Das Mönchtum ist die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten geistlich geprägten Lebensformen. Das Mönchtum kann definiert werden als Absonderung von der Form der Religionsausübung, die für die Mehrheit der Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft typisch ist, und Übernahme eines durch Askese und Gebet geprägten Lebensstils. Das Mönchtum existiert in verschiedenen Religionen, so vor allem im Buddhismus und im Christentum, ferner im Hinduismus und im Daoismus. Die Ziele eines monastischen (mönchischen) Lebens können variieren: religiöse Vollkommenheit, mystisches Streben nach der diesseitigen Vereinigung mit der Gottheit, Erreichen der vollkommenen inneren Leere mit der unmittelbaren Erfahrung einer göttlichen transzendenten Realität, die die gewöhnliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen übersteigt.
Wortherkunft Das Wort Mönch stammt von dem Substantiv , das vom Adjektiv „allein“, abgeleitet ist. Im antiken Judentum (z. B. Aquila, Symmachus) bezeichnet das Wort eine Person, die „allein“ ist und ein religiöses Leben führt. Im 4. Jahrhundert wird monachós zur üblichen Bezeichnung für einen christlichen Asketen und verdrängt andere Begriffe.Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1010f. Zusammen mit Kloster, Münster und Nonne gehört Mönch im Deutschen zu den ältesten kirchlichen Lehnwörtern. Die Entlehnung aus lateinisch monachus erfolgte zu einer Zeit, als /ch/ im Lateinischen wie ein aspiriertes /k/ ausgesprochen wurde und ergab althochdeutsch munih, mit Lautverschiebung mittelhochdeutsch mün(e)ch, mun(i)ch, münich.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Walter de Gruyter, 21., unveränderte Auflage Berlin / New York 1975, S. 486.
Der Mönch oder die Nonne ist ein asketisch lebendes Mitglied einer Ordensgemeinschaft, das sich auf Lebenszeit oder auch für eine bestimmte Zeit in den Dienst seines Glaubens stellt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Mönchtum meist im Zusammenhang mit einer bestimmten Religion gebraucht (z. B. „buddhistisches Mönchtum“), daneben auch für eine soziokulturelle Schicht (etwa „das Mönchtum im Mittelalter“).
Grundbegriffe Eremitentum und Gemeinschaftsleben Die Einteilung der Mönche in zwei akzeptierte Lebensformen, Anachoreten und Koinobiten, geht auf die idealisierende Darstellung des Hieronymus zurück:Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1011.
Ein Mönch kann allein als Einsiedler (Anachoret) leben, entweder abgeschlossen für sich in der Nähe der menschlichen Siedlungen oder weit weg in der Wildnis der Wälder oder in der Einsamkeit der Wüste (Eremit). Die irischen und gallischen Mönche des 5. und 6. Jahrhunderts errichteten Einsiedeleien auf entlegenen Inseln. Buddhistische Mönche in Tibet praktizieren auch das Reklusentum, bei dem sie sich in eine Höhle einmauern lassen, die nur mit einer Durchreiche für Essen mit der Außenwelt verbunden ist. Andere Mönche, die sogenannten Koinobiten, führen ein mehr oder weniger zurückgezogenes gemeinschaftliches Leben (griechisch κοινὸς βίος) in Klöstern.
Vita contemplativa und Vita activa Die Unterscheidung zwischen kontemplativem und aktivem religiösem Leben geht auf antik-pagane Traditionen zurück:Kurt Ruh: Geschichte der abendländischen Mystik, Band 1: Die Grundlegung durch die Kirchenväter und die Mönchstheologie des 12. Jahrhunderts. C.H.Beck, 2. Auflage München 2001, S. 157. : Die Vita activa ist eine Lebensform, bei der eine nach außen gerichtete Aktivität in einem besonderen Aufgabengebiet, dem Apostolat, eine prägende Rolle spielt. : Als Vita contemplativa versteht man das mönchische Ideal eines zurückgezogenen Lebens allein oder in Gemeinschaft. Die Vita contemplativa verlangt die Abkehr von den Dingen der Welt und die Hinwendung zur betrachtenden Anbetung Gottes und dem Gebet.
Die philosophische Grundlegung stammt von Platon und Aristoteles, die Stoiker entwickelten sie weiter; Clemens von Alexandria und Origenes gaben dieser Lehre eine christliche Gestalt, im weiteren Verlauf wurden auch biblische Begründungen bzw. Typen gefunden, etwa Maria von Bethanien und Martha von Bethanien oder Johannes und Petrus als Vorbilder eines kontemplativen respektive aktiven Lebens.
Verwandte religiöse Lebensformen Bereits in vielen alten Kulturen gab es Verhaltensweisen und Anforderungen an ausgewählte Personen, die die Methoden und Wege des Mönchtums vorwegnahmen. Dazu gehören z. B. die strengen kultischen Reinheitsvorschriften der Hochkulturen des Altertums oder Forderungen nach Enthaltsamkeit als Voraussetzung für bestimmte rituelle und geistliche Praktiken für deren Priester.Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1013. Schon im Schamanismus werden wesentliche Elemente sichtbar, wie wir sie später im Mönchtum aller Religionen wiederfinden. Der Ausdruck „Schamane“ ist die Bezeichnung für ein Stammesmitglied, das die Fähigkeit besitzt, mit den übernatürlichen Mächten in Verbindung zu treten. So wird Schamanen die Fähigkeit zugesprochen, magische Handlungen wie Himmelsreisen oder Heilungen in Form von Dämonenaustreibungen zu vollbringen. Eine Hauptfunktion des Schamanen ist, seinen Stamm oder einzelne Stammesmitglieder vor feindlichen übernatürlichen Einflüssen zu schützen. Er verhandelt mit den guten und bösen Geistern, bringt Opfer und verschafft sich Visionen durch Trance, bzw. Ekstase durch Drogen, durch Fasten, Einsamkeit, Schmerz, aber auch durch Tanz und Musik.
Auch der Yogi nimmt mit seinen Übungen der Enthaltsamkeit und Konzentration Methoden vorweg, die vom Mönchtum übernommen werden. Der Begriff Yoga bezeichnet eine mystische Lehre des Hinduismus, die durch bestimmte geistige und körperliche Übungen, vor allem durch Meditation und Askese, den Menschen vom Gebundensein an die Last des Körperlichen befreien und die Vereinigung des Individuums mit dem unendlichen Universum ermöglichen soll. Es gibt viele verschiedene Formen von Yoga, alle mit ihrer eigenen Philosophie und Praxis. Einige meditative Formen von Yoga legen ihren Schwerpunkt auf die geistige Konzentration und vollkommene Versenkung, andere konzentrieren sich eher auf körperliche Übungen oder beschränken sich eher auf die Askese, wie z. B. der Yama (Zucht und Enthaltsamkeit).
Judentum Die Essener waren eine Gruppe im antiken Judentum, deren Lebensweise eine gewisse Ähnlichkeit mit dem späteren christlichen Mönchtum hatte:
nach Philon von Alexandria: Dem Studium gewidmetes, religiöses Landleben; nach Plinius dem Älteren: Ehelosigkeit, kein Privateigentum; nach Flavius Josephus: Asketische, hierarchisch organisierte Gruppe mit Aufnahmeritual.
Aus den Schriftrollen vom Toten Meer wird eine hierarchisch organisierte Gruppe mit militanter Gegenkultur erkennbar; einige praktizierten Ehelosigkeit, andere hatten Frauen und Kinder. Eine direkte historische Verbindung von der Qumrangemeinde, die im Jüdischen Krieg (also um das Jahr 70 n. Chr.) zu existieren aufhörte, zum frühchristlichen Mönchtum, das erst seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. belegt ist, gibt es nicht.Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1017f.
Philon von Alexandria beschreibt außerdem die Gruppe der Therapeuten bei Alexandria, die ein eheloses, zurückgezogenes und der Meditation gewidmetes Leben führten. In der Forschung ist umstritten, ob es diese Gruppe überhaupt gab. Sie war den Kirchenvätern durch Lektüre Philons bekannt. Auch wenn Eusebius von Caesarea die Therapeuten als Mönche bezeichnete,Eusebius von Caesarea: Kirchengeschichte 2,17: „Wer hierüber noch genauere Aufschlüsse wünscht, kann sie aus dem erwähnten Berichte Philos erhalten. Jedem dürfte aber klar sein, daß Philo, als er hierüber schrieb, an die ersten Verkündiger der evangelischen Lehre und an die ursprünglichen, von den Aposteln überlieferten Bräuche dachte.“ ist nicht erwiesen, dass die ägyptischen Mönche durch Schriften Philons beeinflusst worden wären.
Christentum Frühes Mönchtum hochkant|mini|Mönche im Antoniuskloster Für Kirchenhistoriker des frühen 21. Jahrhunderts ist Konsens, dass die Beschreibungen des frühen Mönchtums, die antike christliche Autoren liefern, als Idealisierungen zu werten sind.Dietmar W. Winkler, Wann und Warum entstand das christliche Mönchtum? Historische (Re)Konstruktionen, in: Markus Holzweber (Hrsg.), Von der Kunst der Sprache. Aus dem Alltag eines Kirchenhistorikers. FS für Rupert Klieber. danzig&unfried Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-902752-60-4, S. 25–45 Es ist mit einer größeren Vielfalt der Lebensformen zu rechnen, deren Vertreter miteinander konkurrierten in dem Bemühen, soziale, politische und kirchliche Anerkennung zu erlangen.Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1012.
Es lassen sich sechs verschiedene asketische Lebensformen im frühen Christentum aufzeigen, die teils Wurzeln in der paganen Antike haben. Aus dieser Vielfalt entwickelte sich das Mönchtum im engeren Sinne:Samuel Rubenson: Art. Mönchtum I (Idee und Geschichte), 2012, Sp. 1019–1027.
Jungfrauen und Witwen. Diese Asketinnen gelten in frühen Kirchenordnungen als besonderer Stand; teilweise lebten sie in Hausgemeinschaften. Wanderasketen, die Impulse sowohl aus dem Neuen Testament (Apostel) als auch aus der kynischen Philosophie aufnahmen. Ein prominentes Beispiel ist Alexander der Schlaflose, der mit seinen Schülern durch Mesopotamien, Syrien und Kleinasien zog. Konflikte mit den Bischöfen der Ortsgemeinden führten zur Verurteilung auf mehreren Konzilien (als Messalianer oder Euchiten). Privatasketen. Besonders Christen der Oberschicht wandelten ihr Stadthaus in eine Art Kleinkloster um; auch ländliche Villen ließen sich zu Klosteranlagen umwandeln. Eremitentum. Athanasius beschrieb in der von ihm verfassten Vita Antonii das Leben des heiligen Antonius (um 251–356) als ideale Lebensform. Antonius ging als junger Mann in die Einsamkeit der ägyptischen Wüste, um als Anachoret zu leben. Antonius entspricht ebenso wie Barsanuphios und Johannes von Gaza dem Ideal des Eremiten als weisen Lehrers, der in seiner Klause Besuchern Rat erteilt bzw. ihnen Briefe schreibt. Bereits um 305 sammelten sich um Antonius Nachahmer, die seine Lebensweise als Vorbild sahen, und bildeten so erste Mönchsgemeinschaften. Auf Antonius wird auch die mönchische Lebensweise des Wechsels zwischen Zeiten des Gebets und der körperlichen Arbeit zurückgeführt. Asketenschulen. In Analogie zu antiken Philosophenschulen entstanden Lebensgemeinschaften christlicher Gelehrter, die in Unterägypten auch archäologisch nachgewiesen wurden. In diesen Kontext gehört das Schrifttum des Evagrios Pontikos, Dorotheos von Gaza und Johannes Klimakos. Wirkungsgeschichtlich wichtig ist die Idee des Klosters als Bildungsstätte. Koinobitentum. Um 320/25 gründete Pachomios (um 292/98–346) in Oberägypten die ersten christlichen Klöster, wo viele Mönche ein gemeinsames (koinobitisches) Leben in einem abgeschlossenen Bereich führten. Das Koinobion wurde von einem Abbas („Vater“, Abt) genannten Vorsteher geführt und richtete sich nach einer gemeinsamen Regel. Pachomios ist somit auch der Verfasser der ersten Regel, der sogenannten „Engelsregel“. Seine Schwester war etwa zur selben Zeit die erste Vorsteherin einer Gemeinschaft von geweihten Jungfrauen.
Individuelle und auch institutionalisierte Wechsel zwischen den verschiedenen Formen kamen vor. So wurde im spätantiken Mönchtum in Palästina das koinobitische Leben auch als Vorbereitung für jüngere Mönche verstanden, um dann später stärker eremitisch als Anachoreten zu leben.