Eschelbronn ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg. Sie liegt im nördlichen Kraichgau am Schwarzbach und gehört zum Rhein-Neckar-Kreis. In der Region ist der Ort wegen der dort ansässigen Möbelproduktions- und Vertriebsunternehmen als traditionsreiches „Schreinerdorf“ bekannt. Er ist durch die Schwarzbachtalbahn an die umliegenden Ortschaften angebunden.
Eschelbronn wurde 788/789 erstmals urkundlich erwähnt und hatte in den folgenden Jahrhunderten bezüglich seiner Besitzverhältnisse und Ortsherren die wechselhafteste Geschichte der Dörfer der Meckesheimer Zent, wobei die Herren von Venningen und die Familie Seckendorff zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert eine besondere Rolle spielten. Die ehemalige Wasserburg Eschelbronn ist eines der am detailliertesten erforschten Burgareale in Baden-Württemberg.
Geografie Geografische Lage mini|Blick vom Kallenberg über Eschelbronn Eschelbronn liegt im nördlichen Kraichgau im Naturpark Neckartal-Odenwald auf 150 bis 265 Meter Höhe, etwa 25 Kilometer südöstlich von Heidelberg und umfasst seit 1986 ein Gebiet von 824 Hektar. Zuvor erstreckte sich das Gemeindegebiet über 826 Hektar., Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
Im Südsüdwestteil des Eschelbronner Gemeindegebiets liegt im Betteleichwald eine hohe, namenlose Erhebung, deren Gipfel sich wenige Meter nördlich der Grenze zur Gemeinde Waibstadt – bei deren Ortsteil Daisbach – befindet. Ebenfalls im Betteleichwald befindet sich südlich der Ortschaft eine hohe, namenlose Erhebung, und südöstlich im Schlosswald liegt der Galgenberg (ca. ). Die Gipfel liegen jeweils nahe der Grenze zu Eschelbronn im Gemeindegebiet von Neidenstein. Nordöstlich erhebt sich der Kallenberg () mit dem stillgelegten Steinbruch Kallenberg und dem Kallenbergsee, einem Tagebaurestsee.
Zwischen dem Eschelbronner Ortszentrum im Süden und der Ortslage Am Seerain im Norden verläuft der Elsenz-Zufluss Schwarzbach durch das Wiesental. Weitere Bäche im Gemeindegebiet, das insgesamt zum Einzugsgebiet des Schwarzbachs gehört, sind Bruchklingengraben, Epfenbach mit dem Mühlgraben, Neubach, Oppenlochgraben, Steinmörtgraben und Weihergrundgraben.
Dorfanlage und Nachbargemeinden Eschelbronn ist ein Haufendorf. Die Gemarkungsfläche Eschelbronns von 824 Hektar (ha) verteilt sich auf 382 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche, 261 ha Wald, 171 ha versiegelte Flächen und 10 ha Wasserfläche.Zahlen, Daten, Fakten, eschelbronn.de Der Ort entstand westlich und nordwestlich um die ersten Ansiedlungen auf dem heutigen Schlossplatz als Ausbauort von Waibstadt. Den Ortskern bildet der Marktplatz. Nördlich und nordöstlich davon befindet sich ein Gewerbegebiet.Eschelbronn bei leo-bw.de (Siehe auch: Erweiterung des Siedlungsgebiets im 20. und 21. Jahrhundert)
Der Ort gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Elsenztal an. bei meckesheim.de Zur Gemeinde gehören keine weiteren Ortschaften. Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde:
Geologie mini|Eschelbronn in der nordbadischen Hügellandschaft
Auf Muschelkalk aufgelagerter Lösslehm bildet den Großteil des kalkhaltigen Bodens, auf dem die Eschelbronner Gemarkungsfläche liegt. Vor allem im Süden erscheint in den Fluren In den Platten, Zinsgrund, Finstergrund und Galgenberg, sowie um den Schwarzbach in den Fluren Wingertsberg, Schaafberg, Bettweg, Unteres Meckesheimer Wäldle, Dickmannzeltebuckel und Schleifigrain Oberer Muschelkalk an der Erdoberfläche. Im Norden tritt in den Fluren Mönchzellerweg, Seerain und Lohbrunnen Mittlerer Muschelkalk hervor.Helmut Stier: Von der jahrhundertealten Tradition und den großen Sorgen heutzutage. In: 1200 Jahre Eschelbronn, 789–1989. S. 124.
