mini|hochkant=1.8|Die Klosterkirche in Münsterschwarzach

Die Klosterkirche (auch Albert-Boßlet-Kirche, Christ-Erlöser-Kirche) in Münsterschwarzach ist die heutige Kirche des Benediktinerklosters. Sie entstand ab dem Jahr 1935 und wurde von Albert Boßlet nach romanischem Vorbild errichtet.

Baugeschichte Vorgeschichte (bis um 1841) mini|Die barocke Neumann-Kirche auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1743

Bereits im späten 8. Jahrhundert existierte ein Frauenkloster auf dem Gebiet des heutigen Münsterschwarzach. Im Jahr 783 errichteten die Nonnen des Klosters eine erste, karolingische Klosterkirche, die den Heiligen Dionysius, Martin von Tours und dem Ordensgründer Benedikt unterstellt wurde. Wenige Jahrzehnte nach der Weihe verließen allerdings die Nonnen das Gelände und siedelten sich im Neumünster in Zürich an.

Mit dem Jahr 877 erreichten Mönche aus dem nahen Steigerwald den Main und besiedelten die leerstehenden Gebäude neu. Um 880 begannen sie mit dem Bau eines neuen Gotteshauses, da sich die liturgischen Anforderungen inzwischen gewandelt hatten. War zuvor ein freistehender Campanile neben der Kirche als Glockenturm genutzt worden, ersetzte man ihn nun durch einen Vierungsturm. Erst im 11. Jahrhundert zwangen die neuen Herren über die Abtei, die Bischöfe von Würzburg, die Mönche zur Errichtung einer neuen Kirche im Stile der Romanik.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 37.

Die neue Kirche wurde im Jahr 1023 geweiht. Unter dem Abt Egbert, der später seliggesprochen werden sollte, nahm man bis ins Jahr 1066 umfassende Veränderungen vor. Entstanden war eine dreischiffige Säulenbasilika mit einer großen Mönchskrypta unterhalb des Chores. Im Jahr 1152 erfolgten weitere Neuerungen: Ein Prunksarkophag für die Klostergründer Megingaud und seine Frau Imma stand nun im Mittelpunkt des Kirchenschiffs. Er diente als Gedenkstätte.

Nach Zerstörungen mussten im 14. Jahrhundert Teile des Gotteshauses wiedererrichtet werden. Zuvor, im Jahr 1230, waren zwei Glockentürme an das bestehende Gebäude angebaut worden. Die Kirche präsentierte sich nun im Stile der Gotik. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde dann die Barockisierung der Klosterkirche geplant, der Dreißigjährige Krieg vereitelte jedoch alle Neuanschaffungen. Erst unter Abt Augustin Voit begann die Erneuerung der Innenausstattung. Zu diesem Zeitpunkt war eine komplette Neuerrichtung der Klosterkirche noch nicht geplant.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 57 f.

Mit dem Jahr 1718 veränderten sich diese Pläne: Abt Januarius Schwab forcierte nun einen Neubau des Kirchengebäudes im Stile des Barock. Nachdem man zunächst mit Joseph Greissing verhandelt hatte, wurden unter seinem Nachfolger, dem jungen Balthasar Neumann, die Bauarbeiten begonnen. Im Jahr 1727 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Bereits am 8. September 1743 konnte das Gotteshaus geweiht werden.

Die Kirchenausstattung der Neumann-Kirche wurde von den berühmtesten Malern der Zeit gestaltet. So schuf Giovanni Battista Tiepolo das Seitenaltarblatt der „Anbetung der Könige“. Mit der Säkularisation des Jahres 1803 wurde die Abtei Münsterschwarzach aufgehoben und die Klostergebäude nach längeren Verhandlungen dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 1837 war bereits der nördliche Kirchturm eingestürzt, bereits 1841 waren von der Kirche nur noch Steinhaufen vorhanden.

Wiederbesiedlung und Bauplanungen (bis 1935) Im Jahre 1901 besiedelten die Missionsbenediktiner von St. Ottilien im unterfränkischen Ludwigsbad bei Wipfeld ihr erstes Tochterkloster. Bereits kurze Zeit nach der Gründung und der Errichtung einer Kirche in St. Ludwig stellte sich für die Mönche das Problem der Versorgung durch landwirtschaftliche Güter. Die Lage am Main begrenzte den klösterlichen Landbesitz um die neue Niederlassung und man begann ein Ausweichquartier zu suchen.

Fündig wurde man im etwa 25 Kilometer entfernten Münsterschwarzach. Am 31. Juli 1913 erwarben die Missionsbenediktiner das Gelände der ehemaligen Abtei als sogenannten Ökonomiehof, einige Mönche aus St. Ludwig besiedelten das Areal. Damals bestanden nur noch der sogenannte Altbau und die ehemalige Klostermühle. Bereits ein Jahr später errichteten die Mönche auf dem Hof eine neue Abtei und verlegten ihr Kloster an den alten Standort an der Schwarzach. Am 14. April 1914 wurde Münsterschwarzach mit dem feierlichen Einzug der Mönche wiederbesiedelt.

Langsam wurden die Konventsgebäude des alten Klosters wiedererrichtet, unterbrochen durch die Folgen der Inflation am Ende der 1920er Jahre. Die Mönche kamen indessen in zwei Notkirchen auf dem Abteigelände zum Gottesdienst zusammen. Ein erster Entwurf für ein neues Gotteshaus kam von Bruder Adalbert Modler und datierte auf den 3. Juli 1926. Das Konventsmitglied plante, eine dreischiffige Wandpfeilerbasilika mit angedeutetem Querhaus zu errichten.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 117.

Für die unmittelbare Folgezeit blieb das Projekt eines Kirchenneubaus jedoch nur eine Idee, bis 1931 ist lediglich noch ein Entwurf von Franz Blaser, der ebenfalls Mitglied des Konvents war, überliefert. Erst am 27. April 1931 stellte die Abtei eine Kirchenbau-Kommission auf, die, bestehend aus vier Fratres, die Pläne realisieren sollte. Wiederum folgte die Aufstellung mehrerer interner Entwürfe, darunter wiederum einer von Adalbert Modler. Am 10. August 1932 wurde die Kommission umstrukturiert und es wurden neue, vorläufige Bauprogramme erstellt.

In den Jahren 1932 bis 1934 wurden mehrere interne Dokumente im Kloster veröffentlicht, die das genaue Vorgehen für die Ausgestaltung der Bauphase zum Inhalt hatten. Schnell legte man sich darauf fest, dass die neue Kirche durch einen Künstlerwettbewerb, eine sogenannte Ideengabe, erfolgen sollte. In dieser Zeit sendeten immer mehr Mönche des Konvents ihre eigenen Ideen an die Baukommission, sodass Melber insgesamt 16 konventsinterne Entwürfe identifizieren konnte.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 196 f.

Nachdem bereits seit 1931 Initiativbewerbungen verschiedener Architekten vorlagen, darunter die im Juli 1932 eingereichte von Albert Boßlet, begann im Frühsommer 1934 der Ausschreibungswettbewerb. Insgesamt zehn Architekten bewarben sich und reichten bis zum September 1934 ihre Pläne für die Errichtung eines Gotteshauses ein. Aus dem Wettbewerb ging der, im Vorfeld favorisierte, Würzburger Architekt Albert Boßlet hervor.Mahr, Johannes: Die Abteikirche Münsterschwarzach. S. 10.

Albert Boßlets Kirchenbau (bis 1938) mini|Kirche mit Klosteranlage

Nachdem noch im Jahr 1935 der Vertrag mit dem Architekten unterzeichnet worden war, begannen die konkreten Planungen für ein Gotteshaus. Ähnlich wie der Vorgängerbau von Balthasar Neumann sollte auch die Boßletkirche mit zwei Fronttürmen ausgestattet sein. Der Münchner Architekt entwarf zwei rechteckige Fassadentürme und ein niedriges Presbyterium im Osten der Anlage. Der Konvent plädierte jedoch für eine viertürmige Anlage, sodass auch hierzu ein Entwurf realisiert wurde. Abt Plazidus Vogel tendierte allerdings bald für die Lösung mit zwei Türmen und man reichte diese erste Fassung zur Genehmigung ein.

Im März 1935 lehnte man den geplanten Kirchenbau im bayerischen Kulturministerium ab. Grund war die fehlende Einpassung des massiven Gebäudes in die Umgebung. Wiederum begann Boßlet weitere Entwürfe zu zeichnen. Nun setzte sich die viertürmige Variante durch, die zunächst allerdings mit zwei achteckigen Fassadentürmen gezeichnet wurde. Im Januar 1936 präsentierte der Architekt dann das endgültige Modell der Kirche.Mahr, Johannes: Die Abteikirche Münsterschwarzach. S. 11.

