mini|Alter Pasinger Bahnhof, Zustand 2008

Der Bahnhof München-Pasing, im S-Bahn-Verkehr als Pasing bezeichnet, ist ein im Westen Münchens im Stadtteil Pasing gelegener Fernverkehrsbahnhof der Deutschen Bahn mit neun Bahnsteiggleisen und fünf bahnsteiglosen Durchgangsgleisen, die den Bahnhof von Ost-Südost nach West-Nordwest durchqueren. Westlich des Bahnhofs befindet sich ein Betriebsbahnhof zur Zugbereitstellung für den Münchner Hauptbahnhof, östlich ein Güterbahnhof.

Mit täglich insgesamt 139.000 Reisenden und Besuchern zählt er zu den 20 meistfrequentierten Bahnhöfen im Netz der Deutschen Bahn. Mit 100.000 Fahrgästen und 1000 Zügen pro Tag gilt er als einer der größten Bahnhöfe Bayerns. Er hat ein Einzugsgebiet von etwa 400.000 Einwohnern 9. Januar 2008 und wird täglich von über 85.000 Ein-, Aus- und Umsteigern frequentiert, zu denen noch ca. 40.000 Benutzer der Unterführung kommen, die diese als Stadtteilverbindung nutzen.

Geschichte Nachdem von der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft bis Lochhausen 1839 ein erster Abschnitt der Bahnstrecke München–Augsburg errichtet worden war, erhielt mit der Verlängerung der Strecke von Lochhausen nach Augsburg die am westlichen Münchner Stadtrand gelegene Gemeinde Pasing am 7. Oktober 1840 einen eigenen Haltepunkt mit zwei Holzhäuschen. 1847 wurde in Pasing im Süden der Gleisanlagen ein von Friedrich Bürklein entworfenes, backsteinernes Stationsgebäude errichtet. Dieses wurde 2011 restauriert und gilt als „Miniatur-Replik des Münchner Urhauptbahnhofs“.Ralf Roman Rossberg: Ein über 160-jähriges Juwel strahlt wieder. in Eisenbahnmagazin Heft 9(2011)42 Bürklein hat ebenfalls den Münchner Hauptbahnhof sowie das Maximilianeum und die Backsteingebäude der Maximilianstraße entworfen. Dieses Gebäude, ein zweigeschossiger Bau mit zwei Seitenflügeln und einer Wartehalle, ist der älteste noch erhaltene Bahnhof in Oberbayern.Renate Mayer-Zaky, Reinhard Bauer: Pasing. Stadt in der Stadt. Bavarica-Verlag Dr. Reinhard Bauer, München 1996, S. 134. Erst am 21. Mai 1854, zur Eröffnung der Strecke nach Starnberg, die sich in Pasing von der Strecke Richtung Lochhausen trennt, wurde der Haltepunkt zu einem Bahnhof aufgewertet.

mini|Südseite des Empfangsgebäudes 2006

Als nur kurze Zeit später mit dem Bau der Bahnstrecke München–Buchloe begonnen wurde, musste der Bahnhof 1873 auch aufgrund des starken Wachstums der Gemeinde auf sechs Gleise mit 25 Wärterhäuschen erweitert werden. Damit einher ging der Bau eines neuen, größeren Empfangsgebäudes. Dieses heute noch benutzte und unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude wurde von Georg Friedrich Seidel geplant, einhundert Meter westlich des alten „Bürklein-Bahnhofes“ errichtet und am 1. Mai 1873 für den Publikumsverkehr geöffnet. Weiterhin wurde nördlich der Strecke ein Güterschuppen gebaut.

Aufgrund der günstigen Verkehrsanbindung zur Nachbarstadt München und der Lage am Verzweigungspunkt von vier Bahnstrecken – 1903 kam die letzte Strecke nach Herrsching hinzu – entwickelte sich Pasing schnell zu einem beliebten Zielpunkt für Ausflugsfahrten und der Bahnhof zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Im Jahr 1874 wurden im Pasinger Bahnhof bereits 64.842 Fahrscheine verkauft, um die Jahrhundertwende betrug diese Zahl mehr als eine Million.Renate Mayer-Zaky, Reinhard Bauer: Pasing. Stadt in der Stadt. Bavarica-Verlag Dr. Reinhard Bauer, München 1996, S. 133. Zur Stadterhebung am 1. Januar 1905 bestand ein 7,5-Minuten-Takt zwischen Pasing und dem 12 Zugminuten entfernten Münchner Hauptbahnhof – eine Zugdichte, die dem heutigen S-Bahn-Verkehr nahekommt. Auch die Entwicklung Pasings zur „Schulstadt“ im Westen Münchens förderte den Verkehr. Um 1900 wurde östlich des Personenbahnhofs ein Güterbahnhof eingerichtet. Zwischen 1916 und 1927 wurden die den Bahnhof Pasing passierenden Strecken elektrifiziert.

