Die Postgeschichte von Cottbus, einer kreisfreien Stadt in Brandenburg, reicht bis in das Jahr 1692 zurück, in dem eine Reit- und Fahrpostverbindung von Berlin/Cölln nach Cottbus eingerichtet wurde.

Auf diese Zeit geht das Ritual des „Postkutsche-Putzens“ zurück, das sich im über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Zungenbrecher vom Cottbuser Postkutscher verewigte: Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten. Seit über 150 Jahren dient der Postkutscher als Werbeträger der Stadt. Im Jahr 2006 wurde am Stadttor (Lindenpforte) die Plastik Der Cottbusser Postkutscher des Künstlers Christian Uhlig aufgestellt, die den Zungenbrecher humorvoll darstellt.Kunstgiesserei Flierl:

Mittelalter bis 1944 Die allgemeine nicht öffentliche Post im Mittelalter Bis zum späten Mittelalter gab es keine öffentliche Post. Nur Kaiser und Reichsfürsten nutzten Boten und Reiter, die mit schriftlichen Nachrichten direkt zu den Zielorten geschickt wurden. Kaufleute und Zünfte beförderten ihre Briefe durch ortseigene Botenanstalten. Am Anfang war die Post eine herrschaftliche Post, die nicht der Allgemeinheit zugänglich war. Erst um 1530 wurde die Post öffentlich. Durch regelmäßige Postverbindungen waren die mitteleuropäischen Städte miteinander verbunden. Im Abstand von je einer Tagesreise wurden feste Poststationen aufgebaut. Diese Stationen bekamen im Laufe der Zeit erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Sie waren Treffpunkt, Gasthaus, Herberge, Pferdestall, Tausch- und Handelsplatz. Poststationen wurden zu einem wichtigen zentralen Punkt bei der Entwicklung von Dörfern und Städten.

Entwicklung der Post bis zum Bau des ersten Postamtes 1692 Bereits im Jahr 1580 erließ der Kurfürst Johann Georg die erste brandenburgische Botenordnung. In der Folgezeit wurden vermehrt reitende Boten eingesetzt. Kurfürst Johann Sigismund erließ im Jahr 1614 eine neue Botenordnung, die aber erst im Jahr 1660 in Kraft trat. 1692 führte die sächsische Post auf ihrem Weg von Dresden nach Warschau direkt über Cottbus. Cottbus lag als brandenburg-preußische Enklave mitten im kurfürstlichen Sachsen. Es wurde deshalb notwendig, in Cottbus ein preußisches Grenzpostamt einzurichten. Damals befand sich die Postexpedition im Gebäude des Amtsrates Hubert. Vermutlich war dies das erste Cottbuser Postamt.

Postkutschen und Postillione bis zum Ende der Postkutschenzeit 1872 mini|Postkarte mit Zungenbrecher

Bis 1692 lässt sich das Ritual des „Postkutsche-Putzens“ zurückverfolgen, denn die damalige Postordnung schrieb den Postillonen vor, dass sie mit sauberen Kutschen vor dem Posthaus vorzufahren hatten. Bereits im Jahr 1692 existierte in Brandenburg eine Reit- und Fahrpostverbindung von Berlin/Cölln bis nach Cottbus über den sächsischen Ort Lieberose. Der Cottbuser Postillion hatte die Aufgabe, Personen mit der Postkutsche zu befördern. Die Ankunft der Postkutsche wurde bis zum Jahr 1694 durch das Horn des Postkutschers angezeigt, dann verbot der Kurfürst den Postkutschern ihr Horn in der Stadt zu blasen. Im Jahr 1698 wurde eine weitere Fahrverbindung zur Personenbeförderung zwischen Berlin und Cottbus mit der Postkutsche eingerichtet. In der Blütezeit der Postkutschen, ungefähr 1852, wurden täglich 14 Poststrecken von 14 Postillionen befahren. In der Posthalterei standen dafür in Cottbus 44 Postpferde bereit. Bis zu 60 Passagiere am Tag brauchten eine Unterkunft in Cottbus. Im Jahr 1866 wurde Cottbus an das Eisenbahnnetz angeschlossen und es öffnete sich ein neues Tor zur Welt. Durch die Angliederung der Niederlausitz an das Eisenbahnstreckennetz verringerte sich allerdings die Anzahl der Postrouten. So verfügte die Posthalterei im Jahr 1867 nur noch über zwölf Postillione und 40 Pferde. Ein Jahr später waren es nur noch zehn Postillione, 25 Pferde und acht Postkutschen. Am 29. Februar 1872 fuhr die letzte Fahrpost nach Forst, die Eisenbahn hatte die Postkutsche abgelöst. Die Postillione waren ihrer eigentlichen Funktion enthoben und kutschierten fortan nur noch Pakete von den öffentlichen Einsammelstellen zum Postamt und zum Bahnhof. Nach Beendigung der Personenbeförderung im Jahr 1872 blieb die Berufsbezeichnung „Postillion“ bis zum motorisierten Transport der Postsachen in den zwanziger Jahren bestehen. Im Jahr 1878 verkehrte endgültig die letzte Personenpostkutsche.

