Der Deiseler Tunnel, auch Trendelburg-Tunnel oder Carlsbahntunnel genannt, nahe Deisel im nordhessischen Landkreis Kassel ist ein 202 m langer, einstiger Eisenbahntunnel der Carlsbahn. 1846 bis 1847 erbaut ist er der älteste Eisenbahntunnel Hessens. Der Tunnel und sein Wärterhaus sind Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Seit 2014 führen Rad- und Wanderwege durch den Tunnel.

Geographische Lage mini|Südportal des Deiseler Tunnels Der Deiseler Tunnel liegt rund 1,1 km (Luftlinie) östlich von Deisel, einem nordnordwestlichen Ortsteil von Trendelburg. Er unterführt den teils bewaldeten Kesselberg, der als westnordwestlicher Hangsporn des zum Reinhardswald gehörenden Brautsteins () westlich etwa u-förmig von einer Flussschleife der Diemel umflossen wird; der Fluss verläuft in Tunnelnähe auf minimal etwa Höhe.

Tunneldaten mini|Nordportal vor der Sanierung Die Länge des 202 m langen Deiseler Tunnels wird teilweise mit 264 m angegeben. Der damals eingleisige Tunnel ist leicht bogenförmig, 6,05 m hoch und 4,60 m breit. Seine Überdeckung beträgt im Rahmen des Kesselbergs rund 20 m. Mit minimaler Neigung befindet sich der Tunnel bei Streckenkilometer 7,6 der Carlsbahn auf rund Höhe.

Geschichte mini|Tunnelwärterhaus vor dem Nordportal Früher Der Deiseler Tunnel ist nach dem Trendelburger Ortsteil Deisel benannt, der dem Tunnel am anderen Flussufer gegenüberliegt. Er wurde von 1846 bis 1847 erbaut: Der Stampfbeton-Baubeginn fand am 23. April 1846 statt, ab August 1846 wurde das Gewölbe ausgemauert, und am 1. Juni 1847 war der Tunnel fertiggestellt; dagegen ist auf der Gedenktafel des Erbauers als Bauzeitraum Februar 1846 bis Juni 1847 zu lesen. Erbauer war die Baufirma Conrad Siebrecht aus Kassel. Die Schwierigkeit beim Bau des Tunnels bestand im Ausbruch des harten Gesteins. Andererseits war dadurch eine Unterfangung und Aussteifung des Gebirges vor der Ausmauerung nicht nötig, die mit Ziegeln erfolgte. Die Widerlager bestehen aus Sandstein. Der Tunnel krümmt sich leicht in westliche Richtung. Das Nordportal ist aus Backstein gemauert und beidseitig mit je einem Pilaster, einem Fries und einer krönenden Brüstung dekoriert. Das Südportal ist mit Sandstein verblendet.

Weiter erhalten ist das zugehörige, nördlich des Tunnels gelegene Tunnelwärterhaus, ein Typenbau von 1849. Zusammen mit der Carlsbahn wurde die Anlage 1848 in Betrieb genommen und 1986 als Eisenbahntunnel stillgelegt.

Gegenwart 2005 begannen Planungen, künftig in der warmen Jahreszeit durch den Deiseler Tunnel Rad- und Wanderwege zu führen. Damals verliefen die Radwege Hessischer Radfernweg R4 und Diemelradweg sowie der Wanderwege Märchenlandweg und Eco Pfad Diemel noch auf rund 1,8 km Länge am Westfuß des Brautsteins westlich um den Kesselberg herum und somit am Tunnel vorbei. Von der gemeinsamen Rad- und Wanderwegtrasse verliefen jeweils zum Süd- und Nordportal des Tunnels Stichwege, so dass Radfahrer und Fußgänger den Tunnel nur erreichen, aber nicht durchfahren/-gehen konnten; der Stichweg zum Südportal wurde am 4. September 2013 eröffnet, jener zum Nordportal mit dortiger Informationstafel des Eco Pfad Diemel bereits im Jahr 2010. Während der Nordteil des Tunnels vorerst nur auf rund 20 m Länge betreten werden konnte, war der gesamte Rest abgesperrt.

Von 2010 bis 2012 wurde der Tunnel teilweise denkmalpflegerisch und im Jahr 2011 die Portale saniert. Es war ursprünglich geplant, ihn nach Abschluss weiterer Sanierungs- und Umbauarbeiten als Radwander- und Wanderwegtunnel etwa Ende August 2014 freizugeben, was dann aber erst am 12. September 2014 geschah. Wegen des Westteils des Naturschutzgebiets Holzapetal vor dem Südportal muss der einstige Bahndamm dort auf einigen Hundert Metern Länge weiterhin umfahren/-gangen werden.

Alljährlich wird der Tunnel vom 1. November bis 31. März geschlossen, weil er dann als Winterschlafmöglichkeit für Fledermäuse dient.

Literatur Reichsbahndirektion Kassel (Hrsg.): Die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. Zur 100jährigen Wiederkehr der Betriebseröffnung der ersten kurhessischen Eisenbahn am 30. März 1948. Kassel 1948. Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen, Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2.1. Stuttgart, 2005. ISBN 3-8062-1917-6, S. 88. Tobias Michael Wolf: Rettung für die Drachenhöhle – Restaurierung von Hessens ältestem Eisenbahntunnel. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte 1/2014, S. 36f. mini|Informationstafel am südlichen Tunneleingang

Weblinks

Hümme – Karlshafen … (Carlsbahn), Infos (z. B. mit Fotos u. a. zum Deiseler Tunnel in: Dokumentation…; 2005), auf vergessene-bahnen.de

Einzelnachweise Schomann (→ Literatur); Reichsbahndirektion Kassel

Die Carlsbahn von Bad Karlshafen bis Hümme, auf eco-pfade.de

Reichsbahndirektion Kassel (→ Literatur)

Heinz Schomann (→ Literatur)

Tobias Michael Wolf (→ Literatur)

Artikel , auf nh24.de, vom 19. September 2008

Artikel Neuer Pfad bringt Radfahrer und Fußgänger zum Carlsbahntunnel, auf hna.de, vom 5. September 2013

Artikel Bahntunnel bei Trendelburg wird für Radfahrer geöffnet, auf hna.de, vom 24. Mai 2014

Artikel Ältester Eisenbahntunnel Hessens frei für Radler, auf hna.de, vom 13. September 2014

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