Nach der vom NS-Regime betriebenen Zwangseingemeindung Pasings nach München 1938 erhielt der Bahnhof am 1. Oktober desselben Jahres den offiziellen Namen München-Pasing. Von den weitreichenden Plänen der Reichsbahnbaudirektion München zur Umgestaltung der Münchner Bahnanlagen, die unter anderem die Umwandlung und Verlegung des Münchner Hauptbahnhofes in einen Durchgangsbahnhof auf Höhe der Friedenheimer Brücke und die Errichtung einer Prachtstraße zwischen Stachus und Pasing beinhalteten, kam wegen des Kriegsausbruchs nur der Bau eines Betriebs- und Abstellbahnhofes westlich des auch als Westbahnhof bezeichneten Pasinger Bahnhofes und kleinere weitere Betriebsbauten zur Ausführung. Die schon in dieser Zeit angedachte Einführung eines S-Bahn-Systems in München wurde erst etwa 30 Jahre später, nämlich 1972, verwirklicht.

Zwischen 1951 und 1958 wurde im Rahmen weiterer umfangreicher Kapazitätsausweitungen das gesamte Gleisfeld um rund 60 Meter nach Norden verschoben und rund zwei Meter höher gelegt. Die alten Bahnsteige wurden entfernt beziehungsweise erneuert. Die im Bahnhofsbereich befindlichen Unterführungen wurden renoviert, unter dem westlichen Teil des Gleisfeldes entstand ein Post- und Gepäcktunnel mit Aufzügen zu den Bahnsteigen. Das Empfangsgebäude stand nunmehr von den Gleisanlagen getrennt. Weiterhin wurden zwischen 1954 und 1957 die bisherigen sechs Stellwerke des Bahnhofs Pasing durch ein Gleisbildstellwerk der Firma Siemens & Halske ersetzt. Allein dieser Umbau kostete 34 Millionen Mark. Schließlich wurde 1959 die Ausfädelung der Strecke Richtung Augsburg durch ein Überwerfungsbauwerk kreuzungsfrei gestaltet, sodass Zu- und Abfahrten zwischen Bahnhof und der Augsburger Strecke sowie dem westlich des Bahnhofes entstandenen Betriebsbahnhofes unabhängig voneinander durchgeführt werden konnten.

Am 28. Mai 1972, wenige Monate vor Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in München, nahm die S-Bahn München den regulären Betrieb auf. Damit einher gingen im Bereich des Pasinger Bahnhofes, der als Verzweigungspunkt von vier S-Bahn-Linien einen wichtigen Knotenpunkt im neuen S-Bahn-Netz darstellte, weitere Umbauten des Gleisfeldes. Die Strecke Richtung Westkreuz (jetzt S6 und S8) wurde höhenfrei unter den Strecken Richtung Aubing (S4) und Lochhausen (S3) hindurchgeführt.

Zusätzlich zu den S-Bahnen hielten zahlreiche Regional- und Fernzüge in Pasing. Während ursprünglich InterCity-Züge nur in den Stunden des Berufsverkehrs den Pasinger Bahnhof bedienten, wurde Pasing zum Sommerfahrplan 1991 zum IC-Systembahnhof aufgewertet. Seit 1992 ist Pasing über die S8 im 20-Minuten-Takt direkt an den Flughafen München angebunden.

Generalsanierung des Bahnhofes Seit Anfang der 1970er Jahre wurde immer wieder ein seiner Bedeutung entsprechender behindertengerechter Ausbau des Bahnhofes Pasing gefordert.Pasing – Was lange währt&dots;, Werbe-Spiegel Pasing, 22. Mai 2007 Neben den 85.000 Fahrgästen wird der Tunnel, der bis dato den einzigen Zugang zu den Bahnsteigen darstellte, täglich von bis zu 40.000 weiteren Fußgängern als Stadtteilverbindung genutzt. Daher wurde der gesamte Bahnhof von 2008 bis 2014 grundlegend renoviert, modernisiert und barrierefrei gestaltet. Die Gesamtkosten von geschätzt 40,4 Millionen Euro, wovon alleine 29,4 Millionen Euro auf den Bahnsteigumbau entfallen, wurden zum Großteil vom Freistaat Bayern (ca. 21,5 Millionen Euro) und dem Bund (ca. 13,5 Millionen Euro) getragen, den Restbetrag sollte die Deutsche Bahn übernehmen.

