Südvietnam bezeichnet mehrere historische Staaten, die 1954 aus der Teilung Vietnams nach der französischen Niederlage in der Schlacht um Điện Biên Phủ im Indochinakrieg entstanden. Die offiziellen Namen lauteten von 1949 bis 1955 Staat Vietnam (Quốc gia Việt Nam), danach bis 1975 Republik Vietnam (Việt Nam Cộng Hòa). Nach der Kapitulation der Republik Vietnam am Ende des Vietnamkriegs wurde die kommunistisch dominierte Republik Südvietnam (Cộng Hòa Miền Nam Việt Nam) etabliert, die im Juli 1976 mit Nordvietnam zur Sozialistischen Republik Vietnam vereinigt wurde.
Südvietnams Hauptstadt war Saigon. Die autoritäre antikommunistische Regierung von Ngô Đình Diệm lehnte die Vereinbarungen der Indochinakonferenz ab und verhinderte die für das Jahr 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen.
In Südvietnam entstand die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams, die sich gegen die autoritäre Herrschaft Diems richtete. Infolge dieser Probleme kam es 1964 zum Vietnamkrieg, der sich, abgesehen von US-amerikanischen Luftangriffen auf nordvietnamesische, kambodschanische und laotische Ziele, hauptsächlich auf südvietnamesischem Boden abspielte und dem Land schwere Verwüstungen einbrachte.
Geographie
Südvietnam lässt sich in drei große Landschaftsgebiete einteilen: die flachen Landstriche an der Küste, das bergige Hinterland Truong Son und das fruchtbare Mekong-Delta ganz im Süden des Landes. Das Klima ist tropisch.
Das Land war ab 1967 in 44 Provinzen eingeteilt. Die Hauptstadt Saigon wurde nach ihrer Einnahme durch die FNL am 1. Mai 1975 in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.
Geschichte Vorgeschichte Der südliche Teil Vietnams war von 1863 bis 1954 als Cochinchina Teil der französischen Kolonie Indochina und wurde von einem Gouverneur von Hanoi aus regiert. Die europäischen Besatzer nutzten Südvietnam vor allem für den Plantagenanbau. Einzelne Cochinchinesen besaßen das Wahlrecht zur französischen Nationalversammlung und wurden von Frankreich auch kulturell beeinflusst. Nachdem Frankreich 1940 im Zweiten Weltkrieg vom NS-Staat besiegt worden war, wurde Cochinchina von der Vichy-Regierung verwaltet. Im weiteren Kriegsverlauf wurde Vietnam schließlich von Japan besetzt, was eine Doppelherrschaft der Franzosen und der Japaner über das Land zur Folge hatte, bis die Franzosen im März 1945 endgültig verdrängt wurden. Daraufhin erklärten die Japaner die Unabhängigkeit Vietnams und kontrollierten das Land im Hintergrund. Gegen die Fremdherrschaft kämpfte die militante Việt Minh unter Führung von Hồ Chí Minh, die aus Nationalisten und Kommunisten bestand. Nach der Kapitulation der Japaner im August 1945 gegen die Alliierten erklärte Hồ Chí Minh in Hanoi in der Augustrevolution die Unabhängigkeit Vietnams und gründete nach Abdankung des Marionettenkaisers der Japaner Bảo Đại am 25. August die kommunistische Demokratische Republik Vietnam, die er selbst als Präsident regierte. Frankreich erkannte die Autonomie Vietnams zwar am 6. März 1946 an, widerrief dies aber im November gleichen Jahres.
Bereits seit September 1945 begannen die Franzosen in Südvietnam ihre alte Verwaltung wieder einzurichten und erklärten Cochinchina im Juni 1946 zur autonomen Republik, die aber Teil der Kolonie Französisch-Indochina bleiben sollte. In der Folge versuchten sie, auch den Norden des Landes wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Daraufhin begannen die Việt Minh im Dezember mit dem Angriff auf die französische Garnison in Hanoi den Indochinakrieg, um die Fremdherrschaft zu beenden.
