegium mit Hauptsitz in Budapest, einer Viktor Orbán nahestehenden Denkfabrik.„Studienstiftung“ veranstaltet Sommerakademie mit Viktor Orbáns Handlangern, fr.de, 12. Februar 2024 Patzelt tritt regelmäßig als Kommentator und Interviewpartner zu politischen Themen in Erscheinung.

Leben Akademischer Werdegang Von 1963 bis 1972 besuchte Patzelt das humanistische Gymnasium Leopoldinum Passau. Nach dem Abitur leistete er zwei Jahre Dienst bei der Bundeswehr; später wurde er bis zum Major der Reserve befördert.

Ab 1974 studierte Patzelt Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Straßburg sowie der University of Michigan in Ann Arbor und erlangte 1980 den akademischen Grad eines Magister Artium (M.A.) an der LMU München. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Passau, wo er 1984 bei Heinrich Oberreuter mit einer Arbeit über die Grundlagen der Ethnomethodologie zum Doctor Philosophiae (Dr. phil.) summa cum laude promoviert wurde. Nach einer sechsjährigen Beschäftigung als wissenschaftlicher Assistent habilitierte sich Patzelt 1990 mit einer Schrift über Abgeordnete und Repräsentation an der Universität Passau.

In den folgenden zwei Jahren lehrte er als Gastprofessor an der Universität Salzburg (1990) und an der Technischen Universität Dresden (1991), ehe er 1992 zum Gründungsprofessor des Instituts für Politikwissenschaft an der TU Dresden berufen wurde. Patzelt besetzte dort den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich. Im März 2019 wurde er pensioniert. Eine von ihm beantragte, anschließende Seniorprofessor lehnte die TU mit der Begründung ab, dass Patzelt „auf unzulässige Weise die wissenschaftliche und die politische Rolle vermenge“ und als Professor „gegen das Mäßigungsverbot verstoßen“ habe.TU Dresden trennt sich von Werner Patzelt. In: Forschung und Lehre, 21. Januar 2019. Abgerufen am 9. Dezember 2025. Im Rahmen des 1. und 2. Boysen-TU Dresden-Graduiertenkollegs betreute er jeweils ein Promotionsprojekt.

Einen Ruf an die Universität Münster hatte er im Jahr 2000 abgelehnt. Patzelt war Vertrauensdozent der Konrad-Adenauer-Stiftung, zu seinen akademischen Schülern gehören u. a. Jakob Lempp, Martin Thein und Christoph Meißelbach. Eckhard Jesse sprach von einer „Parlamentarismus-Schule“ um Patzelt.Eckhard Jesse: Instruktive Analysen über Parlamente und ihre Macht. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen. Band 38, Nr. 1, 2007, S. 211–214, hier S. 214.

Patzelt ist Redakteur der Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl) und Studien zum Parlamentarismus (Nomos Verlag), Mitglied der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Mitglied bzw. Co-Chair (seit 2007) des IPSA-Research Committee of Legislative Specialists (RCLS), Kuratoriumsmitglied der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Mitglied des Sächsischen Kultursenats, Vorstandsmitglied der Stiftung HAUS der action 365 und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Instituts für sachunmittelbare Demokratie (DISUD). Er ist ferner Mitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (und war deren IPSA-Beauftragter für zwei Wahlperioden von 2009 bis 2014), der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft, der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung und der International Political Science Association (gewähltes Mitglied des Executive Committee 2009–2014, seit 2016 ernanntes Mitglied als Koordinator der IPSA-Sommerschulen in São Paulo, Mexiko-Stadt, Singapur, St. Petersburg, Stellenbosch und Tunis). Er war auch Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Hygienemuseums in Dresden sowie des Wissenschaftlichen Beirats des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung in Dresden und betrieb in letzterer Funktion zusammen mit Uwe Backes, Eckhard Jesse und mit Unterstützung Matthias Rößlers die satzungswidrige Abberufung des Direktors Klaus-Dietmar Henke.Ulrich von Hehl: „Eine deutsche Affäre“? Beobachtungen zum Verlauf des Konflikts am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. In: Manfred Hettling, Uwe Schirmer, Susanne Schötz (Hrsg.): Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag. München 2002, S. 120–139, hier S. 136.Klaus-Dietmar Henke: Interesse und Erkenntnis. Ein Lehrstück konzentrierter Krisenregulierung in den Geisteswissenschaften am Beispiel des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts 1999–2002. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 51. Jg., 2003, S. 205–236.

