Das letzte von dem italienischen Maler Correggio geschaffene Altarbild Die Madonna des heiligen Georg gehört zum Bestand der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.

Bildbeschreibung

Perspektive mini|Parmigianino: Selbstbildnis im Konvexspiegel (1523) Das Bild kann exemplarisch für den Übergang der Malerei von der Hochrenaissance zum Manierismus gelten, dessen Raffinesse sich hier vor allem in der Perspektive zeigt. Correggio stellt hier eine Sacra Conversazione vor, die, wie mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen, die traditionellen Perspektiven überwindet und damit zu einer Überhöhung der auf dem Thron sitzenden Madonna mit dem Kind kommt. Diese Form der Darstellung wie in einem konvexen Spiegel war ein beliebtes Motiv dieser Malereiepoche, deren Ideal die Überwindung des Naturvorbildes zugunsten eines gesteigerten Ausdruckes war.Ingo F. Walther: Malerei der Welt. Taschen, Köln 2002, S. 157.

Maria mit dem Kind In der Mitte des Bildes sitzt die Madonna, mit ihrem Kind auf dem Schoß, auf einem Thron. Der Knabe streckt die Ärmchen nach links zum Stadtmodell von Modena aus, da es das wahrscheinlich gerne zum Spielen haben möchte.

Die Füße der Madonna befinden sich auf einem Podest, das genau in der optischen Achse des Bildes angeordnet ist. Gekleidet ist sie, wie auch in vielen anderen Madonnenbildern, mit einem blauen Kapuzenmantel über rotem Hemd und mit goldenem Stoffschleier.

Die Heiligen Folgende Figuren umsäumen den Thron der Maria (v. l. n. r.)

Johannes der Täufer mini|Johannes d. Täufer, Correggio zugeschrieben, aus der Kirche S. della Misericordia in Correggio Im Gegensatz zu den überlieferten Darstellungen ist Johannes der Täufer hier in einer lieblichen Jugendlichkeit dargestellt, die, wäre er nicht über seine Attribute (Kreuzstab, Zeigegestus der Hand, Kamelhaarmantel, ungepflegte Barfüßigkeit) zu erkennen, auch als weibliche Figur gedeutet werden könnte. Diese Grenzüberschreitung als Merkmal des Manierismus baut auf die Darstellungen des Täufers als jugendlicher Asket auf, die seit der Frührenaissance vor allem in Italien nicht unüblich waren.

Geminianus von Modena Der Hl. Geminianus hält das Stadtmodell von Modena, von einem Putto unterstützt, in seinen Händen. Gewandet ist er in seine Kasel, die Krümme seines Krummstabes könnte hinter dem Kopf des Täufers zu sehen sein.

Petrus Martyr mini|Die Waffe im Kopf des Märtyrers und der Dolch in der Brust (Ausschnitt aus einem Kupferstich, 1750) Petrus Martyr, der Namensgeber der auftraggebenden Bruderschaft, steht rechts neben dem Thron und blickt mit stark zur Seite geneigten Kopf zur Maria empor, während seine Linke aus dem Bild hinausweist. Gekleidet ist er mit schwarzer Kukulle über weißer Tunika. Seine unnatürliche Kopfhaltung kann mit seinem häufigsten Attribut, einem Messer oder Schwert in klaffender Kopfwunde, erklärt werden, wobei nur die Spitze dieser Waffe über seiner Stirn zu erkennen ist. Mit Hilfe dieses Kunstgriffes war es für Correggio möglich, eine direkte Darstellung dieses sichtlich brutalen Attributes zugunsten der heiteren und lichten Szenerie vermeiden. Ein weiteres Attribut, der in der Brust steckende Dolch, ist ebenfalls nur schwer zu erkennen.

Georg Der heilige Georg, in der Rüstung eines römischen Offiziers, blickt mit Siegerpose ins Publikum, sein linkes Bein hat er auf den abgeschlagenen Kopf des Drachen gestützt. Sein Beinzeug besteht aus Leder, seine Schuhe tragen Sporen.

Die Putti Die im Vordergrund spielenden Putti sind der Literatur nach einem antiken Motiv angelehnt, dass der Maler Aëtion anlässlich der Vermählung Alexanders des Großen mit Roxane geschaffen hatte.Karl Woermann (Text): Königliche Gemälde-Galerie zu Dresden. Verlag Adolphe Braun & Cie, Dornach i./E. und Paris 1884, S. 176. Lukian hatte das Bild und die dargestellten Amoren zweihundert Jahre später wie folgt beschrieben:

Der Maler Sodoma, ein Zeitgenosse Correggios, hat diese Szene in einem Fresko in der Villa Farnesina in Rom darzustellen versucht. 400px|zentriert

Provenienz mini|Vorskizze zum Gemälde, farbig Das Gemälde wurde im Auftrag der Bruderschaft San Pietro Martire in Modena 1530/1532 geschaffen. Obwohl die Bruderschaft sehr besorgt um das Bild war, konnte sie sich doch dem Drängen des Herzogs Francesco I. d’Este nicht widersetzen, der das Bild im Jahre 1649 für seine Gemäldegalerie forderte. Als Entschädigung bot er eine Kopie von Guercino komplett mit Rahmen nebst einem fürstlichen Geschenk. Aus der herzoglichen Galerie in Modena gelangte es zusammen mit weiteren 100 Gemälden 1746 nach Dresden.Julius Meyer: Correggio. Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1871, S. 315.

Literatur Wilhelm Schäfer: Catalog der Königlichen Gemälde-Gallerie zu Dresden. Kaufmann’s Buchhandlung, Dresden 1876, S. 20 Harald Marx (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Band I: Die ausgestellten Werke. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2005, S. 90/91.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde (16. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde der Gemäldegalerie Alte Meister Kategorie:Marienbildnis Kategorie:Antonio da Correggio