270px|mini|Luftbild des Zentrums mini|Marktplatz in Woerden mini|Schloss: Kasteel Woerden Woerden () ist eine Gemeinde in der niederländischen Provinz Utrecht (bis 1989 Südholland). Zur Gemeinde gehören die Stadt Woerden und die Dörfer Kamerik, Zegveld, Harmelen, Kanis und De Meije. Die Einwohnerzahl betrug (Stand ), von denen 39.325 (Stand: 1. Januar 2024) in der Stadt Woerden wohnen. Woerden ist seit 1972 durch eine Städtepartnerschaft mit dem westfälischen Steinhagen verbunden. 2016 wurde Woerden der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Die Reformationsstädte Europas. Zur Bedeutung Woerdens in der Reformationsgeschichte siehe den Abschnitt Geschichte.
Lage und Wirtschaft Woerden liegt 12 Kilometer westlich von Utrecht, in Richtung Gouda – Den Haag / Rotterdam. Mit diesen Städten ist es durch Eisen- und Autobahnen verbunden; der Bahnhof Woerden ist Halt verschiedener Regionalzugverbindungen. Die Stadt liegt am Fluss „Oude Rijn“ (alter Rhein), einem Nebenarm des Lek, der aber für die Schifffahrt nur westlich der Stadt Bedeutung hat. Woerden hat eine Käsefabrik („Goudse kaas“), eine Fabrik für Desserts und Joghurt sowie viele Handelsbetriebe. In der Umgebung gibt es viel Viehzucht und Gartenbau. In Woerden befindet sich die Weijers Domino Productions, die den Domino Day veranstaltete.
Geschichte Der Ort Woerden geht zurück auf eine Römergründung: um 41 n. Christus befand sich ein Römerkastell namens Castellum LauriumE. Blom, W. K. Vos, A. M. Brakman u. a. (Hrsg.): Woerden-Hoochwoert. De opgravingen 2002-2004 uit het Romeinse castellum Laurium, de vicus en van het schip de ‚Woerden 7‘ (= ADC monografie. 2; ADC-rapport. 910). ADC ArcheoProjecten, Amersfoort; Hazenberg Archeologie, Leiden 2008, ISBN 978-90-5874-955-0, S. 11 f. auf einer Anhöhe in der sumpfigen Polderlandschaft. Das Lager am alten Rhein gelegen blieb bis zum Jahr 270 als Teil der Nordgrenze des römischen Imperiums bestehen.
Der Name Woerden tritt erstmals 795 auf – damals Wyrda.Liudger: Vita Gregorii abbatis Traiectensis auctore Liudgero. Hrsg. von O. Holder-Egger. In: (Z. 14; vgl. die anderen Lesarten Z. 39 Anm. w): Wyrdam, Wirda). Er leitet sich von der Bezeichnung wierde Warft ab, ein künstlich aufgeschütteter Hügel. Ab etwa 1160 war Woerden eine Grenzfestung des Hochstifts Utrecht gegen die Grafschaft Holland. Graf Floris V. von Holland eroberte es vorübergehend für sein Land und ließ 1287 dort ein Schloss bauen. Am 12. März 1372 verlieh Herzog Albrecht von Bayern das Stadtrecht an Woerden. Die Lutherische Glaubenslehre findet von Beginn an Zuspruch in Woerden. Aus Woerden kommt darum auch der erste protestantische Märtyrer der nördlichen Niederlande: Jan de Bakker (Letzte Änderung: 9. Februar 1999, abgerufen am 16. September 2016). auch genannt Jan van Woerden. Unter Philipp II. von Spanien wird Erich II., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg 1566 Herr von Woerden. Der zum katholischen Glauben übergetretene Herzog unterdrückt mit eiserner Hand den lutherischen Gottesdienst in der Stadt. Als sich die Stadt im Aufstand gegen die Habsburger auf die Seite der Republik stellt, wird sie im Zuge des Achtzigjährigen Krieges im Jahre 1575 ein Jahr erfolglos von den Spaniern belagert.
Die Franzosen suchten die Stadt 1672, 1673, sowie unter Napoléon Bonaparte, nochmals 1813 heim. 1814 wird Woerden ein Teil der Provinz Südholland, 1989 wird es an die Provinz Utrecht angegliedert. In einem Wiesengebiet beim zur Gemeinde gehörenden Bauerndorf Harmelen fand am 8. Januar 1962 die bisher größte Eisenbahnkatastrophe in der niederländischen Geschichte statt. Dabei starben 93 Reisende und es gab 52 Verletzte.
Politik Die örtliche VVD-Fraktion konnte bei der Kommunalwahl am 18. März 2026 mit 18 Prozent der Stimmen gewinnen und ist damit die stärkste Kraft im Rat. Im Zeitraum von 2026 bis 2030 wird sie voraussichtlich eine Koalition aus Inwonersbelangen, Progressief Woerden und CDA anführen.
