Bad Endbach (mundartlich Imbach) ist eine Großgemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf, im Südwesten des Hessischen Hinterlandes. Die Gemeinde in ihrer heutigen Form als Großgemeinde entstand 1971–1974 im Zuge der Hessischen Gebietsreform. Namensgebend ist der Ortsteil „Endbach“, dem heutigen Hauptort und Verwaltungssitz.
Bad Endbach liegt 20 Kilometer westlich von Marburg, 15 Kilometer östlich von Dillenburg und 22 Kilometer nördlich von Wetzlar.
Der Ort ist als Kneipp-Heilbad. In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016. anerkannt und mit der „Lahn-Dill-Bergland-Therme“ auch ein Thermalbad. Die Gemeinde hat damit „zwei Bad-Prädikate“.
mini|ohne|Blick über Endbach nach Westen ins obere Salzbödetal, Richtung Hartenrod, im Hintergrund der Berg Schmittgrund (590,00 m) im Schelderwald
Geographie Bad Endbach liegt eingebettet in das Gladenbacher Bergland im Naturpark Lahn-Dill-Bergland (Mitglied). Seine Umgebung wird geprägt durch die bewaldete Hügellandschaft, die leicht gewellten „Bottenhorner Hochflächen“ im Norden (im Mittel ) und das sich nach Osten öffnende Tal am Oberlauf der Salzböde. Südlich am oberen Salzbödetal liegt der Höhenzug des Naturraums „Zollbuche“.
Geographische Lage Großräumig betrachtet ist die Landschaft, in der Bad Endbach liegt, Teil der Südost-Abdachung des Rheinischen Schiefergebirges und bildet den Übergang zum Buntsandsteingebiet der Westhessischen Senke, an der Nahtstelle verschiedener Naturräume von Gladenbacher Bergland, Schelderwald, Zollbuche und Bottenhorner Hochflächen in einer Mittelgebirgslandschaft.
Bottenhorner Hochflächen Die Bottenhorner Hochflächen stellen eine der geologisch ältesten Landoberflächen des Rheinischen Schiefergebirges dar. Kleinräumig zählt das nördliche Gemeindegebiet zur Südabdachung der Bottenhorner Hochflächen, einer im Mittel 500 m ü. NN gelegenen Hochebene, die Teil des erdgeschichtlich uralten Angelburg-Massivs im Schelderwald ist. Das war eine ehemals weitaus höhere Einzelerhebung (Schollenhebung) aus dem Tertiär, die im Verlauf der Erdgeschichte bis auf die heutige maximale Höhe von 609 m (Angelburg) abgetragen wurde.Dieter Stoppel: Auf Erzsuche. Zur Geschichte des Silber-, Kupfer- und Schwerspatbergbaues im Raum Biedenkopf-Dillenburg. D. Bode Verlag, Haltern 1988, ISBN 3-925094-19-9.
Die Bottenhorner Hochflächen sind Quellgebiet und Wasserscheide zugleich. Hier entspringen neben vielen kleineren Wasserläufen die größeren Bäche (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Schelde (mündet in die Dill), Gansbach (mündet in die Perf), Perf, Dautphe, Allna, Salzböde (münden in die Lahn) und Siegbach (mündet in die Aar/Dill). Sie lösen die Höhenrücken mit ihren Kegeln, Kuppen und Tälern in einzelne Siedlungsräume auf.
Ein südlicher Ausläufer der Bottenhorner Hochflächen am Oberlauf der Salzböde ist der nach einem historischen Wegkreuz „Zollbuche“ benannte Höhenzug Zollbuche mit dem Plateau der „Endbacher Platte“.
Naturräumlich zusammengehöriger Siedlungsraum der Gemeinde Bad Endbach Der Siedlungsraum der Gemeinde Bad Endbach am Oberlauf der Salzböde und deren Quellgebiet ist nicht nur naturräumlich, sondern auch aus historischer Sicht als zusammengehörige Einheit anzusehen. Umrahmt wird der Siedlungsraum von Bergen, die die 500-m-Marke und mehr erreichen.Topografische Karte 1:25.000, Nr.: 5216, Oberscheld und Topografische Karte 1:25.000, Nr.: 5217, Gladenbach, Ausgabe 1981
Die Gemeindegebiete von Hartenrod, Endbach und des Ortsteiles Wommelshausen-Hütte erstrecken sich entlang dem Bach Salzböde, der in der Gemarkung Schlierbach entspringt. Bottenhorn, Hülshof und Dernbach (Bad Endbach) liegen auf der Bottenhorner Hochfläche, Schlierbach (Bad Endbach) und Wommelshausen liegen nördlich links der Salzböde jeweils in einem Talkessel in der Südabdachung der Hochfläche. Günterod liegt rechts der Salzböde auf dem „Günteroder-Sattel“, auf dem südöstlichen Höhenzug „Zollbuche“.
