mini|Gemeindegebiet mit Gemeindeteilen von Goldbach mini|300px|Markt Goldbach, Skulptur mini|Gedenkstein am Ort der ehemaligen Synagoge mini|Hauptteil des Burgstalles der abgegangenen Burg Kugelnberg

Goldbach ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg.

Geographie Lage Goldbach liegt etwa vier Kilometer nordöstlich von Aschaffenburg und rund einen Kilometer westlich von Hösbach an der Bundesstraße 26 Lohr-Aschaffenburg, die hier parallel zur Bundesautobahn 3 verläuft. Der Markt ist eine der einwohnerstarken Kommunen im Landkreis Aschaffenburg und bekannt durch die dort liegende Einhausung der Bundesautobahn 3. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich am Fockenberg westlich von Breunsberg mit , der niedrigste liegt an der Aschaff an der Autobahnausfahrt Aschaffenburg-Ost auf . Durch das südliche Gemeindegebiet führt der Fränkische Marienweg.

Gemeindegliederung Goldbach hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Goldbach (Stadtrandsiedlung) Unterafferbach (Kirchdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Goldbach und Unterafferbach. Die Gemarkung Goldbach hat eine Fläche von 8,681 km². Sie ist in 7807 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1111,95 m² haben.

Nachbargemeinden

Name Etymologie Ihren Namen hat die Gemeinde vom gleichnamigen Goldbach, der der Aschaff heute bei Aschaffenburg zufließt. Im Volksmund wird der Ort Gollwich genannt.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden waren 1218 Golbach, 1219 Goldbach, 1240 Goltbach und 1257 Golpach.

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Goldbach wurde erstmals 1218 urkundlich erwähnt. Südlich auf dem Gipfel des Kugelberges befand sich damals wohl noch außerhalb der Goldbacher Gemarkung die Höhenburg Burg Kugelnberg der Herren von Kugelnberg, die vom 12. bis ins 14. Jahrhundert bestand. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts unterstand Goldbach dem Mainzer Erzbischof und Kurfürsten.

1803 wurde für den letzten Kurfürsten und Kanzler des Alten Reiches, Karl Theodor von Dalberg, das Fürstentum Aschaffenburg geschaffen, in dem Goldbach von da an lag. Mit dem Fürstentum Aschaffenburg ging Goldbach 1810 an das Großherzogtum Frankfurt, gehörte dort 1812 zum Verwaltungsgebiet der Districtsmairie Schweinheim im Departement Aschaffenburg und hatte bei 148 Feuerstellen 892 Einwohner. Maire war damals Joseph Stenger. Seine Adjuncte waren Georg Lippert und Bernhard Hain. Niclas Sauer war der Landzöller und Johann Phillip Lautensack der Pfarrer.

Infolge des Pariser Vertrages vom 3. Juni 1814 kamen Goldbach und Unterafferbach am 26. Juni 1814 zu Bayern. Mit Verfügung vom 1. Oktober desselben Jahres wurden die Landgerichte Aschaffenburg und Kaltenberg errichtet, auf deren Verwaltungsgebieten Goldbach und sein Ortsteil Unterafferbach lagen. Im Winter 1815/16 wurde im Tal des Goldbaches durch einen Aschaffenburger Bürger namens Klee eine eisenhaltige Mineralquelle entdeckt. Mit der Auflösung des Landgerichtes Kaltenberg kam Unterafferbach 1828 ebenfalls zum Landgericht Aschaffenburg. Durch Zusammenschluss der Landgerichte Aschaffenburg und Rothenbuch wurde am 1. Juli 1862 das Bezirksamt Aschaffenburg gebildet.

Ab dem 20. Jahrhundert 1939 wurde, wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Bezirksamt in Landkreis geändert. Goldbach war nun eine Gemeinde im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau in Unterfranken zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.

