Die Festungstruppen waren eine Truppengattung der Schweizer Armee, die hauptsächlich in den Gebirgstruppen des 3. Armeekorps (1962–1992 Gebirgsarmeekorps 3)Heinrich Wirz: 100 Jahre Gebirgsarmeekorps 3 (1892–1992). In: Schweizer Soldat, Nr. 6, 1992 zusammengefasst waren, mehrheitlich in den Artilleriefestungen im Alpenraum eingesetzt wurden und speziell für den Kampf in schwierigem Gelände und unter ungünstigen klimatischen Bedingungen ausgebildet und ausgerüstet waren. Die Geschichte der Festungstruppen ist weitgehend auch die Geschichte der Festungsbrigade 23, der sogenannten Gotthardbrigade. mini|Artilleriewerk Gütsch

Als Folge der veränderten Bedrohungslage und nach verschiedenen Reformen zur Reduktion des Bestandes der Armee wurden die Festungstruppen 2003 mit der Armee XXI abgeschafft. 2011 wurden die letzten Artilleriestellungen deaktiviert.

Vorgeschichte Die Geschichte der schweizerischen Befestigungen begann 1831 mit dem Bau der Grenzbefestigungen Aarburg, Luziensteig, Saint-Maurice und Gondo, die bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch keine Artillerie besassen. 1853–54 liess der junge Bundesstaat Schweiz südlich von Bellinzona den Bau eines Teilstücks der vom Sonderbundsgeneral Guillaume-Henri Dufour entworfenen Befestigungslinie bauen, die Fortini della Fame.

Die Eröffnung des strategisch wichtigen Gotthardtunnels und das Ringen um die Entstehung der beiden Nationalstaaten Italien und Deutschland (1871) führte zwischen 1885 und 1902 zu einer Befestigung des Gotthardgebiets (Fort Hospiz, Forte Airolo, Festung Motto Bartola, Fort Stöckli, Fort Bühl, Fort Bäzberg).

Zweck und Bedeutung miniatur|Durchmarschpläne des deutschen Generalstabes 1940 Mit den Befestigungen wollte man Zeit gewinnen, um in bestimmtem Räumen Kräfte zu sparen, eine Basis für die beweglichen Kampfführung und allenfalls einen Hort des letzten Widerstandes zu haben sowie der Truppe Schutz in topographisch und klimatisch schwierigen Verhältnissen zu gewähren und die Feuerunterstützung sicherzustellen.

General Guisan erwähnte die Bedeutung der Befestigungsbauten in seinem Bericht über den Aktivdienst 1939–1945:

Aufgaben Die Angehörigen der Festungstruppen sollten im nie eingetretenen Ernstfall folgende Aufgaben wahrnehmen: Festungsartillerie Kanoniere bedienten die Festungsgeschütze. Sie hatten auch eine Werkschutz und Gefechtsausbildung. Vermesser halfen den Feuerleitoffizieren (Feuerleitstelle) und den Schiesskommandanten (Beobachtungsposten). Beobachter erstellten Artilleriewettermeldungen (Artilleriewetterzüge), damit rein rechnerisch (ohne Einschiessen) geschossen werden konnte. Artillerieübermittler erstellten artilleristische Verbindungen im Stellungsraum und Beobachtungsraum. Sie hatten auch eine Werkschutz-, Gefechts- und Gebirgsausbildung. Wettersoldaten versorgten die Feuerleitoffiziere mit den nötigen Wetterdaten wie Windstärke, Windrichtung in den verschiedenen Höhen, um ohne Einschiessen das Ziel zu treffen.

Festungsinfanterie in Artillerieforts Füsiliere überwachten und sicherten und wurden für Gegenstösse eingesetzt. Mitrailleure/Panzerabwehrkanoniere bekämpften gepanzerte und infanteristische Gegner und wurden für Gegenstösse eingesetzt. Minenwerferkanoniere bekämpften feindliche Feuerbasen im Werkumgelände und unterstützen den Verteidigungskampf der Festungsinfanterie. Sie waren auch Reservetruppen für Gegenstösse und Sperraufträge.

Werkschutz Werkschutzsoldaten waren zuständig für AC-Einrichtungen, Eintrittskontrolle, Werkpolizei, Brandbekämpfung und Rettungsdienst, Verteidigung im Werkinnern. Maschinisten betrieben die Maschinen und Ventilationsanlagen und trafen Massnahmen bei atomaren und chemischen Angriffen. Werkübermittlungsoldaten betrieben die Werkverbindungen im Werk. Motorfahrer übernahmen Transportaufgaben.

Fliegerabwehr Festungsflab schützte das Werk vor Fliegerangriffen und unterstützte die Aussenverteidigung.

Werkformationen Die Werkformationen wurden in Infanterieforts und -bunkern an Sperren eingesetzt und bestanden aus Festungsinfanterie. In diesen Formationen waren insbesondere Soldaten des Landsturms aus den Mechanisierten Verbänden eingeteilt. Da sie an den Sperren den Auftrag hatten, den Mechanisierten Gegner aufzuhalten, konnte das Fachwissen aus der Einteilung im Auszug weiter angewendet werden. Der wesentliche Unterschied war nun, dass sie nicht mehr mobil waren. Die Bekämpfung des mechanisierten Gegners war aber technisch gleich. Sie unterstützten mit ihren verbunkerten Waffen (Maschinengewehre, Panzerabwehrkanonen) ortsfeste Kampftruppen.

Ausbildung und Winterausrüstung Im Ersten Weltkrieg wurden neben den Gebirgsbrigaden waren auch die Besatzungen der Festungen Gotthard und St. Maurice gebirgsmässig ausgebildet. Die Ausrüstung für die Gebirgstruppen wurden während der Grenzbesetzung neben Wadenbinden, Handschuhen und Ohrenkappen mit 46 Gebirgsküchenfourgons, 6.500 Paar Ski, 1.100 Eispickel, 1.500 Zelteinheiten, 1.500 Schneebrillen erweitert. Die Festungen erhielten zusätzlich Scheinwerfer, Telefonausrüstungen, 270 Paar Schneereifen, 4.000 Schneebrillen, 850 Zelteinheiten und 1.700 Wolldecken. Erstmals wurde auch die freiwillige ausserdienstliche Gebirgsausbildung (Skikurse, Militärpatrouillenlauf des Schweizerischen Skiverbandes, turnerischer Vorunterricht des Eidgenössischen Turnvereins, bewaffneter Vorunterricht der Schweizerischen Offiziersgesellschaft) geregelt.Verordnung über den freiwilligen Militärischen Vorunterricht für Jugendliche von 1909

Im Zweiten Weltkrieg wurden die bisher im Mittelland operierenden Verbände für die Kampfführung im gebirgigen Reduit ausgebildet. Es wurden grössere Gebirgsmanöver und zahlreiche Gebirgskurse und Gebirgswettkämpfe (Divisionsmeisterschaften) aller Art durchgeführt. Die bisherige obligatorische und freiwillige Gebirgsausbildung wurde weiter gefördert. 1943 wurde von der Schweizer Armee erstmals die Patrouille des Glaciers organisiert. 1942 das Ausbildungszentrum in Magglingen und gründete 1944 die Eidgenössische Turn- und Sportschule.

Bei der Gebirgsausbildung konnte die Milizarmee auch auf eigene Spezialisten zurückgreifen. Zum Beispiel erhielt die Festungskompanie auf dem Gotthard durch truppeneigene Ausbildner, wie Bergführer, Tourenleiter und Skilehrer eine Sommer- und Winterausbildung. Im Wiederholungskurs 1968 wurde unter dem Gefreiten Max Eiselin, dem ehemaligen Expeditionsleiter der Dhaulagiri-Expedition 1960, unter anderem das Abseilen über Felswände geübt.

Entstehung der Festungstruppen Mit der Zentralstellung um das Fort Andermatt sollte das Rhone-, Rhein- und Tessintal beherrscht werden. Die Sperrung der sich dort kreuzenden Strassen, ermöglichte den Festungstruppen offensiv über Furkapass, Oberalppass oder Gotthardpass vorzugehen, wofür aber diese Pässe befestigt sein mussten.

Die Festungswerke bei Airolo sollten die Operationslinie Flüelen-Bellinzona, sowohl Strasse als namentlich auch die Eisenbahn, gegen eine Unterbrechung vom Bedrettotal und dem San Giacomopass her schützen.

Mit Bundesratsbeschluss vom 1. März 1892 wurden die Truppen für die Sicherheitsbesatzung am Gotthard festgelegt: Stab, 2 Infanteriebataillone Auszug, 7 Infanteriebataillone Landwehr, 2 Festungskompanien und 1 Positionsartillerieabteilung sowie weitere Einheiten. 1894 konnten alle Anlagen der Truppe übergeben werden und die Gotthardfestung war in groben Zügen gebildet.

Mit dem Bundesratsbeschluss vom 13. Juli 1894 wurden die Festungstruppen von St. Maurice festgelegt.Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend den Ersatz von Geschützen der beweglichen Festungsartillerie vom 6. Februar 1912

St. Gotthardbefestigung Der erste grosse Verband im Raum der späteren Festungsbrigade 23 (Truppenordnung 51) war die sogenannte St. Gotthardbefestigung, die später in Festungsbesatzung St. Gotthard und anschliessend in Gotthardbesatzung umbenannt wurde.