Gründung des Staates Vietnam Am 14. Juni 1949 bildete sich im Süden Vietnams in Saigon eine antikommunistische, loyal zu Frankreich stehende Gegenregierung zu den Viet Minh. Angeführt wurde sie vom früheren Kaiser Bảo Đại. Vietnam wurde danach zum Objekt des Kalten Krieges, da die westlichen Mächte Großbritannien und die USA den Staat Vietnam im Süden anerkannten, während die Ostblockstaaten wie China oder die Sowjetunion die Regierung des Nordens unter Ho Chi Minh offiziell anerkannten. Die Aufnahme Südvietnams als Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen scheiterte 1957 am Veto der Sowjetunion.
Nach dem Rückzug der Franzosen aus Vietnam infolge der Niederlage in der Schlacht von Điện Biên Phủ endete der Indochinakrieg. Das Land erhielt seine Unabhängigkeit und wurde im Rahmen der Indochinakonferenz 1954 in den kommunistischen Norden und den Süden unter Kaiser Bảo Đại geteilt, der weiter unter westlichem Einfluss stehen sollte. Die Teilung des Landes sollte aber nur provisorisch erfolgen, für 1956 waren gesamtvietnamesische Wahlen geplant.
Herrschaft des Ngô Đình Diệm Die für 1956 geplanten gesamtvietnamesischen Wahlen fanden allerdings nicht statt, da 1955 der Premierminister der südvietnamesischen Regierung, der katholische Nationalist Ngô Đình Diệm, den beim Volk unbeliebten Kaiser Bảo Đại absetzte und Südvietnam zur Republik ausrief. In einem manipulierten Referendum ließ sich Diệm am 23. Oktober 1955 mit 98 % der Stimmen zum ersten Präsidenten der Republik Vietnam wählen. Diệm wurde von den USA unterstützt, die später massiv den Staatshaushalt subventionierten, und lehnte die Beschlüsse der Indochinakonferenz ab. Mit dem Argument, dass Südvietnam den Indochinavertrag nicht unterzeichnet habe, erklärte Diệm, dass die gesamtvietnamesischen Wahlen nicht stattfänden. In Wahrheit lehnte er die Wahlen ab, weil für ihn zu befürchten stand, dass sich in diesen die Kommunisten durchsetzen würden. Die Franzosen zogen 1956 ihre letzten Soldaten aus Vietnam ab und hinderten Diệm nicht an seinen Plänen.
Die US-amerikanische Regierung schickte Militärberater nach Südvietnam, um die Bekämpfung des ab 1957 aufflammenden latenten Aufstandes zu unterstützen. Die religiöse Minderheit der Caodaisten oder die kriminelle Vereinigung Bình Xuyên wurden vom autoritären Präsidenten in militärischen Aktionen besiegt. Durch die Vernichtung der kaiserlichen Garde und kaisertreuer buddhistischer Truppen oder Milizen schwächte er aber auch die antikommunistischen Kräfte Vietnams entscheidend.
Um seine Macht zu sichern, setzte Diệm Verwandte in höchste Staatsämter. Er schuf zwei Geheimdienste, die sich gegenseitig bespitzelten, und ließ zwischen 1955 und 1957 12.000 Menschen, vor allem politische Gegner, aber nicht nur Kommunisten, töten. Außerdem wurden ungefähr 150.000 Personen inhaftiert.
In den nächsten Jahren machte sich der Präsident aber in der Bevölkerung und auch bei den USA, ohne die Südvietnam nicht überlebensfähig gewesen wäre, zunehmend unbeliebt, da er eine Bodenreform ablehnte. Stattdessen ordnete er Zwangsumsiedlungen der Landbevölkerung an, um dadurch der FNL Mitglieder zu entziehen. Die Zwangsumsiedlungen erreichten allerdings eher das Gegenteil ihres ursprünglichen Ziels: Viele Menschen, die dem Kommunismus bisher ablehnend gegenübergestanden hatten, schlossen sich nun der FNL an, um gegen Diệm Widerstand zu leisten. Der katholische Präsident begann weiterhin eine christliche Bekehrungskampagne, die ihm die Abneigung der Buddhisten im Lande einbrachte. Auch die USA wandten sich wegen Diệms autoritärem Herrschaftsstil immer weiter von ihm ab.
Am 8. Mai 1963 erschütterte dann die Buddhistenkrise Südvietnam: Am Geburtstag des Buddha zeigten buddhistische Mönche verbotenerweise buddhistische Flaggen, worauf Diệms Elitesoldaten in die unbewaffnete Menge schossen. Neun Menschen starben. Nach diesem Vorfall kam es zu weiteren Demonstrationen – vor allem von Studenten – gegen den Präsidenten, die dieser ebenfalls blutig niederschlagen ließ. Im Juni 1963 erreichten die Bilder der Proteste auch die Weltöffentlichkeit, als sich der Mönch Thích Quảng Đức selbst verbrannte.
miniatur|Die Leiche von Ngô Đình Diệm Während der Buddhistenkrise entsandten die USA mit Henry Cabot Lodge junior einen neuen Botschafter nach Saigon. Dieser signalisierte den ebenfalls unzufriedenen Generälen der ARVN, dass die Regierung der Vereinigten Staaten nichts gegen einen Machtwechsel in Südvietnam einzuwenden habe. Daraufhin wurde Diệm am 1. November 1963 in einem Militärputsch gestürzt. Diệm zeigte erst Bereitschaft zu Reformen, als sein Präsidentenpalast bereits von Soldaten umstellt und seine Garde entwaffnet worden war. Vergeblich ersuchte Diệm den US-Botschafter um Hilfe und floh dann mit seinem Bruder durch unterirdische Geheimgänge. Trotzdem wurden die beiden später von den Putschisten gefunden und getötet.
Häufige Regierungswechsel und Vietnamkrieg
Nach Diệms Tod übernahm der vorherige Armeechef Dương Văn Minh die Macht und regierte mithilfe einer Militärjunta das Land.
In den nächsten beiden Jahren wechselten sich in kurzer Zeit verschiedene Militärregierungen an der Spitze der Republik Vietnam ab. Am 30. Januar 1964 folgte General Nguyễn Khánh nach einem unblutigen Staatsstreich auf Minh und blieb auch faktisch an der Macht, als er Nguyễn Văn Thiệu im September zum Präsidenten wählen ließ. Im Februar 1965 wurde er nach einem weiteren Staatsstreich von Phan Khắc Sửu als Präsident und Nguyễn Cao Kỳ als Premierminister ersetzt. Erst im Jahr 1967 kehrte das Land zu einer verfassungsgemäßen Regierungsform zurück, Kỳ blieb Vizepräsident, verlor aber seinen politischen Einfluss, während Nguyễn Văn Thiệu Südvietnam bis 1975 regierte.
Wegen der inneren Unruhen im Süden gelang es der FNL bis 1964, 40 % des Staatsgebietes unter ihre Kontrolle zu bringen. Die südvietnamesische Armee befand sich in schlechtem Zustand und konnte nur wenig Widerstand leisten.
Am Vietnamkrieg nahmen neben den Hauptkriegsparteien USA, Südvietnam, Nordvietnam und dem FNL auch Australien, Neuseeland und Südkorea teil. Die Volksrepublik China beteiligte sich offiziell nur indirekt; auch die anderen Ostblockstaaten, insbesondere die Sowjetunion, unterstützten Nordvietnam lediglich indirekt mit massiven Waffenlieferungen.
Im Jahr 1965 schickten die Vereinigten Staaten von Amerika die ersten Truppen zur Unterstützung Südvietnams gegen die kommunistische FNL. Die Kämpfe spitzten sich immer weiter zu, während der Tet-Offensive 1968 befanden sich 1,5 Millionen südvietnamesische und 500.000 amerikanische Soldaten im Krieg. Ab 1968 versuchten die USA mehr und mehr, den Krieg zu vietnamisieren. Sie schränkten ihr direktes Engagement immer mehr ein und versuchten die Hauptlast der militärischen Operationen der südvietnamesischen Armee zu übertragen. Diese neue Politik fand ihren Abschluss im Jahre 1973, als die letzten US-amerikanischen Truppen Südvietnam nach dem Abschluss der Pariser Friedensverträge verließen. Die USA konnten ihr Ziel, den Süden zu stabilisieren, also letztendlich nicht erreichen. Trotz des Einsatzes von moderner Kriegstechnologie waren die Guerilla-Kämpfer des Vietcong im dichten Urwald, der mit unterirdischen Fluchtwegen präpariert war, nicht zu bezwingen. Die Natur nahm durch Entlaubungsmittel, die die USA einsetzten, schweren Schaden. Im März 1973 verließen schließlich die letzten US-Einheiten Vietnam, nachdem sie schwere Verluste hatten hinnehmen müssen und die amerikanische Öffentlichkeit zunehmend kriegsmüde geworden war.