Positionen Patzelt trat 1994 in die CDU ein; zuvor hatte er keiner Partei angehört.Seite „Zur Person“ auf Patzelts persönlichem Blog Er gilt unter Wissenschaftlern und Journalisten als eher konservativ,Rainer Kasselt: Der lange Schatten. In: Sächsische Zeitung. 23. April 2004, S. 10; Patrick Guyton: Trommeln für die CSU. In: Südwest Presse. 13. März 2013, S. 3; Uwe Backes, Eckhard Jesse: Editorial. In: Ders. (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 19. Jahrgang (2007), Nomos, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-3168-1, S. 7–10, hier S. 9. pflegte jedoch den Austausch mit Vertretern weiter Teile des politischen Spektrums. So trat er 2004 auch bei Veranstaltungen der PDS auf.Michael Bartsch: Dresdner Politikwissenschaftler Patzelt für konsequenten Ausweg aus dem schlechten Ruf des Parlamentarismus. In: Leipziger Volkszeitung. 6. Januar 2004, S. 4. In einem Interview mit dem Magazin Cicero wies er 2014 auf das derzeitige Fehlen überzeugender Wirtschaftspolitiker und glaubwürdiger Konservativer in der Union hin.Werner J. Patzelt: . In: Cicero. 29. Juli 2010. Jahrelang warnte er vor dem Entstehen einer „Repräsentationslücke“ rechts von der CDU, forderte 2004 in einer von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen herausgegebenen Veröffentlichung gemeinsam mit Eckhard Jesse „eine stärkere Rechtsausrichtung der sächsischen CDU […], um der NPD die Themen streitig zu machen“, und argumentierte später ebenso beim Aufkommen von PEGIDA und der AfD.NiP-Redaktionskollektiv: Die NPD im Sächsischen Landtag. Analysen und Hintergründe 2008. Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, Dresden 2008, S. 68, weiterdenken.de (PDF; 622 kB).Die CDU ist schuldig am Aufkommen der AfD. NZZ-Interview, 28. Januar 2019. (nzz.ch).

2018 forderte Patzelt „als erster seiner Zunft“ eine Koalition aus CDU und AfD, „um sich nicht von den Parteien links von der CDU erpressbar zu machen“ und da es „offenbar eine rechte Bevölkerungsmehrheit“ gebe. Im Februar 2019 teilte Alexander Mitsch, damaliger Vorsitzender des Vereins Werteunion e. V., einer Gruppe konservativer Unionspolitiker, mit, dass Patzelt beigetreten sei.Maaßen schließt sich konservativem Unionskreis an. In: Spiegel Online. 21. Februar 2019, abgerufen am selben Tage. Im Januar 2022 trat er, in Folge der Bereitschaft des Vereinsvorsitzenden der Werteunion Max Otte, sich als Kandidat der AfD bei der Bundespräsidentenwahl 2022 nominieren zu lassen, aus dem Verein Werteunion aus. Nun fühlten sich all jene bestärkt, die die Werteunion als „Hilfstruppe der AfD“ dargestellt hatten, so Patzelt.

2023 kritisierte Patzelt die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband, der dritthöchsten Auszeichnung Deutschlands, an sieben amtierende und ehemalige Ministerpräsidenten. Er nannte es ungehörig, dass Regierungschefs für die bloße Ausübung ihres Amtes ausgezeichnet würden, ohne sich in besonderen Krisensituationen hervorgetan zu haben. Dies entwerte den Verdienstorden, da er wie ein „Routine-Bonus“ wirke.