Entwicklung der Post und der Poststandorte von 1700 bis 1944 mini|Passagier – Billet für die Postkutsche von 1824

Die erste Cottbuser Postanstalt befand sich im Jahr 1700 in der Sandower Gasse – Ecke Gertraudenstraße. Im Jahr 1701 wurde die abgehende Fahrpost in Richtung Berlin zweimal wöchentlich von der Sandower Straße 54 aus abgefertigt. Das Fahrgeld für einen Reisenden mit der Postkutsche betrug 1702 pro Meile und Person fünf Groschen, zuzüglich des Postillontrinkgeldes. Das Briefporto kostete zu der Zeit einen Groschen und sechs Pfennige. Nach der Postordnung von 1711 musste Geld im Postamt in Gegenwart des Postmeisters in den Brief eingelegt und dann versiegelt werden. Die Sendung wurde dann in besondere Verwahrung des Postillons genommen. Nur ein Jahr später wurde festgelegt, dass Briefe grundsätzlich zu versiegeln waren. Die Postsachen wurden dem Postmeister eigenhändig ausgeliefert und wurden in das Postannahmebuch eingetragen. Die Einrichtung einer Paketbestellung beim hiesigen Postamt erfolgte am 1. Juli 1862. Das Porto für ein Paket betrug eineinhalb Silbergroschen.

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Cottbus eine erste Poststation, zunächst in der Spremberger Gasse (heute Spremberger Straße, gegenüber der heutigen Schlosskirche). Die Cottbuser Postexpedition (was heute etwa einer Postagentur entspricht) war im Jahr 1801 auf dem Gelände des späteren Amtsgerichtes am heutigen Schlossberg untergebracht. Am 15. April 1810 wurde erstmals eine Karte mit allen Poststationen in Cottbus und Umgebung herausgegeben und im Posthaus öffentlich ausgelegt. Die königliche Postexpedition wurde am 29. November 1811 in das Haus des Färbers Mundt vor das Luckauer Tor verlegt. Die Postexpedition zog im Jahr 1819 in das Haus Klosterstraße 180 (unweit der Wendischen Kirche – heute Teil des Geländes Klosterstraße 18). Im Jahr 1824 befand sich die Post im Luckauer Viertel, Haus Nummer 180. Der aus Sachsen stammende Hauptmann a. D. Peter Joachim Schröder war seinerzeit Postmeister und besorgte mit den Postsekretären Michaelis und Lutze die Postgeschäfte.

Das Cottbuser Postamt bekam am 1. Juli 1835 einen weiteren neuen Standort im „Lobedanschen Haus“ in der Spremberger Straße 74, dem späteren Kaufhaus Waldschmidt, heutige Gaststätte „Stadt Cottbus“.

Im Jahr 1852 wurde die Passagierstube der Post von der Spremberger Straße 74 in das gegenüberliegende Haus des Gastwirts Zesch verlegt. Hier konnten die Fahrgäste verköstigt werden, und sie übernachten dort. Die Gaststube trug später den Namen „Alte Post“. Im Jahr 1853 zog die Passagierstube erneut um, diesmal in die Spremberger Straße 44, in das Haus des Bäckermeisters Kriesche (direkt neben der Schlosskirche). Der technischen Fortschritt, die Telegrafie, machte auch vor Cottbus nicht halt. So wurde am 16. Juli 1858 in der Wallstraße 7 (heute Friedrich-Ebert-Straße) die erste Telegrafenanstalt der Stadt errichtet. Bis 1869 entwickelte sich die Telegrafie so rasch, dass auf dem Grundstück der Post in der Berliner Straße mietweise eine Telegrafenstation untergebracht wurde. Auch die Postverbindungen nahmen sehr deutlich zu, so gab es im Jahr 1862 täglich vier Postkutschen, die von Cottbus nach Guben fuhren. Im Jahr 1866, mit dem Anschluss von Cottbus an das Eisenbahnnetz, wurde auch Post mit der Bahn transportiert. Dazu wurde am 1. Juli 1871 sogar eine Zweigstelle der Post auf dem Bahngelände eingerichtet.

