Die Operation Protective Edge (, sinngemäß eher: ‚Operation Fels in der Brandung‘) war eine Militäroperation der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Sie begann am 8. Juli 2014 als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss Israels durch die Terrororganisation Hamas und andere militante palästinensische Gruppen aus dem Gazastreifen und endete am 26. August 2014 mit einer unbefristeten Waffenruhe.
Die Militäroperation gehört zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt und ist als solche Teil des Nahostkonflikts. In den Medien wurde auch die Bezeichnung Gazakrieg oder Gazakonflikt verwendet.
Ausgangslage Vorgeschichte Am 2. Juni 2014 wurde in den Palästinensischen Autonomiegebieten mit Unterstützung der bis dahin zerstrittenen Fatah und der Hamas eine „Regierung des nationalen Konsenses“ aus nicht parteigebundenen Fachleuten gebildet. Die Regierungsbildung wurde u. a. vom UN-Generalsekretär begrüßt.unmultimedia.org Die USA erkannten die „Regierung des nationalen Konsenses“ zumindest an,theguardian.com während Israel sie ablehnte.nytimes.com
Am 12. Juni 2014 wurden drei israelische Jugendliche beim Trampen im Westjordanland entführt. Einer der Jugendlichen konnte mit seinem Mobiltelefon noch einen Notruf an die Polizei absetzen; dann war ein Geräusch zu hören, das an Schüsse erinnerte. Nachdem die Polizei zunächst von einem Notrufmissbrauch ausgegangen war, begann die Fahndung nach Entführern und Entführten, bei der im Westjordanland zahlreiche Hausdurchsuchungen und rund 300 Festnahmen erfolgten. Dabei kam es zu schweren Zwischenfällen mit mehreren Verwundeten und Toten. Israelische Behörden machten Mitglieder der Hamas für die Tat verantwortlich, die ihrerseits zunächst jede Verantwortung zurückwies. Hamas warf Israel vor, den Fall als Vorwand für weitere Militäraktionen gegen Palästinenser zu missbrauchen. Die Festnahme ihrer gesamten Führungsriege im Westjordanland und mehrerer erst kurz zuvor freigelassener Hamasmitglieder kommentierte ein Sprecher damit, „das Tor zur Hölle“ sei „aufgestoßen“. Als „Antwort auf dieses Vorgehen“ intensivierten die Kassam-Brigaden und andere palästinensische Milizen den Beschuss mit Raketen auf Israel. Zwischen Mitte Juni und Anfang Juli wurden etwa 200 Raketen aus Gaza auf israelisches Gebiet abgefeuert. Am 30. Juni wurden die Leichen der Jugendlichen von der israelischen Armee nördlich von Hebron aufgefunden. Sie waren bereits kurz nach der Entführung ermordet worden. In einem am 22. August 2014 veröffentlichten Interview mit Yahoo-News gab Hamas-Führer Chalid Maschal zu, dass die Ermordung der drei durch Mitglieder seiner Organisation erfolgte, und rechtfertigte dies als legitime Widerstandshandlung, bestritt jedoch, dass die politische Führung von Hamas hinter der Tat stünde.Hamas leader: Don’t compare us to ISIL. Yahoo-News vom 22. August 2014.
Am 2. Juli wurde ein palästinensischer Jugendlicher in Ostjerusalem verschleppt und ermordet. Die Polizei ging von einem Racheakt aus. Der israelische Geheimdienst verhaftete vier Tage später sechs junge jüdische Israelis, die der Tat verdächtigt wurden. Drei der sechs Verdächtigen gestanden den Mord an dem Jugendlichen kurze Zeit später. Von Seiten der israelischen Regierung wurde ihnen „Rassismus gegen Unschuldige“ vorgeworfen. Gegen sie wurde wenige Tage nach dem Geständnis von der israelischen Staatsanwaltschaft Mordanklage erhoben.„Mordanklage gegen drei jüdische Extremisten.“ in: Stern vom 17. Juli 2014. Im Mai 2016 wurden die drei Angeklagten zu Haftstrafen von je zweimal lebenslänglich und einmal 21 Jahren verurteilt. Im Februar 2018 lehnte das Oberste Gericht Israels ihre Anträge auf Revision ab. Das Verbrechen gilt als ein Beitrag zur Gewalteskalation vor Beginn der israelischen Militäroperation.
Am 3. Juli gab die israelische Luftwaffe an, als Antwort auf Raketenangriffe aus Gaza mehrere Ziele aus der Luft angegriffen zu haben.
