Der Landkreis Waldshut () ist eine Gebietskörperschaft und einer der vier südlichen Landkreise Baden-Württembergs an der Grenze zur Schweiz. Er gehört zum Regionalverband Hochrhein-Bodensee im Regierungsbezirk Freiburg. Verwaltungssitz ist das Landratsamt in Waldshut-Tiengen.
Der Landkreis Waldshut wurde im Zuge der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 am 1. Januar 1973 aus dem bis dato bestehenden ‚alten‘ Landkreis Waldshut und dem Landkreis Säckingen und Teilen des Altkreises Hochschwarzwald gebildet.
Geografie Lage Der Landkreis Waldshut in der Region Hochrhein umfasst Teile des Südschwarzwalds einschließlich des Hotzenwalds, das untere und mittlere Wutachtal und den Westen des Klettgaus.
Im Süden bildet der Rhein großteils die Kreisgrenze, seine größten Zuflüsse sind (rheinabwärts gezählt) die Wutach, die Schlücht, die Schwarza und die Alb.
Die höchste Erhebung ist das Herzogenhorn mit , die tiefste Stelle wird am Rhein auf der Gemarkung Wehr mit gemessen.
Orte Der Landkreis umfasst 549 Orte (Städte, Dörfer, Weiler, Höfe und Wohnplätze).
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Lörrach im Westen, Breisgau-Hochschwarzwald im Norden und Schwarzwald-Baar im Nordosten. Im Osten grenzt er an den Schweizer Kanton Schaffhausen, im Südosten an den Kanton Zürich und im Süden an den Kanton Aargau.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015
Topografie und Geologie Die Landschaft (Südwestdeutsches Stufenland) grenzt mit dem Hochrhein (Grundwasserrinne) und Oberrhein an das Schweizer Mittelland und ist durch die Gletscher und Schmelzwässer der Eiszeit geprägt worden (Urdonau), während das Gebiet des Schwarzwalds (Hotzenwald) ein Grundgebirge des Kambrium ist. Teils treten auch die Schichten des Trias (Muschelkalk, ehemaliger Gipsabbau bei Tiengen) zu Tage. Es fand auch eine erfolgreiche Geothermiebohrung Waldshut-Tiengen zur Ergründung von Thermalwasser statt. In Bad Säckingen gibt es ebenfalls eine Thermalquelle.
Bis zum Ende der Riß-Kaltzeit vor rund 200.000 Jahren floss der Ur-Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau (Klettgaumulde). Das frühere Flussbett wurde mit Alpenschotter mit seltenen Errastrischen oder Juranagelfluhblöcken und Alpenkies (Molasse) aufgefüllt. Ein weiteres Relikt davon ist die „Klettgaurinne“, ein großes Grundwasservorkommen, ein Grundwasserleiter ähnlich dem des Oberrhein-Aquifer, aus dem unter anderem die Kommunen Klettgau, Wutöschingen, Lauchringen und Waldshut-Tiengen ihr Trinkwasser beziehen.
Die Schichten des Waldshuter Mühlsandsteins liegen unmittelbar auf einer eisenführenden Gneisschicht des Grundgebirges auf. Dieses Grundgebirge wird von einem Deckgebirge des Buntsandstein überlagert. Die Schichten des Deckgebirges setzen sich aus dem oben aufliegenden roten Tonstein der Röt-Formation, dazwischenliegendem tonigen, roten und violetten Sandstein mit Karneol – einer gebänderten Varietät des Chalcedons – und unten liegendem groben Mühlsandstein zusammen. auf salpeter.net, abgerufen am 28. Januar 2025. Der Hochrhein liegt in Zone 2 der aktiven Erdbeben Deutschlands. mini|Die Erdbebenzonen am Hochrhein Der südliche Schwarzwald ist ein altes Bergbaugebiet. Zahlreiche Bergwerke bestanden seit dem frühen Mittelalter und förderten Silber- und Bleierze. Bis in die Neuzeit wurden noch Fluss- und Schwerspat abgebaut. In Menzenschwand wurde ein großes Uranvorkommen entdeckt und großteils abgebaut. Zurzeit bestehen noch einige größere Steinbrüche, etwa der Steinbruch Detzeln und Kiesgruben.
Der Landkreis Waldshut liegt in dem vom Land Baden-Württemberg ermittelten Radonvorsorgegebiet. Diese sind laut Strahlenschutzgesetz verpflichtend zu ermitteln sowie festzulegen und betreffen folgende Gemeinden (Stand 15. Dezember 2020):, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vom 15. Dezember 2020, abgerufen am 4. Januar 2021 Dachsberg (Gemeinde-Kennziffer 8337027) Häusern (Gemeinde-Kennziffer 8337045) Herrischried (Gemeinde-Kennziffer 8337049) Ibach (Gemeinde-Kennziffer 8337059) Rickenbach (Gemeinde-Kennziffer 8337090) Sankt Blasien (Gemeinde-Kennziffer 8337097)
Naturschutz
Der Landkreis Waldshut besitzt folgende 36 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW nach Landkreisen stehen 3.847,73 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 3,40 Prozent.
Alter Weiher, 16,7 ha, Gemeinden Murg, Rickenbach Auäcker, 13,5 ha, Stadt Stühlingen Bannwald Wehratal, 127,7 ha, Gemeinde Wehr Berghaus, 1,5 ha, Stadt Waldshut-Tiengen Braunhalden-Schlattboden, 57,0 ha, Stadt Stühlingen Bruggmatt, 2,1 ha, Gemeinde Dachsberg Eibenkopf, 0,9 ha, Stadt Waldshut-Tiengen Ennersbacher Moor, 20,0 ha, Gemeinde Dachsberg Feldberg, 4226,7 ha, Gemeinden Feldberg (Schwarzwald), Hinterzarten, Oberried, Schluchsee, Todtnau Friedrich-August-Grube, 6,3 ha, Gemeinde Dachsberg Höchenschwander Moor, 9,4 ha, Gemeinde Höchenschwand Horbacher Moor, 11,7 ha, Gemeinde Dachsberg Kadelburger Lauffen-Wutachmündung, 38,8 ha, Gemeinde Küssaberg, Stadt Waldshut-Tiengen Kapellenhalde – Wüster See, 17,7 ha, Gemeinden Dettighofen, Jestetten Katzenbuck-Halde, 46,7 ha, Gemeinde Ühlingen-Birkendorf Kirchspielwald-Ibacher Moos, 569,5 ha, Gemeinden Dachsberg, Görwihl, Herrischried, Ibach Kohlhütte-Lampenschweine, 150,7 ha, Gemeinde Ibach Küssenberg, 207,4 ha, Gemeinde Küssaberg Lindenberg-Spießenberg, 85,8 ha, Stadt Stühlingen Mühlbachtal, 84,9 ha, Gemeinden Albbruck, Laufenburg Nacker Mühle, 29,5 ha, Gemeinde Lottstetten Oberer Schwarzenbach, 3,2 ha, Gemeinde Rickenbach, Stadt Bad Säckingen Orchideenwiese, 1,6 ha, Gemeinde Küssaberg Pulsatilla-Standort Dangstetten, 0,6 ha, Gemeinde Küssaberg Rüttewies-Scheibenrain, 64,3 ha, Gemeinde Dachsberg Samlischbuck, 3,5 ha, Gemeinde Weilheim (Baden) Schlüchtsee, 8,5 ha, Gemeinde Grafenhausen Schneeglöckchenstandort auf Gemarkung Buch, 1,8 ha, Gemeinde Albbruck Schwarza-Schlücht-Tal, 243,9 ha, Gemeinde Weilheim, Ühlingen-Birkendorf, Stadt Waldshut-Tiengen, Steppenheide Hardt, 8,6 ha, Gemeinde Bonndorf im Schwarzwald Taubenmoos, 205,1 ha, Gemeinde Bernau im Schwarzwald Tiefenhäuser Moos, 4,5 ha, Gemeinde Höchenschwand Vogtsberg, 88,2 ha, Gemeinde Bonndorf im Schwarzwald Wehramündung, 12,1 ha, Gemeinden Schwörstadt (Landkreis Lörrach), Wehr Wutachflühen, 374,2 ha, Städte Stühlingen, Blumberg Wutachschlucht, 968,8 ha, Gemeinden Friedenweiler, Lenzkirch, Stadt Löffingen (alle Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), Stadt Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis), Stadt Hüfingen, Gemeinden Bonndorf im Schwarzwald, Wutach
Geschichte
Ehemalige Territorien Bis 1803 gehörte der größte Teil des heutigen Landkreises, der Hotzenwald bzw. die Grafschaft Hauenstein, zu Vorderösterreich, zusammen mit dem benachbarten Frickgau die ältesten Besitzungen der Habsburger. Die Verwaltungsaufgaben hatte der Waldvogt mit Sitz im Waldvogteiamt. Daneben gab es die Landgrafschaft Klettgau die zunächst großteils habsburgisch, dann den Grafen von Sulz und später den Fürsten zu Schwarzenberg zugehörig war, mit der Verwaltung im Schloss Tiengen und im Schloss Jestetten, letztlich von Krumau aus.
Die Landgrafschaft Stühlingen, die zuletzt den Fürsten zu Fürstenberg gehörte, wurde vom Schloss Stühlingen aus verwaltet, später vom Schloss Donaueschingen. Die Grafschaft Bonndorf und Herrschaft Blumegg waren reichsunmittelbar, aber dem Kloster St. Blasien unterstellt, während das Kloster selbst zu Vorderösterreich gehörte.
Am Rhein gab es um Hohentengen die Obervogtei Rötteln, die dem Hochstift Konstanz gehörte. Größeren Besitz hatten auch das Kloster Rheinau und das Damenstift Säckingen. Von den einstigen Klöstern besteht keines mehr, das Kloster Marienburg (1862) in Ofteringen und das Kapuzinerkloster Stühlingen (1927, Vorläufer 1743 bis 1802) sind Neugründungen, letzteres besteht seit Ende 2022 nicht mehr.
Bezirksamt Waldshut
Die Stadt Waldshut mitsamt ihrem Umland gehörte im 18. Jahrhundert zum Oberamt Breisgau in Vorderösterreich. Die Gegend kam 1805 zum Kurfürstentum Baden, aus dem 1806 das Großherzogtum Baden wurde. In Baden wurde am 22. Juni 1807 in der Provinz des Oberrheins das Oberamt Waldshut eingerichtet. Ihm zugeteilt wurden zunächst die Stadt Waldshut sowie unter anderem die Orte Dogern, Gurtweil, Höchenschwand und Unteralpfen.Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1807, S. 94 Durch das Organisationsrescript vom 26. November 1809 wurde das Amt Waldshut neu abgegrenzt und dem neuen Wiesenkreis zugeordnet. Auf dem heutigen Gebiet des Landkreises Waldshut bestanden in dieser Zeit auch noch die Ämter Bettmaringen (bis 1813), Bonndorf, Laufenburg (bis 1819), Jestetten, St. Blasien, Säckingen, Stühlingen und Tiengen (bis 1819).Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1809, S. 404
Die Abgrenzung des Amtes Waldshut wurde 1810 und 1813 leicht geändert.Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1810, S. 357Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1813, S. 134 Nach der Auflösung des Wiesenkreises kam das Amt Waldshut 1815 zum Dreisamkreis.Grossherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt 1815, S. 131 Das benachbarte Amt Tiengen wurde 1819 aufgelöst; dabei kamen die Stadt Tiengen sowie unter anderem die Orte Dangstetten, Küßnach, Oberlauchringen, Unterlauchringen und Wutöschingen neu zum Amt Waldshut.Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1819, S. 196 Seit 1832 gehörte das Amt Waldshut zum Oberrheinkreis.Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt 1832, S. 134 1857 wurde das Bezirksamt Jestetten vorübergehend in das Bezirksamt Waldshut eingegliedert.Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1857, S. 357 Es wurde 1864 wiederhergestellt, dann aber zum 1. Mai 1872 aufgelöst und endgültig in das Bezirksamt Waldshut eingegliedert.Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1864, S. 311Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogthum Baden 1872, S. 7 Die Gemeinden Detzeln, Eberfingen, Endermettingen, Horheim, Löhningen, Obereggingen, Obermettingen, Untereggingen und Untermettingen wechselten 1864 aus dem Bezirksamt Bonndorf ins Bezirksamt Waldshut, das nun zum Kreis Waldshut im Landeskommissärbezirk Konstanz gehörte.
Am 1. Juli 1921 gab das Bezirksamt Bonndorf die Gemeinde Breitenfeld an das Bezirksamt Waldshut ab.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1921, S. 137 Am 1. April 1924 folgten 31 Gemeinden des aufgelösten Bezirksamts Bonndorf sowie die Gemeinden Amrigschwand, Höchenschwand, Ibach, Immeneich, Schlageten, Tiefenhäusern, Urberg, Wilfingen, Wittenschwand und Wolpadingen des aufgelösten Bezirksamts St. Blasien.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1924, S. 9 Am 1. Oktober 1936 wechselten die Gemeinden Albert, Engelschwand, Görwihl, Grunholz, Hartschwand, Hauenstein, Hochsal, Ibach, Luttingen, Niederwihl, Oberwihl, Rotzel, Rotzingen, Rüßwihl, Schachen, Schlageten, Segeten, Strittmatt, Urberg, Wilfingen, Wittenschwand und Wolpadingen aus dem Bezirksamt Waldshut zum Bezirksamt Säckingen.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1936, S. 81
Landkreis Waldshut
Seit dem 1. Januar 1939 hieß das Bezirksamt Waldshut Landkreis Waldshut. Nach dem Kriegsende 1945 wurde der Landkreis Waldshut Teil der Französischen Besatzungszone und gehörte zunächst bis 1952 zum neu umgrenzten südlichen Land Baden. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Südbaden.