Wilhelm Mautner (geboren 28. November 1889 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 1944 im KZ Auschwitz) war ein österreichischer Ökonom und Prokurist der Rotterdamse Bank sowie Kunstsammler.
Leben Mautner besuchte zunächst die Wiener Handelsakademie, die er mit Auszeichnung absolvierte, und war in den Jahren 1907 bis 1914 im Bankfach und in der Industrie tätig, zuletzt in Paris. Neben der Berufstätigkeit hatte er in Wien und Paris schon Universitätsstudien betrieben. Bei Kriegsbeginn kehrte er in die Heimat zurück, um seinen Militärdienst bei einem Artillerie-Regiment abzuleisten. Nach dem Krieg studierte Mautner Staatswissenschaften in Wien und Tübingen, wo er sein Studium nach sieben Semestern zum Abschluss brachte. Mautner wurde 1919 in Staatswissenschaften an der Universität Tübingen promoviert.Tag der mündlichen Prüfungen: 14. August 1919. Siehe Wilhelm Mautner: Der Bolschewismus, Voraussetzungen und Geschichte. Kohlhammer, Stuttgart 1920 (Teildruck mit Lebenslauf). Das Nachwort zu seiner Dissertation über den Bolschewismus schloss er am Tag der deutschen Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles, dem 28. Juni 1919, ab, die Veröffentlichung erfolgte ein Jahr später, als schon, wie er im Vorwort zur Buchausgabe betonte, viele seiner Ergebnisse durch die politischen Ereignisse überholt waren.Wilhelm Mautner: Der Bolschewismus, 1920, S. XIf; S. 353 Im Jahr 1919 zog er in die Niederlande und lebte von 1929 bis 1944 in Amsterdam. Er war unverheiratet und hatte keine Kinder. Am 22. Juli 1942 setzte er testamentarisch seinen Bruder in Ohio, Vereinigte Staaten, zum Alleinerben ein. Während des Zweiten Weltkrieges versuchte er als Jude erfolglos dem NS-Regime zu entkommen.Alle Angaben dieses Artikels stammen vom Restitutionskomitee [RC. 1.89]-[9. Februar 2009], wenn nicht eine andere Quelle angegeben ist. Mautner versuchte mit der Hilfe seines Bruders, ein Visum für die Vereinigten Staaten zu bekommen. Im Dezember 1943 wurde er während einer Judenrazzia in Amsterdam verhaftet.Prisoners of Ghetto Theresienstadt (1940–1945) Database Personal records Am 20. Januar 1944 wurde er aus dem Durchgangslager Westerbork ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier hat er an der sogenannten Universität Theresienstadt, einer von den Häftlingen organisierten Lageruniversität Vorlesungen abgehalten. Aus Theresienstadt wurde er am 29. September 1944 ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht, wo er ermordet wurde.
Kunstsammlung mini|hochkant|Pieter Brueghel der Jüngere: Ein Steuereintreiberbüro, 1618 mini|hochkant|Franz Tymmermann: Die Enthauptung Johannes des Täufers, 1534 mini|hochkant|Jan Steen: Flusslandschaft mit Figuren und einem Wagen vor einem Turm Mautner war Kunstsammler. Er hatte wohl, als er 1919 nach Amsterdam kam, mit dem Sammeln begonnen und publizierte gelegentlich nicht nur über wirtschaftliche, sondern auch über kunsthistorische Fragen. Während des Zweiten Weltkrieges stand er in Kontakt mit Max J. Friedländer, in dessen Tagebuch er wiederholt erwähnt wirdRuth Kaloena Krul in Lebenslauf Mautner auf www.artprovenance.nl, zuletzt eingesehen am 23. September 2016 und setzte den Erwerb von Kunstwerken fort, was ihm ab 1942 aufgrund seiner jüdischen Herkunft verboten war. 15 Gemälde versteckte er vor dem Zugriff der Deutschen bei dem Sammler Dr. J. A. van Dongen am Museumplein in Amsterdam. Dieser bewahrte sie bis in die Nachkriegszeit auf. Vermutlich kaufte er die Werke dann von den Erben Mautners. Mautner verkaufte während des Krieges zwölf Werke, hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert, an W. Kadzik aus Wien. Mautner konnte wegen seiner jüdischen Herkunft nicht als Verkäufer auftreten, so dass er seinen Freund, den deutsch-niederländischen Kunstsammler Hans Alfred Wetzlar bat, die Formalitäten zu erledigen.; Andere Werke verkaufte Mautner 1943 über Kunsthändler, unter anderem an den Sonderauftrag Linz. Drei dieser Werke wurden nach dem Krieg Teil der NK-Sammlung der Stichting Nederlands Kunstbezit:
Pieter Brueghel der Jüngere, Ein Steuereintreiberbüro, 1618. Franz Tymmermann, Die Enthauptung Johannes des Täufers, 1534 Jan Steen, Flusslandschaft mit Figuren und einem Wagen vor einem Turm, drittes Viertel des 17. Jhd.;
2009 und 2012 restituierte die niederländische Regierung alle drei Gemälde an die Erben Mautners.
Veröffentlichungen mini|hochkant|Titelblatt Der Bolschewismus. Voraussetzungen, Geschichte, Theorie, zugleich eine Untersuchung seines Verhältnisses zum Marxismus. Kohlhammer, Berlin 1920 [Tübinger Staatswissenschaftliche Abhandlungen] Die Verschuldung Europas. Frankfurter Sozietäts-Druckerei, Frankfurt a. M. 1923 Zur Geschichte des Begriffs „Diktatur des Proletariats“, in: Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, hrsg. v. Carl Grünberg, 12 (1926) [Nachdruck Graz 1966], S. 280 – 283. Wirtschaftsstatistik und Politik, in: Der Eiserne Steg. Jahrbuch 1926 des Buchverlages der Frankfurter Societäts-Druckerei. Frankfurt mit Werner von Knorre: Die russische Erdölwirtschaft. Ein Beitrag zur wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnis der Produktions-, Zirkulations- und Konsumtionsverhältnisse wichtiger Welthandelsgüter, Berlin; Wien Verlag für Fachliteratur 1927. Aus: Petroleum, 1927, Nr. 9, 13 u. 18 Der Kampf um und gegen das russische Erdöl. Manzsche Verlags- und Universitäts-Buchhandlung, Wien, Leipzig 1929. American capital in the D.E.I. petroleum industry. DeGolyer and MacNaughton, Dallas, Texas, 1937. The position of the Dutch East Indies in the international petroleum industry. Manuskript. o. J.
Weblinks
Recommendation regarding Mautner (A) (englisch) Recommendation regarding Mautner (B) (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Restitution von NS-Raubkunst Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im Durchgangslager Westerbork Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Niederlanden Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1889 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann