Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt), von 1938 bis 1945: Ostdorf (Ostpr.), ist ein verlassener Ort im Rajon Krasnosnamensk der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ortsname leitet sich von (Heidebewohner) ab.Albert Zweck: Litauen. Eine Landes- und Volkskunde (= Deutsches Land und Leben in Einzelschilderungen, Reihe 1: Landschaftskunden). Hobbing & Büchle, Stuttgart 1898, S. 291.

Geographische Lage Schilleningken lag 24 Kilometer nordöstlich der einstigen Kreisstadt Pillkallen (von 1938 bis 1946 Schloßberg) am Westufer der Scheschuppe (Шешупе, Šešupė), die hier die Grenze zwischen Russland und Litauen bildet.

Schilleningken war bis 1945 der östlichste Ort des Deutschen Reiches.Karl Friedrich Wilhelm Dieterici: Handbuch der Statistik des preußischen Staats. Mittler, Berlin 1861, S. 29. (Die östlichste Stadt des Deutschen Reiches war Schirwindt.)

Von Schirwindt (heute russisch: Kutusowo) führte eine unwegsame Straße direkt in den Ort. Schirwindt war außerdem bis 1945 die nächste Bahnstation an der Bahnstrecke von Pillkallen über Grumbkowkeiten nach hier, die von der Pillkaller Kleinbahn betrieben wurde.

Geschichte mini|Die Landgemeinde Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) auf einem Messtischblatt von 1934 Frühe Neuzeit und 19. Jahrhundert Schilleningken wird in den historischen Quellen erstmals 1664 erwähnt.Dietrich Lange: Ostdorf (Ostpr.). In: Geographisches Ortsregister Ostpreußen, 2005, abgerufen am 4. Juli 2025. Um 1780 war Schillenincken ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 142. 1874 wurde die Landgemeinde Schilleningken in den neu gebildeten Amtsbezirk Schirwindt im Kreis Pillkallen eingegliedert.Rolf Jehke, Amtsbezirk Schirwindt Zur Unterscheidung eines weiteren Ortes namens Schilleningken im Kreis Pillkallen, der zum Kirchspiel Lasdehnen gehörte, bekam dieser Ort den Namenszusatz Kirchspiel Schirwindt.

20. Jahrhundert 1928 wurde der Gutsbezirk Dwarischken (siehe unten) an die Landgemeinde Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) angeschlossen. 1938 wurde Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) in Ostdorf (Ostpr.) umbenannt.

Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde der nördliche Teil Ostpreußens gemäß Artikel V des Potsdamer Abkommens 1945 der Sowjetunion zugeschlagen. Die überlebenden Einwohner von Schilleningken gerieten in Gefangenschaft oder wurden vertrieben. Einen russischen Namen erhielt der Ort nicht mehr.Der seit dem zweisprachigen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. – Калининград: Калининградское книжное издательство von 1976 kursierende russische Name Samarskoje beruht auf einer Verwechslung mit dem im Kirchspiel Lasdehnen befindlichen Schilleningken, von dem laut Umbenennungserlass von 1950 neben Bergershof (und bei Lasdehnen) eine Örtlichkeit bei Schilleningken – vielleicht das Forsthaus – in Samarskoje umbenannt wurde.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung, I. Die Provinz Preussen, Berlin 1874. 134 1871 108 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888. 106 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907. 80 1910 62 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939. 195 einschließlich Dwarischken 1939 142

Dwarischken (Löbelshorst) Dwarischken war um 1780 ein adeliges Dorf und ein kölmisches Gut.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 32. 1874 kam auch der Gutsbezirk Dwarischken in den Amtsbezirk Schirwindt. 1928 wurde er an die Landgemeinde Schilleningken (Kirchspiel Schirwindt) angeschlossen. Dort wurde der Ortsteil Dwarischken 1938 in Löbelshorst umbenannt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 155 1871 144 1885 164 1905 198 1910 197 1925Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamts, Jg. 67 (1927). 158

Söhne und Töchter des Ortes Karl Ludwig von Plehwe (1834–1920), Jurist, Richter am Oberlandesgericht Königsberg

Kirche Die Einwohner von Schilleningken resp. Ostdorf waren vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Immanuel-Kirche Schirwindt eingepfarrt, die zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Ostpreußen Kategorie:Wüstung in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Rajon Krasnosnamensk