mini|300px|PC-9-Formationsflug der RAAF Roulettes beim Melbourne Grand Prix 2008
Die Pilatus PC-9 ist ein zweisitziges Schulflugzeug mit Turboprop-Antrieb des Flugzeugherstellers Pilatus aus der Schweiz.
Geschichte Die Entwicklung des Fortgeschrittenentrainers begann im Mai 1982. Der erste Prototyp der PC-9 startete am 7. Mai 1984 zu seinem Erstflug und erhielt im September 1985 seine Zulassung. Die Maschine verlor in diesem Jahr zwar die Ausschreibung für ein neues Trainingsflugzeug der Royal Air Force gegen die brasilianische Embraer EMB 312 Tucano, konnte in den nächsten Jahren jedoch etliche Kunden gewinnen. Größere Bestellungen erfolgten aus Australien, Saudi-Arabien und Thailand, hier wird sie u. a. vom Kunstflugteam Blue Phoenix der Royal Thai Air Force eingesetzt. Neben der angestammten Rolle als Schulflugzeug erwies sich die PC-9 auch für weitere Zwecke geeignet. Zum Beispiel beschaffte die Schweizer Luftwaffe ein Dutzend dieser Maschinen zum Zielschlepp und für andere Spezialaufgaben. In Deutschland wird die PC-9 unter anderem von der Firma Qinetiq von Kiel-Holtenau aus zur Ausbildung von Jägerleitoffizieren des Einsatzführungsdienstes sowie von Fliegerleitoffizieren (JTAC) der streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung der deutschen Luftwaffe verwendet.
Zusammen mit der Firma Hawker Beechcraft (zu dem Zeitpunkt noch Raytheon Aircraft Company) entwickelte Pilatus eine strukturell verstärkte und mit moderneren Systemen ausgerüstete Version der PC-9. Diese als Beechcraft T-6 bezeichnete Maschine gewann die Ausschreibung der US-amerikanischen Luftstreitkräfte für ein neues Schulflugzeug.
Konstruktion Sie gleicht optisch ihrem Vorgängermuster Pilatus PC-7, stellt jedoch eine Neukonstruktion dar. Nur 10 Prozent der Bauteile wurden von der PC-7 übernommen. Unter anderem verfügt die PC-9 über eine stärkere Turbine, ein moderneres Cockpit mit mehreren Multifunktionsanzeigen und Head-Up-Display sowie eine Luftbremse zwischen den Hauptfahrwerken. Zur Rettung der Besatzung sind im Cockpit zwei moderne Schleudersitze Martin-Baker Mk.CH11A eingebaut.
Versionen Pilatus nutzte die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Raytheon und führte 1997 die verbesserte Version PC-9M ein. PC-9/A: Version für Australien PC-9/F: Version der Schweizer Luftwaffe PC-9/B: Ausführung als Zielschleppflugzeug für die Bundeswehr PC-9 MkII: Ursprüngliche Bezeichnung für die Hawker-Beechcraft T-6A Texan II PC-9M: Version ab 1997 mit Verbesserungen an Seitenleitwerk, Tragflächen und der Triebwerkssteuerung PC-7 MkII M: Heutige Standardversion mit modularem Rumpf, der sowohl für die PC-7 als auch PC-9 verwendet werden kann
Verbreitung Militärische Betreiber mini|Pilatus PC-9 des Kunstflugteams Roulettes der australischen Luftwaffe mini|Pilatus PC-9M. Irish Defence Forces in Buochs mini|Pilatus PC-9M, kroatische Luftwaffe mini|Slowenische PC-9M Hudournik (Swift) mini|Pilatus PC-9 C-410 in Emmen, Schweizer Luftwaffe mit Vista5-Störsender mini|Pilatus PC-9 D-FHMT der E.I.S. Aircraft GmbH mini|Kunst im Kreiselein PC-9 im Kreisverkehr Fadenbrücke
Die angolanische Luftwaffe verfügte über vier Maschinen, die ab 1987 geliefert wurden. 2023 sollen alle vier Maschinen einsatzfähig gewesen sein.