Mit der Truppenordnung 1911 erhielt die Festungsbesatzung am Gotthard folgende Gliederung: Stab, 1 Festungsinfanteriebataillon Auszug, 7 Festungsinfanteriebataillone Landwehr, 2 Festungsmitrailleurabteilungen, 3 Festungsartillerieabteilungen und weitere Einheitenfestung-oberland.ch: .

Erster Weltkrieg Die bestehenden Anlagen wurden bis zum Ersten Weltkrieg laufend modernisiert, teilweise erweitert sowie Infanterieanlagen, Positionsartilleriestellungen und Truppenunterkünfte gebaut.

Der Auftrag der Gotthardbesatzung und des Grenzdetachements Simplon war, die Gotthard- und Simplonbahnlinien zu schützen, die Passübergänge Oberalp, Gotthard, Furka und Simplon zu sperren sowie mit dem ihr zeitweise unterstellten Grenzdetachement Südtessin die Landesgrenze vom Simplonpass bis zum San Bernardino zu bewachen.

Für den Chef des Generalstabes der Armee Theophil Sprecher von Bernegg hatte der Kriegsverlauf die Bedeutung der Festungen bestätigt.

Zwischenkriegszeit Aufgrund der Friedenseuphorie nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Festungen nur noch notdürftig unterhalten. Aufgrund der sich in den 1930er-Jahren verschlechternden politischen Lage wurden 1939 am San Giacomopass zwei kleine Panzerwerke und Anlagen erstellt.

Die Truppenordnung 38 führte zu einer starken Vermehrung der Gebirgstruppen. Es wurden drei vollständige Gebirgsheereseinheiten (Gebirgsdivisionen 3 Berneralpen, 8 Innerschweiz, 9 Oberwallis (Geb Br 12) und Gotthard (Geb Br 9)) sowie drei selbständige Gebirgsbrigaden (10 Unterwallis, 11 Simplonbrigade, 12 Graubünden) geschaffen.

Gotthardbesatzung Die Truppenordnung 1924 gliederte die St. Gotthardbesatzung folgendermassen: Stab und 3 Frontstäbe, 1 Gebirgsinfanteriebataillon Auszug, 5 Gebirgsinfanteriebataillone Landwehr, 2 Gebirgsmitrailleurabteilungen, 7 Artillerieabteilungen, 3 Festungsartillerieabteilungen und weitere Einheiten.

Die Truppenordnung 1936 brachte die Eingliederung der Gotthard-Festungstruppen als Gebirgsbrigade 9 in die 9. Division: Stab, 3 Frontstäbe, 3 Gebirgsfüsilierbataillone Auszug, 2 Gebirgsfüsilierbataillone Landwehr, 3 Gebirgsgrenzfüsilierbataillone, 3 Territorialbataillone, 2 Gebirgsmitrailleurabteilungen, 5 Artillerieabteilungen, 2 Festungsabteilungen, 1 Gebirgssappeurbataillon und weitere Einheiten. Die ehemalige Besatzung St. Maurice wurde zur Gebirgsbrigade 10.

Zweiter Weltkrieg Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Festungen im Schweizer Grenzgebiet. Bis zur Kapitulation Frankreichs konzentrierte sich der Befestigungsbau auf die Grenzzonen (Artilleriewerke Rüdlingen, Festung Ebersberg, Heldsberg), Sargans, nördlicher Jura mit Fortifikation Hauenstein sowie Saint-Maurice und die Limmatstellung.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bezog das Gros der Armee am 4. Oktober 1939 die Limmatstellung und begann diese zu befestigen (Festung Dietikon, Festung Uetliberg).

Der Rütlirapport mit dem Plan zum Bezug der neuen Armeestellung im Reduit löste dort eine fieberhafte Festungsbau- und Logistiktätigkeit (Vorräte für Truppe und dortige Bevölkerung für sechs Monate usw.) aus. Grössere Festungswerke entstanden in den Räumen der späteren Festungsbrigaden 10 (St. Maurice: Dailly, Cindey), 13 (Sargans: Furkels, Kastels, Magletsch, Tschingel), 23 (Gotthard), der späteren Reduitbrigaden 21 (Thunersee: Aeschiried, Burg, Faulensee, Heustrich, Hondrich, Krattigen, Mülenen, Schmockenfluh, Legi), 24 (Stans: Mueterschwanderberg, Kilchlidossen, Wissiflue, Klein-Durren, Mühlefluh, Fürigen).

Für General Guisan wurden die drei grossen Festungen (Gotthard, Sargans, St. Maurice) innerhalb der Zentralraumstellung die wichtigsten Pfeiler des Reduit-Gesamtplans, zwischen denen andere errichtet werden konnten. Dabei bildete der Gotthard, der Kern (Zitadelle) des stärksten und letzten Widerstandes und zentraler Kommandoposten für die Alpenübergänge, über welchen die Kontrolle behalten werden mussteGeneral Guisan 1946 in seinem Bericht an die Bundesversammlung .

Gebirgsbrigade 9