Motive der Konfliktparteien Beobachter gehen davon aus, dass über den vordergründigen Anlass der vier Teenagermorde und die folgende Verhaftungswelle hinaus das entscheidende Motiv der Hamas für die Intensivierung des Raketenbeschusses der Verlust an Einfluss und finanziellen Zuwendungen in den letzten Jahren war. Da sich die Hamas auf die Seite der sunnitischen Rebellen im Syrischen Bürgerkrieg gegen den iranisch gestützten Präsidenten Assad gestellt hatte, waren rund 20 Millionen US-Dollar monatlich weggebrochen, die der bisherige Hauptunterstützer, der schiitische Iran, an die Hamasregierung gezahlt hatte. Weiterhin wirkte sich der Umsturz in Ägypten nachteilig aus, weil nun die Unterstützung der sunnitischen Muslimbrüder wegfiel und die Grenzen gesperrt wurden. Frieden zu halten brächte der Hamas nach solchen Einschätzungen keine Vorteile, während man als Gegenleistung für die Beendigung des Raketenfeuers in Verhandlungen Zugeständnisse erzwingen könnte.Kevin Connolly: Gaza-Israel conflict: What can Israel and Hamas gain? BBC, 11. Juli 2014; abgerufen am 13. Juli 2014.
Israel gab als Ziel seiner militärischen Aktivitäten an, den aus dem Gazastreifen stammenden Raketenbeschuss auf die eigene Zivilbevölkerung zu beenden.Reuters: Operation Protective Edge: Israel bombs Gaza in retaliation for rockets. theguardian.com, 8. Juli 2014; abgerufen am 18. Juli 2014. Im Laufe der Kämpfe verlagerte sich der Schwerpunkt der israelischen Operation auf das Aufspüren und Vernichten von Tunnelsystemen, die die Hamas offenbar angelegt hatte, um israelisches Gebiet für weitere terroristische Aktivitäten zu infiltrieren.William Booth und Ruth Eglash: Israelis support Netanyahu and Gaza war, despite rising deaths on both sides. WP, 29. Juli 2014; abgerufen am 29. Juli 2014.
Verlauf Von Israel wird das eigene militärische Vorgehen als „Operation Fels in der Brandung“, auch „Operation Schutzrand“, „Operation schützende Klippe“, „Operation Schutzlinie“, wörtlich „Operation mächtige, unerschütterliche Klippe“ bezeichnet.
Phase 1: Artillerie- und Luftangriffe mini|Reichweiten palästinensischer Raketen mini|Getroffenes Haus im Gazastreifen mini|Raketentreffer in einer Tankstelle in Aschdod mini|Israels Armee bombardiert Ziele in Ansar (Gazastreifen). mini|Ein Haus in Beʾer Scheva wurde am 10. Juli 2014 von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen.
Am 8. Juli gab die israelische Armee den Beginn einer militärischen Operation mit dem Namen „Protective Edge“ bekannt. Am ersten Tag der Operation griff die israelische Luftwaffe etwa 50 Ziele in Gaza an.Reuters: “Operation Protective Edge: Israel bombs Gaza in retaliation for rockets”. theguardian.com, 8. Juli 2014; abgerufen am 10. Juli 2014. Zur gleichen Zeit begann Israel auch Truppen für eine mögliche Bodenoffensive zusammenzuziehen.
Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) berichtete am 12. Juli von der Unterbrechung von weiten Teilen der Elektrizitätsversorgung in Gaza-Stadt durch von Hamas abgefeuerte Raketen und von 25 Getöteten im Gazastreifen allein in den letzten 24 Stunden. Insgesamt 130 Menschen seien seit dem 8. Juni im Gaza-Streifen getötet worden, darunter etwa 28 Kinder. Eine vom arabischen Sender Al Jazeera veröffentlichte detaillierte Liste weist unter den ersten 130 Toten jedoch 16 Kinder und acht Jugendliche aus.Gaza under siege: naming the dead. Al Jazeera, 16. Juli; abgerufen am 16. Juli 2014. Das israelische Militär teilte mit, eine Rakete der Hamas habe Teile des Stromnetzes außer Funktion gesetzt und rund 70.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.Batsheva Sobelman, Rushdi abu Alouf, Henry Chu: Israel pounds northern Gaza Strip after warning residents to flee. LA Times. 13. Juli 2014; abgerufen am 13. Juli 2014.
