Die kornische Sprache (auch kurz Kornisch; neukornisch Kernewek, Kernowek oder Kernuak) ist eine dem Walisischen und Bretonischen nahe verwandte keltische Sprache, die bis ins späte 18. Jahrhundert in Cornwall gesprochen und im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde. Der Name Kernowek bzw. Kernewek (britann. kornobika) leitet sich, wie auch der Landesname, von den spätantiken Bewohnern Cornwalls, den Cornovii, ab.
Geschichte und Wiederbelebung mini|Verschiebung der kornisch-englischen Sprachgrenze 1300–1750, nach Ken GeorgeKen George: Cornish. In: Martin J. Ball (Hrsg.): The Celtic Languages. Routledge, London 1993. ISBN 0-415-01035-7, S. 410–468.
Niedergang des Sprachgebrauches Ausschlaggebend für die Zurückdrängung des Gebrauchs des Kornischen waren die Durchsetzung der Verwendung des Book of Common Prayer nach der Reformation in Cornwall, verbunden mit dem Umstand, dass es damals keine gedruckten Bücher in kornischer Sprache gab.B. Trevail: Curious Cornwall. Tor Mark Press, Truro 1969, S. 46. 1640 wurde in Feock, einem Dorf südlich von Truro, letztmals ein Gottesdienst auf Kornisch gehalten und 1678 in Landewednack bei Lizard letztmals auf Kornisch gepredigt.
Nur Kornisch zu sprechen, wurde zu einem gesellschaftlichen Nachteil, später gar zu einem Stigma. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde nur noch westlich von Truro Kornisch gesprochen. Schließlich war das Kornische nur noch in den beiden abgelegensten Distrikten Cornwalls, in Penwith und in Kerrier, verbreitet.
Die letzte bekannte Muttersprachlerin des traditionellen Kornischen, Dolly Pentreath aus Mousehole (korn. Porthenys), starb im Jahre 1777. Sie wurde lange Zeit als „die letzte Sprecherin“ gehandelt, weil sie in einem Reisebericht des englischen Antiquars Daines Barrington aufgetaucht war. Dieser hatte „die letzten Sprecher“ des Kornischen gesucht, war an sie verwiesen worden, und auf die Frage, ob sie ihre Muttersprache noch beherrsche, überschüttete sie ihn mit kornischen Schimpfworten. Dolly Pentreath gab an, das Englische erst im Alter von 12 Jahren erlernt zu haben.David Crystal: Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache. Deutsche Ausgabe übersetzt und bearbeitet von Stefan Röhrich. Campus-Verlag, Frankfurt Main 1993, ISBN 3-593-34824-1, S. 360, zeigt eine Abbildung des Gedenksteins für Pentreath und das Kornische.
1891 starb John Davey, dessen Verwandte von ihm behaupteten, er sei die letzte Person gewesen, die Kornisch fließend beherrschte. Das dürfte nicht den Tatsachen entsprochen haben. Davey ist allerdings die Überlieferung einiger verballhornter Fragmente des Spätkornischen zu verdanken. Einzelne Sprachelemente hatten sich jedoch in einigen Berufszweigen noch deutlich länger im Sprachgebrauch erhalten, etwa der Brauch, gefangene Fische auf Kornisch zu zählen.
Bemühungen um die Wiederbelebung Bemühungen um die Wiederbelebung des Kornischen gibt es seit den 1860er Jahren. Um es leichter unterrichten und lernen zu können, wurde ein „Standard-Kornisch“ geschaffen, das es so nie gegeben hat.B. Trevail: Curious Cornwall. Tor Mark Press, Truro 1969, S. 47. Das heutige „Neokornisch“ ist eine Rekonstruktion der ausgestorbenen Sprache mit Hilfe der Überlieferungen und schriftlichen Zeugnisse, aus denen ein großer Teil des neokornischen Lexikons (70 %) rekonstruiert wurde. Da das erhaltene mittelkornische Korpus wesentlich umfangreicher ist als das des Spätkornischen, entstammen ihm auch die meisten Wörter. Auch innerhalb des traditionellen Wortschatzes finden sich nicht nur die britannischen Erbwörter, sondern je etwa zehn Prozent Lehnwörter aus dem Vulgärlateinischen bzw. aus dem Englischen. Ein bedeutender Teil (25 %) des neokornischen Wortschatzes wurde den verwandten Sprachen Kymrisch und Bretonisch entlehnt bzw. entsprechend konstruiert. Fünf Prozent kommen aus dem Englischen. Daneben existieren auch kornische Entlehnungen internationaler Termini v. a. lateinischen und griechischen Ursprungs.
Die Sprache ist bei weitem nicht so reich dokumentiert wie das biblische Hebräisch, das im Gegensatz zum Kornischen nie gänzlich außer Verkehr kam. Puristen unter Keltologen und Sprachwissenschaftlern stehen dem heutigen Kornischen kritisch gegenüber, da sie es für unauthentisch halten, wobei Ähnliches auch über das heutige israelische Ivrith gesagt werden kann. Eine Sprachbewegung bemüht sich derzeit um die Wiederbelebung, hat sich aber in den 1980er-Jahren in mehrere konkurrierende Gruppen aufgespalten, die verschiedene Orthographien benutzen (s. u.). Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (s. u.) kam auf etwa 250 Personen, die die Sprache fließend beherrschten, weitere ca. 3.000 (< 0,7 % der Bevölkerung Cornwalls) haben teils nur minimale Grundkenntnisse erworben. Da vor der erwähnten Studie nie Sprecherzahlen erhoben wurden, finden sich in älterer Literatur meist Phantasieannahmen, denen deutlich das Wunschdenken der Nationalisten anzumerken ist. Die Anzahl der Familien, in denen Kinder mit kornischer Muttersprache aufwachsen, belief sich 2000 auf gezählte 13.
Ein massives Problem der Sprachbewegung besteht in ihrer Zersplitterung: Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (MacKinnon-Report 2000) ergab ca. 250 fließende Sprecher, die sich auf drei verfeindete Gruppen aufteilten, die jede ihre eigene Variante des Neokornischen verwendete. Derzeit sind folgende Varianten (und Orthographien) in Gebrauch: Kernewek Kemmyn, das sich auf das Mittelkornische stützt und orthographisch am Bretonischen orientiert. Kernewek Unys, die ursprüngliche Variante des Neokornischen, die sich ebenfalls am Mittelkornischen orientiert. Kernowek Unys Amendys, eine verbesserte Form des Unys. Kernuack Nowedga („Neukornisch“), das sich am Spätkornischen orientiert.
Seit Mai 2008 verwendet das Cornish Language Partnership für offizielle Dokumente und im Schulunterricht eine neu ausgearbeitete Standardorthographie (FSS), siehe unten.
Abgesehen von zweisprachigen Orts- und Straßenschildern gibt es von offizieller Seite derzeit kaum Bemühungen zur Verbreitung dieser Sprache. Allerdings ist das Kornische mittlerweile von der britischen Regierung als Minderheitensprache anerkannt worden. Kornisch darf auf freiwilliger Basis an Schulen unterrichtet werden, vorausgesetzt, dass sich eine entsprechende Lehrkraft findet. Außerdem können offizielle Prüfungen in dieser Sprache verfasst werden. mini|Kornisch als gesprochene Sprache (Wikitongues Projekt) In den Medien ist Kornisch lediglich durch ein fünfminütiges wöchentliches Radioprogramm vertreten.Hear the news read in Cornish, abgerufen am 20. September 2022. Allerdings existiert das Webradio „Radio der kornischen Sprachgemeinschaft“, das ein halbstündiges Magazin mit Interviews und Musik und eine Nachrichtensendung pro Woche ausstrahlt.Radyo an Gernewegva Radio der kornischen Sprachgemeinschaft
Kleine Sprechergemeinden existieren unter Nachfahren kornischer Auswanderer in London, Australien und den USA.
Wichtige Etappen der Wiederbelebung 1904: Henry Jenner publiziert ein Handbook of the Cornish Language, was als Initialzündung der Wiederbelebung angesehen wird. Jenner orientiert sich primär am Spätkornischen. 1928: Nach dem Vorbild des walisischen Gorsedd Y Beirdd bzw. des bretonischen Goursez Breizh wird ein Gorsedh Kernow ins Leben gerufen. 1929: Robert Morton Nance publiziert Cornish For All, worin er eine vereinheitlichte Orthographie, das am Mittelkornischen orientierte Kernewek Unys vorstellt. Diese Rechtschreibung bleibt bis 1986 in allgemeinem Gebrauch. 1938: Nance publiziert ein Cornish-English Dictionary. 1984: Der erste kornische Roman, An Gurun Wosek a Geltya (Die blutige Krone von Keltia) von M. Bennetto wird veröffentlicht. 1986: Erste Spaltung der Sprachbewegung: Richard Gendall beginnt, rekonstruiertes Spätkornisch (Curnoack Nowedga) zu unterrichten. 1986: Ken Georges Vorschlag einer Rechtschreibreform nach seiner in The Pronunciation and Spelling of Revived Cornish ausgearbeiteten rekonstruierten Phonologie wird angenommen. Kernewek Kemmyn wird neuer Standard. 1992: Das Standardwörterbuch für Kernewek Kemmyn, Gerlyver Kernewek Kemmyn: An Gerlyver Meur, erscheint. 1995: Nicholas Williams kritisiert alle drei bisher gebrauchten Varianten und schlägt eine von ihm entwickelte Orthographie, das Kernowek Unys Amendys, vor. 2000: English-Cornish Dictionary: Gerlyver Sawsnek-Kernowek, Standardwörterbuch für KUA. 2002: Die britische Regierung erkennt das Kornische als förderungswürdige Minderheitensprache nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen an. Eine Bibelübersetzung (An Testament Nowydh, Das Neue Testament) erscheint in KUA. 2004: Das Neue Testament erscheint in KK. 2007: Eine Kommission von international renommierten Soziolinguisten (u. a. Joshua Fishman) soll über die zukünftige Standardorthographie entscheiden und damit die Rechtschreibdebatte beilegen helfen. 6 verschiedene Systeme stehen zur Auswahl: Kernewek Kemmyn (KK), Kernewek Unys (UC), Kernewek Unys Amendys (UCR), Kernuack Nowedga (RLC) sowie zwei Kompromissvarianten: Kernowak Standard (KS, von einer Gruppe unter Führung von N. Williams und Michael Everson ausgearbeitet) und Kernowek Dasunys (KD, von Benjamin Bruch und Albert Bock vorgeschlagen). 2008: Nach jahrelangen Beratungen einigt sich das Cornish Language Partnership auf eine dritte Kompromissvariante als zukünftige Standardorthographie (FSS – Furv Skrifys Savonek, „Offizielle Rechtschreibung“). Diese war zuvor von einem Komitee von Sprachaktivisten aus verschiedenen Gruppen in Grundzügen erdacht und von Benjamin Bruch und Albert Bock ausgearbeitet worden. Die neue Orthographie stützt sich primär auf das wiederbelebte Mittelkornische, erlaubt aber eine Reihe von gleichberechtigten dialektalen Varianten, um auch Sprecher des Spätkornischen einzubinden.
Sprachstufen des Kornischen Um ca. 600 wurden die Sprachgebiete des Kornischen und des Walisischen durch den angelsächsischen Vormarsch nach Westen räumlich getrennt. Die erste Entwicklungsstufe in der Geschichte des Kornischen als eigene Sprache, die bis ca. 900 angesetzt wird, bezeichnet man als Frühkornisch.
Das Kornische bildet gemeinsam mit dem Bretonischen die südwestbritannische Gruppe der inselkeltischen Sprachen. Mit dem Bretonischen hat es vor allem den Vokal /ø/ gemeinsam, der sich aus dem britannischen langen /a:/ entwickelt hat. Vom Bretonischen unterscheidet es sich wiederum zunächst vor allem durch die Entwicklung von auslautendem /t/ > /s/ und /d/ > /z/. Beispiel: bret. tad (dt. „Vater“) vs. korn. tas /ta:z/.
Als Altkornisch wird die Periode von 900 bis 1200 bezeichnet. Sie ist vor allem durch Glossen sowie das Vocabularium Cornicum belegt, ein lateinisch-altkornisches Wörterbuch.
Die mittelkornische Periode wird von 1200 bis ca. 1600 angesetzt. In dieser Zeit begann zwar schon der schnelle Rückzug der kornischen Sprachgrenze nach Westen, es handelt sich aber um die literarisch produktivste Phase, in der auch von der höchsten Sprecherzahl ausgegangen werden kann. Ken George setzt diese bei einem Maximum von ca. 35.000 Personen im Spätmittelalter an – zuvor war das Land zu dünn besiedelt, danach wechselten immer mehr Familien ihre Sprache, und das Englische begann, das Kornische zu verdrängen. Die wichtigsten Primärquellen für das Mittelkornische sind Dramen, und zwar fast ausschließlich Mysterienspiele, die aus dem Umfeld einer konkret bestimmbaren Schule stammen – des Kollegiums von Glasney (die mit Stern gekennzeichneten kornischen Titel im folgenden Absatz sind in der FSS-Standardorthographie gehalten):
Das (ca. 1400), 41-zeiliges Fragment eines pointiert-witzigen Dialogs