miniatur|Solarium
Ein Solarium (in Deutschland umgangssprachlich auch Sonnenbank) ist eine technische Einrichtung zur Bestrahlung des Körpers mit UV-Licht. In der Regel wird damit eine Bräunung der Haut aus kosmetischen Gründen bezweckt; Solarien werden aber auch in der Medizin zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt. Das lateinische Wort solarium existierte schon in der Antike. Es leitet sich von sol („Sonne“) ab und bezeichnete ursprünglich eine Terrasse oder ein Flachdach. Das Wort war zum ersten Mal in althochdeutscher Zeit entlehnt und lebt heute noch als Söller weiter.
Exzessives Sonnenbaden (egal ob unter der natürlichen Sonne oder im Solarium) wird Tanorexie (Bräunungssucht) genannt. Seit Jahren warnen Politiker, Ärzte und Gesundheitsorganisationen wie die Deutsche Krebshilfe vor den Gefahren künstlicher UV-Strahlen, da eine Benutzung das Risiko für Hautkrebs erhöhen kann. Infolgedessen trat am 1. Januar 2012 die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV)Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UVSV) [Verordnung nach §§ 3 und 5 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NiSG)Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSG)] in Kraft. Sie soll unter anderem für mehr Sicherheit in Solarien sorgen.
Dies hatte sinkende Zahlen von Solarien und Solariennutzung zur Folge. Nach einer Hochzeit in den 1980er und 1990er Jahren halbierte sich zwischen 2000 und 2020 die Zahl der kommerziell betriebenen Solarien in Deutschland von ursprünglich etwa 7500. In Umfragen gaben 2012 bundesweit noch 14,6 % der befragten Deutschen zwischen 14 und 45 Jahren an, die Sonnenbank zu nutzen. Diese Zahl ging 2015 auf elf und 2018 auf 8,8 Prozent zurück. Lediglich bei Minderjährigen stiegen die Zahlen, obwohl ihnen die Nutzung von Solarien eigentlich verboten ist. In Wien wurden von 2007 bis 2017 40 % der Solarien geschlossen.Immer mehr Solarien sperren zu orf.at, 13. Februar 2017, abgerufen am 13. Februar 2017.
In allen Bundesstaaten Australiens, ausgenommen Tasmanien, sind kommerziell betriebene Solarien spätestens seit dem 1. Januar 2016 verboten., Abc News, 14. Dezember 2014https://www.slp.wa.gov.au/gazette/gazette.nsf/searchgazette/1EACBB17DBEE743548257ED80012B7A5/%24file/gg150.pdf
Technik Die weltweit erste Sonnenbank wurde im Herbst 1975 von Friedrich Wolff geschaffen und danach weiterentwickelt. Der Prototyp war noch gefährlich und verursachte Sonnenbrand, war aber ursprünglich zur Stimmungsaufhellung und zur Leistungsverbesserung entwickelt worden und sollte die Vitamin-D-Bildung stimulieren. Die Hautbräunung war ursprünglich ein Nebeneffekt, den Wolff zunächst zu vermeiden versuchte, indem er weiter nach einem „sicheren Licht-Spektrum“ forschte.Fabienne Hurst: Wer rastet, der röstet. Der Spiegel, 2. Februar 2016 Die Entwicklung von der ursprünglich angestrebten „medizinischen Lichtcouch“ zum kosmetischen Solarium folgte danach. Die wesentlichen technischen Komponenten eines Solariums sind eine künstliche UV-Strahlenquelle, verschiedene Filter und Reflektoren sowie ein mechanischer Aufbau mit einer festgelegten Nutzfläche.BfS: Was sind Solarien?
Als UV-Strahlenquelle verwendet man Quecksilberdampflampen. Es handelt sich um einen Glaskolben mit beidseitig angebrachten Elektroden. Bei Stromfluss werden durch diese Elektronen emittiert. Ein Zusammenstoß der Elektronen mit den im Glaskolben befindlichen Quecksilberatomen führt zu einer Emission von Ultraviolettstrahlung. Die in Solarien verwendeten Bräunungslampen sind mit einem Leuchtstoff beschichtet. Bei Auftreffen der Ultraviolettstrahlung wird diese durch die Leuchtschicht in das gewünschte langwellige Spektrum transformiert. Durch Anpassung der Charakteristika der Leuchtschicht ist es möglich, die gewünschten Anteile an UV-A- und UV-B-Strahlung zu erreichen.
Teilweise werden in Solarien Niederdruckröhren eingesetzt. Diese verfügen über ein längeres Elektrodengestell als herkömmliche Leuchtröhren. In Niederdruckröhren ist die für die Funktionsweise notwendige Temperatur niedriger. Neben einer erhöhten Leistung ergibt sich durch diese Eigenschaft eine höhere Lebensdauer.
Eine technische Besonderheit ist die in einigen Bräunungslampen eingesetzte (weiße) Reflektorschicht entlang der Hälfte des Zylinderumfangs. Durch Einschlämmung dieser in den Glaskolben werden Außenreflektoren in den Solarien obsolet.
In verschieden starken Solarien können unterschiedliche Bräunungsergebnisse erzielt werden. Dies liegt zum einen an unterschiedlich starken UV-Röhren und zum anderen an den unterschiedlichen Verhältnissen zwischen den UV-A- und UV-B-Anteilen der UV-Strahlung. Während der UV-A-Anteil hauptsächlich eine oberflächliche Bräune erzeugt, die sehr schnell auftritt und intensiv ist, aber dafür auch schneller verblasst, ist die UV-B-Strahlung vor allem für längere Bräunungsergebnisse verantwortlich. Der Nachteil der UV-B-Strahlung ist, dass die Bräune erst ein bis zwei Tage nach dem Solariumbesuch sichtbar wird. Viele Sonnenbänke besitzen zudem im Bereich gegenüber dem Gesicht eine oder mehrere Quarzlampen zur zusätzlich intensiven Gesichtsfeldbräunung nach dem Prinzip der Höhensonne. Es ist also je nach dem gewünschten Bräunungsziel die entsprechende Sonnenbank zu wählen. Die Gerätebestückung in puncto Auswahl des Herstellers, des Gerätetyps und Modells kann von Sonnenstudio zu Sonnenstudio unterschiedlich sein und liegt im Ermessen des Betreibers. Es existieren vereinzelt noch ältere Geräte in den Studios, die aufgrund ihrer Strahlenstärke von 0,6 Watt/m² und mehr nicht mehr zertifiziert werden können und nach Empfehlungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) eigentlich nicht mehr betrieben werden sollten.
Neuere Geräte (z. B. „0,3-Watt-Geräte“) erfüllen die derzeit gültigen gesetzlichen Anforderungen gemäß Brüsseler Beschluss vom Juli 2007 und gelten als unbedenklich. Dennoch soll der Umgang mit der künstlichen UV-Bestrahlung in Maßen und an den jeweiligen Hauttyp angepasst dosiert werden.
Motivationen Zu den Motivationen, ins Solarium zu gehen bzw. sich zu bräunen oder damit aufzuhören, gehören:
Ästhetische Werte Eine gebräunte Haut wurde häufig als attraktiv empfunden – etwa im Hinblick auf die Wirkung auf potentielle Geschlechtspartner. Es diente dazu, Narben zu kaschieren, schlanker zu wirken und die Muskulatur hervorzuheben. Auch soziale Anlässe wie Partys oder Feiertage wurden als Verstärker genannt, sich zu bräunen. Gebräunte Haut galt als Symbol für Gesundheit, Wohlstand, Ehrgeiz und einen erfolgreichen Lebensstil. Sie wurde zudem als Mittel zur Steigerung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl betrachtet. Ästhetische Bedenken wie vorzeitige Hautalterung oder Hautschuppung wurden häufig als Gründe für den Verzicht auf Bräunung genannt. Als Auslöser für eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes wurden vor allem ästhetische Normen genannt, die durch Gleichaltrige geprägt wurden. Andere nannten Prominente als Vorbilder, da gebräunte Haut als wünschenswertes und gesellschaftlich akzeptiertes Ideal vermittelt wurde. Frauen stehen dabei unter größerem Druck als Männer, ein gebräuntes Erscheinungsbild zu zeigen. Es wurde jedoch nicht berichtet, dass Gleichaltrige die Wertschätzung für gebräunte Haut oder das Verhalten hinsichtlich eines Bräunungsverzichts direkt beeinflusst hätten – obwohl in den letzten Jahren ein gesellschaftlicher Trend zu einem „natürlicheren“ Aussehen beobachtet wurde. Wenn keine