Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der brasilianischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Brasilien ist die einzige Mannschaft, die an allen bisherigen WM-Endrunden teilnahm, wurde fünfmal Weltmeister und führt die ewige Tabelle seit 1958 an.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzter Gegner ErgebnisLaut All-time FIFA World Cup Ranking 1930–2014 (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1930Uruguay VorrundeJugoslawien, Bolivien6. Píndaro de Carvalho Rodrigues 1. Spiel gegen eine europäische Mannschaft 1934 Italien AchtelfinaleSpanien14. Luís Vinhaes1. Spiel in Europa 1938Frankreich Spiel um Platz 3SchwedenDritter Adhemar Pimenta Leônidas Torschützenkönig 1950Brasilien FinalrundeSchweden, Spanien, Uruguay Vize-Weltmeister Flávio CostaMaracanaço, Ademir Torschützenkönig 1954Schweiz ViertelfinaleUngarn 5. Zezé Moreira 1958Schweden FinaleSchwedenWeltmeister Vicente FeolaEinziger WM-Titel einer südamerikanischen Mannschaft in Europa 1962 Chile FinaleTschechoslowakeiWeltmeister Aymoré MoreiraGarrincha Torschützenkönig 1966 England VorrundeUngarn, Bulgarien, Portugal11. Vicente Feola 1970 Mexiko FinaleItalienWeltmeister Mário Zagallo1. Weltmeister in Mittelamerika, Brasilien wird Rekordweltmeister 1974 Deutschland Spiel um Platz 3Polen4. Mário Zagallo 1978 Argentinien Spiel um Platz 3 ItalienDritter Cláudio CoutinhoBrasilien als einzige Mannschaft ungeschlagen 1982 Spanien Zweite FinalrundeArgentinien, Italien5. Telê SantanaItalien stellt mit seinem 3. WM-Titel den Rekord von Brasilien ein 1986 Mexiko ViertelfinaleFrankreich5. Telê SantanaNiederlage im Elfmeterschießen 1990 Italien AchtelfinaleArgentinien9. Sebastião LazaroniDeutschland stellt mit seinem 3. WM-Titel den Rekord von Brasilien und Italien ein 1994 USA FinaleItalienWeltmeister Carlos Alberto ParreiraBrasilien wieder alleiniger Rekordweltmeister, Romário bester Spieler 1998 FrankreichFinale FrankreichVize-Weltmeister Mário ZagalloRonaldo bester Spieler 2002 Südkorea/JapanFinale Deutschland Weltmeister Luiz Felipe Scolari1. Weltmeister in Asien, 1. WM-Spiel gegen Deutschland, Ronaldo Torschützenkönig 2006 Deutschland Viertelfinale Frankreich5. Carlos Alberto ParreiraRonaldo wird mit seinem 15. WM-Tor erfolgreichster WM-Torschütze 2010 Südafrika ViertelfinaleNiederlande6. Dunga 2014 Brasilien Spiel um Platz 3Niederlande4. Luiz Felipe Scolari In der Gruppenphase der Endrunde traf Brasilien als automatisch qualifizierter Gastgeber im Eröffnungsspiel auf Kroatien (3:1), dann auf Mexiko (0:0) und zum Abschluss der Gruppenphase auf Kamerun (4:1). Gegen alle drei hatte Brasilien bei WM-Endrunden schon gespielt. Im Achtelfinale traf Brasilien auf Chile und erreichte durch einen Sieg im Elfmeterschießen das Viertelfinale gegen den südamerikanischen Nachbarn Kolumbien, der mit 2:1 besiegt wurde. Im Halbfinale unterlag Brasilien der deutschen Mannschaft mit 1:7. Dies war die höchste Halbfinal-Niederlage aller Zeiten. 2018 Russland ViertelfinaleBelgien6. Tite Als erste Mannschaft nach dem Gastgeber qualifiziert. 2022 Katar ViertelfinaleKroatien 7. Tite Als erste südamerikanische Mannschaft qualifiziert. Gegner bei der Endrunde waren Serbien, die Schweiz und Kamerun in der Vorrunde und Südkorea im Achtelfinale. 2026 Kanada, Mexiko und USA Achtelfinale Norwegen11. In der im September 2023 begonnenen Qualifikation traten wieder alle zehn CONMEBOL-Mitglieder in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Die sechs bestplatzierten Mannschaften qualifizierten sich direkt für die WM-Endrunde 2026. Der Siebtplatzierte nahm als südamerikanischer Teilnehmer am WM-Play-off-Turnier im März 2026 teil und scheiterte dort. Brasilien qualifizierte sich als Fünfter. Erstmals seit 1990 kam eine brasilianische Mannschaft nicht weiter als bis ins Achtelfinale.

Statistik mini|Platzierung der brasilianischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet)

Sportliche Qualifikation (inkl. 4× als Titelverteidiger): 18× (78,3 % bzw. 100 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation (inkl. 2× als Gastgeber und weil die Gegner nicht antraten): 6× (26,1 %; 1930, 1934, 1938, 1950 und 2014) Vorrunde/Gruppenphase: 2× (8,7 %; 1930 und 1966) Achtelfinale bzw. Erste Runde: 3× (13 %; 1934, 1990 und 2026) Letzte Zwölf: 1× (4,3 %; 1982) Letzte Acht, Viertelfinale: 6× (26,1 %; 1954, 1986, 2006, 2010, 2018 und 2022) 4. Platz: 2× (8,7 %; 1974 und 2014) 3. Platz: 2× (8,7 %; 1938 und 1978) Finale: 6× (26,1 %; 1958, 1962, 1970, 1994, 1998 und 2002) Vizeweltmeister: 2× (8,7 %; 1950 und 1998) Weltmeister: 5× (21,7 %; 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002)

Häufigster letzter Gegner: Italien (4×, davon nur ein Spiel verloren), Brasilien war auch am häufigsten (3×) einer der letzten Gegner für Italien.

Die Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern WM 1930 in Uruguay Die erste Fußball-Weltmeisterschaft fand auf dem südamerikanischen Kontinent im Nachbarland Uruguay statt. Es war die einzige Weltmeisterschaft, für die keine Qualifikationsspiele ausgetragen wurden. Am 14. Juli 1930 traf Brasilien im ersten WM-Spiel erstmals auf eine europäische Mannschaft und verlor mit 1:2 gegen Jugoslawien. Das anschließende Spiel gegen den Nachbarn Bolivien wurde zwar mit 4:0 gewonnen, da aber nur die Gruppensieger das Halbfinale erreichten, schied Brasilien nach der Vorrunde aus. In der ewigen Rangliste startete Brasilien auf Platz 6.

WM 1934 in Italien Während Titelverteidiger Uruguay die Reise nach Europa nicht antrat, nahmen Brasilien und der andere Finalist Argentinien als einzige südamerikanische Mannschaften in Italien teil. Beide waren ohne Qualifikationsspiele qualifiziert, da die zugelosten Gegner Peru und Chile nicht antraten. Brasilien trat dabei erstmals zu einem Spiel in Europa an, schied aber bereits in der ersten Runde gegen Spanien aus. In der ewigen Rangliste fiel Brasilien dadurch auf Platz 15, die bis dato schlechteste Position und war damit zum einzigen Mal schlechter als Deutschland platziert, das als Neuling auf Platz 4 einstieg.

WM 1938 in Frankreich mini|Brasilien und Polen vor dem Auftaktspiel

1938 war Brasilien der einzige südamerikanische Teilnehmer, da Argentinien zur Qualifikation zurückzog, und erreichte mit dem dritten Platz die bis dahin beste Platzierung. Zudem stellte Brasilien mit Leônidas erstmals den Torschützenkönig, der beim 6:5 n. V. im Achtelfinale gegen Polen als erster Brasilianer drei Tore in einem Spiel erzielte. Mit diesem ersten Sieg in Europa gegen eine europäische Mannschaft wurde das Viertelfinale erreicht. Beim 1:1 n. V. im ersten Viertelfinalspiel gegen die Tschechoslowakei, deren Torhüter sich im Spiel den Arm brach, wurde aber mit Zézé bereits nach 11 Minuten der erste Brasilianer in einem WM-Spiel vom Platz gestellt und 32 Minuten später folgte ihm Arthur Machado. Nachdem Brasilien das Wiederholungsspiel mit 2:1 gewinnen konnte, traf die Mannschaft im Halbfinale erstmals bei einer WM auf den Titelverteidiger und musste sich mit 1:2 gegen Italien geschlagen geben. Mitentscheidend für die Niederlage war, dass Trainer Adhemar Pimenta den besten Torschützen der WM Leônidas für das Finale schonen wollte und nicht einsetzte. Im Spiel um Platz 3 gelang dann ein 4:2-Sieg gegen Schweden, wobei Leônidas noch zwei Tore gelangen und er als erster Brasilianer mit 7 Toren WM-Torschützenkönig wurde. Mit der WM endete dann zunächst auch die Amtszeit von Trainer Pimenta, 1942 übernahm er das Amt dann aber noch einmal für sechs Spiele. In der ewigen Rangliste machten die Brasilianer den größten Sprung und sprangen auf Platz 3.

