mini|220px|Fürst Karl Thomas Karl Thomas Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort (* 7. März 1714 in Augsburg; † 6. Juni 1789 in Kleinheubach) war von 1735 bis 1789 der dritte Fürst aus dem Hause Löwenstein.

Dynastische Zuordnung Karl Thomas war der älteste Sohn des Fürsten Dominik Marquard zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort (1690–1735) und von dessen Frau Christina Franziska Polyxena geborene Landgräfin von Hessen-Rheinfels (1688–1728).

Bildung mini|Fürst Karl Thomas als Jäger Karl Thomas studierte in Prag und Paris und war sehr an Kunst und Wissenschaft interessiert. Am 4. Januar 1754 wurde er mit dem akademischen Beinamen Apollo Soter als Mitglied (Matrikel-Nr. 584) in die Leopoldina aufgenommen.Karl von Löwenstein-Wertheim, aufgerufen am 13. Mai 2022. Weiterhin war er seit 1765 korrespondierendes Mitglied der Académie française und trug im Laufe seines Lebens eine umfangreiche Bibliothek zusammen.Harald Stockert: Adel im Übergang. S. 20.

Militärische Laufbahn Fürst Karl Thomas wurde am 4. Mai 1758 kurpfälzischer Generalleutnant und am 31. Dezember 1769 kaiserlicher Feldmarschallleutnant.

Herrschaft Nachdem der Vater 1735 in Venedig ermordet worden war, trat Fürst Karl Thomas als 21-Jähriger dessen Erbe an. Die finanzielle Situation war von Beginn an sehr angespannt und verschärfte sich noch im Laufe der kommenden Jahre, bedingt auch durch einen verschwenderischen Lebensstil des Fürsten und eine unrealistische politische Herangehensweise. Einerseits fühlte er sich verpflichtet, das Wohl seiner Untertanen zu mehren, andererseits verbot er deren Meinungsäußerung in Staatsangelegenheiten. Seine Herrschaft entsprach also ganz der eines absolutistischen Fürsten.

Da die fünf jüngeren Brüder von Fürst Karl Thomas auf Grund der Primogenitur von der Herrschaft ausgeschlossen waren, versuchten sie die finanzielle Notlage des Fürstentums auszunutzen und wollten durch eine Klage beim Reichshofrat darauf hinwirken, dass ihr Bruder für regierungsunfähig befunden würde. Es gelang Fürst Karl Thomas, dieses Ansinnen abzuwehren und durch Reformen in seiner Regierung und Hofkammer die finanzielle Misere etwas zurückzufahren, jedoch hielt ihn dies nicht davon ab, sinnlose Projekte wie etwa die Errichtung einer Universität in Kleinheubach zu verfolgen, die letztendlich wegen der begrenzten Geldmittel zum Scheitern verurteilt waren.Harald Stockert: Adel im Übergang. S. 19 f. mini|Das Löwensteiner Amtsschloss, in Albersweiler-St. Johann Während seiner Herrschaft war Fürst Karl Thomas häufig in Prozesse am Reichskammergericht verwickelt. Meist ging es um Streitigkeiten mit der Virneburger Linie wegen der Aufteilung gemeinschaftlich ausgeübter Herrschaftsrechte, sogenannte Kondominiumsangelegenheiten, oder um Streitigkeiten finanzieller Natur mit seinen Brüdern und Beamten. Als sehr schwerwiegend gestaltete sich eine rechtliche Auseinandersetzung mit den Nachfahren der Brüder Ludwigs zu Stolberg. 1732 verlangte das Reichskammergericht die Rückgabe des Stolberger Anteils an Rochefort. Der Streit endete 1755 mit dem Verlust der Hälfte aller niederländischen Besitzungen, darunter auch die Grafschaft Rochefort. Zum Teil konnten diese Verluste durch Erbschaften großer Gebiete in Böhmen ausgeglichen werden. 1765 erbte er nach dem Tod seiner ersten Frau und der Tochter die böhmische Herrschaft Horažďovice, die er 1779 seiner zweiten Frau überschrieb.Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 8: Prachiner Kreis. 1840, S. 169.

Während seiner Herrschaft verkündete er die allgemeine Schulpflicht und versuchte die Macht der Beamten zu begrenzen, was beides nicht zur vollen Zufriedenheit gelang. Für die Angehörigen verstorbener Beamter gründete er einen Witwen- und Waisenkasse und wagte sich an eine Steuerreform. 1764 ließ Fürst Karl Thomas zu Albersweiler-St. Johann, im linksrheinischen Landesteil Scharfeneck, das noch existente Löwensteiner Amtsschloss erbauen, das jetzt als BASF-Studienhaus dient.Webseite der Gemeinde Albersweiler mit eigenem Abschnitt zum Schloss Löwenstein im Ortsteil St. Johann und vergrösserbarem Foto. Im höheren Alter fielen ihm notwendige Reformen zunehmend schwer. Häufige Phasen der Krankheit nutzte seine zweite Frau zur direkten Einmischung in die politischen Geschäfte. Zudem intrigierte sie gegen einzelne Beamte, was die krisenhafte Stimmung im Fürstentum noch verschärfte.Harald Stockert: Adel im Übergang. S. 21.

