mini|hochkant=1.4|Die Kirche auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1743 Die barocke Klosterkirche Münsterschwarzach (auch Balthasar-Neumann-Kirche) in Münsterschwarzach war der Vorgängerbau der heute bestehenden, sogenannten Albert-Boßlet-Kirche des Benediktinerklosters. Sie wurde ab 1727 nach Plänen des Würzburger Hofbaumeisters Balthasar Neumann errichtet, aber bereits im 19. Jahrhundert wieder vollständig abgerissen.

Baugeschichte Vorgängerbauten (bis 1696) mini|Die romanische Kirche auf einem Gemarkungsplan des Jahres 1616

Bereits im späten 8. Jahrhundert existierte ein Frauenkloster auf dem Gebiet des heutigen Münsterschwarzach. Im Jahr 783 errichteten die Nonnen des Klosters eine erste, karolingische Klosterkirche, die den Heiligen Dionysius, Martin von Tours und dem Ordensgründer Benedikt unterstellt wurde. Wenige Jahrzehnte nach der Weihe verließen allerdings die Nonnen das Gelände und siedelten sich im Neumünster in Zürich an.

Mit dem Jahr 877 erreichten Mönche aus dem nahen Steigerwald den Main und besiedelten die leerstehenden Gebäude neu. Um 880 begannen sie mit dem Bau eines neuen Gotteshauses, da sich die liturgischen Anforderungen inzwischen gewandelt hatten. War zuvor ein freistehender Campanile neben der Kirche als Glockenturm genutzt worden, ersetzte man ihn nun durch einen Vierungsturm. Erst im 11. Jahrhundert zwangen die neuen Herren über die Abtei, die Bischöfe von Würzburg, die Mönche zur Errichtung einer neuen Kirche im Stile der Romanik.Vgl.: Büll, Franziskus: Die Kirchen Münsterschwarzachs.

Die neue Kirche wurde im Jahr 1023 geweiht. Unter dem Abt Egbert, der später seliggesprochen werden sollte, nahm man bis ins Jahr 1066 umfassende Veränderungen vor. Entstanden war eine dreischiffige Säulenbasilika mit einer großen Mönchskrypta unterhalb des Chores. Im Jahr 1152 erfolgten weitere Neuerungen: Ein Prunksarkophag für die Klostergründer Megingaud und seine Frau Imma stand nun im Mittelpunkt des Kirchenschiffs. Er diente als Gedenkstätte.

Nach Zerstörungen mussten im 14. Jahrhundert Teile des Gotteshauses wiedererrichtet werden. Zuvor, im Jahr 1230, waren zwei Glockentürme an das bestehende Gebäude angebaut worden. Die Kirche präsentierte sich nun im Stile der Gotik. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde dann die Barockisierung der Klosterkirche geplant, der Dreißigjährige Krieg vereitelte jedoch alle Neuanschaffungen. Erst unter Abt Augustin Voit begann die Erneuerung der Innenausstattung. Zu diesem Zeitpunkt war eine komplette Neuerrichtung der Klosterkirche noch nicht geplant.

Die prunkvolle neue Innenausstattung, die sich vor allem in den reich verzierten Altären zeigte, wurde ab dem Jahr 1696 forciert. Gleichzeitig begann man mit der Erneuerung der anderen Klostergebäude. Bis zum Jahr 1703 entstanden in unmittelbarer Nähe zur Kirche der Gast- und der Hauptflügel durch den Baumeister Valentino Pezzani neu. Es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt kein umfassender Gesamtplan vorlag, sodass eine vollständige Neuerbauung der Klosterkirche nicht vorgesehen war. → siehe auch: Geschichte des Klosters Münsterschwarzach#Barocker Klosterumbau

Die Bauplanungen (bis 1727)

mini|links|Das sogenannte „Münchner Modell“ des Jahres 1727 Unter Voits Nachfolger Abt Bernhard Reyder ruhten dann die Bauarbeiten. Grund hierfür war der Spanische Erbfolgekrieg, der sich indirekt auf die Finanzen des Klosters niederschlug. Außerdem verlangte der veränderte Zeitgeschmack nun einen umfassenden Gesamtplan für eine einheitliche Klosteranlage. Um 1712 trat man deshalb in Gespräche mit einem „architectus bambergenti“, einem Bamberger Architekten, bei dem es sich wohl um Johann Dientzenhofer handelte.Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche in Münsterschwarzach. S. 4.

Diese ersten Sondierungen verliefen allerdings ergebnislos, sodass sich Abt Januarius Schwab im Jahr 1718 an die Residenzstadt Würzburg wandte. Hofarchitekt Joseph Greissing entwarf daraufhin einen ersten Grundplan, der auch die Neuerrichtung einer Klosterkirche beinhaltete. Im Jahr 1718 wurden deshalb der bestehende Winterchor sowie der Chor und der Chorturm abgerissen und der Konvent sozusagen vor vollendete Tatsachen gestellt.

Im Jahr 1721 starb Joseph Greissing. Nach Verhandlungen mit seiner Witwe konnten die Arbeiten fortgeführt werden. Bis ins Jahr 1722 wurde der Winterchor wiederaufgebaut. Neuer Bauleiter war Greissings ehemaliger erster Polier Johann Leonhard Stahl. Er arbeitete am Südflügel weiter und erstellte bis zum Jahr 1726 den Konventsbau neu. Gleichzeitig setzten sich die Klosteroberen mit dem Wiesentheider Johann Georg Seitz in Verbindung, es kam jedoch nicht zu einer Zusammenarbeit.Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche in Münsterschwarzach. S. 8.

Nun forcierte man die Zusammenarbeit mit Greissings Schüler Balthasar Neumann. Er war bereits am 19. Juli 1722 erstmals in Münsterschwarzach gewesen, wohl um die Möglichkeiten eines Auftrages zu eruieren. Im Jahr 1727 taucht der junge Baumeister dann erstmals in den Rechnungen des Klosters auf. Im gleichen Jahr entstand auch das sogenannte „Münchner Modell“Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche in Münsterschwarzach. S. 10. der Abteikirche. Das 125,0 cm lange und 95,0 cm hohe Holzmodell, heute im Bayerischen Nationalmuseum, zeigt einen ersten Entwurf der neuen Kirche.Bayerisches Nationalmuseum, Inv.Nr. Modell 18

Die Bauphase (bis 1743) Im gleichen Jahr begannen die Arbeiten an der Kirche mit der Grundsteinlegung: Am 17. Juni 1727 legte man eine Messingurkunde dem Grundstein bei, der unterhalb des Horenturms in zehn Fuß Tiefe eingelassen wurde. In der Urkunde werden der ausführende Baumeister Balthasar Neumann sowie alle 27 Patres und 8 Fratres des Klosters Münsterschwarzach genannt. Die Bauarbeiten werden unter den Schutz Gottes gestellt. Fürstbischof Christoph Franz von Hutten war persönlich anwesend.Heß, Salesius: Balthasar Neumanns Kirchenbau in Münsterschwarzach. S. 15.

mini|Auf einem frühen Entwurf der Kirche fehlt die Vierungskuppel noch. Bereits im Jahr 1727 wurde die Hälfte des Fundaments fertiggestellt. Ebenso errichtete man ein Stockwerk Mauer am Chor.Heß, Salesius: Balthasar Neumanns Kirchenbau in Münsterschwarzach. S. 16. Ein Jahr später, 1728, verschwanden auch die letzten Reste der alten Egbert-Basilika. Sie wurde von Ost nach West niedergerissen. Ob hierbei Sprengungen erfolgten, ist unklar, wird allerdings durch zwei Zahlungen für Pulver wahrscheinlich. Für die Arbeiten an der neuen Kirche wurden Balthasar Neumann zwei Steinhauermeister zur Seite gestellt.

Für den 2. Oktober 1728 ist die Fertigstellung des Chores bis zum Traufgesims überliefert. Neumann versicherte in einem Brief, dass dieser Bauteil noch vor Jahresfrist vollendet werden würde. Die Fertigstellung zog sich dann allerdings noch bis ins Jahr 1730 hin. Grund hierfür war, dass Neumann vom neuen Fürstbischof von Würzburg, Friedrich Karl von Schönborn, wieder stärker für Bauten im Hochstift herangezogen wurde. Die Mönche von Münsterschwarzach wichen für die Gottesdienste während der Bauarbeiten in eine kleine Kapelle aus.

Das Jahr 1730 begann mit der Wölbung des Chores. Daraufhin setzte eine erneute Planungsphase ein. Die Mönche wollten für ihre neue Kirche nur eine kleinere Kuppel über der Vierung anbringen, der Baumeister setzte jedoch, mit Unterstützung durch den neuen Fürstbischof aus dem Hause Schönborn, eine große Vierungskuppel durch. Zunächst jedoch wurde bis 1731 der Chorturm errichtet, der Sandstein hierzu wurde im Ortelsbruch im nahen Abtswind gebrochen.Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche Münsterschwarzach. S. 15.

1731, am 10. und 28. Oktober, erhielt die neue Kirche auch zwei Uhren, die in den Chorturm eingesetzt wurden. Außerdem wurden die Zwiebelhauben für die Fassadentürme gebaut. Als Schieferdecker hatte man Nikolaus Kopp aus Kitzingen verpflichten können, seinen Werkstoff ließen die Mönche aus dem bambergischen Kronach anliefern. Auch der Bau der Kuppel ging zügig voran: Bereits am 17. Mai 1733 konnte Kardinal Damian Hugo von Schönborn, der die Baustelle besichtigte, in das fast fertige Bauteil steigen.