Alternativen verfügbar waren, griffen viele auf das Solarium zurück. Produkte wie Sprays oder Lotionen („Spray-Tanning“ bzw. „künstliche Bräune“) wurden häufig als ästhetisch unzureichend empfunden – etwa wegen eines orangefarbenen Farbtons, ungleichmäßiger Verteilung oder unerwünschter Rückstände. Sonnenbaden wurde als umständlich und zeitintensiv beschrieben, wobei die Ergebnisse oft als weniger zufriedenstellend im Vergleich zur Solariumbräune wahrgenommen wurden. Einige befürworteten Alternativen zu Indoor-Bräunungsprodukten, nutzten sie jedoch nur selten – meist zur Vorbereitung auf besondere Anlässe oder den Sommer. Eine Minderheit, die diese Alternativen als akzeptabel empfand, griff nach dem Verzicht auf Solariumbesuche darauf zurück. In manchen Fällen war die Akzeptanz solcher Alternativen sogar der Hauptgrund für den Verzicht. Die einfache Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Indoor-Bräunung wurde als Grund genannt, warum Alternativen nicht genutzt wurden. Andere gaben das Bräunen aus Zeitmangel auf oder wenn die Studios nicht mehr günstig gelegen waren bzw. Alternativen leichter zugänglich wurden.
Körperliche Auswirkungen Einige Personen berichteten, dass Solariumbesuche Hautprobleme lindern könnten – etwa durch eine „Vorbräunung“ vor dem Urlaub, um Sonnenbrand vorzubeugen. Auch wurde das Solarium als Quelle für Vitamin D genannt, um körperliche Beschwerden zu mildern. Laut den Studienautoren gaben viele Nutzer gesundheitliche Vorteile als Grund an, um nicht zuzugeben, dass sie sich aus ästhetischen Motiven bräunten. Es gab jedoch Hinweise darauf, dass die Motivation zum Aufhören stieg, wenn die vermeintlichen gesundheitlichen Vorteile durch körperliche Schäden – etwa Veränderungen an Muttermalen – überschattet wurden.
Psychische Auswirkungen Das Bräunen wurde auch mit psychischem Wohlbefinden in Verbindung gebracht – etwa durch die entspannende Wirkung, die „Zeit für sich selbst“, oder durch positive soziale Interaktionen mit Dienstleistern. Auch das angenehme körperliche Empfinden beim Bräunen sowie die Linderung psychischer Beschwerden wie saisonaler Depressionen wurden genannt. Zudem wurde berichtet, dass ein gebräunter Teint das Selbstbewusstsein steigere. Wenn jedoch erkannt wurde, dass der Prozess keinen Spaß machte, war die Motivation zum Aufhören besonders hoch. Manche gaben an, sich dem Verhalten ihrer Altersgruppe anpassen zu wollen, um nicht „aus der Reihe zu tanzen“. In einigen Fällen wurden sie sogar aktiv von Gleichaltrigen daran erinnert, sich zu bräunen. Entfiel dieser soziale Einfluss, neigten viele dazu, das Sonnenbaden einzustellen. Indoor-Bräunung wurde teilweise als Gewohnheit oder sogar als Sucht beschrieben – ein Beispiel für automatisiertes Verhalten, das aufgrund psychischer Vorteile aufrechterhalten wurde. Ein Teilnehmer sprach von einer „Sehnsucht nach Wärme und Empfindung“. Personen, die ihr Bräunungsverhalten nicht als süchtig machend empfanden, hatten es leichter, damit aufzuhören und erlitten keine psychischen Beeinträchtigungen.
Rechtliche Situation in Deutschland
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bietet Solarienbetreibern an, die Sicherheit ihrer Geräte freiwillig prüfen und zertifizieren zu lassen.BfS: Freiwilliges Zertifizierungsverfahren Solarien Allerdings hatten in den ersten drei Jahren nur 90 von über 4000 gewerblichen Sonnenbankbetreibern diese Möglichkeit genutzt und das Verfahren wurde infolgedessen 2010 eingestellt.
Im Jahre 2002 hatte das BfS bei Stichprobentests festgestellt: Daher ist die Bestrahlungsdauer im Solarium auch gewöhnlich wesentlich kürzer als ein Sonnenbad in der Natursonne.