Timofejewo (, , ) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Das ehemalige Neu Krauleidszen/Sammelhofen ist verlassen.
Geographische Lage Timofejewo liegt 13 Kilometer nordwestlich der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) und 18 Kilometer südöstlich der einstigen Kreisstadt Neman (Ragnit). Die Scheschuppe verläuft nördlich der Ortsgrenze. Eine Nebenstraße (27K-139) verbindet den Ort mit Petropawlowskoje (Eggleningken/Lindengarten) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) sowie Liwenskoje (Galbrasten/Dreifurt) nördlich der Scheschuppe. Eine Bahnanbindung besteht nicht.
Geschichte Wedereitischken (Sandkirchen) mini|Badestelle in der Scheschuppe bei Timofejewo (Wedereitischken) We(e)dereitischken, auch Kattmischken genannt, war um 1780 ein Erbfreidorf mit zehn Haushalten.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 178. 1874 wurde die Landgemeinde Wedereitischken in den neu eingerichteten Amtsbezirk Juckstein im Kreis Ragnit eingegliedert.Rolf Jehke, Amtsbezirk Sandkirchen Wegen seiner zentralen Lage machte man den Ort am 1. Juli 1901 zu einem Kirchdorf mit weitflächigem Kirchspiel. 1909 wurde Wedereitischken selber Amtsdorf. Der Ausbau der Straßen förderte die Entwicklung des Ortes zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt, der besonders durch den Bau der Dr.-Rosenkrantz-Brücke zwischen Wedereitischken und Galbrasten im Jahre 1928 an Bedeutung gewann. 1938 wurde Wedereitischken in Sandkirchen umbenannt. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen 1945 zur Sowjetunion.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 247 1871 254 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 221 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 232 1910 248 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 297 1939 336
Amtsbezirk Wedereitischken/Sandkirchen (1909–1945) Durch Umgliederung aus den Nachbaramtsbezirken Budwethen (heute russisch: Malomoschaiskoje), Galbrasten (Liwenskoje), Juckstein (Kraineje) und Kackschen (Sadowo) entstand am 15. Oktober 1909 der neue Amtsbezirk Wedereitischken, der bis 1922 zum Kreis Ragnit, danach – 1939 in „Amtsbezirk Sandkirchen“ umbenannt – zum Landkreis Tilsit-Ragnit gehörte:
Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Alt Krauleidszen Hohenflur (Ostpr.) Chworostjanka 1936–38: Alt Krauleidschen Aszen Aschen (1936) Chworostjanka Dannenberg Talniki 1929 nach Waldau eingemeindet Galbrasten Dreifurt Liwenskoje Groß Kackschen Birkenhain (Ostpr.) (1936) Sadowo Groß Schillehlen Großschollen Petropawlowskoje bis 1913: Groß Schillehlischken Klein Kackschen Kleinbirkenhain Kalatschejewo 1938 nach Birkenhain eingemeindet Königshuld II Bobrowo Mikehnen Micheln Talniki 1929 nach Waldau eingemeindet Neu Krauleidszen Sammelhofen Timofejewo 1936–38: Neu Krauleidschen Waldau Talniki Am 1. Januar 1929 neu entstanden Wedereitischken Sandkirchen Timofejewo Weedern[Ksp Wedereitischken] 1929 nach Waldau eingemeindet
Von anfänglich 14 Dörfern bildeten am 1. Januar 1945 nur noch zehn Orte den Amtsbezirk: Aschen, Birkenhain, Dreifurt, Großschollen, Hohenflur, Kleinschollen, Königshuld II, Sammelhofen, Sandkirchen und Waldau.
Neu Krauleidszen/Neu Krauleidschen (Sammelhofen) Im Jahr 1823 wurden die kleinen Ansiedlungen Duselei, Jodjokei, Narkutte und Schokelei zur Siedlung Narkuttis zusammengeschlossen,Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Sammelhofen die um 1845 in Neu Krauleidszen umbenannt wurde, das den Status einer Forstkolonie hatte. Im Jahr 1874 wurden die beiden Forstkolonien Neu Krauleidszen und Neu Mikehnen zur Landgemeinde Neu Krauleidszen zusammengefasst und diese in den Amtsbezirk Juckstein eingegliedert. Seit 1909 gehörte sie zum Amtsbezirk Wedereitischken. Ihre Gemarkung umschloss den Nachbarort Wedereitischken vom Norden bis Süden in einem Halbkreis. 1936 veränderte man die Schreibweise des Ortsnamens in Neu Krauleidschen und 1938 wurde der Ort in Sammelhofen umbenannt, wofür man offenbar den Ursprung des Ortes zum Anlass nahm. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam er mit dem nördlichen Ostpreußen 1945 zur Sowjetunion.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 332 In der Forstkolonie Neu Krauleidszen 290, in der Forstkolonie Neu Mikehnen 42 1871 283 In der Forstkolonie Neu Krauleidszen 239, in der Forstkolonie Neu Mikehnen 44 1885 250 1905 237 davon 90 litauischsprachige 1910 210 1933 194 1939 166
Timofejewo Im Jahr 1947 wurde Wedereitischken in Timofejewo umbenannt und gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Krasnosnamensk.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Im Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wurde auch der ehemalige deutsche Ort Neu Krauleidschen zu Timofejewo gezählt. Dieser Ort ist inzwischen verlassen. Von 2008 bis 2015 gehörte Timofejewo als Amtssitz zur Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 320 2002Allrussische Volkszählung von 2002 414 2010Allrussische Volkszählung von 2010 420 2021Allrussische Volkszählung von 2021 365
Timofejewski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Timofejewski selski Sowet (ru. Тимофеевский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Im Jahr 1954 wurde der Liwenski selski Sowet an den Timofejewski selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Im Jahr 1960 wurde offenbar auch der Podgorodnenski selski Sowet angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Timofejewski selski okrug (ru. Тимофеевский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Alexejewskoje selskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Abramowo (Абрамово) Klein Rudminnen, 1938–1945: „Klein Ruden“, Dickschen, 1938–1945: „Lindbach“, und Brödlaugken, 1938–1945: „Vielwege“Umbenannt wurde nur Klein Rudminnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podgorodnenski eingeordnet. Alexejewka (Алексеевка) Klein Kackschen, 1938–1945: „Kleinbirkenhain“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Bobrowo (Боброво) Ellernthal, Groß Rudminnen, 1938–1945: „Wietzheim“, und Königshuld IIUmbenannt wurde nur Ellernthal Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podgorodnenski eingeordnet. Chworostjanka (Хворостянка) Aszen/Aschen und Alt Krauleidszen/Alt Krauleidschen, 1938–1945: „Hohenflur“Umbenannt wurde nur Aschen. Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 aus dem Ortsregister gestrichen. Dolgoje (Долгое) Beinigkehmen, 1938–1945: „Beinicken“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podgorodnenski eingeordnet. Dolschanskoje (Должанское) Budupönen-Uthelen, seit 1931: Hartigsberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nemanski eingeordnet. Jolkino (Ёлкино) Hermoneiten, 1938–1945: „Hermannsdorf“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podgorodnenski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Kalatschejewo (Калачеево) Klein Schillehlen, 1938–1945: „Kleinschollen“, und Augskallen, 1938–1945: „Güldenflur“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Kraineje (Крайнее) Juckstein, Dundeln und Pabuduppen, 1938–1945: „Finkenhagen“Umbenannt wurde nur Juckstein. Der Ort wurde 1947 umbenannt. Krassawino (Красавино) Birkalnis, 1938–1945: „Birkendell“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Liwenski eingeordnet. Er wurde vermutlich vor 1988 an den Ort Nikolskoje angeschlossen. Lagernoje (Лагерное) Lenken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Liwenski eingeordnet. Liwenskoje (Ливенское) Galbrasten, 1938–1945: „Dreifurt“, und Kragelischken, 1938–1945: „Kragelingen“Umbenannt wurde nur Galbrasten. Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Liwenski. Nikolskoje (Никольское) Giewerlauken, 1938–1945: „Hirschflur“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Liwenski eingeordnet. Petropawlowskoje (Петропавловское) Groß Schillehlen, 1938–1945: „Großschollen“, (Neu) Eggleningken, 1938–1945: „Lindengarten“, und zu Pötkallen, 1938–1945: zu „Pötken“Umbenannt wurde nur Groß Schillehlen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Podgorodnoje (Подгородное) Tuppen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Podgorodnenski. Er wurde 1997 an den Ort Abramowo angeschlossen. Poljanskoje (Полянское) Uszballen/Uschballen, 1938–1945: „Lindnershorst“, Kallwellen, Königshuld, 1938–1945: „Friedrichsweiler“, und Ballupönen, 1938–1945: „Ballen“Umbenannt wurde nur Uschballen. Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podgorodnenski eingeordnet. Sadowo (Садово) Groß Kackschen, 1938–1945: „Birkenhain“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Selenolessje (Зеленолесье) Gricklaugken, 1938–1945: „Bönick“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Liwenski eingeordnet. Talniki (Тальники) Waldau (Weedern, Mikehnen, 1938–1945: „Micheln“, und Dannenberg)Umbenannt wurde Weedern. Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen. Timofejewo (Тимофеево) Wedereitischken, 1938–1945: „Sandkirchen“ Verwaltungssitz Werchowoje (Верховое) Schacken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Liwenski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Wetrowo (Ветрово) Pötkallen, 1938–1945: „Pötken“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 an den Ort Kalatschejewo angeschlossen.
Kirche mini|Dorfkirche
Kirchengebäude Die Wedereitischkener Kirche wurde in den Jahren 1906/1907 errichtetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 112, Abb. 501. Es handelt sich um einen unverputzten Ziegelbau mit Turm und gerade geschlossenem Chor mit Anklängen an die Ordensarchitektur.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche unbeschadet, wurde dann jedoch als Pferdestall, Getreidespeicher bzw. Materiallager zweckentfremdet. Der Haupteingang zum Turm wurde erweitert. Aufgrund fehlender Pflege stürzte Ende der 1990er Jahre das Dach ein. Im Sommer 2005 wurde die Kirche an die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde übereignet. Sie wurde restauriert und am 20. Juli 2008 durch Metropolit Kyrill I. als orthodoxes Gotteshaus mit dem Namen „Swjato-Wwedenskaja-Kirche“ geweihtKirche Wedereitischken, in: A.P. Bachtin, Kirchen Ostpreußens. Alte und neue Fotos. Informationen zur Geschichte, Reihe: Sehenswürdigkeiten in der Region Kaliningrad A 87, Kaliningrad, Verlag Baltpromo, 2013, S. 69Кирха Ведерайтишкена - Die Kirche Wedereitischken bei prussia39.ru (mit Aufnahmen aus dem Jahre 2012). Kirchengemeinde Evangelisch