Sonstiges Ende März 2017 wurde ein Brandanschlag auf seinen Wagen verübt. Patzelt selbst vermutet einen Zusammenhang mit seinen öffentlichen Aussagen zu PEGIDA und zur AfD.

Patzelt ist selbst nicht korporiert, war 2006 aber Festredner beim Burschentag in Eisenach und sprach auch sonst mehrfach bei Festveranstaltungen von Korporationen.Rita Specht: Wir sind nicht eingeladen worden. Burschentag mit Debatten über Studiengebühren, Fußball und einer Podiumsdiskussion. In: Thüringische Landeszeitung. 8. Juni 2006, S. ZAEI108; Jensen Zlotowicz: Über Patriotismus besser aufklären Burschentag mit Festakt und Festrede auf der Wartburg. In: Thüringische Landeszeitung. 10. Juni 2006, S. ZAEI310. Er war in den Sommersemestern 2007 und 2008 sowie im Wintersemester 2010/11 Schirmherr der studentenhistorischen Vorlesungsreihe „Füxe, Kneipen und Couleur – Studentenverbindungen in Vergangenheit und Gegenwart“, die im Rahmen des Studium generale an der Technischen Universität Dresden stattfand.Ralf Prescher: Zum Geleit. In: Ders. (Hrsg.): Füxe, Kneipen und Couleur. Studentenverbindungen in Vergangenheit und Gegenwart. Band 1, akadpress, Essen 2011, ISBN 978-3-939413-19-6, S. 3–4; Werner J. Patzelt: Zur Einführung: Studentenverbindungen in Vergangenheit und Gegenwart. In: Ralf Prescher (Hrsg.): Füxe, Kneipen und Couleur. Studentenverbindungen in Vergangenheit und Gegenwart. Band 1, akadpress, Essen 2011, ISBN 978-3-939413-19-6, S. 9 ff.

2018, 2021 und 2025 trat Patzelt auch als Referent bei Veranstaltungen der neurechten Bibliothek des Konservatismus auf oder stellte seine Bücher dort vor.Werner Patzelts Vortrag „Was ist Konservatismus? Eine Bestimmung für die Gegenwart“ jetzt online!, bdk-berlin.org, 21. März 2018.Lilian Hümmler: Wenn Rechte reden. Die Bibliothek des Konservatismus als (extrem) rechter Thinktank. Marta Press, Hamburg 2021, S. 122, 125.

Er ist zudem Autor bei dem rechten Webportal Nius.Unsere Autoren. Internetseite von Nius. Abgerufen am 15. Juli 2026.

Tätigkeit als Musiker und Chorleiter Patzelt ist als Kammermusiker und Solist (Violoncello) sowie als Chorleiter tätig. Er war von 1978 bis 2002 Gründer und musikalischer Leiter der Angather Chor- und Instrumentalwoche in Tirol. Seit 1998 ist er Leiter der alljährlichen Dresdner Chorwochenenden. Er leitet überdies die von ihm ebenfalls gegründete Schmochtitzer Musikwoche (im Kursangebot vom Arbeitskreis Musik in der Jugend) bei Dresden. 2013 wurde er zum Vorsitzenden des Förderforums der Staatsoperette Dresden gewählt.

Privates Patzelt ist römisch-katholisch, verheiratet und hat zwei Kinder. Zudem ist Patzelt Mitglied der SG Dynamo Dresden.

Lehr- und Forschungstätigkeit Werner J. Patzelt beschäftigt sich in seinen Forschungen hauptsächlich mit der vergleichenden Analyse politischer Systeme, der Parlamentarismusforschung, direkter Demokratie, der politischen Kommunikation, der vergleichenden historischen Analyse politischer Institutionen sowie evolutionstheoretischen Modellen in der Politikwissenschaft. Seine daraus resultierenden Lehrbereiche an der TU Dresden umfassten die deutsche Politik (z. B. das politische System oder die Parteien), die vergleichende Regierungslehre (z. B. westliche Demokratien, totalitäre Regime, politische Eliten oder politische Opposition), die Parlamentarismusforschung, die sachunmittelbare Demokratie sowie die Methoden der Sozialwissenschaften.