Um die bisherige, stark frequentierte Hauptunterführung zu entlasten und die Ertüchtigung dieser zu ermöglichen, wurde im ersten Bauabschnitt zwischen April und September 2008 zunächst die rund 50 Meter weiter östlich gelegene Rad- und Fußwegunterführung erneuert und von dieser aus Treppenzugänge zu den S-Bahnsteigen (Gleise 5–8) geschaffen. Im zweiten Bauabschnitt, der zwischen August und Oktober 2008 umgesetzt worden ist, wurde das Nordportal des Bahnhofes umgestaltet und eine eingehauste Zugangsrampe errichtet. Anschließend wurden in der Hauptunterführung die bisherigen Zugangstreppen auf der Westseite erneuert und Aufzüge zu den Bahnsteigen errichtet. Die beiden östlichen festen Treppen wurden durch Rolltreppen ersetzt. Ab Oktober 2009 wurden schließlich die Bahnsteigkanten von 85 cm auf 96 cm angehoben und der Bodenbelag renoviert. Außerdem wurden die Bahnsteige auf für den S-Bahn-Betrieb ausreichende 210 Meter Länge gekürzt und bis Mitte 2010 mit taktilen Leiteinrichtungen ausgerüstet.

Seit Mai 2009 wurden die beiden Regional- und Fernbahnsteige (Gleise 3/4 und 9/10) ebenso wie die S-Bahnsteige mit Aufzügen und Rolltreppen versehen sowie erneuert und neu überdacht. Die Bahnsteigkanten wurden auf 76 cm abgesenkt und der Bahnsteig an Gleis 3/4 auf 320 Meter verlängert. Der Fernbahnsteig an Gleis 9 und 10 behält seine jetzige Länge von 410 Metern bei. Einzig der Seitenbahnsteig an Gleis 2 soll nach derzeitigem Planungsstand nicht erneuert werden (siehe dazu auch Abschnitt #S-Bahn).

Im Rahmen einer mehrtägigen Sperrung ging Mitte August 2011 ein rund 135 Millionen Euro teures elektronisches Stellwerk in Betrieb, das fünf Relais- und drei mechanische Stellwerke ersetzte. Mit drei Unterzahlen steuert es seither den Zugverkehr im Bahnhof Pasing und den anschließenden Streckenabschnitten.

Im Rahmen der Umgestaltung der Unterführungen und Bahnsteige sowie dem Bau der Nordumgehung des Pasinger Zentrums wurden auch das Empfangsgebäude und der Bereich zwischen diesem und den Bahnsteigen völlig umgestaltet. Der Nordteil der Würmtaldächer wurde um etwa einen Meter abgesenkt und durch Treppen und Rampen mit der heutigen Ebene verbunden. Dabei entstanden Freischankflächen für die angrenzenden (neuen) Gastronomiebetriebe. Nördlich an die Würmtaldächer schließt sich der Neubau eines zweigeschossigen Terminalgebäudes an, in dem sich die Rampe zur Gleisunterführung, Ladenflächen sowie Treppen und Aufzüge zur Straßen-Nordumgehung befinden. Weiterhin wurde eine Treppenverbindung zwischen Würmtaldächern und der östlichen Fußgängerunterführung geschaffen. Im Kellergeschoss des Terminalgebäudes entstanden etwa 1.000 Fahrradstellplätze.Nordumgehung Pasing im 21. Stadtbezirk Pasing-Obermenzing Stadt München, Baureferat Tiefbau, Sitzungsvorlage Nr. 08-14 / V 03221, Beschlussvorlage (PDF) Die Kosten für dieses Teilprojekt werden auf 10,4 Millionen Euro geschätzt. Die Arbeiten am Empfangsgebäude waren mit Stand Juli 2013 bis auf Restarbeiten im Wesentlichen abgeschlossen.

Bahnanlagen Südlich der Gleisanlagen befindet sich das heute noch genutzte Empfangsgebäude von 1873 mit Verwaltungsräumen der Bahn, einem Reisezentrum und einem Service Point sowie zwei Schnellrestaurants. Nördlich schließt sich ein flacher, hallenartiger Bau, die sogenannten Würmtaldächer, an, dessen Decke von gusseisernen Streben der ursprünglichen Perronhalle getragen wird und in dem Fahrkartenschalter, Presse- und weitere Restaurationsbetriebe untergebracht sind. Von hier aus führt eine schräge Rampe zu einem Tunnel unterhalb der Gleise, von dem aus die Bahnsteige erreicht werden können. Die Gleise sind von Süden nach Norden nummeriert, seit der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerkes am 16. August 2011 fängt die Zählung mit Gleis 2 an, bis dahin war die Nummer aller Gleise um eine Zahl geringer. Die Mittelbahnsteige der Gleise 3 bis 10 sowie der Seitenbahnsteig von Gleis 2 sind vom Haupttunnel aus über Treppen erschlossen; die der Gleise 5/6, 7/8 und 9/10 zusätzlich auch per Aufzug. Auf der Bahnhofsnordseite mündet der Tunnel nach Unterquerung der bahnsteiglosen Gleise über kleine Treppen in die August-Exter-Straße. Hier befinden sich Taxistand, eine Bushaltestelle und in unmittelbarer Nähe das Kulturzentrum Pasinger Fabrik.