Wald und Schutzgebiete Die Eschelbronner Waldfläche mit 261 Hektar Fläche ist in sieben Walddistrikte unterteilt: I Hetzenloch, II Trippelberg, III Ziegelhüttenwald, IV Wingertsberg, V Brünnleswald, VI Dickmannshälde und VII Betteleichenwald. Letzterer hat mit 96 Hektar die größte zusammenhängende Fläche. Der Wald besteht zu etwa 75 Prozent aus Laubbäumen und zu 25 Prozent aus Nadelbäumen. Mit einem Anteil von ungefähr 60 Prozent ist die Rotbuche die am häufigsten vorkommende Baumart. Etwa zwei Drittel des Waldes bedecken Lehmboden.Holger Schilling: Geschichte und Gegenwart des Eschelbronner Waldes. In: 1200 Jahre Eschelbronn, 789–1989. S. 143 ff.
Mit den Bäumen der KastanienalleeKarin Mayer-Namnik, Joachim Friedel: Mein Freund der Baum….? In: Howwl. Heimatblatt des Schreinerdorfes Eschelbronn, Nr. 12, 1996, S. 29 ff. besitzt der Ort ein Naturdenkmal. Bis Oktober 2019 existierten zudem die Winterlinde am Friedhof und bis April 2025 die Alte Linde als weitere Naturdenkmale. Mit dem Steinbruch KallenbergSteinbruch Kallenberg Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und dem Unteren SchwarzbachtalEschelbronn Detailseite bei leo-bw.de gibt es zudem zwei ausgewiesene Naturschutzgebiete. Das erste befindet sich zu 91,33 Prozent und das zweite zu 8,67 Prozent auf Eschelbronner Gemarkung. Die zur Trinkwasserversorgung gefasste Hetzenlochquelle am nördlichen Rand des Gemeindegebietes im Epfenbachtal wurde durch Verordnung vom 21. Februar 1963 in drei Schutzzonen eingeteilt. Während der Bereich um die eingezäunte Brunnenstube die Wasserschutzzone I bildet, erstreckt sich die Wasserschutzzone III bis auf die Gemarkungen der Nachbargemeinden Spechbach und Epfenbach. Die Pflege der umliegenden Gewässer übernimmt der Sportfischerverein Eschelbronn, der nach der Anlage des durch Ausgrabungen von 1971 bis 1975 entstandenen Schlosssees gegründet wurde. Er besitzt Nutzungsrechte für den Schlosssee, den Epfenbach und den Kallenbergsee.Sportfischerverein Eschelbronn e. V. In: 1200 Jahre Eschelbronn. 789–1989, S. 389.
Der Verein der Natur-, Tier- und Vogelfreunde pachtet seit dem 14. März 1980 das ehemalige Steinbruchgelände im Gewann Pfaffengrund. Es wurde bis 1975/76 als Mülldeponie genutzt, danach bepflanzt und auf Initiative des Vereins als Vogelschutzgebiet gestaltet.
Die erste Natur- und Umweltschutzorganisation im nördlichen Kraichgau war der 1983 gegründete Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. 1984 wurde die Ortsgruppe Eschelbronn gebildet, die sich speziell mit Problemen der Eschelbronner Landwirte und Pflegemaßnahmen für den Kallenberg beschäftigte. Später übernahm die Bürgerinitiative für Umweltschutz Kultur- und Heimatpflege die Aufgaben.Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – Ortsgruppe Eschelbronn. In: 1200 Jahre Eschelbronn. 789–1989, S. 391 f.
mini|Steinbruchsee am Kallenberg
Der Gesteinsabbau im Naturschutzgebiet Steinbruch Kallenberg wurde 1977 (oder 1978) eingestellt und hinterließ auf einer Fläche von 9,79 Hektar eine bis zu 30 Meter tiefe, teils von Feldwänden begrenzte Grube, in dem sich der Kallenbergsee sammelte. Auf dem Gelände bildeten sich ein Feucht- und ein Trockenbiotop. 1984 kaufte die Gemeinde mit Förderung durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg und den Naturpark Neckartal-Odenwald das Gelände. Im Folgejahr wurde ein 4,87 Hektar großes Areal als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen.Joachim Friedel: Das Flächenhafte Naturdenkmal Kallenberg. In: Howwl. Nr. 11, Heimatblatt des Schreinerdorfes Eschelbronn, 1. Mai 1987, S. 29. 1989 wurde die Fläche erweitert und zum Naturschutzgebiet erklärt. Dadurch konnte die größte Population von Gelbbauchunken in Südwestdeutschland gerettet werden, die vorher wegen fehlender Rekultivierungsmaßnahmen im Steinbruch und durch Motocross-Veranstaltungen bedroht war.Joachim Friedel: Der Kallenberg – ein Naturschutzgebiet! In: 1200 Jahre Eschelbronn 789–1989. S. 311 ff.
