Der CBM 8032 ist ein früher 8-Bit-Mikrocomputer des US-amerikanischen Technologiekonzerns Commodore International. Der für professionelle Datenverarbeitung im Büro sowie naturwissenschaftlich-technische Anwendungen in Laboren oder Werkstätten konzipierte Tischrechner verfügt über einen 8-Bit-Hauptprozessor, 32 KB Arbeitsspeicher (RAM), 18 KB Festspeicher (ROM), einen Spezialchip für die Bildschirmausgabe sowie einen ins Gehäuse integrierten 80-Zeichen-Grünmonitor. Der in der zweiten Hälfte des Jahres 1979 unter der Führung von Chefingenieur Bill Seiler entwickelte CBM 8032 wurde im Januar 1980 anlässlich der Winter Consumer Electronics Show in Las Vegas (Nevada) der Weltöffentlichkeit vorgestellt.Brian Bagnall: Commodore: A Company on the Edge. Variant-Press, Winnipeg 2010, S. 207.Hans-Joachim Sacht: Tischcomputer für Heim + Beruf. Humboldt-Taschenbuchverlag, München 1984, S. 148.

Der CBM 8032 gehört zur erfolgreichen CBM-8000-Serie von Commodore, deren Modelle als Nachfolger der älteren CBM-4000-Serie eingeführt wurden und die dritte und letzte Generation der Bürorechner der CBM-Reihe darstellen. Abgelöst wurde diese erste von Commodore zur Marktreife gebrachte und beständig weiterentwickelte Rechnerfamilie schließlich von den völlig neu entwickelten Modellen der CBM-600-/CBM-700-Serie, die jedoch nicht an die Verkaufszahlen der Vorgängerserie anknüpfen konnten.Sol Libes: Bytelines. In: BYTE. Band 7, Nr. 11, 1982, S. 540.

Zum Zeitpunkt der Markteinführung in Nordamerika lag die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers für den CBM 8032 bei 1.500 US$.Brian Bagnall: Commodore: A Company on the Edge. Variant-Press, Winnipeg 2010, S. 344.Hillel Segal: „Users 'Generally Pleased' With CBM 8032“, In: Computerworld. Band 16, Nr. 11, 1982, S. 26. Der in den Vereinigten Staaten vorgefertigte Rechner erhielt im Commodore-Zweigwerk in Braunschweig eine an das deutsche Stromnetz angepasste interne Stromversorgung und war ab 1981 dann auch in Deutschland erhältlich.Winnie Forster: Spielkonsolen und Heimcomputer 1972–2009. Utting: Gameplan (2009), S. 23. Der Preis für die Basiseinheit lag 1982 in Deutschland bei 3.950 DM.„Preisfrage: Warum spezielle Textverarbeitungssysteme, wenn es zum gleichen Preis diesen universellen Tischcomputer gibt?“ (Werbeanzeige), Hrsg. v. Commodore Deutschland GmbH, In: Der Spiegel, Jg. 36, Nr. 13, 1982, S. 104 f. Die Zahl der insgesamt im deutschsprachigen Raum verkauften Exemplare des im Vergleich mit den bis dato marktbeherrschenden Bürorechnern sehr kostengünstigen CBM 8032 betrug bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1982 deutlich über 10.000 Einheiten.Manfred Bues, Gerhard J. Pleil: Spiegel-Verlagsreihe Märkte im Wandel. Band 12: Mikrocomputer für kommerzielle Anwendungen. Spiegel-Verlag, Hamburg 1984, S. 212. Damit gehört der Rechner in Deutschland zu den meistverbreiteten Bürocomputern seiner Zeit.

Entwicklung Nach einem Treffen mit dem erfolgreichen britischen Computerproduzenten Clive Sinclair im Jahr 1980 fasste Jack Tramiel, zu dieser Zeit Geschäftsführer von Commodore International, den Plan, nach dem Vorbild des Billigcomputers Sinclair ZX80 in Zukunft vornehmlich neue Geräte für das unterste Marktsegment zu entwickeln. Innerhalb des von ihm gegründeten Unternehmens stieß Tramiel mit diesem Vorhaben jedoch auf heftigen Widerstand. So wollte insbesondere Chefingenieur Chuck Peddle, der in den Jahren 1976/77 mit dem Commodore PET den ersten Mikrocomputer für Commodore konzipiert hatte, diese Änderung in der Ausrichtung des Unternehmens nicht mittragen. Nach einigen Querelen entschloss man sich zu einem Kompromiss: Die Entwicklungsabteilung des Elektronikkonzerns wurde in zwei Abteilungen aufgeteilt, von denen eine für kostengünstige Heimcomputer, die andere für professionelle, aber kostspieligere Bürorechner zuständig sein sollte.Bernd Leitenberger: Computergeschichte(n). Die ersten Jahre des PC. Norderstedt: Books-on-Demand-GmbH 2012, S. 202

Um mit der rasanten Entwicklung auf dem Computermarkt mithalten zu können, wurden die bereits zur Serienreife gebrachten Rechner der CBM-Reihe auch weiterhin laufend von der neu gegründeten Abteilung für Bürorechner überarbeitet und weiterentwickelt. Die Designphilosophie der All-in-one-Modelle der Commodore-PET-Reihe, die neben dem TRS-80 von RadioShack und dem Apple II als Wegbereiterin der modernen Mikrocomputerindustrie gilt, wurde dabei vom neu gebildeten Entwicklerteam um Bill Seiler in puncto Systemarchitektur, Gehäuseform und Bildschirmintegration bei der Planung des CBM 8032 weitgehend übernommen, in einigen Punkten jedoch modifiziert bzw. um neue Komponenten ergänzt.

Genau wie im Fall des Commodore PET besteht auch beim CBM 8032 das Gehäuse aus hellbeige lackiertem Metall, weshalb im Rechnerinneren keine weiteren Strahlenschutzbleche zur Abschirmung der Hauptplatine notwendig sind. Im Gegensatz zum Urmodell verfügt der CBM 8032 jedoch über eine professionelle Schreibmaschinentastatur mit Springfedern, deutlich mehr Speicherplatz, ein leistungsstärkeres Betriebssystem mit einem umfangreicheren BASIC-Befehlssatz, eine doppelt so hohe Bildschirmauflösung sowie einen ab Werk eingebauten monochromen 12-Zoll-Grünmonitor (englisch Fat screen) mit einer leicht veränderten Gehäuseform, die zwar nunmehr mit den Seiten des eigentlichen Rechnergehäuses abschließt, aber immer noch einem gleichschenkligen Trapez gleichkommt.Zentraleinheiten CBM 8032/8096. Commodore Deutschland GmbH, Frankfurt/M. 1980, S. 1. Überdies verzichtete das Entwicklerteam beim CBM 8032, wie auch schon bei den Vorgängermodellen der CBM-3000-Serie bzw. der CBM-4000-Serie, auf die Verwendung eines ins Gehäuse eingelassenen Datenrekorders, um mehr Platz für das Tastaturfeld nebst numerischem Ziffernblock zu gewinnen. Sinnvoll lässt sich der Rechner daher nur betreiben, sofern zusätzlich ein externer Massenspeicher, also etwa ein Diskettenlaufwerk oder eine Datasette, angeschlossen wird.

Gehäuse, Tastatur, Schnittstellen Nach heutigen Maßstäben ist der CBM 8032 sehr wuchtig und schwer. Der Rechner misst 42 cm × 47 cm × 36 cm (Breite × Tiefe × Höhe) und wiegt . Der eingebaute Grünmonitor besitzt eine Bildschirmdiagonale von und ist in der Lage, 80 × 25 Zeichen in monochromer Darstellung (grün auf schwarz) auf den Bildschirm zu bringen. Daneben besitzt der CBM 8032 eine einfache, direkt in die Hauptplatine integrierte Lautsprechermembran zur Erzeugung simpler Piepstöne (englisch Beeper). Auf der Rückseite des Monitors befinden sich ins Gehäuse eingelassene Lüftungsschlitze sowie ein Drehregler zur Einstellung der Helligkeit. Die deutsche Version des CBM 8032 benötigt eine Eingangsspannung von , der Stromverbrauch des Rechners liegt bei . Das Netzteil ist ins Gehäuse integriert.

Die Tastatur des CBM 8032 besteht aus 73 Tasten und weist zur Erleichterung der Eingabe größerer Datenmengen einen abgesetzten numerischen Ziffernblock auf. Hinsichtlich des Tastatur-Layouts konnten die Kunden zwischen zwei Optionen wählen: einer kaufmännischen und einer technisch-wissenschaftlichen Version der Tastatur mit zusätzlichen Grafiksymbolen.Boris Kretzinger: Commodore. Aufstieg und Fall eines Computerriesen. Morschen: Skriptorium-Verlag (2005), S. 23.