Die Bauarbeiten am Gebäude hatten schon im Juni 1935 begonnen und waren der Würzburger Baufirma Meixner übergeben worden. Seit März 1934 war bereits die Beschaffung des Baumaterials in vollem Gange. Man begann an der Stelle des nördlichen Querhausarms mit den Arbeiten, am 2. Juli 1935 hob man die Fundamente für den künftigen Ostturm aus und bis zum 16. Juli richtete man die Seitenschiffmauern der Nordseite auf. Der Grundstein für das Gotteshaus wurde am 28. Juli 1935 gelegt.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 352.

Mitte Oktober 1935 war bereits der nördliche Querschiffarm vollständig fertiggestellt, am Ende des Monats ragten die zwei Osttürme bereits 16 m in den Himmel. Im Dezember 1936 stellte man die Bauarbeiten – witterungsbedingt – vorerst ein, nur um sie im Januar 1936 mit der Betonierung des Dachgesimses wieder aufzunehmen. Anfang April 1936 wurde der erste Bauabschnitt mit der Vollendung des östlichen Turmpaares und Feier des Richtfestes für die Dachstühle beendet.

Nun vollendete man in einem zweiten Bauabschnitt die Klosterkirche. Noch im April 1936 wurde die Betonplatte über den Grundmauern eingezogen, im Juli vollendete man die Höhe der Hochschiffwände. Nachdem auch die Türme der Westseite bis Anfang August vollendet waren, führte man nur noch die Kapelle im Norden der westlichen Fassade fertig. Am 29. August 1936 feierten die Mönche das Richtfest ihrer neuen Kirche: Sie war im Rohbau vollendet.

Im Jahr 1937 begannen die Arbeiten an der Innenausstattung des Gotteshauses. Im Juli 1937 wurde die Gottesdienstbestuhlung für die Besucher fertiggestellt. Bis zum Ende des Jahres errichtete man die westliche Empore und begann zu Beginn des Jahres 1938 mit dem Einbau der Orgel und der Errichtung der Altarsteine. Mit einer feierlichen Konsekration konnte die Kirche am 11. September 1938 durch den Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried ihrer Bestimmung übergeben werden.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 353.

Veränderungen am Gebäude (bis heute) Erste Veränderungen am Gotteshaus wurden Mitte der sechziger Jahre vorgenommen. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte weitreichende Veränderungen der Feier der Liturgie verabschiedet, die auch am Kirchenbau selbst sichtbar werden sollten. 1965 errichteten die Klosterwerkstätten einen neuen Volksaltar und ein neues Lesepult. Die Gestaltung der neuen Ausstattungselemente wurde in den Gotteshäusern der Umgebung, leicht verändert, übernommen.Patrick Melber: Die Abteikirche zu Münsterschwarzach. S. 392.

Im Jahr 1987 folgte eine umfassende Innenrenovierung der gesamten Klosterkirche. 1988 stand das fünfzigste Jubiläum des Weihetages bevor und die Mönche wollten ihre Kirche neu präsentieren. Ab Mai 1987 arbeiteten die klostereigenen Betriebe an der Raumerneuerung, für die Schaffung neuer liturgischer Ausstattung wurde der Bildhauer Hubert Elsässer aus Gröbenzell verpflichtet. Am 20. Dezember 1987 erfolgte die Weihe des neuen Hochaltars durch Bischof Paul-Werner Scheele. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ordnet das Kirchengebäude als Baudenkmal unter der Denkmalnummer D-6-75-165-28 ein.Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-165-28, abgerufen am 12. Dezember 2015.

Beschreibung Die Kirche präsentiert sich heute als dreischiffige Vierturmanlage. Ein Querhaus fehlt vollständig. Der Bau ist geostet und schließt auf der Chorseite gerade ab. Im Westen befindet sich eine große Vorhalle. Das Langhaus ist achtjochig und lässt die Kirche als einen Mischtypus zwischen Basilika, nach mittelalterlichem Vorbild, und einer Wandpfeilerkirche des Barock erscheinen. Die Länge der Kirche beträgt 88 m, die Breite 31 m, die Höhe 26 m, während die Osttürme 52 m und die Westtürme 38 m messen.Abtei Münsterschwarzach (Hrsg.): Benediktinerabteikirche Münsterschwarzach. S. 1.

Westfassade mini|Westfassade

Die Westfassade wird durch die zwei großen, quadratischen Türme geprägt. Das Areal des Gotteshauses wird durch eine breite Freitreppe betreten. Drei große Rundbogenportale bilden den Eingang zur Klosterkirche. Die Fassade wird durch ein großes Rundfenster durchlichtet, das allerdings die einzige Lichtquelle an dieser Stelle bildet. Es wird durch ein griechisches Kreuz gefüllt. Der Fassadenmittelbau springt vor und bildet so Kanten, die die Portalzone einrahmen.