Unter einer Investition (Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 222; ISBN 3-426-26074-3) versteht man in der Wirtschaft allgemein den Einsatz von Kapital oder Sachgütern für einen bestimmten Verwendungszweck durch Wirtschaftssubjekte bei sich selbst oder bei anderen Wirtschaftssubjekten. Gegensatz ist die Desinvestition.
Allgemeines Die investierenden Wirtschaftssubjekte werden mit dem Nomen Agentis als Investoren bezeichnet. Als solche kommen Privathaushalte, Unternehmen und der Staat (mit seinen Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen) in Betracht. Entsprechend wird zwischen privater und öffentlicher Investition unterschiedenEduard Werlé, Öffentliche Investitionen und Wirtschaftswachstum, 1960, S. 20, je nachdem, ob die Privatwirtschaft oder öffentliche Wirtschaft als Investor fungiert. Eine Mischform ist die Öffentlich-private Partnerschaft. Auslandsinvestitionen werden im Ausland oder von anderen Staaten im Inland vorgenommen. Die Verteilung der Investitionen in der Makroebene auf die einzelnen Wirtschaftssubjekte ist ebenso bedeutend wie die Höhe der Gesamtinvestitionen.Hans Peter Weber, Investitionskriterien für Wasserstraßenbauten, 1965, S. 96
Der Begriff der Investition ist ein Erkenntnisobjekt sowohl in der Betriebswirtschaftslehre als auch in der Volkswirtschaftslehre. Während in der Betriebswirtschaftslehre unternehmerische Investitionsentscheidungen im Vordergrund stehen, untersucht die Volkswirtschaftslehre das aggregierte Investitionsverhalten aller Wirtschaftssubjekte. Bei Investitionen von Privathaushalten im Rahmen der privaten Finanzplanung ist der Begriff Kapitalanlage eher gebräuchlich. Unter finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten wird als Investition die zielorientierte Kapitalverwendung in Form von Investitionsausgaben verstanden, um hierdurch in der Zukunft Einnahmen (Return on Investment) zu erzielen.Ottmar Schneck (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 1998, S. 354; ISBN 3-423058102
Mit der biologischen Investition ist der Einsatz der Eltern zur Sicherung des Überlebens der Nachkommen, insbesondere auf Kosten des Wettbewerbs um andere Partner, gemeint.
Betriebswirtschaftslehre Der Betriebswirt Günter Wöhe unterscheidet nach der Art der Vermögensgegenstände, für deren Beschaffung finanzielle Mittel verwendet werden, zwischen Sach-, Finanz- und immateriellen Investitionen.Günter Wöhe/Ulrich Döring/Gerrit Brösel, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2020, S. 466 Im weiteren Sinn gehören dazu neben kurzfristigen Anlagen auch Investitionen in Wertpapiere (Finanzinvestition). Enger gefasst und am gebräuchlichsten wird der Begriff bei langfristigen Sachanlagen verwendet. Als langfristig kann dabei angesehen werden, wenn das Produktionsmittel das laufende Geschäftsjahr überdauert. Investitionen umfassen einen weiten Bereich: von Immobilien über Geschäftsfahrzeuge und Maschinen bis zur Betriebs- und Geschäftsausstattung. Sie können von öffentlichen wie auch privaten Unternehmen getätigt werden.
Investitionen schlagen sich auf der Aktivseite der Bilanz nieder (Sachanlagevermögen, Finanzanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände), ihre Finanzierung ist entsprechend auf der Passivseite zu finden (Eigenkapital und Fremdkapital).
Klassifizierung Investitionen können wie folgt gegliedert werden:Ludwig Pack, Betriebliche Investition: Begriff — Funktion — Bedeutung — Arten, 1959, S. 88 ff.
Nach Gegenstand Art Unterarten Sachinvestitionen technische Anlagen, Bauwerke, Gebäude, Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte, Maschinen; auch in Kunstwerke immaterielle Investitionen Konzessionen, Lizenzen, Marken, Patente, Schutzrechte; Forschung und Entwicklung, Geschäfts- oder Firmenwert, käuflich erworbenes Wissen Finanzinvestitionen Effekten: Aktien, Anleihen, Investmentzertifikate Beteiligungen
Nach Zweck Art Beschreibung Bruttoinvestitionen Summe von Ersatz- und Nettoinvestitionen Ersatzinvestitionen durch Abnutzung, Verschleiß oder technischen Fortschritt anfallende Investitionen, welche die Kapazität aufrechterhalten, indem dieser Verschleiß ersetzt wird Erweiterungsinvestitionen Investitionen mit dem Ziel, mit mehr Produktionsmitteln und/oder mehr Arbeitskräften auch mehr zu produzieren Gründungsinvestitionen fallen bei einer Unternehmensgründung an Nettoinvestitionen effektive Neuinvestitionen, Investitionen nach Abzug der Abschreibungen, die zur Finanzierung des Ersatzes des Verschleißes der bestehenden Produktionsanlagen dienen Rationalisierungsinvestitionen Investitionen mit dem Ziel, im Rahmen der Rationalisierung mit derselben (oder einer geringeren) Menge an Arbeitskräften oder Maschinen mehr (oder gleich viel) produzieren zu können Desinvestitionen Die Kapitalfreisetzung von Mitteln führt durch Veräußerung von Investitionsgütern zu dem Unternehmen zufließenden Erträgen
Erich Gutenberg definierte 1952 pragmatisch Investitionen als der „Aufwand zum Zwecke der Erweiterung oder Modernisierung [oder Ersatz oder Rationalisierung; d. Verf.] der betrieblichen Anlagen“.Erich Gutenberg, Zur neueren Entwicklung der Wirtschaftlichkeitsrechnung, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft 108, 1952, S. 643
Nach Funktion betriebliche Funktion Art Forschung und Entwicklung Forschungsinvestitionen Produktion Fertigungsinvestitionen Vertrieb Absatzfinanzierung
Nach Interdependenz Als Direktinvestition bezeichnet man Investitionen in Unternehmensbeteiligungen oder für Tochtergesellschaften/Niederlassungen im Ausland. Direktinvestitionen sind eine Form des Kapitalexports. substitutive Direktinvestitionen verdrängen im Ausland die dort heimischen Unternehmen, komplementäre Direktinvestitionen erfolgen zusätzlich zum nationalen Investitionsvolumen des Ziellandes.
Nach Risiko Die strategische Investition betrifft wesentliche Teile des Vermögens (> 20 %), vor allem Investitionen in neue Technologien, neue Produkte, neue Märkte oder umfangreiche Kapazitätserweiterungen (Diversifikation). Zugehörige Entscheidungen sind konstitutive Entscheidungen. Die operative oder taktische Investition findet permanent statt und bezieht sich auf Ersatzinvestitionen, Rationalisierungen oder Fertigungsverfahren. Hierfür werden operative Entscheidungen getroffen.
Bewertung von Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestitionen Um den Erfolg einer geplanten oder durchgeführten Rationalisierungs- oder Erweiterungsinvestition zu bestimmen, müssen zunächst die durch die Investition ausgelösten Auswirkungen auf die betrieblichen Prozesse erfasst werden. Die Grundlage hierfür bildet ein Vergleich des neuen bzw. zukünftigen mit dem bisherigen Geschäftsprozessmodell. Mit Hilfe des folgenden Schemas (Änderungsmatrix) können die erwarteten bzw. eingetretenen Auswirkungen auf jeder beliebigen Betrachtungsebene systematisch erfasst werden:
Dimension der Änderung Quantität Qualität Raum Zeit Inputfaktoren 1 2 3 … Outputfaktoren 1 2 3 …
Legende: Inputfaktoren = eingesetzte Produktionsfaktoren Outputfaktoren = Ergebnisse (z. B. Produkte, aber auch immaterielle, soziale und ökologische Auswirkungen) Änderungen in Quantität (Menge), Qualität (Beschaffenheit), räumlicher und zeitlicher Hinsicht
Beispiele für Investitionseffekte:
(x bedeutet: Schnittpunkt von Zeile und Spalte)
Inputfaktoren: Inputfaktor 1 × Quantität: Vom Inputfaktor 1 wird eine geringere Menge benötigt, da beim neuen Produktionsprozess weniger Ausschuss anfällt. Inputfaktor 2 × Zeit: Die Bearbeitungsdauer durch den Inputfaktor 2 (= Maschine) verkürzt sich, da die neue Maschine höher getaktet ist. Inputfaktor 3 × Raum: Für die Lagerung des Inputfaktors 3 wird weniger Stellfläche benötigt, da im neuen Prozess ein Hochregal eingesetzt wird. Inputfaktor 4 × Qualität: Vom Inputfaktor 4 wird eine geringere Qualität benötigt, da der neue Produktionsprozess einen höheren Wirkungsgrad hat.
