Der Kreis Borken war ein Kreis im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Am 1. Januar 1975 wurde er im Zuge der Gebietsreform durch das Münster/Hamm-Gesetz aufgelöst und gemeinsam mit dem Kreis Ahaus, der kreisfreien Stadt Bocholt, der Stadt Isselburg sowie den Gemeinden Erle und Gescher zum neuen Kreis Borken vereinigt.

Geographie Nachbarkreise Der Kreis grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Ahaus, Coesfeld, Recklinghausen und Rees (alle in Nordrhein-Westfalen). Im Westen des Kreises lag zudem die kreisfreie Stadt Bocholt. Im Nordwesten grenzte er an die niederländische Provinz Gelderland.

Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant=2|Der Kreis Borken im Jahr 1847 Vorläufer des Kreises Borken waren die historischen Verwaltungs- und Gerichtsbezirke (Ämter) Ahaus, Bocholt und Horstmar im Hochstift Münster sowie die Herrschaften Anholt, Gemen und Werth. Nach der Säkularisation des Hochstifts Münster im Reichsdeputationshauptschluss fiel das Gebiet 1803 an das neu gebildete Fürstentum Salm, bevor es zur Durchsetzung der Kontinentalsperre 1811 in das französische Kaiserreich eingegliedert wurde. Dem Département Lippe zugewiesen, wurde es Teil des Arrondissements Rees im Westen und des Arrondissements Münster im Osten. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1813 und dem Wiener Kongress 1815 wurde das Gebiet Teil der preußischen Provinz Westfalen. 1816 erfolgte die Verwaltungsgliederung in den neu gegründeten Landkreis Borken im Regierungsbezirk Münster.

Der Kreis Borken von 1816 bis 1974 Nach seiner Gründung am 10. August 1816 war der Kreis bis 1843 in die acht Bürgermeistereien Anholt, Bocholt, Borken, Dingden, Heiden, Liedern, Ramsdorf und Rhede eingeteilt. Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Der Kreis war danach zunächst neben drei amtsfreien Städten in die folgenden Ämter und Gemeinden gegliedert:

Amt Gemeindenamtsfrei Anholt, Bocholt und Borken Dingden Dingden Gemen Stadt Gemen und Kirchspiel Gemen Heiden Heiden Liedern Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern und Suderwick Marbeck Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Westenborken und Borkenwirthe Raesfeld Raesfeld Ramsdorf Stadt Ramsdorf und Kirchspiel Ramsdorf Reken Groß Reken, Hülsten und Klein Reken Rhede Altrhede, Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt Velen Nordvelen, Velen und Waldvelen Werth Werth Weseke Weseke

Die Stadt Bocholt schied 1923 aus dem Kreis Borken aus und wurde kreisfreie Stadt. Die Einzelgemeindeämter Dingden, Heiden, Raesfeld, Werth und Weseke wurden 1934 aufgehoben. Am 1. April 1937 wurde aus dem Amt Gemen und der Gemeinde Weseke das Amt Gemen-Weseke, aus dem Amt Liedern und der Stadt Werth das Amt Liedern-Werth sowie aus den Ämtern Velen und Ramsdorf das Amt Velen-Ramsdorf gebildet.

Am 1. April 1938 wurde aus dem Amt Reken und der Gemeinde Heiden das Amt Heiden-Reken sowie aus dem Amt Marbeck und der Gemeinde Raesfeld das Amt Marbeck-Raesfeld gebildet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das heutige Kreisgebiet Teil der Britischen Besatzungszone sowie 1946 Teil des neugebildeten Landes Nordrhein-Westfalen. Am 1. Oktober 1955 wurde Altrhede nach Rhede eingemeindet. Die Gemeinden Stadt Ramsdorf (Stadt nach der Landgemeindeordnung 1856 in der Provinz Westfalen) und Kirchspiel Ramsdorf wurden am 1. April 1959 zur neuen Gemeinde Ramsdorf zusammengeschlossen. Mitte der 1960er Jahre besaß der Kreis Borken die folgende Einteilung: Amt Gemeindenamtsfrei Anholt, Dingden und Borken Gemen-Weseke Stadt Gemen, Kirchspiel Gemen und Weseke Heiden-Reken Groß Reken, Heiden, Hülsten und Klein Reken Liedern-Werth Barlo, Biemenhorst, Hemden, Herzebocholt, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern, Suderwick und Werth Marbeck-Raesfeld Borkenwirthe, Grütlohn, Homer, Hoxfeld, Marbeck, Raesfeld, Rhedebrügge und Westenborken Rhede Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt Velen-Ramsdorf Nordvelen, Ramsdorf, Velen-Dorf und Waldvelen Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Borken.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Neugliederung und Auflösung des Kreises Borken Büngern, Krechting, Krommert, Rhede und Vardingholt wurden am 1. August 1968 zu einer neuen, größeren Gemeinde Rhede zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurde das Amt Rhede aufgelöst.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden des Amtes Rhede Durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Borken wurden am 1. Juli 1969 weitere Gemeinden des Kreises neu gegliedert: Borken, Borkenwirthe, Stadt Gemen, Kirchspiel Gemen, Grütlohn, Hoxfeld, Marbeck, Rhedebrügge, Weseke und Westenborken wurden zu einer neuen, größeren Stadt Borken zusammengeschlossen. Groß Reken, Klein Reken und Hülsten wurden zur neuen Gemeinde Reken zusammengeschlossen. Homer und Raesfeld wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Raesfeld zusammengeschlossen. Die Ämter Gemen-Weseke und Marbeck-Raesfeld wurden aufgelöst. Gleichzeitig wurden Velen-Dorf, Waldvelen und Nordvelen zur neuen Gemeinde Velen zusammengeschlossen.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Velen-Dorf, Waldvelen und Nordvelen

Der Kreis Borken umfasste seitdem noch 21 Städte und Gemeinden. Am 1. Januar 1975 wurden im Rahmen des Münster/Hamm-Gesetzes weitere Gemeinden fusioniert und der Kreis Borken aufgelöst: Barlo, Biemenhorst, Hemden, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork, Stenern und Suderwick wurden in die Stadt Bocholt eingegliedert. Anholt, Werth und Herzebocholt wurden Teil der Stadt Isselburg. Ramsdorf und Velen wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Velen zusammengeschlossen. Dingden wurde Teil von Hamminkeln im Kreis Wesel. Der Kreis Borken und seine Ämter Heiden-Reken, Liedern-Werth und Velen-Ramsdorf wurden aufgelöst. Bocholt, Borken, Heiden, Isselburg, Raesfeld, Reken, Rhede und Velen wurden in den neuen Kreis Borken eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 36.170 1832 38.817 1858 41.295 Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 8 1871 40.342 1880 43.337 1890 48.578 1900 59.234 1910 69.577 1925 50.422 1939 59.233 1950 75.374 1960 82.400 1970 95.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 101.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD UWG FDP DZP BHE 1946 66,3 17,7 14,1 1948 51,1 22,5 26,4 1952 53,3 12,4 5,6 24,2 3,5 1956 54,6 15,5 5,1 22,6 2,2 1961 64,6 15,0 10,4 10,03 1964 63,7 18,4 7,9 6,7 1969 61,8 21,9 13,9

Wappen, Flagge, Banner und Siegel

Banner: Das Banner ist Gelb-Rot gespalten mit dem Kreiswappen im Bannerhaupt.

Siegel: Das Dienstsiegel trägt das Wappen des Kreises mit der Umschrift – oben ‚KREIS‘ – unten – ‚BORKEN‘.

Landräte 1816–1847: Karl von Basse 1848–1870: Ferdinand von Hamelberg 1871–1904: Wilhelm Bucholtz 1904–1931: Stephan von Spee 1931–1945: Peter Cremerius 1945: Hans Daniel 1946: Johannes Strunden 1946–1952: Hans Renzel 1952–1954: Josef Bohnenkamp 1954–1969: Wilhelm Böggering 1969–1974: Alfons Schmeink

Oberkreisdirektoren 1946–1947: Johannes Strunden 1947–1972: Alfons Lengert 1972–1974: Raimund Pingel

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BOR zugewiesen.

Weblinks Aloys Börner: Der Kreis Borken. Die Post, Berlin 1894 ().

Einzelnachweise

Borken Borken Kategorie:Geschichte des Münsterlandes Borken Kategorie:Aufgelöst 1974 Kategorie:Geschichte (Kreis Borken)