Die bulgarische Luftwaffe verfügt über sechs Maschinen, die ab 2004 geliefert wurden und 2023 vollzählig im Dienst standen.
Die irische Luftwaffe verfügt über acht PC-9Ms, die ab 2004 geliefert wurden. Im Jahr 2005 wurden die Flugzeuge mit je zwei Raketenwerfer- und Maschinengewehr-Gondeln aufgerüstet.
Die kroatische Luftwaffe verfügt über 20 Maschinen – 17 PC-9M, die ab 1997 neu gefertigt wurden, sowie drei Occasions-Maschinen. 14 Maschinen sollen 2023 einsatzfähig gewesen sein.
Die mexikanische Luftwaffe verfügt über zwei PC-9M, die im September 2006 geliefert wurden. Eine Maschine war 2023 im Einsatz. (Burma) Die burmesische Luftwaffe verfügt über zehn Maschinen, die ab April 1986 geliefert wurden. Mindestens ein Flugzeug befindet sich im Museum.Pilatus PC-9 Es sollen aber laut Flightglobal Insight 2023 noch zehn Flugzeuge geflogen sein."World Air Forces 2023" Flightglobal Insight 2023
Die Luftwaffe des Oman verfügt über zwölf Maschinen, die zwischen 1999 und März 2000 geliefert wurden.
Die Slowenische Luftwaffe verfügten über elf Flugzeuge des Typs PC-9M Hudournik (Swift). Drei Maschinen wurden 1995 geliefert (eines davon wurde bei einem Unfall im Jahr 2004 zerstört), neun Maschinen wurden ab November 1998 geliefert. Diese Flugzeuge wurden später in Israel aufgerüstet. Acht Flugzeuge waren 2023 im Einsatz.
Die Luftwaffe des Tschad verfügt über eine Maschine, die 2006 geliefert wurde. Die Maschine wurde im Auftrag der tschadischen Regierung höchstwahrscheinlich für den Einsatz von Splitterbomben aufgerüstet.
Ehemalige Betreiber
Die australische Luftwaffe verfügte über 67 Maschinen – zwei wurden direkt von Pilatus geliefert, 17 wurden in Australien aus vorgefertigten Bestandteilen zusammengesetzt und 48 wurden von Hawker de Havilland vollständig in Australien produziert. Ab 2017 wurden die australischen PC-9 nach und nach durch die PC-21 ersetzt.Australia welcomes first six PC-21s to East Sale 2019 verabschiedete sich die Royal Australian Air Force von der PC-9.Air Force farewells the PC-9/A aircraft, Australian Government, Defence, 12. Dezember 2019
Die irakische Luftwaffe erhielt 20 Maschinen, die ab 1987 geliefert wurden. Am 22. März 1991 verliess der Pilot einer PC-9 das Flugzeug mit dem Schleudersitz, als eine nahe ihm fliegende Su-22 von einer F-15 abgeschossen wurde.MiG Killers, skytrailer.nl
Die Royal Saudi Air Force verfügte über 50 Maschinen, die ab Dezember 1986 geliefert wurden. Dieses Geschäft wurde via British Aerospace abgewickelt. 2015 waren die PC-9 der zwei Staffeln der Fliegerschule durch PC-21 ersetzt worden.Three Times Training Boost for Saudi Pilots, timesaerospace.aero, 10. November 2016
