miniatur|Der Stammsitz der Ritter von Lösnich als Ruine im Jahre 1689Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK5196, S. 300. miniatur|Wappen der Ritter von Lösnich in der Ahnenprobe des Ritters Cuno VI. von Pirmont 1447. Grabplatte Stiftskirche St. Castor Treis-Karden (Mosel) miniatur|Vier Wappen der Burgmannen von Lösnich der Burg Neuerburg
Die Ritter von Lösnich waren ein Rittergeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert seinen Sitz in Lösnich hatte. Sie zählten zu den erzbischöflichen Lehnsleuten aus der Ritterschaft, den sogenannten Ministerialen der Erzstifte Trier und Köln. Neben anderen im Moselraum beheimateten Rittergeschlechtern treten sie seit Anfang des 13. Jahrhunderts immer wieder als Aussteller eigener Urkunden und als Zeugen sowie Mitsiegler auf.
Die Burg Lösnich war kurkölnisches Lehen, die dazugehörigen Güter zum Teil Lehen vom Erzstift Trier, der Grafschaft Sponheim, der Grafschaft Veldenz, der Herrschaft Neumagen und der Grafschaft Wied.Töpfer Hunolstein III, S. 154.
Die mit dem Rittergeschlecht verbundene Herrschaft Lösnich vererbte sich mit dem Tod von Lisa von Lösnich, Tochter des letzten männlichen Vertreters des Geschlechts Conrad von Lösnich an die Beyer von Boppard. Über Heirat gelangte sie an die Freiherrn von Chrichingen, die sie ihrerseits aus wirtschaftlichen Beweggründen an die Freiherrn von Metternich veräußerten. Von hier gelangte über eine Eheschließung an die Grafen von Kesselstatt als die letzten Nutznießer der Herrschaft.
Die erste schriftliche Erwähnung eines Lösnicher Ritters findet sich in einer Urkunde des Jahres 1226. Hermannus von Lusendich bezeugte, dass Theoderich, Domscholastor und Official zu Trier, dem Domkapitel das Eigentum eines vom Ritter Hermann von Wolmerath in Anspruch genommenen Hörigen zusprach.BE MUKB III, S. 241, Nr. 300 Das wohl älteste, zum Teil jedoch beschädigte Siegel der Ritterschaft von Lösnich findet sich an einer Urkunde der Abtei Echternach aus dem Jahre 1237. Hermannus von Lussenich trat hier als Urkundenzeuge auf. Das Siegel zeigt einen Frauenarm mit Hängeärmel, der einen Fingering hält.MUKB, BE, Band III, S. 460, Nr. 601; Stadtarchiv Trier, Urk. Nr.N31
Die Familienmitglieder des Geschlechts im Überblick Erstes Auftreten im Urkundenwesen: Hermann von Lösnich (1226, 1237, 1241, 1253) Theoderich von Lösnich (1253, 1259, 1268), Kanoniker und Stiftsherr in St. Castor in Koblenz Johann von Lösnich (1250, 1268, 1269), 1276 Kurkölnischer Amtmann Johann von Lösnich (1301, 1324), Trier Erlinde, 2. Frau von Theoderich von Ulmen Wirich (1277) Kuno von Lösnich, 1295–1328 Abt in Maria Laach
Nächste Generationen: Hermann von Lösnich, Ritter, (1275, 1279, 1297; † 1298)⚭ Aleyde Henricus († 1342) ⚭ Illande, Tochter von Lyse von Treis Johann, 1342 Mönch zu St. Maximin in Trier Dietrich, 1342 Deutscher Orden Werner, 1342 Deutscher Orden unbenannt, 1342 Mönch zu Echternach Hermann von Lösnich, Burgmann (Castrensus) in Neuerburg Giselbrecht (1359) ⚭ Sara Else Agnes Adelheid von Lösnich, 1341 Äbtissin im Kloster Machern Conrad von Lösnich, Ritter, d. Ältere (1315–1347) ⚭ Adelheid von Bruch († 1341) Conrad von Lösnich, der Jüngere, 1342 Armiger, 1362 Ritter († 1372) ⚭ Idberga von Bornheim Lisa von Lösnich (ca. 1315; † 1399) ⚭ Cuno von Pyrmont, Ritter (1330; † 1351) ⚭ Heinrich Beyer von Boppard, Ritter († 1375)
Mit dem Tod Conrads von Lösnich, dem Jüngeren erlosch 1371 der Mannesstamm des Lösnicher Rittergeschlechts. Er verstarb ohne männlichen Erben. Aus den beiden Ehen seiner Schwester Lisa gingen mindestens neun Kinder hervor. Nachkommen Lisas aus diesen Linien fanden sich in bedeutenden weltlichen und geistlichen Ämtern wieder.
Herkunftsfamilie der Ehefrau von Conrad dem Älteren von Lösnich, Adelheid von Bruch
Theoderich von Bruch (1270–1304) ⚭ Beatrix von Esch (1270) ⚭ Catharina († 1293) Arnold von Bruch (1292–1304) Theoderich von Bruch (1292–1304; † vor 1318) ⚭ Adelheid von Rodermachern (1326–1338) Dietrich von Bruch († vor 1334) ⚭ Gertrud, Tochter des Johanns von Braunshorn (1338 Wwe.) Adelheid von Bruch (1330–1339) ⚭ Conrad von Lösnich (1330–1361) Biele von Bruch (1338–1325) ⚭ Dietrich von Daun, Ritter (1331–1339; † vor 1341) ⚭ Arnold III. von Blankenheim (1325–1354, Heirat um 1343) Lisa von Bruch (1292–1315) ⚭ Werner von Treis (1294/1295) ⚭ Friedrich von Neumagen (1320–1323; † vor 1325) Illande (Xande) von Treis ⚭ Henricus von Lösnich (Bruder von Conrad, dem Älteren von Lösnich)
Hermann von Lösnich miniatur|Stammtafel der Ritter von Loesnich im 13. und 14. Jahrhundert Die Herren von Lösnich scheinen eine nicht unbedeutende Rolle in der moselländischen Ritterschaft gespielt zu haben, dafür spricht eindeutig die häufige Heranziehung zur Urkundenbezeugung durch das gesamte 13. und 14. Jahrhundert hindurch.
In den Jahren 1230 bis 1240 wird „Hermannus de Lussenich“ als Lehnsmann des Grafen von Veldenz geführt.Pohlmann, Karl, Regesten der Lehnsurkunden der Grafen von Veldenz, S. 87, Nr. 103 Derselbe wird im Juni 1238 als Zeuge zur Beurkundung einer Memorienstiftung des Hermann von Veldenz im Kloster St. Thomas a.d. Kill von Erzbischof Theoderich von Trier neben Mefridus von Neumagen jr. herangezogen.MRUB, BE, Band III, S. 479, Nr. 629 1237 ist er Zeuge eines Vergleichs der Abtei Himmerod mit den Gebrüdern Hermann und Heinrich von der Leyen (nahe Ürzig) wegen einiger Ländereien im Banne des Dorfes Grandisdorp und 1238/39 erscheint er als Zeuge des Erzbischofs Theoderich von Trier in der Belehnung der Töchter des verstorbenen Grafen Heinrich von Blieskastel mit Burg Hunolstein.MRUB, BE, Band III, S. 466, Nr. 609
Am 27. Februar 1250 ist Hermann von Lussenich neben Richard von Manderscheid und Godefried von Ingedorf Vermittler in einer Gütertauschangelegenheit des Capitels St. Martin zu Worms.Goerz III, S. 8, Nr. 36
Johann von Lösnich Ritter Johannes von Lusenich verbürgte sich am 26. Februar 1250 neben Joannes, dem Sohn des Ritters Rudolf von Wittlich und den Gebrüdern Stephan und Warner von Lisur (Lieser) der Abtei Himmerod wegen eines von Lucarde und deren Sohn Peter von Noviant an die Abtei verkauften Weinbergs zu Buveranc.Goerz III, S. 148, Nr. 769
Wieder in einer Angelegenheit des Klosters Himmerod bezeugte er 1269 die Verzichtserklärung des Heinrich von Ratiche (Rachtig) und seiner Frau Aleide auf alle Erbrechte an dem Hofe des Klosters Himmerod.Goerz III, Nr. 2409. Sieben Jahre später, am 25. Juni 1276, tritt Johann von Lussenich in einem Streit zwischen Kloster Himmerod und den erzbischöflichen Leuten von Zeltingen und Rachtig als Amtmann auf.Goerz IV, Nr. 317, Knipping, Band 3, Nr. 268
Hermann von Lösnich Ab dem Jahre 1275 ist in den Urkunden ein weiterer Vertreter des Lösnicher Rittergeschlechts häufig anzutreffen. Hermann von Lusenich trat am 18. September 1275 in einem Lehnsverhältnis des Grafen Heinrich von Salm auf, von dem er die Einkünfte eines Hofs in Drogene (Dhron) zu Lehen trug. Mit diesen Einkünften soll es ihm gestattet gewesen sein, seine Frau Aleide zu bewittumen.Goerz IV, S. 46, Nr. 208
Hermann von Lusenich siegelte mit seinem eigenen Rittersiegel. Es zeigt einen mit Gold verzierten silbernen Frauenarm, der einen goldenen Ring hält, auf einem mit goldenen Kreuzen besetzten roten Feld. Auf dem Helm im Siegelwappen ist ein Hut aufgesetzt, der mit zwei Federbüschen geschmückt ist.LHA Kobl., Abt. 54, 13 L612
Im Juni 1279 erwarb Hermann Herr von Lösnich zusammen mit Frau Drutwin von Rachtig, Bürgerin zu Trier, Zinsen und Güter in und um Ürzig für 6 Mark Aachener Pfennige vom Konvent und der Äbtissin Beatrix von St. Cäcilia in Köln.LHA Kobl., Abt. 132, Nr. 27, Machern Die urkundliche Bestätigung durch den Erzbischof Siegfried von Köln erfolgte am 30. Juni 1279.Knipping, Reg. d. EB. v. Köln, Band 3, Nr. 2806.
