Nuuk (; nach alter Rechtschreibung Nûk; []) ist die Hauptstadt und zugleich mit rund 20.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt Grönlands. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung Grönlands lebt in Nuuk. Es bildet das kulturelle Zentrum des Landes und wächst stark mit den Urbanisierungstendenzen des zum Königreich Dänemark gehörenden arktischen Landes. Nuuk ist auch der Hauptort der Kommune Kommuneqarfik Sermersooq und der ehemaligen Gemeinde Nuuk.

Geografie Lage mini|Das Fjordsystem um Nuuk Nuuk liegt an der Westspitze einer etwa 75 km langen Halbinsel, die im Norden vom Uummannap Sullua begrenzt wird und im Süden vom Fjord Ameralik. Südlich von Nuuk wird diese Halbinsel vom Fjord Kangerluarsunnguaq (Kobbefjord) geteilt. Vor der Westküste Nuuks verläuft der Nuup Kangerlua (Godthåbsfjord), einer der längsten und breitesten Fjorde Grönlands sowie Hauptarm eines der größten Fjordsysteme des Landes. Das Stadtgebiet wächst um die Bucht Qinngorput (Malenebugt) herum. Südlich dieser liegen eine Vielzahl größerer Inseln, von denen die größten Aqissersiorfik (Rypeø) und Angisunnguaq sind. Der nächste bewohnte Ort von Nuuk aus, Kapisillit, ist ca. 75 km entfernt im landesinneren Teil des Fjordsystems zu finden.Nunat Aqqi. Karte über die vom Grönländischen Ortsnamenausschuss offiziell anerkannten Ortsnamen. Oqaasileriffik.

Klima Nuuk ist von maritim-subpolarem Tundrenklima geprägt. Die Jahresmitteltemperatur liegt knapp unter dem Gefrierpunkt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts schwanken die Jahresmitteltemperaturen (mit Ausnahme des Jahres 2010) zwischen −4 °C und 1 °C.GISS Surface Temperature Analysis (v4), Station Data: Nuuk. National Aeronautics and Space Administration, Goddard Institute for Space Studies. Die Monatsmitteltemperatur variiert während des Jahres um weniger als 20 °C, mit dem kältesten Monat im März und dem wärmsten im Juli. Die Niederschläge sind ganzjährig verteilt, wobei die regenreichsten Monate im Sommer und Herbst liegen. Insgesamt ist etwa jeder dritte Tag in Grönland ein Regentag. Nuuk liegt weniger als 300 km südlich des Nördlichen Polarkreises, was sich wegen der Polartage und -nächte auf die Sonnenscheindauer auswirkt.

Stadtgliederung mini|links|Blick auf den Norden Nuuks mit dem Sermitsiaq im Hintergrund (2007) Nuuk ist die einzige Stadt Grönlands, die in Stadtteile unterteilt wird. Dies sind Nuuk im engeren Sinne als Stadtzentrum, Nuussuaq, Quassussuup Tungaa und Qinngorput.

Das eigentliche Nuuk (grönländisch für „Landzunge“), das sich um den historischen Kern herum gebildet hat, liegt auf dem Gebiet westlich der Straße 400-rtalik und südlich des Sees Qallussuaq. Es hat eine Fläche von ca. 3 km² und beherbergt knapp die Hälfte der Stadtbevölkerung. Hier befinden sich ein Großteil der öffentlichen und vor allem historischen Gebäude der Stadt sowie der Passagierhafen Nuuks.

mini|links|Wohnblöcke in Nuussuaq (2016) Nuussuaq („Großes Kap“) ist der ca. 1,75 km² große Stadtteil, der auf der östlichen Seite der 400-rtalik an das Stadtzentrum anschließt und damit auch östlich der Bucht Umiarsualivik liegt, in der der Passagierhafen liegt. Zum Stadtteilgebiet gehören mehrere Inseln, die Umiarsualiviup Qeqertai (kurz Qeqertat / ), die künstlich mit dem Festland verbunden wurden und den Containerhafen bilden. In der Meerenge Iggiaa zwischen den Qeqertat und dem Festland liegt der Bootshafen der Stadt, der aus 21 Stegen besteht.

Quassussuup Tungaa („Richtung des großen Bergrückens“) ist der Name des nördlich von Nuuk und Nuussuaq gelegenen Stadtteils. Er hat eine Fläche von ca. 5 km², von der jedoch nur gut die Hälfte bebaut ist. Er ist in mehrere Viertel unterteilt. Der westliche Teil Qernertunnguit („Die kleinen Schwarzen“) und mittlere Teil Kangillinnguit („Die kleinen Östlichen“) bestehen größtenteils aus Wohnhäusern. Östlich davon liegt an der Straße Siaqqinneq ein Viertel, in dem beispielsweise die Universität von Grönland liegt. Östlich davon schließt sich der Flughafen Nuuk an.

mini|Verschneite Wohnhäuser im Nordteil von Qinngorput (2021) Qinngorput („Unser Fjordende“) ist der abgelegenste und jüngste Stadtteil Nuuks. Er ist ca. 1,5 km² groß und liegt auf der Ostseite der gleichnamigen Bucht. Der erst 2004 gegründete Stadtteil ist bisher erst zur Hälfte bebaut. Qinngorput hat einen weiteren kleinen Bootshafen. Dem Stadtteil wird zudem das nordöstlich des Flughafens liegende Gefängnis zugerechnet.

Geschichte 18. Jahrhundert mini|links|Die Statue von Hans Egede, dem Gründer der Mission Godthåb (Gute Hoffnung) in Nuuk, auf dem Berg bei der Kirche (2015) 1721 begann die Kolonialisation Grönlands durch Hans Egede, als er 17 km westlich des heutigen Nuuk die Missionsstation Håbets Ø (in damaliger Rechtschreibung Haabets Ø) gründete. Ursprünglich hatte er sich in der Gegend umgeschaut, um einen geeigneten Platz für die Missionsstation zu finden, und dabei Nuuk für geeignet befunden. Allerdings ließen ihn die Hafenverhältnisse dazu verleiten, Håbets Ø an anderer Stelle zu errichten. Dennoch kam er im Sommer 1727 nach Nuuk zurück, wo er sich noch einmal von den Vorteilen der Stelle überzeugte. Er fand hier eine große Ebene vor mit Grasflächen für Weidevieh, gute Jagdplätze für den Fang von Rentieren, Lachsen, Rotbarschen und Dorschen und darüber hinaus war der Ort bereits von Inuit bewohnt, sowohl Nuuk selbst, wo sich zwei Häuser mit zwölf Familien befanden, als auch die nähere Umgebung.

Am 2. Juli 1728 besuchten Hans Egede und Claus Paars die Stelle gemeinsam und sie beschlossen, die Kolonie hierhin zu versetzen. Einige Tage später wurden erste Gebäude in Nuuk errichtet. Am 29. August weihte Hans Egede die Kolonie unter dem Namen Godthåb (in damaliger Rechtschreibung Godthaab) offiziell ein. Am 30. September zog er von Håbets Ø nach Godthåb. In dem großen Wohnhaus lebten 30 Kolonialisten gemeinsam.

mini|Das ehemalige Missionshaus der Herrnhuter (2022) 1731 wurde die Herrnhuter Brüdergemeine inspiriert, mit der Missionstätigkeit zu beginnen, und nach Saint Thomas im Jahr 1732 gründeten die Herrnhuter im folgenden Jahr in Grönland ihre zweite Missionsstation. Die Missionsstation Neu-Herrnhut lag am Wohnplatz Noorliit nur wenige Hundert Meter südlich von Nuuk. Anfangs war die Missionsarbeit wenig erfolgreich, geschuldet den Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den deutschen Herrnhutern, dem Dänen Egede, der ihnen die Grönländische Sprache beibrachte, und den Grönländern selbst sowie dem Desinteresse der Kalaallit, überhaupt missioniert zu werden. Nach wenigen Wochen brach eine aus Kopenhagen eingeschleppte Pockenepidemie aus, der beinahe die gesamte Bevölkerung in der Umgebung zum Opfer fiel. Dennoch wurde die Missionierung der Grönländer in den folgenden fast 170 Jahren fortgeführt und ausgebaut.

1734 standen in Nuuk das 185 m² große heute noch bestehende Wohnhaus aus Stein mit sieben Zimmern (Kirchenraum, Kaufmannswohnung, Missionarswohnung, Katechetenwohnung, Matrosenwohnung und Lagerräume), ein 124 m² großes Fachwerkhaus, das anfangs als Wohnhaus, nun als Proviantlager, Brauerei, Bäckerei und Schmiede genutzt wurde, ein 22 m² großes Holzhaus, das als Waaghaus und Torflager diente, eine Böttcherei und ein 118 m² großes Speckhaus.

In den ersten Jahren beschädigte der Fluss immer wieder die Gebäude, die zu nahe daran gebaut waren. Deswegen forderte Egill Þórhallason in den 1760er Jahren die Verlegung der Kolonie nach beispielsweise Kangeq, wo deutlich mehr Grönländer lebten. Carl Ludwig Giesecke wollte Anfang des 19. Jahrhunderts die Kolonie auf die andere Fjordseite versetzt wissen.

1758 wurde eine 48 m² große Kirche errichtet, die 1772 renoviert wurde.

1782 wurde die Kolonie Godthaab der Sitz des Inspektors von Südgrönland, womit Nuuk ab dann zusammen mit Qeqertarsuaq, dem Sitz des nordgrönländischen Inspektors, als Hauptstadt Grönlands angesehen werden konnte.

19. Jahrhundert mini|Nuuk auf einem Aquarell von Andreas Kornerup von 1878 1845 wurde beschlossen, eine neue Kirche, ein Lehrerseminar und eine neue Missionarswohnung zu errichten, da das alte Wohnhaus nur noch als Kolonialverwalterwohnung diente. Wegen der neuen Kirche (Annaassisitta Oqaluffia) wurde die alte Kirche 1850 abgerissen und das Material für eine neue Böttcherei benutzt. Für die Rolle Nuuks als Ausbildungszentrum Grönlands spielte das 1845 gegründete Grønlands Seminarium eine wesentliche Rolle. 1856 wurde ein Krankenhaus errichtet. 1861 wurde die Buchdruckerei gegründet, von der aus die Atuagagdliutit als erste grönländische Zeitung verbreitet wurde.

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mini|Nuuk (um 1900) 1900 verließen die Herrnhuter Grönland und die Bewohner von Neu-Herrnhut zogen bis 1914 allesamt ins nahegelegene Nuuk, das sich den früheren Wohnplatz Noorliit einverleibte.

1903 erhielt Nuuk ein neues Krankenhaus. Das heutige Hauptgebäude des Seminariums wurde 1907 errichtet und ist als eines der markantesten Gebäude der Stadt auf dem Wappen der ehemaligen Gemeinde Nuuk abgebildet.

Ab 1911 war Nuuk als Kolonieort eine eigene Gemeinde, zu der noch die Wohnplätze Ikaarissat, Saarloq und Qaarusuk gehörten. Die Gemeinde war Teil des 8. Landesratswahlkreises Südgrönlands. Nuuk war zudem auch Sitz des im selben Jahr gegründeten Landesrats von Südgrönland.

1918 lebten in Nuuk 357 Grönländer und 34 Europäer. Damit war Nuuk zu diesem Zeitpunkt der zweitgrößte Ort Grönlands nach Maniitsoq. Die Bevölkerung hatte eigentlich durchgehend europäische Vorfahren, aber die Bewohner von Noorliit, die gerade nach Nuuk gezogen waren, waren beinahe vollständig reine Inuit, da in der Herrnhutergemeine gemischte Ehen unüblich waren.

Unter den Bewohnern waren folgende Personen öffentlich angestellt: der dänische Inspektor, zwei Buchdrucker, ein Fotograf, ein Buchdruckerhelfer, ein Schreiber für den Inspektor, der dänische Kolonialverwalter, der dänische Arzt, ein dänischer Volontär, eine dänische Krankenschwester, ein Vorsteher, ein Bootsführer, fünf Zimmermänner, vier Böttcher, zwei Schmiede und Büchsenmacher, ein Koch, ein Bäcker, ein Kolonist, zwei Lehrlinge, eine Hebamme, der dänische Seminariumsleiter, der dänische Pastor, ein dänischer Seminariumslehrer, zwei Oberkatecheten, ein Organist, zwei Buchdrucker in Kirchendiensten und 39 Seminariumsschüler. Unter den Grönländern waren 21 Jäger und zwei Fischer. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von der Jagd auf Seehunde und Belugas. Auffällig ist die geringe Zahl an Jägern im Vergleich zur Bevölkerungszahl, die damit zu tun hatte, dass schon damals viele Väter ihre Söhne nicht mehr in der Jagd unterrichteten, weil es einfacher war, sich beispielsweise als Kiffaq (Helfer) den Lebensunterhalt zu verdienen.

mini|Nuuk (um 1933)