Der Berg Hiemerk (Fln.) 357 m, im Südosten des Gemeindegebietes zwischen Wommelshausen-Hütte und Weidenhausen liegt wie ein Riegel mitten im Salzbödetal und schließt an der Nahtstelle dreier Naturräume das „Obere Salzbödetal“ nach Osten zum Unteren Salzbödetal kulissenartig ab.
Höhenlage, Berge Die höchsten Erhebungen im Gemeindegebiet sind, im Uhrzeigersinn im Westen beginnend: Hirschhohl 502,4 m; Steiger 542,8 m; Würgeloh 563,9 m (höchste Erhebung im Gemeindegebiet); Schindeberg 553,2 m; Schnei 541,2 m; Freie-Berg 528,1 m; Kreuz-Berg 532,8 m; Hils-Berg 525,9 m; Scheid 538,9 m (hier steht ein Trinkwasserhochbehälter); Schweinskopf 519,2 m; Ebersberg (im Zentrum des Gemeindegebietes) 507,8 m, Grüner Stein 527,2 m (nordöstlich Dernbach) und südlich der Salzböde: Endbacher Platte 467,1 m; westlich davon ein Berg ohne Namen 487,7 m; Mell-Berg 472,1 m; Kissel-Berg 439,1 m; Schönscheid 490,2 m und der 250 m nordöstlich davon entfernte ebenfalls namenlose Gipfel 498,0 m.
Im Salzbödetal, östlich vom Ortsteil Hütte, kurz vor dem Berg Hiemerk (Fln.) liegt der tiefste Geländepunkt der Gemeinde mit 268 m.
Großer Waldbestand Bad Endbach hat einen großen Waldbestand, 42,9 % (1702 ha) des Gemeindegebietes (3964 ha) sind derzeit mit Wald bedeckt, mit leicht zunehmender Tendenz.statistik.hessen.de/hesis Hessisches Statistisches Informationssystem In: Statistik.Hessen. Der Wald reicht nahe an die Siedlungen heran und umschließt die einzelnen Ortsteile.
Höhenlage der Ortsteile Der Ortsteil Hülshof liegt auf 495 m, Bottenhorn auf 485 m und Dernbach auf 470 m (alle drei Ortslagen Bottenhorner Hochflächen); Günterod auf 410 m (auf dem Günteroder Sattel und dem Zollbuche-Höhenzug), Schlierbach auf 370 m, Wommelshausen auf 350 m, Hartenrod auf 335 m, Endbach auf 300 m und Wommelshausen-Hütte auf 285 m im Salzbödetal (Höhenangaben beziehen sich jeweils auf die Ortsmitte).
Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Gemeinde Bad Endbach sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend: die Gemeinden Angelburg, Steffenberg und Dautphetal, im Osten die Stadt Gladenbach, alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Im Süden grenzt die Gemeinde Bischoffen an und im Westen die Gemeinde Siegbach; beide gehören zum Lahn-Dill-Kreis.
Die ehemalige Landesgrenze zwischen Oranien-Nassau und Hessen-Darmstadt ist heute Landkreis- und Gemeindegrenze mini|Ehem. Westgrenze zwischen Nassau (links) u. Hessen (rechts) seit 1352, bis heute Kreisgrenze zwischen Lahn-Dill-Kreis und Ldkrs. Marburg-Biedenkopf, sowie Gemeindegrenze zwischen Siegbach-Wallenfels (links) u. Bad Endbach-Schlierbach (rechts), die Grenze verläuft am Waldrand, rechts am Bildrand alter Grenzstein Seit der Eingliederung Günterods 1443 in das Amt Blankenstein bildet dessen Westgrenze zusammen mit den westlichen Grenzen der Gemeinden Hartenrod und Schlierbach die ehemalige Landesgrenze zwischen Hessen-Darmstadt und Nassau-Oranien, später die Kreisgrenze zwischen dem Dillkreis und dem Kreis Biedenkopf.Friedrich Uhlhorn: Grenzbildungen in Hessen, Die Entwicklung der Westgrenze des Kreises Biedenkopf. In: Grenzbildende Faktoren in der Geschichte. (Forschungsberichte des Ausschusses „Historische Raumforschung“. Band 48). Hrsg. Akademie für Raumforschung und Landesplanung. Gebr. Jänecke Verlag, Hannover 1969. Heute ist dies die Westgrenze von Bad Endbach und zugleich auch die Grenze zwischen dem neuen Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem Lahn-Dill-Kreis.
Gemeindegebiet
mini|Wall der Innenheege im Verlauf der östlichen Gemeindegrenze zwischen Wommelshausen (Bad Endbach) links u. Römershausen (Gladenbach) rechts mini|Querschnitt durch eine klassische Heege Die Ausdehnung des Gemeindegebietes wird im Wesentlichen bestimmt von den „Mittelhessischen Landheegen“Horst W. Müller: Die mittelhessischen Landheegen. In: Hinterländer Geschichtsblätter. Biedenkopf, 89. Jahrgang, Nr. 4. Dezember 2010. (siehe auch Landwehr), der „Innen“- und der „Außenheege“, die vor 700 bzw. vor ca. 650 Jahren von den hessischen Landgrafen angelegt wurden. Das von den Heegen umschlossene Gebiet, innerhalb dessen heute noch alle Ortsteile liegen, mit Ausnahme von Günterod, das 1443 hinzukam, entsprach ehemals dem Verwaltungsbezirk „Obergericht“ des Amtes Blankenstein (Gladenbach). Er war deckungsgleich mit dem Kirchspiel Hartenrod. Dieser ehemalige Verwaltungsbezirk hat sich über 675 Jahre lang unverändert erhalten und bildet heute die Großgemeinde Bad Endbach.
Nordostgrenze Die Grenze im Nordosten der Gemeinde Bad Endbach ist deckungsgleich mit der Ost-Grenze von Bottenhorn, die sich an der Trasse der hochmittelalterlichen Heerstraße orientiert, die auf dem Bergkamm (Wasserscheide) zwischen Bottenhorn und Holzhausen (Dautphetal) verläuft.
Die „Heerstraße“ zweigte auf der Haus (Flurname) von der Antwerpen-Lüttich-Aachen-Köln-Leipziger Fernhandelsstraße (auch Brabanter Straße genannt) ab und zog nordwärts, entlang der Wasserscheide zwischen Perf und Dautphe (Fluss) weiter in Richtung Sackpfeife. Ihre Fortsetzung führte von dort nach Norden auf einer alten Fernweg-Trasse über Paderborn bis nach Bremen.
Ostgrenze Ab der Gemarkung Dernbachs folgt die Ostgrenze dem Verlauf der „Innenheege“, die Landgraf Heinrich I. zwischen 1297 und 1307 anlegen ließ. Ab der Gemeindegrenze zwischen den Gemarkungen Wommelshausen und Weidenhausen (Gladenbach) (am Hiemerk, Fln.) weicht der Grenzverlauf von der Innenheege ab und zieht ab der Salzböde über die Hessen (Flurname) bis zur „Endbacher Platte“. Dieser Verlauf der Ostgrenze war gleichzeitig auch die Grenze zwischen den Verwaltungsbezirken „Obergericht“ und „Untergericht“ des ehemaligen „Amtes Blankenstein“ und zugleich Grenze zwischen den beiden Kirchspielen Hartenrod und Gladenbach. Heute ist dies die Grenze zwischen Bad Endbach und Gladenbach.
Die Ostgrenze ist auch eine Mundartscheide (z. B. Hink (westl.) / Huink (östl.) für „Honig“, Emer/Äimer für „Eimer“, Läder/Lädder für „Leiter“) und war auch eine Trachtengrenze z. B. bei der ehemaligen weiblichen Kopfbedeckung, und zwar zwischen der „Dellmutsche“ (westl.) und „Schneppekapp“ (östl.) (siehe Hinterländer Trachten).
Nordwest-, West- und Südgrenze Der Verlauf der Nordwest-, der West- und der Südgrenze orientiert sich an der Trasse der zwischen 1359 und 1374 unter Landgraf Heinrich II. errichteten „Außenheege“. Sie begann im Norden auf dem Kreuzberg bei Bottenhorn entlang den Gemarkungsgrenzen zwischen Bottenhorn, Steinperf und Gönnern, verlief dann weiter auf der Wasserscheide Aar/Salzböde über die Endbacher Platte bis kurz vor die „Zollbuche“ (bei der Heul-Eiche).
Die Nord- und die Nordost-Grenze der Gemarkung Günterod entsprach dem dortigen Verlauf der Außenheege. Günterod lag südlich außerhalb der Außenheege. Es gehörte von 1354 bis 1443 den „Herren von und zu Dernbach“ und wurde erst danach in das Obergericht des „Amtes Blankenstein“ integriert.
Geologie Ostteil des Rheinischen Schiefergebirges mini|Geologische Karte von „Dillmulde“, Hörre-Zone und „Lahnmulde“ mit angrenzenden Gebieten
Geologisch gehört das Siedlungsgebiet der Gemeinde Bad Endbach zum Ostteil des Rheinischen Schiefergebirges, das hier im sogenannten Hessischen Synklinorium seinen kompliziertesten Aufbau hat, bei dem sich verschiedene Einheiten unterscheiden lassen.
Im Tertiär wurde das Schiefergebirge eingeebnet. Die heutigen Flussnetze entwickelten sich durch Einschneiden in die alten Verebnungen. Aus dieser Zeit blieben alte Landoberflächen erhalten, vor allem bei Bottenhorn (Bottenhorner Hochflächen) und westlich davon, sowie bei Holzhausen/Hünstein und Weidenhausen (Gladenbach). Sie gehören somit zu der geologisch ältesten Landoberflächengeneration im „Rheinischen Schiefergebirge.“
Dillmulde, Hörre-Zone, Lahnmulde