WM 1950 in Brasilien Die erste Heim-WM sollte für Brasilien den Titel bringen. Brasilien hatte dafür mit dem Maracanã das größte Stadion der Welt gebaut, die Vorrunde souverän überstanden mit Siegen gegen Mexiko (4:0) und Jugoslawien (2:0) sowie einem 2:2 gegen die Schweiz und nach hohen Siegen gegen Schweden (7:1) und Spanien (6:1) hätte im letzten Spiel der Finalrunde auch ein Remis gegen Uruguay zum WM-Titel gereicht. Bis zur 79. Minute des Spiels gegen Uruguay sah auch alles nach einem Titelgewinn aus. Aber dann traf der Uruguayer Alcides Ghiggia zum 2:1 für Uruguay und ließ das Maracanã verstummen. Mit Ademir, der beim 7:1 gegen Schweden vier Tore erzielt hatte, wurde aber zum zweiten Mal der Torschützenkönig gestellt. In der ewigen Rangliste sprangen die Brasilianer auf Platz 2.

WM 1954 in der Schweiz Auch vier Jahre später konnte Brasilien den Titel nicht gewinnen, im Viertelfinale, der sogenannten „Schlacht von Bern“, verlor die Seleção mit 2:4 gegen Titelfavorit Ungarn und erneut zwei Spieler (Nílton Santos und Humberto) durch Platzverweise. Zuvor musste Brasilien erstmals Qualifikationsspiele bestreiten, in denen sich die Mannschaft mit vier Siegen gegen Paraguay und Chile durchsetzte. In der Vorrunde traf die gesetzte Mannschaft auf Mexiko (5:0) und Jugoslawien (1:1). In der ewigen Rangliste fielen die Brasilianer auf Platz 3.

WM 1958 in Schweden links|mini|Die Mannschaft vor dem Finale 1958 mini|Aufstellungen im Finale 1958

Durch ein 1:1 und einen 1:0-Sieg gegen Peru, den Didí acht Minuten vor Spielende durch einen direkt verwandelten Freistoß sicherte, qualifizierte sich Brasilien für die WM-Endrunde. Mit dem 17-jährigen Pelé, der zunächst wegen einer Knieverletzung nicht eingesetzt wurde und dann mit 6 Toren zusammen mit Helmut Rahn zweitbester Torschütze des Turniers war, gelang den Brasilianern mit einem perfektionierten 4-2-4-System in Schweden endlich der ersehnte Titel und zudem der bis dato einzige Titelgewinn einer südamerikanischen Mannschaft in Europa. Im bis heute torreichsten Finale wurde Gastgeber Schweden mit 5:2 besiegt. Mittelfeldregisseur Didí wurde zum besten Spieler der WM gewählt. In der ewigen Rangliste sprangen die Brasilianer auf Platz 1, den sie bis dato nicht wieder abgaben.

WM 1962 in Chile Als Titelverteidiger war Brasilien automatisch für die Endrunde qualifiziert. Auch wenn Pelé im zweiten Spiel verletzt ausfiel und danach nicht mehr eingesetzt werden konnte, konnte zum bis dato letzten Mal der Titel verteidigt werden und mit Garrincha (durch Losentscheid, da fünf weitere Spieler genauso viele Tore erzielten) stellte Brasilien zum dritten Mal den Torschützenkönig. Pelé wurde von Amarildo vertreten, dem in vier Spielen drei Tore gelangen. Auf dem Weg ins Finale gelangen in der Vorrunde Siege gegen Mexiko und Spanien, u. a. mit Ferenc Puskás, während gegen den späteren Finalgegner Tschechoslowakei nur ein torloses Remis gelang. In der K.-o.-Runde folgten Siege gegen England und Gastgeber Chile. Das Halbfinale gegen Chile sahen mehr Zuschauer als das spätere Finale. In diesem profitierten die Brasilianer – wie 40 Jahre später wieder – von Fehlern des besten Torhüters des Turniers. Viliam Schrojf hatte seine Mannschaften mit einer Vielzahl von Paraden ins Endspiel gebracht – wie Oliver Kahn 40 Jahre später – sah dann aber bei allen drei Toren der Brasilianer schlecht aus. Mit dem Finalsieg beendete Mittelfeldregisseur Didí seine Nationalmannschaftskarriere und wurde zunächst Spielertrainer und später u. a. Trainer der peruanischen Fußballnationalmannschaft, die er zur WM 1970 führte.

WM 1966 in England