Ehen und Familie Karl Thomas heiratete am 25. Juli 1736 in Wien Marie Charlotte Prinzessin von Holstein-Wiesenburg (1718–1765), eine Tochter Herzog Leopolds (1674–1744). Aus der Ehe ging eine Tochter Leopoldine (1739–1765) hervor, welche 1761 Karl Albrecht II. zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst (1742–1796) ehelichte.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Fürst Karl Thomas am 4. Februar 1770 in morganatischer Ehe Maria Josepha, verwitwete von Rummerskirch (verwitwete RomerskirchKarl Friedrich von Frank: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich: i.e. für das Heilige Römische Reich und die Österreichischen Erblande bis 1806, sowie kaiserlich österreichische bis 1823, mit einigen Nachträgen zum "Alt-Österreichischen Adels-Lexikon" 1823-1918, Band 5, Senftenegg 1974, S. 58.), geborene Stipplin (1735–1799), die erst am 17. März 1770 für ihre Herkunftsfamilie einen in Wien ausgestellten Adelsbrief erhielt, gemeinsam mit ihren Brüdern, Bürgern der Reichsstadt Biberach,ZBLG 2019, Band 82, Heft 3: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, herausgegeben von Kommission für bayerische Landesgeschichte, S. 777. Joseph Christoph August Stipplin, Hauptmann im fränkischen Ritterordenskontingent, und Georg Friedrich Stipplin, Oberstleutnant in kurpfälzischen Kriegsdiensten.Österreichisches Staatsarchiv, Signatur: AT-OeStA/AVA Adel RAA 411.16 J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 2,6): Der Adel in Baden: nebst Anhang, die Standes-Erhebungen des fürstlichen Hauses Fürstenberg enthaltend — Nürnberg, 1878, S. 130.

Obwohl es also eine standesungleiche Ehe war, und man wollte um jeden Preis die bürgerliche Herkunft mit Tricks bis hin zur Aktenfälschung vertuschen,Harald Stockert: Adel im Übergang: die Fürsten und Grafen von Löwenstein-Wertheim zwischen Landesherrschaft und Standesherrschaft, 1780-1850. 2000, S. 82. galt sie als die Fürstin im Hause Löwenstein-Wertheim-Rochefort.Dietmar Willoweit: Standesungleiche Ehen des regierenden hohen Adels in der neuzeitlichen deutschen Rechtsgeschichte Rechtstatsachen und ihre rechtliche Beurteilung unter besonderer Berücksichtigung der Häuser Bayern und Pfalz, München 2004, S. 53. Zudem wurde ihr der gebürtige freiherrliche Stand zugeschrieben, als geborene Freiin von Stipplin.William Haanemanns verwunderlicher englischer Wahrsager, Augsburg 1789, S. 92. Historische, geographische, konst-en-reis almanach; voor den jaare 1790, Amsterdam 1790, S. 79. Churfürstlicher Sächsischer Hoff- und Staatscalender auf das Jahr 1790, Leipzig 1790, S. 48. Neues genealogisches Reichs- und Staats-Handbuch auf das Jahr 1792, Frankfurt am Main 1792, S. 152. Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, München 1853–1854, Band 14, S. 84. Ihr erster Ehemann war vorgeblich Freiherr Eduard von Rumerskirch.Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 8: Prachiner Kreis. 1840, S. 169. Tatsächlich war es aber Eduard Römerskirch, urkundlich 1756, der fürstlich löwensteinischer Kammerrat in Kleinheubach war und 1769 verstarb.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XII, Band 125 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2001, S. 123. Ihn (alias Johann Michael Edmund Rommerskirch) hatte Josepha Stipplin mit 19 Jahren geheiratet. Er wurde 1742 in Kleinheubach als Kammerdiener angestellt und avancierte nach vier Jahren zum Schlossverwalter. 1751 wurde er entlassen, 1755 aber wieder angestellt, um schließlich 1763 löwensteinischer Kammerrat zu werden. Die Ehe, die er mit der 20 Jahre jüngeren Josepha 39-jährig einging, war seine dritte. Zuvor hatte er zwei Kleinheubacher Beamtentöchter zur Frau. Die Ehe wurde aber auffälligerweise nicht in Kleinheubach, sondern am 24. Juni 1754 in Gerichtstetten, einem Dorf der Grafschaft Wertheim, geschlossen. Der Traueintrag im Kirchenbuch nennt ihn praenobilis ac spectabilis Dominus Viduus Edmundus de Romerskirch. Seine Eltern Johann Jakob (nachgetragen: Christoph) Rommerskirchen und Maria Klara Barth hatten am 8. Juli 1709 ebendort die Ehe greschlossen. In den späteren Akten zur Adelserhebung werden die Eltern als Johann Christoph Rudolf von Rumerskirch, kurmainzischer Rentenherr, und Maria Clara von Barth aufgeführt.Volker Rödel: Eine fragwürdige Adelserhebung in der Spätzeit des Alten Reiches, in: Württembergisch Franken: Jahrbuch des Historischen Vereins für Württembergisch Franken, Band 86, 2002, S. 474 f.(S. 474 f.) Harald Stockert: Adel im Übergang: die Fürsten und Grafen von Löwenstein-Wertheim zwischen Landesherrschaft und Standesherrschaft, 1780-1850, 2000, S. 21. rahmenlos|rechts|Wappen der Grafen von Rummerskirch