Krautreporter ist ein deutsches Online-Magazin, das seit Oktober 2014 erscheint. Die Finanzierung der Plattform erfolgte durch Crowdfunding. Dadurch soll ein unabhängiger Journalismus ohne Werbung ermöglicht werden.
Geschichte
2012 startete Krautreporter als Crowdfunding-Plattform für Journalismus. 2014 wurde Krautreporter von Sebastian Esser (Herausgeber), Philipp Schwörbel (Geschäftsführer) und Alexander von Streit (Chefredakteur) in der Rechtsform einer GmbH gegründet.Ole Reißmann: Krautreporter: Leser sollen neues Online-Magazin mit 900.000 Euro starten. auf: Spiegel Online. 13. Mai 2014. Crowdfunding-Projekt: „Krautreporter“ finden genügend Unterstützer. auf: www.spiegel.de, 13. Juni 2014, abgerufen am 3. Juli 2014: „Kein deutsches Crowdfunding-Projekt dürfte medial größere Aufmerksamkeit bekommen haben.“ Zur Finanzierung wurde bis zum 13. Juni 2014 von 15.000 Abonnenten („Mitglieder“) ein Betrag von 900.000 Euro eingeworben. Die Geldgeber zahlten 60 Euro für das erste Jahr und erhielten damit die Möglichkeit, die für jedermann frei lesbaren Artikel auf der Plattform auch zu kommentieren; weiterhin konnten sie die Beiträge im Format EPUB zur Lektüre im E-Reader herunterladen. Die Beta-Version des Online-Magazins wurde im September 2014 für die Abonnenten freigegeben Stefan Winterbauer: Nach dem Triumph: Wie es bei den Krautreportern weitergeht. Meedia, 18. Juni 2014. und schließlich am 24. Oktober 2014 offiziell für alle Leser.Georg Altrogge: Qualitätsjournalismus in der Endlosschleife. Meedia, 24. Oktober 2014. Ein Vorbild für das Projekt war das 2013 gegründete Portal De Correspondent aus den Niederlanden.15 000 Mal sechzig Euro. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Mai 2014.
Während des ersten Jahrs gab es Bewegung unter den Autoren. Insbesondere verließ der Medienjournalist Stefan Niggemeier das Projekt, um seine eigene Plattform Übermedien vorzubereiten, die seit dem Januar 2016 erscheint. Das anfängliche Konzept des freien Autorennetzwerks – ein Hauptkritikpunkt Niggemeiers – wurde zugunsten einer Redaktion aufgegeben, die die Themen der Autoren plant. Redaktionsmitglieder waren u. a. bekannte Journalisten wie Thomas Wiegold, Theresa Bäuerlein, Andrea Hanna Hünniger und Richard Gutjahr.Journalismus mit Substanz? auf: Deutsche Welle. 15. Mai 2014.„Krautreporter“ Magazin-Journalismus im Internet. Deutschlandfunk, Markt und Medien / Beitrag vom 17. Mai 2014.
Bis zum Ende des ersten Jahres reduzierte sich die Anzahl der Abonnenten der Krautreporter auf etwas mehr als ein Drittel. In der Folge wurde die Trägergesellschaft in eine Genossenschaft umgewandelt. Sie hatte im Jahr 2016 gut 350 Mitglieder, die 150.000 Euro eingezahlt hatten; im Januar 2018 waren es „rund 400“. Außerdem wurde schrittweise eine Paywall eingeführt, so dass der vollständige Inhalt nur noch den zahlenden Mitgliedern zugänglich ist. Das habe sich positiv auf die Abonnentenentwicklung ausgewirkt. Nach dem Tiefstand von etwa 5.000 Benutzern zum Ende des zweiten Geschäftsjahres habe sich die Zahl der Abonnenten netto wieder erholt. Zu Beginn des Jahres 2021 hatte das Magazin nach eigenen Angaben zirka 15.500 Mitglieder. Insgesamt habe die Gründung der Genossenschaft bewirkt, dass sich die „Debatte um das Projekt sehr beruhigt“ habe, resümierte der Branchendienst Meedia im Januar 2018, als Alexander von Streit Herausgeber wurde und die Chefredaktion an Theresa Bäuerlein und Rico Grimm übergab.
Im April 2021 kündigte Krautreporter an, gegen eine Entscheidung der Bundesregierung vorzugehen, aufgrund derer die Printbranche mit 220 Millionen Euro unterstützt werden sollte. Nach Ansicht der Krautreporter-Vorstände Leon Fryszer und Sebastian Esser sei die geplante Presseförderung „eklatant verfassungswidrig“ gewesen. Bemängelt wurde, dass lediglich Print-, aber kein Onlinejournalismus gefördert werden sollte. Die Bundesregierung sagte daraufhin die geplante Förderung ab.
Im August 2021 übernahm Lisa McMinn den Posten der Chefredakteurin. Ihre Vorgänger Theresa Bäuerlein und Rico Grimm wechselten auf Positionen als Chefreporter. Im Mai 2023 trat McMinn als Chefredakteurin zurück.
Auszeichnungen
2019: Grimme Online Award
Angebot Krautreporter veröffentlicht seine Beiträge nicht in klassischen Ressorts, sondern in chronologischer Reihenfolge in einer Übersicht, wie man es von einem Blog kennt.Der Autor ist die Message. auf: zeit.de, 27. Oktober 2014.
Das Angebot umfasst vorrangig ausführliche und hintergründige Reportagen über verschiedenste aktuelle Themen.Unabhängigkeit oder Gesinnungsjournalismus? auf: zeit.de, 24. Oktober 2014. Ein Schwerpunkt waren beispielsweise die Hintergründe der Flüchtlingskrise während des Jahres 2015.
Kritik und Kontroversen Als 2015 bekannt wurde, dass das Mitglied Danijel Višević als freier Redakteur für das Bundespresseamt arbeitete, obwohl er für die Krautreporter über die Rolle des Verteidigungsministeriums schrieb, wurde dies als Bruch mit dem Prinzip des unabhängigen Journalismus wahrgenommen. Višević entschied daraufhin, seine Mitarbeit bei Krautreporter ruhen zu lassen.
Im November 2022 stützte sich eine Sendung von ZDF Magazin Royale zu Waldorfschulen auch auf Recherchen von Krautreporter. Krautreporter schreibt, man habe gemeinsam mit dem ZDF Magazin Royale recherchiert, und veröffentlichte begleitend die Serie „Der Waldorf-Report“. Vertreter der Waldorfbewegung widersprachen der Darstellung öffentlich. In einem Kommentar der taz wurde die Berichterstattung kritisiert. Christian Pfeiffer kritisierte in der Zeitschrift Info3 den Umgang mit den KFN-Schülerbefragungen. Laut Pfeiffer strich Krautreporter die von ihm als falsch kritisierten Wiedergaben der Studien aus dem Artikel. Die Fragestellung des Artikels blieb bestehen.
Weblinks Offizielle Website Krautreporter-Genossenschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Onlinemagazin Kategorie:Medium in genossenschaftlicher Trägerschaft Kategorie:Medienunternehmen (Berlin) Kategorie:Unternehmensgründung 2014