Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e. V. (Eigenschreibweise: TERRE DES FEMMES (TDF); für ) ist ein 1981 in Hamburg gegründeter gemeinnütziger Verein mit angeschlossener 2004 gegründeter Stiftung, der sich für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben von Mädchen und Frauen weltweit einsetzt. Er unterstützt von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung. Die Schwerpunktthemen der Organisation sind häusliche und sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung sowie Frauenhandel und Prostitution. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, Publikationen, Veranstaltungen, Kampagnen und Lobbyarbeit sollen Öffentlichkeit und Politik für geschlechtsbedingte Gewalt und Diskriminierung sensibilisiert werden. Terre des Femmes erstrebt eine internationale Vernetzung mit anderen Frauenrechtsorganisationen, unterstützt Frauen durch frauenspezifische Programme und fördert Projekte, Organisationen und Initiativen von Frauen für Frauen im Ausland. Der Verein hat seit 2011 seinen Sitz in Berlin und finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse.

Feministisches Leitbild, Vision und Selbstverständnis Terre des Femmes setzt sich ein für ein Leben ohne geschlechtsbasierte Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung. Daraus ergibt sich das feministische Leitbild des Vereins: Gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei. Konkret bedeutet das:

Gleichberechtigt: vor dem Gesetz wie in der Arbeitswelt; bei den Bildungs- und Karrierechancen wie bei der Teilung der Familienarbeit; Selbstbestimmt: in der Sexualität und in allen Lebensentscheidungen wie Partnerschaft, Heirat, Mutterschaft, Berufswahl und Teilnahme am öffentlichen Leben; Frei: von Rollenzwängen und allen Formen von Gewalt.

Terre des Femmes kämpft gegen alle Menschenrechtsverletzungen, die Mädchen und Frauen weltweit aufgrund ihres Geschlechts ertragen müssen. Die Organisation sagt sich zudem klar vom Kulturrelativismus los; frauenfeindliches Brauchtum sei auch bei Minderheiten, die sich auf kulturell-religiöse Gründe beriefen, nicht zu tolerieren, da Menschenrechte ohne Einschränkung gälten.

Die Ziele und das Vorgehen der Organisation orientieren sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, dem Übereinkommen der UN zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979 (CEDAW), der Abschluss-Plattform der Weltfrauenkonferenz von Beijing von 1995 sowie der Europaratskonvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt von 2011 (Istanbul-Konvention), die Deutschland erst am 1. Juni 2017 ratifiziert hat.

Geschichte Ein Artikel in der Zeitschrift Brigitte über Gewalt an Frauen und Ehrenmorde im Nahen Osten veranlasste die Journalistin Ingrid Staehle und eine Gruppe von Frauen in Hamburg, aktiv zu werden. Der Artikel basierte auf einer Dokumentation mit dem Titel Princesses mortes, die von der Schweizer Menschenrechtsorganisation Sentinelles herausgegeben wurde. Bei einem Besuch der in Lausanne ansässigen Organisation wurde die Idee geboren, einen eigenen Verein zu gründen, der in Anlehnung an die Menschenrechtsorganisation Terre des hommes unter dem Namen Terre des Femmes () mit dem Untertitel Menschenrechte für die Frau im Juli 1981 in das Vereinsregister der Stadt Hamburg eingetragen wurde.Lora Wildenthal: Human Rights for Women across Cultural Lines: Terre des Femmes. In: dies.: The Language of Human Rights in West Germany. University of Pennsylvania Press, 2012, ISBN 978-0-8122-4448-9, S. 136 f. Weitere frühe Gründerinnen von Terre des Femmes waren die Historikerin Herta Haas (1907–2007)Marion Hulverscheidt: Health Rights or Human Rights? In: Alex Mold, David Reu (Hrsg.): Assembling Health Rights in Global Context. Routledge, 2013, ISBN 978-0-415-53011-8, S. 99. und die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Tobe Levin, die in Deutschland lebte und 1979 zusammen mit Ingrid Braun und Angelika Schwarzbauer das erste Buch in Deutschland über weibliche Genitalverstümmelung, eine Übersetzung des Reports von Fran Hosken, herausgebracht hatte.Lora Wildenthal: Human Rights for Women across Cultural Lines: Terre des Femmes. In: dies.: The Language of Human Rights in West Germany. University of Pennsylvania Press, 2012, ISBN 978-0-8122-4448-9, S. 137.Ingrid Braun, Tobe Levin, Angelika Schwarzbauer (Hrsg.): Materialien zur Unterstützung von Aktionsgruppen gegen Klitorisbeschneidung. Verlag Frauenoffensive, München 1979.

Terre des Femmes wurde die Gemeinnützigkeit zugesprochen. Die Dokumentation Princesses mortes wurde später von Terre des Femmes übersetzt und erschien 1987 als erste Publikation mit dem Titel Tod als Ehrensache.Lora Wildenthal, ebd., S. 241.

Organisatorisch bestand die Vereinigung bis 1990 aus einem Vorstand und aktiven Städtegruppen, die ehrenamtlich arbeiteten. 1990 wurde in Tübingen eine vom Arbeitsamt finanzierte Stelle eingerichtet, was der Beginn für den Aufbau einer Bundesgeschäftsstelle mit weiteren hauptamtlichen Kräften war.

Zu Beginn des Jahres 2000 gründete sich die Städtegruppe Berlin, wo sich seit 2022 der Hauptsitz des Vereins befindet.

Städtegruppen gibt es in Augsburg, Berlin, Bremen, Erfurt, Hamburg, Heidelberg-Mannheim, Herford, Köln, Konstanz, München, Norden, Regensburg, Stade, Stuttgart und Tübingen.

Der Verein konnte inzwischen sein 40-jähriges Bestehen feiern und auf viele Erfolge zurückblicken. Dazu zählen unter anderem, dass weibliche Genitalverstümmelung als eigener Straftatbestand in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde oder auch die Reform des Sexualstrafrechts. Vereinsvorstand Der Vereinsvorstand besteht aus

Theresa Fuchs Sanata Doumbia-Milkereit

Bundesgeschäftsführung

Gesa Birkmann | Politik und Themen Ute Oesterle | Finanzen und Administration Nastassja Wachsmuth | Kommunikation und Stiftung

Stiftungsgremien Die Themenschwerpunkte von Terre des Femmes sind aufgeteilt in sieben Referate: Weibliche Genitalverstümmelung, Häusliche und sexualisierte Gewalt, Gewalt im Namen der Ehre, Frauenhandel und Prostitution, Gleichberechtigung und Integration, Sexuelle und Reproduktive Rechte und Internationale Zusammenarbeit.

Das Entscheidungsgremium der Stiftung ist der Vorstand, der aus höchstens fünf Frauen besteht. Er setzt sich aus den jeweiligen Mitgliedern des Vorstandes von Terre des Femmes e. V. entsprechend ihrer dortigen Funktion zusammen. Die Geschäftsführerin Kommunikation und Stiftung führt auch die laufenden Geschäfte der Terre des Femmes Stiftung. Die Mitglieder des Vorstandes sind ehrenamtlich für die Stiftung tätig. Der Vorstand wird jeweils für zwei Jahre auf der Vereinsfrauenversammlung gewählt.

Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich seit 2011 in Berlin. Dort arbeiten derzeit 34 Mitarbeiterinnen. Außerdem sind circa 300 Ehrenamtliche für den Verein aktiv und rund 5200 regelmäßige Unterstützerinnen helfen bei der Finanzierung von Terre des Femmes. Die Arbeit des Vereins wird unterstützt durch ca. 29 Städte- und Hochschulgruppen und themenspezifische Arbeitsgruppen, die unter anderem auch an den Positionspapieren von Terre des Femmes mitarbeiten. Des Weiteren engagieren sich Jugendbotschafterinnen für den Verein. Sie tragen anderthalb Jahre diesen Titel und tragen durch lokale Aktionen die Inhalte und Anliegen von Terre des Femmes weiter – auch an jüngere Zielgruppen.

Schwerpunkte Die inhaltliche Arbeit von Terre des Femmes ist in sieben Referate aufgeteilt, die die Grundlage für die Erfolge der Organisation legen.

Weibliche Genitalverstümmelung Seit 1998 veröffentlicht Terre des Femmes jedes Jahr eine aktuelle Hochrechnung der von weiblicher Genitalverstümmelung Gefährdeten und Betroffenen in Deutschland, seit 2018 auch nach Bundesländern unterteilt. Die so genannte Dunkelzifferstatistik liefert für Deutschland die einzigen Zahlen zu beschnittenen Frauen und gefährdeten Mädchen. Der Verein leistet durch verschiedene, auch EU-weite Programme, Aufklärungsarbeit und kämpft gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen, unter der die Betroffenen ein Leben lang physisch und psychisch leiden.

Frauenhandel und Prostitution Terre des Femmes setzt sich für Frauen ein, deren Notlage auf kriminelle Weise ausgenutzt wird: Frauen, die in die Prostitution oder ausbeuterische Verhältnisse gezwungen werden. Dabei sind nicht nur Migrantinnen von Frauenhandel betroffen, rund ein Viertel der Betroffenen in Deutschland sind selbst Deutsche. Außerdem setzt sich die Organisation für eine Welt ohne Prostitution ein. Terre des Femmes fordert nach dem Nordischen Modell ein Sexkaufverbot, welches die Sexkäufer kriminalisiert, nicht jedoch die Prostituierten. Das Modell beinhaltet die Finanzierung von Ausstiegsprogrammen für Prostituierte.

Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre Das Referat „Gewalt im Namen der Ehre“ beschäftigt sich mit Formen von Gewalt, die zur Erhaltung oder Wiederherstellung der vermeintlichen Familienehre angewendet wird. Dies kann von psychischem Druck über emotionale Erpressung, sexualisierte und körperliche Gewalt bis hin zu Zwangsverheiratungen oder so genannten Ehrenmorden gehen. Durch die Arbeit des Referats soll die Öffentlichkeit, insbesondere Behörden und Schulen, auf die Problematik hingewiesen werden. Betroffene und Fachkräfte können auf Homepages der Organisation Information und Hilfe finden.

Gleichberechtigung und Integration Im Referat „Gleichberechtigung und Integration“ werden verschiedene Projekte und Maßnahmen erarbeitet, um gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und Sexualisierung vorzugehen. Mit diversen Petitionen und Projekten möchte Terre des Femmes die gesamtgesellschaftliche Integration von geflüchteten Mädchen und Frauen fördern sowie für die Rechte und den Schutz der Mädchen und Frauen einstehen, die aus patriarchalen Gesellschaftsstrukturen kommen. Das Referat setzt sich unter anderem für ein säkulares und demokratisches Schulsystem ein und dafür, dass öffentliche Bildungseinrichtungen frei von allen religiösen und weltanschaulichen Symbolen sind und bleiben. Terre des Femmes lehnt ein patriarchalisches Religionsverständnis ab und fordert ein integratives, wertevermittelndes Fach „Ethik“ an allen öffentlichen Schulen als Pflichtfach anstelle eines konfessionell gebundenen Religionsunterrichts.

Internationale Zusammenarbeit Terre des Femmes unterstützt weltweit Frauenorganisationen, sie sich für Frauenrechte einsetzen. Dabei stehen die gleichen Schwerpunktthemen wie bei der Inlandsarbeit im Mittelpunkt. Derzeit arbeitet die Organisation mit Partner-NGOs in sechs Ländern zusammen, die ihre Aktivitäten auf Graswurzelebene umsetzen und so die Frauen vor Ort stärken.

2025 wurde die interaktive digitale Ausstellung "Unversehrt" gelauncht, die sich mit Weiblicher Genitalverstümmelung in Sierra Leone und Deutschland befasst.

Häusliche und Sexualisierte Gewalt Häusliche und sexualisierte Gewalt sind bedrückende Realität für viele Mädchen und Frauen. Der gefährlichste Ort für Frauen ist das eigene Zuhause, und auch nach einer Trennung hört die Gewalt häufig nicht auf: Der gefährlichste Moment ist der Zeitpunkt der Trennung. TERRE DES FEMMES hat zum Thema Nachtrennungsgewalt, Umgangsrecht und institutionelle Gewalt eine Umfrage unter gewaltbetroffenen Müttern durchgeführt, Interview mit Betroffenen geführt und die Rolle von Familiengerichten und anderen Institutionen beleuchtet. Weltweit und auch in Deutschland: Jede vierte Frau ist mindestens einmal in ihrem Leben von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen.