Die Liste der Hof- und Reichstage des Heiligen Römischen Reiches beinhaltet Versammlungen der römisch-deutschen Könige und Kaiser mit führenden politischen Mächten des Reiches. Die Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen ist sehr unscharf, teilweise finden sich auch beide Bezeichnungen für eine einzige Versammlung. Die frühere Forschung hatte die Tendenz, auch Hoftage als Reichstag zu bezeichnen.

„Hoftag“ meint ein Treffen zwischen dem Herrscher und den durch das Lehnswesen persönlich mit ihm verbundenen Fürsten und Adeligen. Diese wurden vom König/Kaiser mit Land belehnt und waren ihm im Gegenzug nicht nur Gefolgschaft, sondern auch „Rat und Tat“ schuldig, was in den Hoftagen verwirklicht wurde. Im Begriff „Reichstag“ spiegelt sich hingegen eine Dezentralisierungstendenz wider, in deren Zuge die Fürsten ein autonomer Reichsstand mit eigener Machtbasis wurden, der als eigenständiger Machtfaktor auch eigene Interessen vertrat.

Zu einzelnen Reichstagsorten und Reichstagen siehe auch :Kategorie:Reichstag (Heiliges Römisches Reich)

Orte der Hof- und Reichstage In der Zeit vor Beginn des Immerwährenden Reichstags 1663 in Regensburg fanden die Reichs- und Hoftage an wechselnden Orten statt. Besonders oft waren Frankfurt als Traditionsort der Königswahl und die Reichsstadt Nürnberg Versammlungsort. Während des Mittelalters fanden Reichstage regelmäßig in der Krönungsstadt Aachen und in Worms statt, seit der Reformation fast ausschließlich in Augsburg und Regensburg.

Geografisch gibt es eine Häufung in zwei zentralen Regionen des Reiches, zum einen dem nördlichen Oberrheingraben mit der Reichsstadt Frankfurt sowie den Bischofsstädten Mainz, Speyer und Worms, zum anderen dem mittleren Süden des Reiches mit den großen Reichsstädten Nürnberg, Regensburg und Augsburg.

Hof- und Reichstage der Karolinger und Konradiner (751–918)

Die Quellenlage zu den einzelnen Reichsversammlungen ist in diesem Zeitraum dünn. So sind die Reichstage unter Karl dem Großen oft nur dadurch bekannt, dass mit einem Halbsatz in den Annalen des Fränkischen Reiches erwähnt wird, dass sie stattfanden, ohne dass über die Gegenstände der Beratungen etwas gesagt wird.

JahrOrtVorsitzEreignisse754QuierzyPippin der Jüngere764WormsPippin der JüngereReichstag zu Worms (764): Organisation der Kriege gegen Herzog Waifar von Aquitanien und Herzog Tassilo III. von Bayern770WormsKarl der GroßeReichstag zu Worms (770): Erste Reichsversammlung unter Karls Regierung771ValenciennesKarl der Große772WormsKarl der GroßeDer Reichstag fasste den Beschluss zum Beginn der Sachsenkriege.775QuierzyKarl der GroßeBeschluss zur Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen776WormsKarl der GroßeÜber den Reichstag zu Worms 776 ist nichts überliefert, außer dass er stattfand.777PaderbornKarl der GroßeReichsversammlung 777: Sachsen wird in Missionssprengel eingeteilt und wahrscheinlich ein Feldzug nach Spanien beschlossen.782LippspringeKarl der GroßeReichsversammlung an den Lippequellen: Für Sachsen wird die Grafschaftsverfassung eingeführt und möglicherweise die Capitulatio de partibus Saxoniae erlassen.784WormsKarl der GroßeDer Reichstag zu Worms 784 war die Vereinigung der Heere Karls des Großen und seines Sohnes Karl d. J.786WormsKarl der GroßeOb König Karl persönlich anwesend war, bleibt unklar. Das stellen die die überlieferten Versionen der Annales regni Francorum unterschiedlich dar.Reichstag zu Worms (786)787WormsKarl der GroßeDer Reichstag diente der Vorbereitung des Feldzugs gegen Herzog Tassilos III. von Baiern788Ingelheim am RheinKarl der GroßeAbsetzung Tassilo III.799PaderbornKarl der GroßeKarl der Große trifft mit Papst Leo III. die Vereinbarung über die Kaiserkrönung.806DiedenhofenKarl der GroßeErlass des Divisio Regnorum (Reichsteilungsgesetz) zur Nachfolgeregelung Karls des Großen für das Frankenreich817AachenLudwig der FrommeNachfolgeregelung mit Reichsteilungsplan819Ingelheim am RheinLudwig der Fromme826Ingelheim am RheinLudwig der FrommeVorladung des Sorbenhäuptlings und Empfang fremder Gesandter828Ingelheim am RheinLudwig der Fromme829WormsLudwig der FrommeAuf dem Reichstag zu Worms (829) ging es um die Versorgung Karls des Kahlen. Ein friedlicher Ausgleich misslang letztendlich und es kam zu lang andauernden Kämpfen innerhalb der karolingischen Herrscherfamilie.830CompiègneLothar I.Schuldbekenntnis und (vorübergehende) Entmachtung Ludwigs des Frommen830NimwegenLudwig der FrommeReichsversammlung von Nimwegen: Regelung des Konfliktes zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen Lothar I., Ludwig dem Deutschen und Pippin I. von Aquitanien831AachenLudwig der FrommeStrafgericht über die Empörer des vorigen Jahres833CompiègneLothar I.Verfahren gegen Ludwig den Frommen nach dessen zweiter Absetzung835DiedenhofenLudwig der FrommeAbsetzung Ebos von Reims836WormsLudwig der FrommeDer Reichstag zu Worms (836) wurde mit dem Ziel einberufen, den innerfamiliären Erbfolgestreit in der Herrscherfamilie zu schlichten. Da Lothar (I.) nicht erschien, lief er ins Leere.838SpeyerLudwig der Fromme838NimwegenLudwig der Fromme839WormsLudwig der FrommeDieser Reichstag diente dazu, die Nachfolge Ludwigs des Frommen unter seinen Söhnen Ludwig und Karl zu regeln, um die innerdynastischen Kämpfe der Karolinger zu beenden.845RegensburgLudwig der Deutsche857WormsLudwig der DeutscheEin Reichstag in Worms ist für 857 aus zeitgenössischer Quelle belegt, ohne dass Inhaltliches bekannt ist.862WormsLudwig der DeutscheEin Reichstag in Worms 862 wird in einer Quelle genannt, ohne dass Inhaltliches bekannt ist.868WormsLudwig der DeutscheReichstag und SynodeDazu Wilfried Hartmann: Das Konzil von Worms 868. Überlieferung und Bedeutung (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Nummer 105). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1977, ISBN 3-525-82384-3.872ForchheimLudwig der Deutsche874ForchheimLudwig der DeutscheErbfrage und Nachfolgeregelung880Bei WormsLudwig der DeutscheDiese Reichsversammlung fand nicht in, sondern bei Worms statt.Fuldaer Annalen für das Jahr 880, Digitalisat.881Karl III.Mai 882WormsKarl III.Anlass war ein Feldzug gegen die Normannen.Fuldaer Annalen für das Jahr 882, Digitalisat.November 882WormsKarl III.NachweisFuldaer Annalen für das Jahr 882, Digitalisat.884WormsKarl III.Anlass war erneut die Bedrohung durch die Normannen.Fuldaer Annalen für das Jahr 884, Digitalisat.885WormsKarl III.Die Versammlung sollte im Herbst 885 stattfinden. Geplant war ein Treffen zwischen Papst Hadrian III. und dem Kaiser. Ziel des Kaisers war, seinen außerehelichen Sohn, Bernhard, als Nachfolger zu installieren. Der Papst wurde allerdings auf der Anreise, noch in Italien, ermordet. Ob die Reichsversammlung daraufhin überhaupt noch stattfand, ist unklar.Fuldaer Annalen für das Jahr 885, Digitalisat.887Pfalz TreburKarl III.10. November: Karl III. flieht vom Reichstag nach Frankfurt, als er erfährt, dass Arnolf von Kärnten auf dem Weg nach Trebur ist.889ForchheimArnolf von Kärnten892ForchheimArnolf von KärntenVorbereitung eines Feldzuges gegen die Slawen894RegensburgArnolf von KärntenJuni 894WormsArnolf von KärntenKönig Arnolf versucht auf einem Reichstag, seinen Sohn Zwentibold als König in Lotharingien einzusetzen, scheitert aber am Widerstand des Adels.895Pfalz TreburArnolf von KärntenMai 895WormsArnolf von KärntenOdo wird auf diesem Reichstag als westfränkischer König bestätigt, Zwentibold zum König von Lotharingien erhoben.896ForchheimArnolf von Kärnten897WormsArnolf von KärntenAuf diesem Reichstag werden Streitigkeiten in Lotharingien zwischen König Zwentibold und Teilen des Adels beigelegt.900ForchheimLudwig das Kind wird zum König gewählt.903ForchheimLudwig das KindVerteilung der Besitztümer des hingerichteten Babenbergers Adalhard906TriburLudwig das Kind907ForchheimLudwig das KindBeratung über die Ungarneinfälle in Sachsen und Bayern907Fürth (?)Der Ausstellort ist am ehesten, wenn auch keineswegs mit unbedingter Sicherheit, auf Fürth an der Rednitz (bei Nürnberg) zu deuten: Erich Freiherr von Guttenberg: Das mittelalterliche Fürth im Spiegel der Reichs- und Territorialgeschichte. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Band 6, 1933, S. 369–388, hier S. 370, Anm. 2 (Digitalisat).Ludwig das Kind18. März: Ausstellung einer Schenkungsurkunde für die Mutter des Königs, Oda 19. März: Bestätigung eines Gütertausches zwischen dem Kloster Fulda und dem Kloster EchternachHessisches Staatsarchiv Marburg: Urkunde vom 19. März 907.911ForchheimWahl Konrads I. zum König914ForchheimKonrad I.Beschluss über Krieg gegen den Bayernherzog Arnulf

Hof- und Reichstage der Ottonen (919–1024) JahrOrtVorsitzEreignisse919FritzlarWahl Heinrichs I. zum König926WormsHeinrich I.Auf diesem Reichstag wird die Abwehr der Ungarn mit der später sogenannten „Burgenordnung“ neu organisiert.938SteeleOtto I. der Große952auf dem Lechfeld bei AugsburgOtto I. der GroßeReichstag zu Augsburg: Nach dem ersten Italienzug König Ottos I. wird Berengar II. von Italien zu dessen Vasallen gemacht. Außerdem verurteilt der Reichstag Guntram den Reichen wegen Hochverrates.953AachenOtto I. der Große954ArnstadtOtto I. der GroßeDie aufständischen Herzöge Liudolf von Schwaben und Konrad der Rote von Lothringen unterwerfen sich Otto. Der sog. Liudolfinische Aufstand ist damit beendet.956KölnOtto I. der GroßeWährend des Hoftages starb Erzbischof Ruotbert von Trier an der Pest961WormsOtto I. der GroßeAuf diesem Reichstag wird Otto II. als Nachfolger eingesetzt und der Romzug Ottos I. zur Kaiserkrönung organisiert.August 966WormsOtto I.Auf diesem Reichstag wird der dritte Italienzug Kaiser Otto I. vorbereitet.Juni 967WormsOtto II.Auf diesem Reichstag wird der Italienzug zur Kaiserkrönung Otto II. vorbereitet.967RavennaOtto II.Reichstag auf dem Krönungszug nach Italien.973QuedlinburgOtto I.Letzter Reichstag Ottos des GroßenJuni 973WormsOtto II.Auf diesem Reichstag huldigen der Adel und die Bischöfe Süddeutschlands Otto II., der wenige Wochen zuvor seine selbständige Regierung angetreten hatte.975WeimarOtto II.976Regensburg978DortmundOtto II.Beschluss des Feldzugs gegen Frankreich im Herbst 978980AachenOtto II.983VeronaWahl Ottos III. zum König29. Juni 984RaraKaiserin TheophanuHerzog Heinrich II. von Bayern wird zur Herausgabe Ottos III. gezwungen.Manfred Höfer: Die Kaiser und Könige der Deutschen. 6. Auflage, Bechtle Verlag, München, Esslingen 2003 (Sonderausgabe), ISBN 3-7628-0524-5. Theophanu übernimmt die Regierungsgeschäfte für den minderjährigen König.985Frankfurt am MainKaiserin Theophanu/Otto III.Heinrich von Bayern erhält sein Herzogtum zurück.991QuedlinburgKaiserin Theophanu/Otto III.993DortmundAdelheid/Otto III.995SohlingenOtto III.Ende der vierjährigen Regentschaft Adelheids; Otto III. übernimmt mit 15 Jahren selber die Reichsgeschäfte.996NimwegenOtto III.1000QuedlinburgOtto III.Reichstag Ottos III. nach Ostern1007Frankfurt am MainHeinrich II.1016Frankfurt am MainHeinrich II.1017AachenHeinrich II.1019StraßburgHeinrich II.1022AachenHeinrich II.

Hof- und Reichstage der Salier und Supplinburger (1024–1137)