Outputfaktoren: Outputfaktor 1 × Zeit: Für die Erstellung des Outputfaktors 1 verringert sich die Durchlaufzeit, da weniger und kürzere Liegezeiten anfallen. Outputfaktor 2 × Qualität: Die Qualität des Outputfaktors 2 erhöht sich, da der neue Produktionsprozess „schonender“ mit den eingesetzten Rohstoffen umgeht. Outputfaktor 3 × Raum: Der Weg für die Auslieferung des Outputfaktors 3 verkürzt sich, da die Produktion in das Land mit der höchsten Nachfrage verlagert wird. Outputfaktor 4 × Quantität: Die Menge des Outputfaktors 4 (= Lärm) wird gemindert, da der neue Produktionsprozess leiser ist.
Nach erfolgter Erfassung der Investitionseffekte müssen diese, evtl. unter Verwendung von Hilfsannahmen, „monetarisiert“, d. h. mit geldmäßigen Äquivalenten versehen werden. Erst dann können sie Eingang in die Investitionsrechnung finden.
Entscheidungsproblematik Investitionen gelten als heikle zentrale Entscheidungen im operativen Geschäft, da sie häufig eine langfristige strategische Bedeutung haben. Diese resultieren aus der Kapitalintensität, der langfristigen Kapitalbindung und somit der schweren Umkehrbarkeit von Investitionen. Problematisch ist auch die Zeit, die es braucht, bis eine Investition realisiert wird (time-lag genannt) und die Informationslage (meistens über die Zukunft), welche zu Unsicherheiten führt.
Um Aussagen über die Investitionslage eines Unternehmens zu treffen, gibt es einige betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Dazu gehören die Anlagenintensität, Vorratsintensität und Investitionsquote.
Die Investitionsentscheidung wird des Weiteren dadurch kompliziert, dass neben den reinen ökonomischen Kriterien (zum Beispiel Nutzungsdauer, Kapitaleinsatz und Rentabilität), die in der Investitionsrechnung zusammengefasst und als Entscheidungsempfehlung aufbereitet werden, häufig weitere Gesichtspunkte (Gesetze, technische Machbarkeit, Interdependenzen zu anderen Bereichen) eine Rolle spielen. Ein neuer Ansatz zur Bestimmung der Vorteilhaftigkeit einer Investition ist die Realoptionsanalyse, mit welcher eine Investition mit Mitteln der Optionspreistheorie bestimmt werden kann.
Die Kennzahl der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals bildet die eigentliche Grundlage von Investitionsentscheidungen. Als Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals bezeichnet man jenen Zinssatz, bei dem die Anschaffungskosten der Investition mit dem Gegenwartswert der Investition (= Barwert der Nettoerlöse der Investition) übereinstimmen. Das Unternehmen wird nur dann investieren, wenn die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals den aktuellen Marktzins übersteigt.Bernhard Felderer/Stefan Homburg, Makroökonomik und neue Makroökonomik, 1989, S. 110 f. Erzielt eine Investition eine höhere Rendite als eine alternative Geldanlage, wird investiert und umgekehrt. Bei erwarteter Lebensdauer einer zu erwerbenden Maschine von 2 Jahren ergibt sich folgende Formel:
Hierin sind Anschaffungskosten der Investition Nettoeinnahmen der Investition im ersten Jahr Nettoeinnahmen der Investition im zweiten Jahr Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals (Investitionsrendite)
Kostet beispielsweise eine Maschine 1.000 Euro bei zwei Jahren Lebensdauer und erwartet der Unternehmer im ersten Jahr 500 Euro und im zweiten Jahr 540 Euro Nettoeinnahmen durch die Maschine, so ergibt sich eine Grenzleistungsfähigkeit von 8 %. Liegt der Marktzins bei 7 %, wird investiert, liegt er über 8 %, unterbleibt die Investition. Diese Grenzleistungsfähigkeit wurde von John Maynard Keynes erstmals im Februar 1936 in seiner Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes vorgestellt.John Maynard Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. 1936, S. 115
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