Zur Stiftung ihres Anniversars schenkten Ritter Hermann von Lösnich und seine Frau Aleyde im September 1297 dem in der Nähe gelegenen Kloster Machern viereinhalb Morgen Land bei Kinderbeuren.LHA Kobl., Abt. 132 Nr. 45
Kaum ein halbes Jahr später kam das Zisterzienserkloster Machern wieder in den Genuss einer Schenkung Hermanns und seiner Frau Aleyde. Auch hier handelte es sich wieder um Ländereien im nahegelegenen Kinderbeuren mit einer dazugehörigen Hofstatt.Goerz IV, S. 606, Nr. 2718.
Drei Söhne des Ritters Hermann von Lösnich wurden 1332 urkundlich in einer Güterangelegenheit mit dem nahegelegenen Kloster Machern erwähnt: Hermann, Giselbert und Heinrich, die Söhne des verstorbenen Hermann von Lösnich und Sara, Giselberts Gattin, verzichten zu Gunsten des Klosters Machern auf ihre Ansprüche an Gütern zu Erden.LHA Kobl., Abt. 132, Nr. 106
Conrad der Ältere und der Jüngere von Lösnich miniatur|Wappen der Ritter von Lösnich in der Ahnenprobe des Ritters Cuno VI. von Pirmont. Spätgotisches Votivkreuz von 1446 in Brodenbach an der Untermosel miniatur|Burg Bruch in der Eifel miniatur|Burg Arras bei Bullay-Alf an der Mosel miniatur|Burg Pyrmont in der Eifel miniatur|Grabstein der Lisa von Lösnich († 1399) und ihres Gemahls Heinrich Beyer von Boppard aus dem ehemaligen Kloster Marienberg in Boppard, heute im Bestand des Bodemuseums in Berlin
Mit Beginn des 14. Jahrhunderts fließen die Quellen über die Lösnicher Ritter immer reichlicher, doch erlischt auch im selben Jahrhundert der Mannesstamm dieses Geschlechts. Conrad der Jüngere verstarb 1372, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen.Publ. Lux. 55, S. 16.
Conrad der Ältere war verheiratet mit Adelheid von Bruch. Die Ritter von Bruch hatten ihren Wohnsitz in der nahegelegenen Burg Bruch bei Wittlich. Conrad war wohl ein Nachkomme des Ritters Hermann von Lösnich, der noch 1268 mit Erzbischof Wernherr von Trier siegelte,Erb. Reg., Görz, S. 56. wurde 1315 für 100 Pfund Heller Burgmann zu Bernkastel.LHA Kobl., Abt. 1 A1, Nr. 345
Am 30. März 1316 wird Conrad von Lüssenich, wie auch die Ritter Hermann Durenstoiser, Heinrich von der Leyen, Peter von Meyene, Theoderich und Richard von Crovia (Kröv) und die Knappen Johannes Vrays und Theoderich von Burenzheyen, wegen einer Bürgschaft für die Ritter Nikolaus Hicke de Ulmene, die Brüder Nicolaus de Brabant und Theoderich Stolle zur Leistung von Zahlungen in der Stadt Wittlich an das Domkapitel zu Trier herangezogen.
Die letztgenannten Ritter waren wegen der Einäscherung und Verwüstung der Höfe Thüre und Euliche durch Erzbischof Balduin von Trier und dem von beiden Parteien erwählten Schiedsrichter Scholastor Amseln von Münstermaifeld zum Schadensersatz von insgesamt 107 Mark kölnischen Denaren verurteilt worden. Sie hatten trotz der Aufforderung des Dompropstes Jofrid de Rodemacre die geforderte Summe nicht aufgebracht.LHA Kobl., Erzstift Trier/3 Nr. 264, S. 218.
Am 28. Dezember 1324 wurde Conrad von Lösnich von Friedrich von Neumagen mit Gütern zu Turnich, Clüsserat und Keuerich belehnt, in Gegenwart von Friedrichs Gemahlin Lise, der Tochter des seligen edlen Herrn Dietrich von Bruch.Töpfer III, S. 349, Alte Kopie zu Berleburg
Diese Güter, auch genannt „Güter von Brucke“, wurden vorher von Conrads seligem Oheim (Onkel) Johann von Paltzel zu Lehen getragen. Selbiger hatte diese Güter an Ritter Peter von der Brücke versetzt. Am 22. März 1324 übergibt Peter von der Brücke die ihm vom verstorbenen Ritter Johann von Paltzel verpfändeten Güter an Conrad v. Lösnich als dessen nächsten Erben. Außer den „Gütern von Brucke“ übertrug Junker Friedrich von Neumagen Conrad von Lösnich am gleichen Tage auch seine Lehnsherrlichkeiten über die Güter zu Lüssenich und Erden, die vorher Otto von Erden von ihm zu Lehen trug. Von Junker Friedrich wird berichtet, dass er ein nicht ganz ungefährlicher Zeitgenosse gewesen sei. Weil er die Kaufleute, welche die Mosel hinabfuhren, ständig bedrängte, soll ihn Erzbischof Balduin in Trier ergriffen und solange festgehalten haben, bis er allen Raub und Schaden ersetzt hatte.