mini|Kuhweide in Fillmore County, Minnesota, USA mini|Weideland im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Brandenburg mini|Rinderweide im NSG Hansdorfer Brook östlich Hamburgs mini|Weideland in Mexiko

Eine Weide (auch: Weideland) ist eine mit krautigen Pflanzen (vornehmlich Süßgräsern) bewachsene landwirtschaftliche Fläche, auf der Nutztiere stehen, denen diese Vegetation als Hauptnahrung dient. Das Abfressen wird „grasen“ oder „beweiden“ genannt, die Tiere als „Weidetiere“ bezeichnet.

Weidetiere sind Huftiere wie Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Pferd oder Kamel sowie einige Geflügelarten wie Hühnervögel, Gans oder Strauß. Sie werden zu verschiedenen Zwecken gehalten, insbesondere jedoch zur Tierproduktion (Erzeugung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen aus landwirtschaftlichen Nutztieren) in der Weidewirtschaft, aber auch aus naturschutzfachlichen Gründen. Im engeren Sinne ist eine Weide vom Menschen geschaffenes, landwirtschaftliches Grünland, das zur Tierproduktion genutzt wird. Im weiteren Sinne werden beweidete Wälder (Hutewald) sowie Steppen, Savannen und Tundren als Weiden bezeichnet.

Eine durch Zäune oder andere Fluchthindernisse eingehegte Weide wird als Koppel (von mittelniederdeutsch koppel, „Umzäunung“; „eingezäuntes Landstück“) bezeichnet, um den Gegensatz zu den nicht eingezäunten Weiden hervorzuheben. Der Begriff Weide wird auch in Zusammenhang mit Wildtieren, Bienen (Bienenweide) und Vögeln (Vogelweide) verwendet. Nach dem 2008 veröffentlichten Modell der Anthrome der beiden amerikanischen Geographen Erle C. Ellis und Navin Ramankutty machen alle Weidearten zusammen (Residential-, Populated- und Remote Rangeland) etwa 27 % der irdischen Landoberfläche aus.

Ein wichtiger ergänzender Bestandteil des Grünlands sind die Mähwiesen, mit deren Biomasse die vielerorts im Winter eingestallten Weidetiere mit Heu bzw. Silage gefüttert werden können.

Etymologie Der Begriff Weide geht auf den germanischen Wortstamm „*weidja“ zurück, der ursprünglich „Jagd“ bedeutete (vgl. Weidwerk). In altnordischen und altenglischen Quellen liegt die Bedeutung noch eher auf „jagen, fangen, wandern“ (anord. veiðr, aengl. wáð). Erst im Althochdeutschen (weida) wird die Bezeichnung auch im Sinne von „Futter-, Fressplatz“ u. ä. verwendet. Erst in der neuhochdeutschen Sprache hat sich die Bedeutung allein zum „Futterplatz für das Vieh“ gewandelt.Wolfgang Pfeifer (Leitung): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1995, ISBN 3-05-000626-9; 7. Auflage 2004, ISBN 3-423-32511-9 (online).

Geschichte der Viehweiden mini|Schafweide am Hohentwiel In Siedlungsresten der Steinzeit finden sich Käfer, Pollen und Pflanzenreste, die darauf hinweisen, dass Teile Mitteleuropas bereits vor über 7000 Jahren eine relativ dicht besiedelte Landschaft mit Äckern und Weiden waren. Wie weit in dieser Zeit ein dichter Wald verbreitet war, ist umstritten, siehe Megaherbivorenhypothese. Heinz Ellenberg beurteilte aber diese auch durch andere Quellen belegte Beweidung als „nicht planmäßig“. Die Bewirtschaftung könnte ihm zufolge dem Wanderfeldbau ähnlich gewesen sein.

Bis in die Neuzeit wurde in Mitteleuropa im Wesentlichen die Dreifelderwirtschaft angewendet, bei der die Brachen beweidet wurden (Brachweide). Der Flurzwang des Mittelalters zielte auf eine möglichst lange Nutzung der Flächen „allgemeiner Weiden“ – der Allmende –, in die auch die Äcker zwischen Ernte und Schossen (Halmbildung) des Getreides mit einbezogen wurden. Die Pflanzengemeinschaften der Ackerfluren wiesen damals einen wesentlich höheren Anteil an Gräsern auf und waren auch wesentlich artenreicher.

Der Verbiss des aufgelaufenen Getreides förderte die Bestockung und die Beweidung des damals rasenähnlichen Bewuchses nach der Ernte. Das half Unkräuter zu bekämpfen und das Vieh zu ernähren. Der Kot der Tiere düngte die Äcker vor allem beim nächtlichen Einpferchen. Erst beim Schossen des Getreides wurde das Vieh von den Äckern ferngehalten. Die Flurstücke – die Zelge und später Kämpe – waren mit Dorngehölzen, Mauern oder Wällen eingezäunt, aus denen die teilweise wie Niederwälder bewirtschafteten Hecken und Knicks entstanden.

