Wegeleben ist eine Stadt der Verbandsgemeinde Vorharz im Landkreis Harz östlich von Halberstadt in Sachsen-Anhalt (Deutschland).
Geografie Lage Durch Wegeleben fließt der Goldbach, der bei Wegeleben in die Bode mündet. Die Stadt ist Sitz der Verbandsgemeinde Vorharz. Der Kiessee liegt in der Nähe. mini|hochkant=1.2|Luftaufnahme von Wegeleben (2019)
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, im Westen beginnend: Halberstadt (mit dem Ortsteil Emersleben), Schwanebeck (Ortsteil Nienhagen), Gröningen, Selke-Aue, Hedersleben, Ditfurt, Quedlinburg, Harsleben. Hohen Wedderstedt im Südosten ist heute wüst.
Die Verbindung zwischen Wegeleben und Schwanebeck ist ein nur wenige Meter breiter Schlauch. Dieser wurde über einen Gebietstausch geschaffen, da gemäß den Landesgesetzen Wegeleben und Schwanebeck nur als benachbarte Gemeinden die ehemalige Verwaltungsgemeinschaft Bode-Holtemme bilden konnten.(siehe hierzu auch die grafische Darstellung auf der Titelseite des Amtsblatts der Verbandsgemeinde Vorharz)
Stadtgliederung Stadt Wegeleben (Am 1. November 1928 Vereinigung Gutsbezirk Wegeleben mit der Stadt Wegeleben) Ortsteile: Adersleben (Eingemeindung am 20. Juli 1950). Am 17. Oktober 1928 war der Gutsbezirk Adersleben in eine Landgemeinde umgewandelt worden. Deesdorf (Eingemeindung am 1. Februar 1974) Rodersdorf (Eingemeindung am 1. Mai 2001)StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
Geschichte Die Gebiete um Wegeleben waren bereits um 2000 v. Chr. besiedelt, was durch die Freilegung eines Gräberfeldes der Glockenbecherkultur vom Hirtenberg bei Deesdorf nachgewiesen werden konnte. Im 19. Jahrhundert wurde das bronzezeitliche Hängegefäß von Wegeleben gefunden.
Die Ortsendung -leben lässt darauf schließen, dass die Besiedelung dann vorrangig durch den Volksstamm der Warnen ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. erfolgte. Um den Einfällen der Magyaren Einhalt zu gebieten, wurden in der Region um 930 mehrere Burgen errichtet, so auch in Wegeleben. Der Ort wurde 1020 mit einer Schutzmauer umgeben und verfügte über drei Tore. Die Kirche in Wegeleben wurde vermutlich im 11./12. Jahrhundert erbaut. Bis 1288 herrschten in Wegeleben die Askanier, die dann jedoch ihr Lehen in Form von Burg und Stadt an den Bischof von Halberstadt verpfändeten. Eine tatsächliche Urkunde der erstmaligen Vergabe der Stadtrechte gibt es für Wegeleben nicht, jedoch wird vermutet, dass sie im Zusammenhang mit dieser Verpfändung vergeben wurden. Das Dorf Kuhley, das nordwestlich vor Wegeleben gelegen war, wurde 1393 mit der Stadt vereinigt. Nach dem Westfälischen Frieden fiel die Stadt gemeinsam mit dem Bistum Halberstadt an das Kurfürstentum Brandenburg-Preußen, Kurfürst Friedrich Wilhelm bestätigte Wegeleben 1651 die Stadtrechte. Nach dem Preußisch-französischem Krieg und der Niederlage bei Jena und Auerstedt wurde Wegeleben von französischen Soldaten geplündert und fiel an das neu gegründete Königreich Westphalen. Wegeleben lag im Departement der Saale und war Sitz des Kantons Wegeleben. Im Zuge der Reformen wurde das Kloster in Adersleben 1809 aufgehoben. Nach dem Wiener Kongress fiel Wegeleben wieder an Preußen und war nun Teil der neu gegründeten Provinz Sachsen. 1846 wurde die erste Zuckerfabrik in Wegeleben auf der Domäne errichtet. Im Jahr 1862 erhielt die Stadt Anschluss an das Bahnnetz und wurde drei Jahre später zum wichtigen Knotenpunkt. Die Zuckerfabrik wurde 1873 an der Harslebener Straße erbaut. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1884 gegründet. Das neue kaiserliche Postamt wurde 1900 errichtet, der Eulenturm erhielt 1910 ein Dach. Nach dem 1. Weltkrieg war Wegeleben in der Weimarer Republik Teil der Provinz Sachsen im Freistaat Preußen. Die Stadt war Teil des Kreises Oschersleben. Während des Zweiten Weltkrieges kam es immer wieder zum Zuzug von evakuierten und ausgebombten Flüchtlingen, etwa aus Großstädten. Auch Kriegsgefangene befanden sich in der Stadt, daher waren 1945 über 6000 Einwohner in der Stadt gemeldet. Wegeleben wurde am Abend des 11. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit und kam zur sowjetischen Besatzungszone. 1953 wurden die LPGs in den Ortsteilen gegründet.
Die Zeit der 90er Jahre bedeutete viele Veränderungen für Wegeleben. Die Oberschule und das Freibad wurden geschlossen, der Bahnhof verlor an Bedeutung.
Von 1952 bis 2007 lag Wegeleben im Kreis Halberstadt (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 ist die Stadt Teil des Landkreises Harz.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3.382 2005 3.092 2010 2.815 2015 2.591 2020 2.474 Jahr Einwohner 2021 2.458 2022 2.456 2023 2.392 2024 2.378 2025 2.333
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Wegeleben besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 14 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 15. September 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 40,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 15. September 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Gemeinsam für Wegeleben – – 36,3 % 4 CDU 35,7 % 5 22,3 % 3 AfD – – 12,3 % 2 Freie Wähler – – 8,3 % 1 Wählergemeinschaft Rodersdorf 15,6 % 2 7,9 % 1 Die Linke 10,4 % 2 7,7 % 1 FDP 21,1 % 3 5,3 % 1 Einzelbewerber Stefan Börniche 8,3 % 1 – – Einzelbewerber René Kerl 4,3 % 1 – – Einzelbewerberin Laura Hoffmann-Koch 2,6 % – – – Einzelbewerber Christian Schüler 1,9 % – – – Insgesamt 100 % 14 100 % 13
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Wegeleben fünf Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Wählergemeinschaft nur vier Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1990–1996: Werner Willecke (CDU) 1996–2003: Thomas Kreutzer (CDU) 2003–2021: Hans-Jürgen Zimmer (CDU) seit 2021: René Kerl (CDU)
Zimmer wurde bei der Bürgermeisterwahl am 2017 mit 70,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Er trat aus persönlichen Gründen zum 31. August 2021 von seinem Amt zurück.
Kerl wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 17. Oktober 2021 mit 63,5 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 17. Oktober 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen Das Wappen wurde am 5. Februar 1998 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.
Blasonierung: „In Blau eine silberne Burg, mit gezinnter Mauer zwischen zwei Zinnentürmen; aus den Mauerzinnen wachsend der heilige Petrus in goldenem Gewand mit silbernem Haar und Bart sowie goldenem Nimbus, in der rechten Hand einen mit dem Bart nach oben rechts gekehrten goldenen Schlüssel haltend. Die Türme mit je zwei schwarzen Fensteröffnungen nebeneinander und je einem gezinnten Türmchen mit golden beknauftem roten Spitzdach und je einer schwarzen Fensteröffnung. In der offenen Toröffnung ein hochgezogenes goldenes Fallgatter, darunter schwebend ein silberner Schild mit schwarzem Balken.“Hauptsatzung der Gemeinde § 2 Absatz 1
Das Wappen von Wegeleben wurde bereits in einem Siegel aus dem Jahre 1354 verwendet. Es hat sich zwar in den darauffolgenden Jahren etwas verändert, aber sein ursprünglicher Inhalt blieb erhalten. Die Burg und das Wappen gehen auf die ca. im 11. Jh. erbaute Burg in Wegeleben und der Herrn von Wegeleben zurück. Der heilige Petrus ist der Schutzpatron der Kirche von Wegeleben.
Wappen der Ortsteile
Flagge Die Flagge der Stadt Wegeleben zeigt längs die Farben Blau und Weiß.Hauptsatzung der Gemeinde § 2 Absatz 2 (Silber)
Sehenswürdigkeiten mini|Kirche in Adersleben mini|hochkant|St. Valentin (14. Jh.), Deesdorf, Sachsen-Anhalt, Altar (1693)
Eulenturm – ein Stadttorturm aus dem 12.(?) Jahrhundert.