In den frühen 1960er-Jahren wurden die Schul-, die Bodem- und die Ringstraße im Zuge der nordwestlichen Erschließung des Siedlungsgebiets als Alleen mit insgesamt etwa 30 Rotdornbäumen bepflanzt.Weg mit den Bäumen Rhein-Neckar-Zeitung vom 1. August 2012 Den Beschnitt führten der Bauhof, der Bund für Umwelt und Naturschutz, die Siedlergemeinschaft und Anwohner durch. Als die Bäume keine Blüten mehr trugen, beschloss der Gemeinderat 2012 deren Fällung. Eine Untersuchung des Naturschutzfachdiensts des Rhein-Neckar-Kreises ergab jedoch, dass die Bäume gesund waren. Sie standen im Mai 2015 wieder in Blüte.Eschelbronns totgesagte Bäume zeigen plötzlich Blüten Rhein-Neckar-Zeitung vom 27. Mai 2015
Entlang der Bahnstrecke nach Meckesheim wurden 2015 Wurzelausschwemmungen bei 257 Bäumen, vor allem Pappeln, Weiden und Erlen, festgestellt, was als Sicherheitsrisiko für den Schienenverkehr eingestuft wurde. Für die geplante Zurückschneidung der betroffenen Bäume bedarf es jedoch einer naturschutzrechtlichen Genehmigung. Ein Vertreter der Naturschutzbehörde und der Baumsachverständige sprachen von 40 bis 50 betroffenen Bäumen.Müssen in Eschelbronn Bäume fallen, damit die Bahnen fahren?, Rhein-Neckar-Zeitung vom 14. November 2015
Um 2015 breitete sich der unter Artenschutz stehende Biber über die Elsenz kommend am Schwarzbach aus, und hinterließ in Eschelbronn Spuren an Weiden, Erlen und Pappeln entlang des Ufers.
Jagdbezirke Eschelbronn besitzt zwei Jagdbezirke, den Jagdbogen I, wegen seiner geografischen Lage auch „Links des Schwarzbachs“ genannt, mit einer Größe von etwa 500 Hektar und den Jagdbogen II („Rechts des Schwarzbachs“), der etwa 250 Hektar umfasst. Der Pächter des Jagdbogens I kündigte zum 31. März 2015 vor Ablauf der Vertragsfrist von neun Jahren und begründete dies mit einem zu hohen Wildschaden. Dieser habe den Nettopachtpreis der Pacht um 25 Prozent überstiegen, was die außerordentliche Kündigung ermöglichte. Die Gemeinde schrieb den Jagdbogen im November 2014 neu zur Verpachtung aus und der Jagdbezirk wurde nach der zweiten Ausschreibung, bei der auch auswärtige Jäger mitbieten durften, an einen solchen zu einem deutlich niedrigeren Pachtpreis vergeben.Eschelbronn: Jägern ist die Waidlust versaut, Rhein-Neckar-Zeitung vom 30. März 2015
Hochwasserproblematik mini|Überflutete Bahnhofstraße beim Hochwasser 1994. Im Ortszentrum war ein Höchststand von 1,80 Metern gemessen worden.
Der Anstieg der Wasserpegel der Elsenz und des Schwarzbachs führte mehrfach zu Überschwemmungen, zu besonders großen in den Jahren 1862, 1891, 1921, 1952, 1956,Vom Hochwasser. In: Eschelbronn – Deine Heimat. Heimat- und Verkehrsverein, 1957, S. 106. vom 21. bis 23. Februar 1970, 1993, 1994 und 2002. Begünstigt wurde der Pegelanstieg öfters durch die Verengung des Wasserdurchlasses des Schwarzbachs an der Ziegler’schen Mühle.Wilfried Wolf: Die Schneid-, Säg- und Mahlmühle an der Schwarzbach (Zieglersche Mühle). In: 1200 Jahre Eschelbronn, 789–1989. S. 46 ff. Das Hochwasser im Jahr 1956 fiel auf das Datum der Landtagswahl am 4. März. Neben der bundesweiten Presse berichtete die New Yorker Staats-Zeitung über die Flut und wie ein Bürger mit seiner Tochter auf einem selbstgebauten Floß zur Stimmabgabe ins Rathaus ruderte.Hochwasser in Eschelbronn. In: 1200 Jahre Eschelbronn, 789–1989. S. 51 ff.
mini|Hochwasserschutz in der Bahnhofstraße
Quelle: Zweckverband HWS Dezember 1993 Juni 1994 März 2002 Niederschlag Dauer 3 Tage 3 Stunden 3 Tage Summe rund 140 mm bis zu 250 mm rund 90 mm Abflüsse Pegel Eschelbronn/Schwarzbach 83,2 m³/s 138 m³/s 42 m³/s Pegel Meckesheim/Elsenz 21 m³/s 24 m³/s 36,4 m³/s
Am 21. Dezember 1993 kam es zu Überschwemmungen mit einer Wassermarke des Schwarzbachs von 3,17 Metern., Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg