Portulak (Portulaca) ist die einzige Pflanzengattung der Familie der Portulakgewächse (Portulacaceae) in der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen.
Beschreibung mini|links|Illustration des Sommer-Portulak (Portulaca oleracea) mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 3064 von Portulaca gilliesii
Vegetative Merkmale Portulaca-Arten wachsen als einjährige bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Viele Arten sind durch verdickte Blätter, verdickte Sprossachsen oder Speicherwurzeln sukkulent. Die Wurzeln können knollig oder fleischig sein oder es sind kleine Pfahlwurzeln. Die verzweigten Stängel sind selbstständig aufrecht bis niederliegend, kriechend. Die oberdischen Pflanzenteile sind meist kahl, aber Blütenstände und die Stängelknoten können behaart sein. Die meisten der einjährigen Arten sind zart und winzig.
Die meist wechselständig, selten fast gegenständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt oder ungestielt. Die einfachen Blattspreiten sind flach bis mehr oder weniger stielrund, oft fleischig und fast immer ganzrandig. Die Blattspreiten sind meist kahl. Nebenblätter fehlen manchmal; sind sie vorhanden, sind sie meist in axilläre Haare geteilt.
Generative Merkmale Die mehr oder weniger ungestielten Blüten stehen einzeln oder zu bis 30 in endständigen, zymösen oder seltener rispigen Blütenstände, die von zwei bis einigen Hochblättern umgeben sind.
Die Blüten sind meist groß und auffällig, jedoch kurzlebig und oft kleistogam. Fast alle Arten sind zwittrig. Eingeschlechtige Blüten treten nur sehr selten und dann sind die Arten zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Bei vielen Arten öffnen sich die Blüten nur bei Sonnenschein, deshalb werden sie wie viele andere Arten unterschiedlicher Gattungen auch Mittagsblumen genannt.
Die Blüten sind radiärsymmetrisch. Die Kelchblätter sind vermutlich nicht echt, sondern verschobene, modifizierte Hochblätter (Brakteen), während die Kronblätter verschobene Kelchblätter darstellen und echte Kronblätter fehlen. Die krautigen bis trockenhäutigen „Kelchblätter“ sind an ihrer Basis verbreitert. Die fünf bis sieben „Kronblätter“ sind meist frei. Es sind meist viele (selten nur vier, meist sechs bis 40, selten bis zu 100) Staubblätter vorhanden. Der unterständige oder halbunterständige Fruchtknoten ist mindestens im oberen Bereich einkammerig. Es sind meist viele oder selten wenige bis nur eine Samenanlagen in frei-zentraler Plazentation vorhanden. Der einfache Griffel endet in zwei bis einigen (meist 3 bis 8, selten bis zu 18) Narben.
Die häutigen, pergamentartigen Kapselfrüchte öffnen sich im Querschnitt (transversal) und enthalten viele Samen. Die winzigen Samen sind selten braun, meist schillernd grau bis glänzend schwarz und kugelig bis nierenförmig. Die Samenschale (Testa) ist kahl oder unterschiedlich skulptiert: warzig, gekörnt oder stachelig.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 4, 5, 8 oder 9.
Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Portulaca wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1, 1753, Seiten 445–446 und Genera Plantarum, 5. Auflage, 1754, Seite 204 aufgestellt. Der Familienname Portulacaceae wurde 1789 von Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum veröffentlicht. Die Typusart ist Portulaca oleracea Synonyme für Portulaca sind: Halimus , Lemia , Lamia , Merida , Meridiana , Portulacca nom. inval., Sedopsis .
Äußere Systematik mini|Portulaca amilis mini|Portulaca confertifolia mini|Portulaca conspicua mini|Portulaca elatior mini|Portulaca eruca mini|Portulaca filifolia mini|Portulaca gilliesii miniatur|Halbgefülltblühende Sorte von Portulaca grandiflora mini|Portulaca halimoides mini|Blüte im Detail von Portulaca intraterranea mini|Portulaca lutea mini|Portulaca molokiniensis mini|Portulaca mucronulata mini|Portulaca mundula miniatur|Sommer-Portulak (Portulaca oleracea) mini|Portulaca pilosa mini|Portulaca umbraticola mini|Portulaca werdermannii DNA-Analysen haben die schon lange gehegte Vermutung bestätigt, dass die Portulacaceae s. l. keine einheitliche, monophyletische Familie bilden, sondern ausgeprägt paraphyletisch sind. Die sehr große Variabilität der morphologischen Merkmale und sogar die sonst als „konservativ“ geltenden Blütenmerkmale sind kein zuverlässiges Mittel zur Unterscheidung von Gattungen und Arten. Dies führte dazu, dass nur noch die Gattung Portulaca in der Familie Portulacaceae s. str. verblieben ist. Die überwiegende Anzahl der früher hier eingeordneten Gattungen sind bei der Angisperm Phylogeny Group in der Familie der Montiaceae enthalten.
Sehr nahe verwandt mit den Portulacaceae s. str. sind die Kakteengewächse (Cactaceae), Anacampserotaceae und Talinaceae. Forschungsergebnisse legen nahe, dass diese sogar innerhalb der Portulakgewächse verschachtelt sind. Sollten die Cactaceae als eigenständige Familie erhalten bleiben, wären die Portulacaceae in wenigstens zwei einzelne Familien zu teilen. Entweder belässt man die Portulacaceae s. l. als paraphyletische Familie oder – wenn man nur monophyletische Taxa zulässt – sind es monogenerische Familien wie Portulacaceae s. str., Anacampserotaceae und Talinaceae.
Ebenfalls relativ nahe verwandt sind die in einer Klade stehenden Halophytaceae, Didiereaceae, Basellaceae und Montiaceae. Nach Applequist et al. 2003 wurde die bisherigen Gattungen der Portulacaceae Calyptrotheca, Ceraria und Portulacaria in drei erstbeschriebene Unterfamilien der Familie Didiereaceae gestellt.
Arten und ihre Verbreitung Die Portulaca-Arten sind, bis auf die Polargebiete, weltweit verbreitet. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in der Südhalbkugel. Sie gedeihen meist in ariden tropischen und subtropischen Gebieten. Verbreitungsschwerpunkte liegen in Afrika und Südamerika. Nur wenige Arten besiedeln gemäßigte Gebiete.
Zur Gattung Portulaca s. l. gehören je nach Autor 100 bis 152 Arten: Portulaca africana (Syn.: Portulaca oleracea subsp. africana ): Sie hat seit 2006 den Rang einer Art. Sie ist in Mauretanien, Mali, Ägypten, Tansania, Uganda, Malawi, Kenia, Indien, im südöstlichen China und in Hainan verbreitet. Portulaca almeviae : Sie wurde 2019 aus dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco erstbeschrieben. Portulaca amilis : Sie kommt von Peru bis Argentinien und Brasilien vor und ist in den Vereinigten Staaten ein Neophyt. Portulaca anceps : Sie kommt nur in Äthiopien vor. Portulaca argentinensis : Sie kommt nur im nördlichen Argentinien vor. Portulaca aurantiaca : Dieser Endemit kommt nur in Jamaika vor. Portulaca australis : Sie kommt in Australien und auf Inseln im Pazifik vor. Portulaca badamica : Sie wurde 2019 aus dem indischen Bundesstaat Karnataka erstbeschrieben. Portulaca bicolor : Sie kommt in Australien vor. Portulaca biloba : Dieser Endemit kommt in Kuba vor und ist in Georgia ein Neophyt. Portulaca brevifolia : Sie kommt in Kuba, Haiti und Venezuela vor. Portulaca bulbifera : Sie kommt im südlichen Äthiopien und in Kenia vor. Portulaca californica : Diese Endemit kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur vor. Portulaca canariensis : Sie wurde 2006 von den Kanarischen Inseln erstbeschrieben. Portulaca cardenasiana : Sie kommt nur im östlichen Bolivien vor. Portulaca caulerpoides : Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Puerto Rico vor. Portulaca centrali-africana : Sie kommt in Burundi, Zaire, Tansania und Uganda vor. Portulaca chacoana : Sie kommt von Paraguay bis zum nordöstlichen Argentinien vor. Portulaca ciferrii : Sie kommt vom südlichen Somalia bis zum südöstlichen Kenia vor. Portulaca clavigera : Sie kommt nur im australischen Bundesstaat Western Australia vor. Portulaca colombiana : Sie kommt vom nördlichen Kolumbien bis Venezuela vor. Portulaca commutata : Sie kommt in Äthiopien, Somalia, Kenia und Tansania vor. Portulaca confertifolia : Sie kommt im nordwestlichen Argentinien vor. Portulaca conoidea : Sie kommt im nördlichen Kenia vor. Portulaca constricta : Sie kommt vom östlichen Äthiopien bis Somalia vor. Portulaca conzattii : Sie kommt von Mexiko bis Nicaragua vor. Portulaca coralloides : Sie kommt im südöstlichen Kenia vor. Portulaca cryptopetala : Sie kommt von Bolivien bis zum südlichen Brasilien und nördlichen Argentinien vor. Portulaca cubensis : Sie kommt in Kuba vor. Portulaca cyanosperma Portulaca cyclophylla : Sie kommt im nördlichen und nordwestlichen Australien vor. Portulaca cypria : Sie kommt in Algerien, Portugal, Italien, Korsika, Sizilien, Griechenland, in der Ägäis, auf Kreta, Zypern, Ägypten und im Gebiet von Libanon, Syrien, Jordanien und Israel vor. Portulaca daninii : Dieser Name wurde 2011 veröffentlicht, um den Namen Portulaca oleracea subsp. tuberculata zu ersetzen. Sie kommt in Kolumbien, Peru, Surinam und im nördlichen Brasilien vor. Portulaca decipiens : Sie kommt in Australien vor. Portulaca decorticans : Sie kommt vom südlichen Somalia bis ins nördliche Kenia vor. Portulaca dhofarica : Sie kommt in Oman vor. Portulaca diegoi : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina vor. Portulaca digyna : Sie kommt im nördlichen Australien vor. Portulaca dodomaensis : Sie kommt im zentralen Tansania vor. Portulaca echinosperma : Sie kommt im nordwestlichen Argentinien vor. Portulaca edulis : Sie kommt nur in Zypern vor. Portulaca elatior : Sie kommt von der Karibik bis ins tropische Südamerika vor. Portulaca elongata : Sie kommt von Peru bis ins nordwestliche Argentinien vor. Portulaca eruca : Sie kommt in Paraguay und im nördlichen Argentinien vor. Portulaca erythraeae : Sie kommt vom nordöstlichen Sudan bis ins westliche Eritrea vor. Portulaca fascicularis : Sie kommt vom südöstlichen Kenia bis ins östliche Tansania vor. Portulaca filsonii : Sie kommt im nördlich-zentralen Australien vor. Portulaca fischeri : Sie kommt von Kenia bis ins nordwestliche Tansania vor. Portulaca fluvialis : Sie kommt von Peru bis ins südliche Brasilien und ins nordöstliche Argentinien vor. Portulaca foliosa : Sie kommt im tropischen und südlichen Afrika und auf der Arabischen Halbinsel vor. Portulaca fragilis : Sie kommt in Bolivien vor. Portulaca frieseana : Sie kommt im zentralen Brasilien vor. Portulaca fulgens : Sie kommt im nordwestlichen Argentinien vor. Portulaca gilliesii : Sie kommt von Bolivien bis ins nördliche Argentinien vor. Portulaca giuliettiae : Sie wurde 2016 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Portulaca goiasensis : Sie wurde 2016 aus dem brasilianischen Bundesstaat Goiás erstbeschrieben. Portulaca gracilis : Sie kommt in Bolivien vor. Portulakröschen (Portulaca grandiflora ): Es kommt ursprünglich in Südamerika vor und ist in Nord- und Mittelamerika, in Afrika, Asien und teilweise in Europa ein Neophyt. Portulaca grandis : Sie kommt vom südlichen Äthiopien bis ins nördliche Uganda und ins nordöstliche Tansania vor. Portulaca granulatostellulata (Syn.: Portulaca oleracea subsp. granulatostellulata ): Sie hat seit 2000 den Rang einer Art. Sie kommt in Europa, Afrika, Vorder- und Zentralasien vor. Portulaca greenwayi : Sie kommt im östlichen Kenia vor. Portulaca guanajuatensis : Sie wurde 2002 aus den mexikanischen Bundesstaaten Guanajuato sowie San Luis Potosí erstbeschrieben. Portulaca halimoides : Sie ist von den südlichen Vereinigten Staaten über Zentralamerika auf Karibischen Inseln bis Südamerika verbreitet. Portulaca hatschbachii : Sie kommt im südlichen Brasilien vor. Portulaca hereroensis : Sie kommt von Tansania bis ins südliche Afrika vor. Portulaca heterophylla : Sie kommt im östlichen Tansania vor. Portulaca hirsutissima : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Portulaca hoehnei : Sie kommt in Brasilien vor. Portulaca howellii : Sie kommt auf den Galápagos-Inseln vor. Portulaca humilis : Sie kommt in Tansania vor.