Die Universität Trier ist eine mittelgroße staatliche Universität in der rheinland-pfälzischen Stadt Trier. Die Gründung erfolgte im Jahr 1473. 1798 wurde diese unter französischer Besatzung nach 325-jährigem Bestehen geschlossen. 1970 erfolgte eine Neueröffnung. Circa 10.200 Studierende und insgesamt rund 2.000 Beschäftigte lernen, arbeiten und forschen auf dem Campus in Höhenlage über der Stadt. Nach einem langen Anstieg gingen die Studierendenzahlen in den letzten Jahren um ein Drittel zurück und haben sich nun auf diesen Wert eingependelt.
Die Universität ist eine forschungsaktive und international vernetzte Hochschule, die Wert auf fächerübergreifende, anwendungsbezogene und praxisorientierte Lehre und Forschung legt. Ausgewählte natur- und umweltwissenschaftliche Disziplinen sowie Mathematik und Informatik ergänzen das sozial- und geisteswissenschaftliche Fächerspektrum. Die mehr als 30 Fächer verteilen sich auf sechs Fachbereiche.
Die Theologische Fakultät Trier ist zwar organisatorisch mit der Universität verbunden, ansonsten aber eine eigenständige Bildungseinrichtung des Bistums Trier. Durch zahlreiche Partnerschaften mit Universitäten weltweit ist die Universität international ausgerichtet. Es gibt Austauschvereinbarungen mit knapp 200 Hochschulen in Europa und weiteren 40 weltweit (insbesondere in USA, Kanada, Australien, Japan und China) sowie einen Anteil von etwa zehn Prozent an ausländischen Studierenden aus rund 100 Ländern. Eine Besonderheit ist die fachspezifische Fremdsprachenausbildung der Juristen und Wirtschaftswissenschaftler in zehn Sprachen.
Als Mitglied der Universität der Großregion bietet die Universität Trier Studierenden und Forschenden die Möglichkeit, gleichzeitig an sieben Hochschulen zu studieren und zu forschen: an der Université de Lorraine in Metz und Nancy, der Universität Luxemburg, der Universität Lüttich, der Universität des Saarlandes, der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau und der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.
Geschichte Von der Erstgründung zur Schließung 1798 Der Entschluss zur Gründung der Universität Trier dürfte im Jahr 1450 gefasst worden sein (Heiliges Jahr), als der Trierer Kurfürst-Erzbischof Jakob I. von Sierck nach Rom pilgerte und mit Nikolaus von Kues zusammentraf, der dort als Kurienkardinal tätig war und dem Gedanken einer Universitätsgründung in seiner Heimatregion vermutlich aufgeschlossen gegenüberstand. Papst Nikolaus V. erlaubte daraufhin am 2. Februar 1455 dem Trierer Erzbischof die Gründung einer Universität. Jakob von Sierck konnte jedoch aus finanziellen Gründen das Vorhaben nicht ausführen und starb auch kurze Zeit nach Erlass der entsprechenden päpstlichen Bullen. Sein Nachfolger Johann II. von Baden war in diverse Fehden verwickelt und hatte dadurch weder Geld noch Zeit, sich um eine Universitätsgründung in Trier zu kümmern.
Nach langen Verhandlungen mit dem Erzbischof erwarb schließlich die Stadt Trier 1472 für 2000 Goldgulden die Gründungsurkunden vom Erzbischof und eröffnete die Hochschule am 16. März 1473 selbst. Es wurden Theologie, Philosophie sowie Medizin und Recht unterrichtet, zunächst überwiegend von Priestern und nebenberuflichen Dozenten. Die neue Einrichtung war erfolgreich, zu ihrem Erhalt mussten aber rund 10 % des städtischen Etats aufgewendet werden. Die unerwartet hohen Ausgaben zwangen zur Sparsamkeit, insbesondere bei der Bezahlung der Lehrkräfte.