Außerhalb dieser Brachzelgen der Dreifelderwirtschaft des Hochmittelalters gab es natürlich auch die Hutewälder, die im Mittelalter daraus entstanden sind, dass man das Vieh zur Mast in die Wälder getrieben hat. Die Tiere schädigten den Baumbewuchs nachhaltig und überführten die Wälder in offene, „savannenähnliche“ Landschaften. Schließlich spielte auch die Wanderschäferei in Gegenden mit leichten und unfruchtbaren Böden eine Rolle, wie in der Lüneburger Heide oder auf den Lechtalheiden.

Nutzungsformen von Weiden Die folgenden Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf Weiden in der Grünlandwirtschaft.

Im Gegensatz zur Wiese wird Weideland nicht zur (Winter-)Futtergewinnung (Mahd für die Konservierung wie Heu- oder Silage-Herstellung) genutzt, sondern ihr Aufwuchs wird von den Tieren abgefressen (weiden, grasen). Übergangsformen sind Mähweiden, deren Aufwüchse innerhalb eines Jahres sowohl zeitweise abgeweidet werden als auch zur Heu- oder Silageherstellung gemäht werden. Die Nutzungsform der Weide führt zu einer Vorherrschaft von Pflanzenarten, die sich von einer Wiese unterscheiden. Profiteure einer Beweidung sind zum Beispiel Schafschwingel oder Brennnesseln. Die Auswirkungen unterscheiden sich nach Intensität der Beweidung und der Nutztierart. Die landwirtschaftliche Nutzung der Weide wird grob unterschieden in geregelte und ungeregelte und intensive und extensive Nutzungsformen. Zur geregelten Nutzungsform zählen Dauerweide (Kurzrasenweide), Umtriebsweide oder Portionsweide. Von ungeregelter Weidenutzung spricht man zum Beispiel bei Hutungen. Eine Sonderform ist die Alm. Es existieren keine allgemeingültigen Definitionen von extensiver und intensiver Beweidung. In der planaren bis kollinen Höhenstufe Mitteleuropas kann auf wüchsigen Standorten näherungsweise eine Besatzdichte von 1,4 Großvieheinheiten pro Hektar als Grenze von der extensiven zur intensiven Haltung gezogen werden.

Ungeregelte Weidenutzung Von einer ungeregelten Weidenutzung spricht man, wenn der Weidegang weder zeitlich noch räumlich reglementiert wird, auch wenn die Tiere von Hirten beaufsichtigt werden. Dies traf in der Frühzeit Europas etwa auf die Nutzung von Hutewäldern, Heiden oder Auen zu.Alois Kapfer: Zur Rolle der Nutztierbeweidung bei der Entstehung der mitteleuropäischen Kulturlandschaften in M. Bunzel-Drüke et al.: Naturnahe Beweidung und NATURA 2000, 2. überarbeitete u. erweiterte Auflage, Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz, Bad Sassendorf 2019. S. 23, 31, 35. Heute sind solche Formen allenfalls noch in dünn besiedelten, strukturschwachen Regionen zu finden, wo die Viehzucht noch vorwiegend der Selbstversorgung dient und keine Mittel zur Reglementierung zur Verfügung stehen.

Geregelte Weidenutzung Seit dem Frühmittelalter wird für Mitteleuropa mit dem Beginn geregelter Formen der Beweidung gerechnet. Bei der geregelten Weidenutzung wird die Beweidungsdauer sowie die zu beweidende Fläche genau festgelegt. Futterüberschüsse werden durch Mahd und Konservierung (Heu- und Silagegewinnung) abgeschöpft. Dies führt zu einem konstanten, stets weidereifen Futterangebot. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine zeitliche Begrenzung des Weideganges und ein regelmäßiger Umtrieb der Tiere auf andere Flächen. Auf Flächen mit geregelter Weidenutzung sind die Besatzdichten höher, die Beweidungszeiträume jedoch niedriger als bei der ungeregelten Nutzung. Die Anzahl der Koppeln ist abhängig von der Anzahl der Tiere und der Herdengröße.

Koppelweide, Dauerweide Bei einer Koppelweide wird die Gesamtweidefläche in vier bis acht Koppeln eingeteilt. Die Fresszeiten sind lang (etwa zehn Tage), die Ruhezeiten zwischen den einzelnen Beweidungszeiten relativ kurz. Diese Form der Beweidung ist vorteilhaft bei untergrasreichen Narben und großen Herden sowie bei Tieren, die einen hohen Anspruch an Auslauf haben (zum Beispiel Pferde). Der Aufwuchs dieser Weiden ist meist recht niedrig, was eine selektierte Futteraufnahme durch die Tiere eingrenzt. Die Nachteile bestehen in hohen Weideresten, einem verhältnismäßig geringem Ertragspotential und meist hohen Nährstoffaufwendungen (Düngung).