Der CBM 8032 verfügt über insgesamt vier Schnittstellen, die allesamt als Platinenstecker realisiert sind und den Anschluss von Druckern, Plotter, Modems, Massenspeichern, Messgeräten sowie weiteren Peripheriegeräten gestatten. An der Rückseite befinden sich drei Schnittstellen: ein IEC-Bus ohne Standard-Steckverbinder für Commodore-Peripheriegeräte sowie Peripheriegeräte anderer Hersteller mit 24-poligem IEEE488-Stecker, eine mit 8-Bit-Wortbreite operierende parallele Schnittstelle mit 24 Kontakten ähnlich wie beim Commodore 64 für spezielle Peripheriegeräte ohne Anschlüsse nach IEC-Norm (englisch User Port) sowie ein Anschluss mit zwölf Kontakten für externe Datenrekorder (englisch Cassette Port). Ein weiterer Datenrekorder kann über einen entsprechenden Platinenstecker an der rechten Seite des Rechnergehäuses angeschlossen werden. Daneben verfügt der CBM 8032 über zwei interne 50-polige Pfostenstecker auf der Hauptplatine, mit deren Hilfe sich das System selbst erweitern lässt.

Mikrochips 200px|mini|8-Bit-Hauptprozessor des TypsMOS Technology 6502 (1981) mini|200px|Logo des konzerneigenen Chipherstellers MOS Technology mini|200px|Geöffneter CBM 8032 mit Hauptplatine (1981)

Hauptprozessor

Der CBM 8032 verfügt über einen 8-Bit-Hauptprozessor des Typs MOS Technology 6502, der mit getaktet ist.CBM 8032-Bedienungshandbuch. Commodore Deutschland GmbH, Frankfurt/M. 1980, S. 208. Die CPU des CBM 8032 verfügt über einen 8-Bit-Datenbus sowie 16-Bit-Adressbusstrukturen, was für Rechner mit einer 8-Bit-Architektur typisch ist. Sämtliche Modelle der CBM-8000-Serie enthalten eine CPU dieses zur damaligen Zeit weit verbreiteten Typs, deren Verwendung bis auf das Urmodell Commodore PET 2001 zurückgeht.Adam Osborne u. Carroll S. Donahue: CBM Computer Handbuch. München: te-wi (1981), S. 7–1.

Grafikchip Neben der CPU kommt der vom Hersteller neu entwickelte Grafikprozessor MOS Technology 6545 zum Einsatz, der auf dem Grafikchip Motorola 6845 basiert und als Ansteuerschaltung für die Kathodenstrahlröhre des fest eingebauten Bildschirms des CBM 8032 fungiert.Brian Bagnall: Commodore: A Company on the Edge. Variant-Press, Winnipeg 2010, S. 208. Der daher im Englischen auch als „Cathode Ray Tube Controller“ (kurz CRTC) bezeichnete Grafikchip des CBM 8032 ist ausschließlich auf professionelle Anwendungen wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation ausgelegt, weshalb er zwar Groß- und Kleinbuchstaben beherrscht, aber weder farbfähig ist noch Sprites generieren kann. Der MOS Technology 6545 besitzt auch keinen echten Grafikmodus, sodass bildliche Darstellungen ausschließlich über Verwendung der insgesamt 64 Sonderzeichen und Grafiksymbole des eingebauten CBM-ASCII-Zeichensatzes auf den Bildschirm gebracht werden können.Adam Osborne u. Carroll S. Donahue: PET/CBM Personal Computer Guide. Berkeley: Osborne/McGraw-Hill 1980, S. 209.

Das Hauptleistungsmerkmal des MOS Technology 6545 besteht darin, dass er bei einer Maximalauflösung von 640 × 200 Pixeln 80 Zeichen pro Zeile in einer Größe von 8 × 8 Bildpunkten darstellen kann. Da der MOS Technology 6545 in der Lage ist, 25 Zeilen auf den Bildschirm zu bringen, sind also insgesamt 2000 Zeichen gleichzeitig auf dem Monitor zu sehen, von denen jedes einzelne 1 Byte an Grafikspeicher belegt.Adam Osborne u. Carroll S. Donahue: PET/CBM Personal Computer Guide. Berkeley: Osborne/McGraw-Hill 1980, S. 7. Damit übertraf der CBM 8032 deutlich die Grafikchips der damals marktführenden Heimcomputer, also etwa des Texas Instruments TI-99/4A, Commodore VC20, TRS-80 oder Apple II, zumindest in puncto Textdarstellung und -verarbeitung. Die Anzahl der pro Zeile darstellbaren Zeichen (80) sowie die Größe des Arbeitsspeichers wurden deshalb herangezogen, um dem Rechner in Abgrenzung zum Markt der Hobbyanwender eine aussagekräftige Modellbezeichnung zu geben.

Tonerzeugung