Die Universität litt von Anfang an unter erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, bedingt durch einen massiven Rückgang der Trierer Bevölkerung (von 10.000 im Jahr 1363 auf 8.500 im Jahr 1542), der unter anderem durch Ausbrüche der Pest bewirkt und durch die abgelegene Lage der Stadt verstärkt wurde. Als der Dekan der theologischen Fakultät Ambrosius Pelargus 1554 starb, blieb sein Amt unbesetzt, da es außer ihm keinen weiteren Dozenten gab.Jürgen Fletter (Hrsg.): Studieren in Trier. Kritische Innenansichten von Universität und Stadt. Trier 1985, S. 5ff Nach einem Angebot durch Kurfürst Johann VI. von der Leyen übernahmen 1560 Jesuiten die Leitung und bauten die theologische und philosophische Fakultät neu auf, vernachlässigten aber die anderen Fächer. Eine säkulare Reform der juristischen Fakultät scheiterte 1667; der Geldmangel ließ keine feste Beschäftigung von Lehrkräften zu. Die Bevölkerung, und damit die finanzielle Leistungsfähigkeit von Stadt und Bistum, hatten einen absoluten Tiefstand erreicht. Erst 1722 gelang eine durchgreifende Reform der weltlichen Fächer. Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg sicherte erstmals eine staatliche Besoldung für das Lehrpersonal, was die Beschäftigung bekannter Gelehrter wie Johann Nikolaus von Hontheim erlaubte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bildeten sich immer mehr Vorbehalte gegen die Jesuiten, denen vor allem Verschwörungen zur Vergrößerung ihrer Macht vorgeworfen wurden. Daher entstand 1764 in Trier eine zweite, vom Jesuitenorden unabhängige theologische Fakultät, die von einer kleinen Abordnung Benediktiner betreut wurde. Auch an den anderen Fakultäten wurden ordensfremde Lehrbereiche eingerichtet, ohne jedoch hierdurch den inneren wie äußeren Niedergang aufhalten zu können.Michael Trauth: Eine Begegnung von Wissenschaft und Aufklärung. Trier 2000, S. 183ff.
1773 wurde die Gesellschaft Jesu vom Papst aufgehoben. Die jesuitische theologische und philosophische Fakultät wurde ausgegliedert und bestand als Seminarium Clementinum einige Jahre weiter, der Lehrauftrag ging an die benediktinische Fakultät über. 1794 wurde Trier von französischen Revolutionstruppen besetzt. Die französische Verwaltung schloss am 6. April 1798 die Trierer Universität, ebenso wie Hochschulen von Köln und Mainz, aufgrund „politischer Unzuverlässigkeit“ der Lehrkörper.
Gescheiterte Bemühungen vor 1970 Die im 19. Jahrhundert aufscheinenden Bemühungen, Trier für eine Universitätsgründung ins Spiel zu bringen, kamen über Gedankenspiele nicht hinaus. Das ausgesprochen schwierige Verhältnis der katholischen Bevölkerung gegenüber dem preußischen Staat erwies sich dabei zweifellos als erschwerender Faktor. Schließlich entpuppte sich die Geburtsstadt von Karl Marx in der 1848er Revolution als ein ausgesprochenes Konfliktzentrum, während sie in nachfolgender Zeit mit dem katholischen Ultramontanismus identifiziert und damit als potentiell staatsfeindlich angesehen wurde. Gegenüber den westlichen Provinzen betrachte die preußische Kultusverwaltung den Bedarf an akademischer Bildung seit der Einrichtung der Universität Bonn 1818 ohnehin als gedeckt.
Eine größere Publizität erlangten erst die Versuche kirchennaher Kreise in der Spätphase der Weimarer Republik, den nationalsozialistischen und säkularen Kräften in Stadt und Region eine erklärtermaßen „katholische Universität“ entgegenzusetzen.Stephan Laux: „Quelque chose d’assez mystérieux“: Die gescheiterte Universitätsgründung in Trier 1945–1948. Motive, Planungen, Reaktionen (Publikationen aus dem Stadtarchiv Trier, Bd. 9). Trier 2020. Diese Vision leitete auch einen Aktivstenkreis in Trier unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Hoffnung auf Wiederherstellung der verloren geglaubten christlichen Bindungen verband sich mit der vielfach beschworenen Vokabel des "Abendlandes". Teils wurden in diesem Zusammenhang zwar auch sozialpolitische Vorstellungen laut, die im konservativen Milieu der Stadt aber nicht mehrheitsfähig waren. Federführend waren der Trierer Regierungspräsident Wilhelm Steinlein und sein rühriger Wirtschafts- und Kulturdezernent Aloys Ferry, ein promovierter Philosoph, der sozialkatholischen Idealen zuneigte.
Nachdem man in offener Konkurrenz zur im Mai 1946 eröffneten Universität Mainz alle Planungen für abgeschlossen erklärte, insbesondere bereits intensive Berufungsverhandlungen mit fast 200 akademischen Stellenbewerbern geführt hatte, versandeten die Ambitionen spätestens 1948. Ihr Scheitern erklärt sich durch die beschränkten Mittel des neu eingerichteten Bundeslandes Rheinland-Pfalz und die schweren Kriegszerstörungen in der Stadt, in der sich, anders als in Mainz, keine verfügbare bauliche Infrastruktur für eine Universität bot. Angesichts der Überdimensionierung der Pläne, die auf eine Volluniversität hinausliefen, war allerdings von Anfang an die durchaus realistische Chance auf eine kleinere Lösung verbaut. Die zu geringe, letztlich sogar ausgebliebene Unterstützung durch Stadt und Bistum war durch die ähnlich unsicheren Landesmittel nicht auszugleichen. Hinzu kam die mangelnde Bereitschaft der lokalen Akteure, sich mit den Spitzen der französischen Besatzungsverwaltung zu verständigen. Das galt insbesondere für die von Raymond Schmittlein geleitete, in Baden-Baden ansässige zentrale Kultusbehörde, die Education Publique. Stattdessen hatte man offenbar geglaubt, die eher passive als erklärte Unterstützung der örtlichen Kommandantur sei für die Verwirklichung der Universitätsplanungen ausreichend. Dies erwies sich u. a. aufgrund der Sensibilisierung der französischen Besatzungsverwaltung in der Entnazifizierungsproblematik als Trugschluss.
Neugründung mini|Die Universitätsverwaltung war mehrere Jahre im „Kloster Olewig“ untergebracht mini|Universität Campus 2, Luftaufnahme (2016) mini|Universität Trier, Campus 2
1969 beschloss die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, neben Mainz eine zweite Hochschule zu gründen. Bereits einen Monat nach dem Beschluss waren Trier und Kaiserslautern als Standorte ausgewählt. 1970 wurde die Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern gegründet. Während Kaiserslautern sich auf Naturwissenschaften spezialisierte, wurde in Trier eine geisteswissenschaftliche Fakultät eingerichtet. Wie von Anfang an geplant, wurden die beiden Teiluniversitäten 1975 verselbstständigt, die Trennung zwischen technischen Studienmöglichkeiten in Kaiserslautern und geisteswissenschaftlichen in Trier blieb aber bestehen. Es wurde beschlossen, einen Universitätsneubau auf der Hochfläche bei Tarforst zu errichten. Bis zu dessen (Teil-)Fertigstellung fand daher der Unterricht auf der anderen Seite der Mosel in den Räumen der ehemaligen Pädagogischen Hochschule, dem heutigen Standort Schneidershof der Hochschule Trier statt.
Unter Leitung des Staatsbauamtes Trier-Nord wurde nach der Konzeption seiner beiden Leiter, Ludwig Weinspach (1932–1991) und Konrad Müller, der Campus Tarforst in drei Baustufen (1974–78, 1979–85, 1989–92) entworfen, geplant und realisiert. Nach Fertigstellung der ersten Gebäude 1977 erfolgte der Umzug mit zunächst zahlreichen Provisorien, wie etwa dem Mensabetrieb (bis 1987) im Untergeschoss des Bibliotheksgebäudes. In den folgenden Bauphasen wurden die weiteren Gebäude errichtet: bereits 1981 entstand das erste Studentenwohnheim, weitere Bauten für die verschiedenen Fachbereiche sowie für die Verwaltung folgten, seit 1988 verfügt die Universität über ein Audimax mit einem eigenen Mensabau. Mit der Fertigstellung eines Gebäudes zur Unterbringung von Forschungsgruppen (Drittmittelgebäude) 1991 sowie weiterer Fachbereichsgebäude und des Rechenzentrums konnte auch die Umsetzung des landschaftsarchitektonischen Konzepts in der Verbindung von Landschaft mit Architektur und Kunst abgeschlossen werden.Konrad Müller: “Planungsgeschichte der Universität Trier. Ein Werkstattbericht”. in: Ralf Dorn et al. (Hrsg.): Auf der grünen Wiese. Trier 2004, S. 45–60.