Die Postverwaltung kaufte im Jahr 1875 das Grundstück am Berliner Platz 3 um den Postbetrieb zu zentralisieren. Das Gelände wurde für 169.500 Taler vom Post-Fiskus, dem Generalpostmeister Heinrich von Stephan, erworben. Bereits am 16. Dezember 1876 verlegte man den gesamten Postdienstbetrieb zum Berliner Platz 3. Im November 1877 wurde im Rathaus Cottbus das erste Telefon aufgestellt. Am 24. April 1878 wurde die erste Bahnpost für Cottbus auf dem Görlitzer Bahnhof (späterer Staatsbahnhof und heutiger Hauptbahnhof) errichtet. Bereits im Jahr 1880 erwarb die Post weitere Flächen, um mit der Entwicklung schritthalten zu können. Die bestehenden Botenposten wurden am 15. Mai 1885 zwischen Cottbus-Bahnhof und Madlow aufgehoben, an deren Stelle errichtete man eine Landpostfahrt zwischen den genannten Orten. Diese Landpostfahrt des hiesigen Postamtes wurde im Jahr 1887 durch ein Privatpersonenfuhrwerk ersetzt. Am 26. Juni 1886 begann die Post mit der Verlegung von Leitungen und Telefonen. Drei Jahre später wurde der Fernsprechverkehr mit anderen Städten aufgenommen.

Im Jahr 1888 erfolgte der Abbruch des alten Postgebäudes und gleichzeitig entstand ein neues Postgebäude am Berliner Platz, das am 22. Juni 1891 als neues Hauptpostamt in Betrieb genommen wurde. Der Bau des zweigeschossigen Neurenaissancegebäudes kostete etwa 282.000 Mark. In dem Turm waren die Freileitungen des Telegrafen sichtbar untergebracht. Bereits im Jahr 1914 war das Postgebäude für den täglichen Betrieb zu klein, das Gebäude wurde um ein Stockwerk aufgestockt, dabei wurde der nicht mehr benötigte Turm mit Antennenkuppel beseitigt.

Im Jahr 1894 eröffnete in der Sandower Hauptstraße 11 eine Poststelle für den Stadtteil Sandow. Im Jahr 1904 wurde ein erstes Benzinauto für die Verteilung der Landpost gekauft.

Ein Bahnpostgebäude für die Öffentlichkeit wurde im Dezember 1912 eröffnet. Im Erdgeschoss waren die Schalter und die Packkammer, in der oberen Etage befanden sich die Aufenthaltsräume für das Beamtenpersonal. Leider wurde es nur drei Jahre später im Ersten Weltkrieg zerstört. Im Jahr 1917 erfolgte der Transport des hohen Aufkommens an Feldpost mit B-Doppeldecker-Flugzeugen. Zusätzlich eröffnete man am 23. Mai 1927 den Zivilflugplatz in Cottbus. Die Piloten übernahmen die Luftpostsendungen der Stadt Cottbus.

Im Jahr 1928 wurde eine zusätzliche Postbetriebsstelle mit eigenem Poststempel in der Abfertigungshalle des Flugplatzes eröffnet. Bei einem Luftangriff auf dem Flugplatz am 11. April 1944 wurde das Postlager an der Rennbahnsiedlung schwer getroffen.

Im Jahr 1930 wurde der Bahnpostverkehr auf der Spreewaldbahn eingestellt. Als das Hauptgebäude nicht mehr ausreichte (Kriegspost), wurde 1943 auf dem Berliner Platz zusätzlich eine massive Holzbaracke aufgestellt. In ihr befanden sich die Briefverteilung sowie die Zeitungs- und Rundfunkstelle.

Briefmarken, Briefkästen und Poststempel in Cottbus Ein Brief von Cottbus nach Berlin kostete im Jahr 1699 zwei Groschen, das war mehr als doppelt so viel wie ein Pfund Fleisch. Das Briefporto von Cottbus nach Berlin betrug im Jahr 1702 nur noch einen Groschen und sechs Pfennige.

Der erste Poststempel von Cottbus erschien im Jahr 1799. Ein Poststempel vom 6. November 1805 aus Cottbus ist als einer der ersten in Preußen überhaupt auf einem Posteinlieferungsschein mit der Unterschrift des hiesigen Postmeisters Wilke überliefert.

Die ersten Briefmarken wurden am 15. November 1850 in Cottbus ausgegeben. In der Cottbuser Wochenschrift vom 25. April 1824 wurde erstmals ein Briefkasten „im Posthaus“ (Spremberger Straße 74) erwähnt. Im Jahr 1827 gab es in Cottbus noch immer nur einen Briefkasten.

Infolge einer höheren Anordnung wurden am 4. Februar 1851 zwei weitere Briefkästen aufgestellt, einer auf dem Flur des Rathauses, da der Magistrat zu dieser Zeit mit zu den größten und wichtigsten Postkunden der Stadt gehörte. Ein zweiter wurde am Luckauer Tor (Berliner Platz) aufgestellt.

1945 bis 2014 Die Nachkriegspost mit Provisorien und Aufbauten mini|Das ehemalige Postgebäude am Berliner Platz

Bei dem Bombenangriff am 15. Februar 1945 wurden der Hauptbahnhof und das Bahnhofspostamt zerstört. Im Frühjahr 1945 brannte das Postgebäude am Berliner Platz fast vollständig aus.