Besatzdichte: zehn Rindergroßvieheinheiten (RiGV) pro Hektar (ha), zugeteilte Fressfläche pro RiGV: circa 1000 m², Schnittflächenanteil: 25 %.

Umtriebsweide Bei der Umtriebsbeweidung wird die Gesamtfläche in mehr als acht Koppeln unterteilt. Die Fresszeiten je Koppel sind circa ein bis drei Tage lang, die Ruhezeiten (Wachstumszeiten des Aufwuchses) zwischen den Beweidungen sind je nach Vegetationszeitpunkt etwa drei bis sechs Wochen. Die knappe Flächenzuteilung bewirkt eine geringere Futterselektion, eine höhere Trittbelastung der Fläche, eine größere Gefahr für Grasnarbenverletzungen sowie einen höheren Pflegeaufwand auf den einzelnen Flächen. Für die Tiere bedeutet die Umtriebsweide meist eine größere Unruhe in der Herde. Die Wege zur Wasserversorgung der Tiere und für den Umtrieb sind länger. Die Weidereste sind auf diesen Flächen gering, der Flächenertrag verhältnismäßig groß. Besatzdichte: circa 25 RiGV/ha, zugeteilte Fressfläche: 400 m²/RiGV, Schnittflächenanteil: circa 50 %

Portionsweide Die Portionsweide, auch Rationsweide, Ganz- oder Halbtagsweide genannt, ist die Einteilung der Gesamtfläche in mehr als zwanzig Koppeln, weniger sind es nur bei täglicher oder halbtägiger Zuteilung der Futterfläche. Die Zuteilung der Futterfläche erfolgt ein- bis zweimal pro Tag. Sie ist die intensivste Form der Beweidung. Die Weidereste sind sehr gering, die Futteraufnahme pro Tier sehr hoch. Die Nutzung als Portionsweide ist besonders vorteilhaft bei kleinen Weiden und knapper Weidefläche. Für größere Herden ist diese Form wegen des erhöhten Stresses nicht geeignet. Der Pflegeaufwand ist hoch, ebenso der Nährstoffaufwand. Der Einsatz von „Wirtschaftsdünger“ bietet sich auf diesen Flächen an. Besatzdichte: circa 100 RiGV/ha, zugeteilte Fressfläche: 100 m²/RiGV, Schnittflächenanteil: circa 75 %

Kurzrasenweide Die Kurzrasenweide ist eine sehr früh und intensiv und sehr kurz beweidete Standweide. Aber es erfolgt dabei keine Zufütterung von Kraftfutter, da sonst die Tiere lieber beim Stall bleiben. Sie erfordert eine saisonal gelenkte Abkalbung im Winter und eine überlegte Winterfutterversorgung, wenn alle Flächen beweidet werden sollen.

Diese Form hat die folgenden Vor- und Nachteile: Arbeitszeitfreisetzung, mühsame Suche und Zusammentreiben der Tiere auf der Weide zum Melken bis zum Melkstall, die Verringerung der Tierleistung um etwa ein Drittel, die volle Verunkrautungszurückdrängung, überhöhte Harnstoffwerte in der Milch als Stresszeiger für Proteinüberschuss und Energiemangel im Futter. Ebene Flächen sind notwendig, sonst verkoten diese stark und das Vieh verteilt sonst den Dung nicht selbst, dazu ein Kotmanagement auf der Weide, damit nicht ungefressene Stellen entstehen. Das Vieh muss auch bei Regenwetter weiden, wobei die Wiesennarbe leicht zerstört wird und zusätzlich ein Leistungsabfall durch mangelnde Futterstruktur bei Regenwetter herrscht.

Die Kurzrasenweide wird in Österreich sehr stark vom LFZ Raumberg-Gumpenstein propagiert. Problematisch erscheint die Senkung des Betriebseinkommens durch Leistungsverlust und da in entlegenen Berggebieten es kaum Möglichkeiten für außerlandwirtschaftliche Ersatz-Einkommen gibt und es kaum ebene Flächen im Berggebiet gibt.

Almen/Alpen mini|Kuh auf der Täschalpe im Wallis

Almen sind Sommerweiden im Hochgebirge, die vorrangig zur Rinderaufzucht genutzt werden. Sie werden autonom von der Hauptbetriebsfläche bewirtschaftet. Man unterscheidet in Lichtweide und Waldweide. Die Doppelnutzung (Weidenutzung und Streuobstanbau oder Weidenutzung und Holzabbau) ist relativ stark verbreitet, aber auch hier problematisch.