Am 13. Juli drangen erstmals seit Beginn der Operation israelische Kommandotruppen in den Gazastreifen ein, um eine Abschussanlage zu zerstören. Bis zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 783 Raketen auf Israel abgefeuert worden, 143 davon wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen – das israelische Militär hatte bis dahin etwa 1220 Ziele angegriffen.„Schießerei mit Hamas: Israel schickt Elitetruppe in den Gazastreifen.“ in: Spiegel Online, 13. Juli 2014; abgerufen am 13. Juli 2014.
Am 14. Juli ging man von mehr als 800 Raketen aus, die bisher auf Israel abgefeuert worden waren, 1300 Angriffe hätte die israelische Luftwaffe seit Beginn der Operation am 8. Juli geflogen.Peter Beaumont: Israel says it has shot down drone launched from Gaza. theguardian.com, 14. Juli 2014; abgerufen am 14. Juli 2014.
Ägyptische Stellen hatten am 14. Juli den Konfliktparteien einen Waffenstillstand und anschließende Friedensverhandlungen in Kairo vorgeschlagen. Das israelische Sicherheitskabinett nahm den Vorschlag an, Vertreter der Hamas weigerten sich dagegen und nannten eine Reihe von Vorbedingungen, die erfüllt werden müssten, damit sie in Verhandlungen treten würden, darunter die Freilassung diverser Gefangener aus israelischer Haft und die Öffnung eines Grenzübergangs nach Ägypten.Griff Witte und William Booth: As cease-fire with Hamas fails to take shape, Netanyahu says, ‘Our answer is “fire”’. WEP, 15. Juli 2014; abgerufen am 15. Juli 2014. Nach der Ablehnung des Waffenstillstandsangebots und dem fortgesetzten Beschuss israelischen Gebietes aus Gaza gaben israelische Stellen am 15. Juli eine Intensivierung ihrer Militäroperation im Gazastreifen bekannt.Anne Gearan: Israel’s vow to strengthen attacks against Hamas in Gaza puts U.S. in tough position. Washington Post, 15. Juli 2014; abgerufen am 15. Juli 2014.
Am 16. Juli entdeckte ein UNRWA-Mitarbeiter etwa 20 Raketen, die in einem Schulgebäude der UNRWA in Gaza gelagert waren. Die Behörde verurteilte anschließend das Lagern von Waffen auf ihrem Gelände und gab an, dass man die relevanten Parteien über den Fund informiert und für eine Entfernung der Raketen gesorgt habe. Man versprach weiterhin, eine Untersuchung einzuleiten.UNRWA Strongly Condemns Placement of Rockets in School. UNRWA, 17. Juli 2014; abgerufen am 17. Juli 2014. Israelische Stellen gaben bekannt, dass ihnen Informationen vorlägen, nach denen die UNRWA-Mitarbeiter die Waffen nicht etwa unbrauchbar gemacht hätten, sondern sie der Hamas übergeben hätten. Die UNRWA lehnte es nach israelischen Angaben ebenfalls ab, Fotos der Auffindesituation an Israel zu übergeben.UNRWA Gives Rockets to Hamas. Israel National News (Arutz Sheva), 20. Juli 2014; abgerufen am 15. September 2014.
Am frühen Morgen des 17. Juli verschaffte sich ein Hamaskommando durch einen Tunnel Zutritt zum israelischen Staatsgebiet. Die schwer bewaffneten Kämpfer verließen den Tunnel rund 250 Meter hinter den Grenzbefestigungen, etwa 1,5 Kilometer vom Kibbuz Sufa entfernt. Das israelische Militär gab an, die Kämpfer seien zurück in den Tunnel geflohen, sobald sie erkannten, dass sie entdeckt worden waren; die Hamas verkündete, die Kämpfer hätten sich nach Ausführung ihres Auftrages zurückgezogen.Isabel Kershner, Anne Barnard: Israel Says It Foiled Attack Amid Broader Halt in Fighting. NYT, 17. Juli 2014; abgerufen am 17. Juli 2014.
Phase 2: Bodenoffensive 17. bis 19. Juli: Anlaufen der Bodenoffensive mini|Vom israelischen Militär entdeckter Eingang zu einem Tunnel in Gaza
Im weiteren Verlauf des 17. Juli verkündeten beide Seiten eine fünfstündige „humanitäre Feuerpause“, die u. a. vom UN-Koordinator für den Nahost-Friedensprozess, Robert Serry, vermittelt wurde. Sie sollte den Zivilisten dazu dienen, Verletzte zu behandeln, das Nötigste zu erledigen oder zu flüchten. Zudem kündigte Israel an, den Tod von vier palästinensischen Kindern untersuchen zu wollen. www.tagesschau.de vom 17. Juli 2014.