Gemeinderat
Seit 1982 setzt sich der Gemeinderat in Woerden folgendermaßen zusammen: Partei Sitze 1982 1986 1988 1990 1994 1998 2000 2006 2010 2014 2018 2022 2026 VVD 5 4 4 4 5 6 5 4 6 3 4 3 6 Inwonersbelangen – – – – – – 2 4 5 4 2 3 6 Progressief Woerden – – – – – – – 7 5 4 4 4 5 CDA 9 9 11 10 8 8 9 8 6 7 7 6 5 ChristenUnie – – – – – – 2 3 2 2 3 3 3 SGP 1 1 1 1 1 1 2 1 1 1 D66 1 1 1 2 4 2 2 2 4 5 3 3 2 LijstvanderDoes – – – – – – – – – 3 4 5 2 Volt – – – – – – – – – – – – 1 Woerden & Democratie – – – – – – – – – – – 2 1 Splinter – – – – – – – – – – – 1 – STERK Woerden – – – – – – – – – 2 3 1 – SP 0 1 1 1 – – – – – – 1 – – Woerden 2006 – – – – – – 1 0 – – – – – PvdA 3 5 4 3 3 4 4 – – – – – – GroenLinks – – – 1 2 2 2 – – – – – – RPF – – 1 1 2 2 – – – – – – – Gesamt 19 21 23 23 25 25 29 29 29 31 31 31 31
Anmerkungen
Sehenswürdigkeiten mini|de Windhond
Auf dem Grundgebiet der Gemeinde liegen viele kleine Straßen mit alten Bauernhöfen. Diese malerische Polderlandschaft eignet sich besonders für Radtouren (Oudewater mit der Hexenwaage-Wiegeprobe oder zum Schloss De Haar in Haarzuilens).
In der Innenstadt Woerdens steht das alte Rathaus, dessen Bau 1501 begonnen wurde, heute wird es als Heimatmuseum genutzt. Weitere sehenswerte Gebäude sind das Zeughaus („het Arsenaal“) aus 1762, eine ehemalige Militärkaserne (Kazerne) aus 1790 – heute gastronomisch genutzt –, ein ehemaliges Franziskanerkloster („het Klooster“) aus 1899 – heute ein Veranstaltungszentrum –, ein Wasserturm („de Watertoren“) aus 1906, die Lutherische Kirche („de Lutherse kerk“) aus 1646 und die St. Bonaventurakirche („Sint-Bonaventurakerk“) aus 1892.
Weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt und das Stadtbild prägend ist die aus dem Jahre 1755 stammende Getreidemühle de Windhond. Sie wurde im Laufe der Zeit mehrfach restauriert, ist funktionsfähig und kann am Markttag von Woerden (mittwochs) während des Mahlbetriebs besichtigt werden.
Persönlichkeiten Jan van Woerden (1499–1525), evangelischer Märtyrer Marrigje Duercant (1601–1665), Siedlerin, die Mutter des ersten Kindes eines Kolonisten im amerikanischen Staat Connecticut Gisbert Swartendijk Stierling (1787–1857), Arzt Willem Gestel (1853–1952), Maler Corrie Pabst (1865–1943), Malerin und Zeichnerin Leo Gestel (1881–1941), Maler Fritz Lambert (1882–1952), Psychotherapeut Gerrit van Vliet (1882–1952), Radrennfahrer Arie van Vliet (1916–2001), Radsportler Herman Ferdinandus Maria Münninghoff (1921–2018), römisch-katholischer Ordensgeistlicher, Bischof von Jayapura in Indonesien Peter Prijdekker (* 1948), Schwimmer Theo de Rooij (* 1957), Radrennfahrer und Radsportfunktionär, geboren in Harmelen Simone Angel (* 1971), Fernsehmoderatorin und Sängerin Esther Vergeer (* 1981), Rollstuhltennisspielerin Erwin l’Ami (* 1985), Schachgroßmeister Anouk Hoogendijk (* 1985), Fußballspielerin Ellen van Dijk (* 1987), Radsportlerin Nick Stöpler (* 1990), Bahnradsportler Mandy Versteegt (* 1990), Fußballspielerin Quirine Lemoine (* 1991), Tennisspielerin Lucas Woudenberg (* 1994), Fußballspieler Floortje Mackaij (* 1995), Radsportlerin Jelle Sels (* 1995), Tennisspieler Diede de Groot (* 1996), Rollstuhltennisspielerin Regina van Eijk (* 2000), Fußballtorhüterin Eros Maddy (* 2001), niederländisch-surinamischer Fußballspieler
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde (niederländisch, englisch) Jona Lendering: Laurium (Woerden). In: livius.org, das römische Woerden (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeinde in der Provinz Utrecht
Kategorie:Ort in der Provinz Utrecht Kategorie:Stadt in den Niederlanden Kategorie:Ersterwähnung 795 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1372