Kirchen
Die evangelische Kirche St. Peter und Paul in Wegeleben ist eine gotische Pfeilerbasilika mit geschnitztem Flügelaltar. Der Orgelprospekt von 1698 ist eine Arbeit von Arp Schnitger. Die evangelische Kirche St. Valentin aus dem 14. Jahrhundert in Deesdorf. Die evangelische Kirche St. Blasius aus dem 18. Jahrhundert mit romanischem Turm in Rodersdorf. Die ehemalige Klosterkirche St. Nikolaus in Adersleben, heute katholische Kirche der Halberstädter Pfarrei St. Burchard.
Gedenkstätten
Sowjetischer Ehrenfriedhof mit den Grabstätten von 29 Kriegsgefangenen sowie Männern und Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden Denkmal für die gefallenen Soldaten der deutschen Einigungskriege auf dem Marktplatz Denkmal für den Ersten und Zweiten Weltkrieg in der Quedlinburger Straße, südlich des Stadtparks
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Die Zuckerfabrik Wiersdorff, Meyer & Co wurde 1873 in Wegeleben errichtet. Das Gut Adersleben errichtete eine 600-mm-spurige Feldbahn dorthin, Reste von ihr liegen auf dem Gutshof in Richtung Bodebrücke noch heute. Die Produktionsanlagen der Fabrik wurden 1945 als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert. Viele Gebäude der Alten Zuckerfabrik stehen noch heute und werden für Wohn- und Gewerbezwecke genutztReinhard Richter: Feldbahnen im Dienste der Landwirtschaft. Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2005, ISBN 3-933254-65-5, S. 74–78.
Verkehr Der Bahnhof Wegeleben liegt an zwei Bahnstrecken, der Bahnstrecke Halle–Vienenburg sowie der Bahnstrecke Magdeburg–Thale. Die Linie RE 11 Magdeburg–Halberstadt–Thale hält hier im Stundentakt, hinzu kommen einzelne Fahrten Richtung Aschersleben.
Durch zwei Buslinien der Harzer Verkehrsbetriebe bestehen Verbindungen nach Halberstadt, Schwanebeck und Hedersleben.
Bildung In Wegeleben gibt es eine Grundschule, die nach Wilhelm Schmidt benannt ist.
Die Stadtbibliothek von Wegeleben befindet sich auf dem Kirchhof.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Eberhard von Wegeleben († nach 1257), Ritter des Deutschen OrdensDorna, Maciej: Die Brüder des Deutschen Ordens in Preußen 1228–1309. Böhlau Verlag. Wien, 2012. S. 162f. Johann Gottlieb Immermann (1707–1777), Rektor des Domgymnasiums Magdeburg Gottfried Christian Voigt (1740–1791), Gelehrter, wirkte in Quedlinburg Ferdinand Ludwig Stolte (1809–1874), Sänger, Schauspieler, Theaterdirektor und Schriftsteller Wilhelm Schmidt (1858–1924), Ingenieur und Erfinder Albrecht Ernst von Thaer (1900–1946), Verwaltungsjurist, 1933–1945 Landrat im Kreis Oberbarnim Herta Rennebaum (1902–1996), Konzertpianistin und Klavierpädagogin in Halberstadt, Kulturpreis der Stadt Halberstadt 1995 Franz Königshaus (1906–1993), als SS-Hauptsturmführer Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), mutmaßlicher Kriegsverbrecher John Bura (1944–2023), Weihbischof der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Erzeparchie Philadelphia (USA) Gerhard Begrich (* 1946), evangelischer Theologe und Hochschullehrer Jürgen Pommerenke (* 1953), ehemaliger DDR-Fußballnationalspieler
Personen mit Bezug zur Stadt Hella Brock (1919–2020), Musikwissenschaftlerin und Edvard-Grieg-Forscherin, lebte hier ab 1945
Literatur Berent Schwineköper (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 11: Provinz Sachsen Anhalt (= Kröners Taschenausgabe. Band 314). 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9, S. 486–487. Mechthild Klamm: Nordischer Stil. Das Hängebecken von Wegeleben In: Landesmuseum für Vorgeschichte (Hrsg.): Schönheit Macht und Tod. 2002, ISBN 3-910010-64-4, S. 44
Weblinks
Private Homepage zur Region Wegeleben
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Harz Kategorie:Ort an der Bode Kategorie:Stadt in Sachsen-Anhalt