Für die Schweizer Luftwaffe flogen insgesamt 16 individuelle Maschinen, die zunächst ab 1987 gemietet wurden. Vier Flugzeuge (Reg. A-791, A-792, A-795 und A-797) wurden nach Gebrauch an Pilatus zurückgegeben.Ausgemusterte Mittel der Schweizer Luftwaffe, oldhermannkeist.ch Nach einer Kollision 1998 war die Maschine C-404 zerstört, die C-405 konnte notlanden und wurde repariertC-404 Raport, 2012 wurde die Flotte auf 8 Maschinen reduziert,PC-9 fliegt am K-Max ins FFA-Museum, Skynews, 28. Februar 2020 die C-401 kam ins Museum Dübendorf., Ausgabe vom 15. September 2023, S. 77 2017 gab die Luftwaffe noch vier aktive Flugzeuge an., Schweizer Luftwaffe(C-405 bis C-408 Zielschlepper mit RM-24, C-409 bis C-412 Vista 5 ECM) Das Ende der Nutzung war im Dezember 2022 nach total 28.698 Flugstunden erreicht.Swiss Air Force Retires Fleet of Pilatus PC-9 Target Tugs, key aero, 11. Januar 2023 Drei Flugzeuge wurden 2023 an Legacy Warbirds verkauft., Skynews, 30. November 2023
Zwischen 1991 und 1996 erwarb die Royal Thai Air Force 36 Maschinen als Trainer. 23 Maschinen waren später bei der 2nd Flying Training School im Dienst und auf den Standard PC-9M modernisiert worden. Eine weitere Maschine wurde aus ungeklärten Gründen in Stans gelagert. Vier Abstürze sind bekannt. Im Februar 2024 verabschiedete die Royal Thai Air Force 22 ihrer PC-9, nachdem die weiter entwickelten T-6TH ausgeliefert worden waren.Thailand decommissions Pilatus PC-9 training aircraft, 6. Februar 2024
Die United States Army flog von 1991 bis 1996 drei PC-9 als Zielflugzeuge und zum Test. Diese Flugzeuge wurden nach Slowenien verkauft.PILATUS PC-9 -- US ARMY and SLOVENIAN AIR FORCE
Die zypriotische Nationalgarde verfügte über zwei Maschinen, die nach 1989 geliefert wurden. Eine Maschine wurde bei einem Unfall am 10. September 2005 zerstört. Die verbliebene Maschine soll eingelagert worden sein, eine Wiederinbetriebnahme ist nicht bekannt.Pilatus PC-9, bluewhitewings.com, abgerufen am 22. Februar 2024
Zivile Betreiber
Die QinetiQ (vor 2018 die E.I.S. Aircraft GmbH) verfügte über zehn Maschinen, die als Zielschleppflugzeuge sowohl für die deutsche Luftwaffe als auch für NATO-Partner verwendet werden. Sie dienen zudem der Ausbildung der Fliegerleitoffiziere (Forward Air Controller FAC/JTAC) der Luftwaffe und des Heeres, sie sind für beide Zwecke mit militärischer Avionik und Zieldarstellungsmitteln ausgerüstet. Sie lösten Anfang der 1990er-Jahre die OV-10 Bronco ab, die noch von der deutschen Luftwaffe selbst betrieben wurden. Die PC-9 tragen zivile Kennzeichen. Am 27. September 2012 stürzte eine Maschine dieses Typs bei Gnoien in Mecklenburg-Vorpommern bei der Zieldarstellung auf Grund eines Vogelschlags durch einen Fischadler ab.Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (Hrsg.): Bulletin BFU September 2012 mit Zwischenbericht ab Seite 83 auf: www.bfu-web.de Am 20. September 2023 stürzte eine PC-9 in Osthessen ab, beide Insassen kamen bei dem Zwischenfall ums Leben.
BAE Systems verfügt im Zusammenhang mit einem Geschäft mit der saudischen Luftwaffe über zwei Entwicklungsflugzeuge, die mit britischen Militärkennzeichnungen fliegen.
Technische Daten Kenngröße DatenFlugzeuge der Welt (1989) Besatzung 1 + 1 Länge 10,17 m Spannweite 10,12 m Höhe 3,26 m Flügelfläche 16,29 m² Flügelstreckung 6,3 Leermasse 1.685 kg Startmasse 3.200 kg (max. 530 l Kraftstoff) Reisegeschwindigkeit 556 km/h auf 6.100 m oder 500 km/h auf Meereshöhe Höchstgeschwindigkeit 593 km/h auf 6.100 m Überziehgeschwindigkeit 128 km/h max. Steigrate 20,7 m/s Startrollstrecke 242 m Landerollstrecke 350 m Lastvielfache +7/−3,5g Dienstgipfelhöhe 11.580 m Reichweite 1.642 km Triebwerke eine Propellerturbine Pratt & Whitney Canada PT6A-62 mit 950 WPS (709 kW, 857 kW Startleistung) Propeller Hartzell Vierblatt mit 2,44 m Durchmesser
Außenlasten Bewaffnung bis zu 1.044 kg an sechs Außenlaststationen
FreifallbombenPaul A. Jackson: Jane’s All the Worlds Aircraft, 1995–96, 86. Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1995, ISBN 978-0-7106-1262-5. S. 567. 2 × Mark 82 LDGP (241-kg-/500-lb-Freifallbombe) 2 × Mark 77 (230-kg-/507-lb-Napalmbombe) 2 × Cardoen CB-500 (245-kg-Streubombe mit 240 PM-1-Bomblets) 2 × Ferrimar WB-500 (227-kg-/500-lb-Streubombe mit 240 Bomblets) 2 × IT SA ABL-250 (250-kg-Streubombe mit 250 Bomblets) 6 × Mark 81 LDGP (118-kg-/260-lb-Freifallbombe) 6 × Avibras AV BI-200 (177-kg-Napalmbombe) 6 × SAMP 81 AF (125-kg-Sprengbombe) 6 × SAMP BL6/7 (118-kg-Sprengbombe) 6 × SAMP BL8/9/18 (120-kg-Splitterbombe) 6 × SAMP BL25/26 (125-kg-Splitterbombe) 6 × Cardoen CB-130 (60-kg-Streubombe mit 50 PM-1-Bomblets) 6 × Ferrimar WB-250 (113-kg-/500-lb-Streubombe mit 130 Bomblets) 6 × IT SA ALD-125 (120-kg-Sprengbombe) 6 × IT SA BIN-100 (100-kg-Napalmbombe) 6 × Expal BR 125 (125-kg-Sprengbombe)
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen 4 × Raketen-Rohrstartbehälter FN Herstal LAU-7A für je 7 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen Hydra; Kaliber 70 mm 4 × Raketen-Rohrstartbehälter TBA 68-7 für je 7 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SNEB; Kaliber 68 mm 4 × Raketen-Rohrstartbehälter TBA Telson 12JF- für je 12 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SNEB; Kaliber 68 mm 4 × Raketen-Rohrstartbehälter Matra F2- für je 6 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SNEB; Kaliber 68 mm 4 × Avribas LM-70/4 SBAT-70 Skyfire-Raketen-Rohrstartbehälter für je 4 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SBAT-70; Kaliber 70 mm 4 × Avribas LM-70/7 SBAT-127 Skyfire-Raketen-Rohrstartbehälter für je 7 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SBAT-70; Kaliber 70 mm 4 × SNIA Medusa-Raketen-Rohrstartbehälter für je 6 × ungelenkte Luft-Boden-Raketen SNIA-BPD; Kaliber 81 mm
Externe Behälter 1 × Saab Erijammer A100 (ALQ-503 bzw. Vista-5) EKF-Behälter (Störsender) 2 × Giat M621-Maschinenkanonenbehälter mit je 1 × 20-mm-Maschinenkanone AME 582 mit 250 Schuss Munition 4 × FN Herstal ETNA-TMP-5-Maschinengewehrbehälter mit je 2 × 7,62-mm-Maschinengewehren FN MAG 58P mit je 500 Schuss Munition