Die umstrittene Kuppel wurde dann am 29. April 1734 vollendet. Dem Turmknauf wurde eine Urkunde beigelegt. Zuvor, noch 1733, hatte man am Langhaus zu bauen begonnen. Hierzu unterstützte der Maurermeister Johann Stahl aus Würzburg den Bauleiter Neumann. Mittlerweile hatte das Kloster für die Gerüstbauten einen eigenen Meister angestellt. Bis ins Jahr 1735 wuchs das Langhaus schnell, sodass man damit begann die Ausstattung der Kirche zu erwerben. Ebenso wurde die Fassade begonnen.

Während die Quellen über das Jahr 1736 weitgehend schweigen, sind aus dem Jahr 1737 mehr Informationen überliefert. Man beauftragte Glaser aus Stadtschwarzach die Fenster für das Gotteshaus zu blasen und sie im Rohbau anzubringen. Im Jahr 1739 wurde die Sakristei an der Südseite des Chores angebracht. Bereits am 1. Juni 1740 war der Rohbau fast vollendet, eine Urkunde wurde in einem Turmknauf hinterlegt. Am 12. November 1741 feierte der greise Abt Januarius Schwab seine fünfzigjährige Profess in der unvollendeten Kirche. Er sollte die Fertigstellung nicht mehr erleben, da er 1742 starb. Sein Nachfolger wurde Christophorus Balbus.

Vollendung (1743) mini|links|Die Abteikirche im Jahr 1825, die Turmhelme sind bereits entfernt In der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1743 wurde die Kirche vollendet. Als Tag der Weihe wurde der 8. September 1743 bestimmt, das Datum Mariä Geburt, an dem bereits die Egbertkirche geweiht worden war. Am Tag zuvor reiste Bischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim von seinem Schloss in Gaibach kommend an.Mahr, Johannes: Münsterschwarzach. 1200 Jahre einer fränkischen Abtei. S. 50.

Der Fürstbischof wurde mit Kanonenschüssen als Salut begrüßt. Mehrere Soldatenregimenter paradierten vor der Kirche. Gleichzeitig läuteten in allen Orten, in denen die Abtei die Grundherrschaft innehatte, die Kirchenglocken. Am Tag der Weihe, holte man den Bischof früh am Morgen aus dem Gästebau des Klosters ab. Beim eigentlichen Festakt waren neben dem Bischof auch die Weihbischöfe von Würzburg und Bamberg anwesend.

Viele Ehrengäste hatten ebenfalls in der neuen Kirche platzgenommen. Nach elf Uhr fand dann die Consecratio solemnis (lat. Weihemesse) statt. Anschließend hielt man Reden auf die lange Geschichte der Abtei und ihrer Bewohner. Am darauffolgenden Tag, dem 9. September 1743, brach Friedrich-Karl von Schönborn wieder nach Würzburg auf. In der folgenden Woche setzte man die Feierlichkeiten in Münsterschwarzach fort. An jedem Wochentag feierte ein anderer Prälat der umgebenden Klöster ein Pontifikalamt in der neuen Kirche.Hierbei handelte es sich am Dienstag um den Abt Gregor des Klosters Theres, am Mittwoch Abt Romanus von St. Stephan in Würzburg, am Donnerstag Propst Sigismund von Heidenfeld, am Freitag Abt Christophorus von Münsterschwarzach und am Samstag Abt Hieronymus von Ebrach. Vgl.: Heß, Salesius: Neumanns Kirchenbau in Münsterschwarzach. S. 22.

Niedergang (bis um 1841) mini|Die Abteikirche 1835, der linke Turm ist bereits ruinös

Die Ereignisse der folgenden sechzig Jahre sind in den Quellen nicht ausführlich belegt. Erst die Geschehen im Umfeld der Säkularisation in Bayern und der Niedergang der Kirche sind wieder erwähnt. Am 8. Dezember 1802 nagelte man das bayerische Rautenwappen ans Kloster. Der Staat zeigte so seinen Anspruch auf die Abtei. Am 7. Mai 1803 fand im Zuge der Säkularisation in Bayern der letzte Gottesdienst in den Räumlichkeiten statt, woraufhin das Kloster geschlossen und profaniert wurde.Abtei Münsterschwarzach – Geschichte Anschließend begann die Versteigerung der Innenausstattung.Stellwag, Eleutherius: Das Ende des alten Münsterschwarzach. S. 112.