Durch Grenzregelung mit der Gemeinde Hösbach am 1. Oktober 1958 wechselte eine ca. 22 ha große Goldbacher Gemarkungsfläche mit 41 Wohnhäusern und 313 Einwohnern nach Hösbach, während die Hösbacher Gartenhöfe mit dem Kugelberg und Gemarkungsflächen von insgesamt ca. 100 ha nach Goldbach wechselten.

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, welche im Jahr 1818 eine eigene Synagoge errichteten. Zur Gemeinde gehörten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die jüdischen Einwohner des Nachbardorfes Hösbach. Die Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Männer verwüstet, woran seit 1987 auf dem Parkplatz gegenüber ein Gedenkstein erinnert.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 143 Im Jahr 2008 wurden die Namen ermordeter und deportierter jüdischer Bewohner auf zwei Tafeln hinzugefügt.

Am 26. Mai 1995 wurde Goldbach die Bezeichnung Markt verliehen.

Im Sommer 2018 wurden durch Archäologen der Universität Würzburg unter Mitwirkung von Laienhelfern des örtlichen Geschichts- und Heimatvereins Überreste von Gebrauchsgegenständen, darunter eine Münze mit einem Bild des Erzbischofs Adalbert von Mainz, Teile von Waffen und Werkzeugen, sowie Tonscherben die als sogenannte Pingsdorfware identifiziert werden konnten, auf dem Gebiet der Burg Kugelnberg freigelegt. Die Funde legten eine Nutzung der früheren Burg als Wohn- oder Wehrburg (nicht wie bisher angenommen als Fliehburg) nahe, ebenso eine wesentlich frühere Besiedelung des Gemeindegebiets, die bis ins 10. Jahrhundert zurückgehen könnte.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1971 wurde die Gemeinde Unterafferbach (1812 noch Niederaffholdersbach genannt) eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 9226 auf 9997 um 771 Einwohner bzw. um 8,4 %. 1995 hatte der Markt 10.270 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist seit 1. Mai 2020 Sandra Rußmann (Freie Wählergemeinschaft – FWG); diese wurde in der Stichwahl vom 29. März 2020 mit 52,8 % der Stimmen gewählt. Ihr Vorgänger war von Mai 2002 bis April 2020 Thomas Krimm (FWG).

Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat hat (ohne Ersten Bürgermeister) 20 Mitglieder. CSU SPD FWG Grüne Gesamt 2014 8 3 7 2 20 Sitze 2020 7 3 6 4 20 Sitze (Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014 und Kommunalwahl am 15. März 2020)

Wappen

Gemeindepartnerschaften Seit 1994 ist das französische Courseulles-sur-Mer Partnergemeinde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen und Kapellen Goldbach verfügt über zwei katholische Pfarrkirchen. Die St. Nikolaus-Kirche, befindet sich im alten Ortskern. Diese Sandsteinkirche im neuromanischen Stil wurde anstelle eines zu klein gewordenen älteren Kirchleins 1894/95 errichtet und später durch einen modernen Anbau erweitert.

Im Westen der Gemeinde, damals Neubaugebiet, wurde 1961 das moderne Gotteshaus St. Maria Immaculata eingeweiht, da St. Nikolaus für die Größe der wachsenden Gemeinde zu klein geworden war. Der schlichte Klinkerbau mit dem 37 m hohen asymmetrischen Turm bietet Platz für etwa 600 Besucher. Den Altarraum schmückt ein monumentales Gemälde des Künstlers Curd Lessig sowie ein moderner Oktogonleuchter, auf dem biblische Szenen dargestellt sind. Eine Besonderheit der Kirche ist ihre Orgel-Trias. Neben der 36 klingende Register umfassenden Hauptorgel, 1964 durch die Orgelbaufirma Michael Weise erbaut, verfügt die Kirche über eine Anfang der 1880er Jahre grundlegend restaurierte Barockorgel von 1782 sowie ein Orgelpositiv aus der Werkstatt von Hartwig Späth.

An der Ortsgrenze zu Hösbach steht die evangelische Johanneskirche, die 1955 errichtet wurde und Platz für rund 250 Gläubige bietet.

Im nordwestlichen Teil von Goldbach befinden sich zwei weitere kleine Kirchenbauten, die von der katholischen Kirchengemeinde genutzte Marienkapelle sowie die Edelweisskapelle. Letztere wurde 1926 durch den ortsansässigen Wanderverein Edelweiss Club e. V. zum Andenken an im Krieg gefallene Vereinsmitglieder errichtet.Erwähnung der Geschichte der Edelweisskapelle auf der Website des Vereins, abgerufen am 27. Oktober 2018 Im Ortsteil Unterafferbach befindet sich die 2001 geweihte Kapelle „Magnificat“ .Pfarreiengemeinschaft Goldbach: mini|Naturdenkmal am Untergartenhof

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Naturdenkmäler Am östlichen Rand Goldbachs bilden zwei Eichen und eine Platane ein Naturdenkmal. Ein weiteres Naturdenkmal befindet sich in der Österreicher Straße.

Sport und Vereine mini|Motocross auf der örtlichen Rennstrecke (2016) In Goldbach findet ein reges Sport-, Kultur- und Vereinsleben statt. Überregionale Resonanz findet hierbei die jährlich durch den TV Goldbach ausgetragene Winterlaufserie, bei der es gilt, an neun Terminen jeweils 10 km zurückzulegen. Deutschlandweite Bekanntheit erreichte in den 1990er Jahren der AC Bavaria Goldbach durch seine Erfolge in der deutschen Ringermannschaftsmeisterschaft, ebenso wurde 1998 und 1999 das Badminton-Turnier „German Masters“ dort abgehalten. 2018 verzeichnete die jährlich auf der dortigen Rennstrecke stattfindende deutsche Moto-Cross-Meisterschaft etwa 5000 Besucher.Main-Echo: Gundermann siegt erneut in Goldbach. main-echo.de, 16. Juli 2018, abgerufen am 23. September 2018

Wirtschaft und Infrastruktur Handel, Gewerbe und Industrie Die Bekleidungsbranche war einer der bedeutendsten Industriezweige am bayerischen Untermain, der Höhepunkt dieser wurde in den 1970er Jahren mit ca. 29.000 Beschäftigten in knapp 400 Betrieben überschritten. Einer der bekanntesten Arbeitgeber in Goldbach war das Unternehmen Basler Fashion, das 2017 in die Insolvenz ging. Gleiches war bereits 2004 mit dem Herrenbekleidungshersteller Desch geschehen. Seitdem prägen vorwiegend kleine und mittelständische Betriebe das Gewerbe in Goldbach, die ehemals Basler zugehörigen Gewerbeflächen werden jedoch weiterhin durch ein neu angesiedeltes Logistik- und Dienstleistungsunternehmen der Textilbranche genutzt. Des Weiteren hat das private Müllentsorgungsunternehmen Werner RC GmbH & Co seinen Sitz in Goldbach, das Aufgaben der Müllentsorgung und des Recycling im Landkreis Aschaffenburg wahrnimmt. Goldbach verfügt über ein eigenes Elektrizitätswerk, ebenso sind mehrere kleinere Unternehmen der IT- und Consulting-Branche dort ansässig. Weitere vertretene Branchen sind die Glasherstellung, Metallverarbeitung, Straßenbau, sowie auch die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung.

Im Februar 2018 wurde durch den Marktgemeinderat die Einrichtung eines interkommunalen Gewerbegebiets in Kooperation mit der Stadt Aschaffenburg beschlossen. Es handelt sich dabei um das erste dieser Art in der Region. Im August wurde der Beschluss mit einer entsprechenden Vereinbarung durch die Bürgermeister Thomas Krimm und Oberbürgermeister Klaus Herzog bestätigt.

Im Jahr 2022 erzielte Goldbach Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 4,86 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 360 % ist Goldbach eine der gewerbesteuerlich attraktiven Gemeinden Deutschlands.

Verkehr und Entwicklung mini|Luftaufnahme der Einhausung der A3 zwischen Goldbach und Hösbach.